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Deutsches Reich.

Fulda, 27. Dezember.

» (Zum Papstbesuch des Kronprinzen) läßt sich die ,Nordd. Allg. Ztg.' neuerdings an hervorragender Stelle, wie folgt, aus:

„Nach den uns vorliegenden Nachrichten über den Auf­enthalt Sr. Kaiserl. und Königl. Hoheit des Kronprinzen in Rom hat man im Quirinal sowohl als im Vatikan vollständige Erkenntniß für die Lage gehabt, und in Folge dessen ist der befriedigende Eindruck des kronprinzlichen Besuches nach keiner Richtung hin beeinträchtigt worden. Für Jeden, der die Sache ruhig im Sinne unseres Ar­tikels vom 14. ds. betrachtete, war dies von Hause aus nicht zweifelhaft. Die zweimalige Reise Sr. Kaiserl. und Königl. Hoheit durch Italien bedingte bei den freundschaft­lichen und politischen Beziehungen die Begrüßung des Königs von Italien und die hierzu erforderliche Anwesen­heit in Rom aus gleichen Gründen den Besuch im Vati­kan. Die irrthümlichen und aufregenden Betrachtungen, die sich daran in der einheimischen Presse geknüpft haben, sind in erster Linie dem Madrider Telegramm eines Zei- tunaskorrespondenten zuzuschreiben, welcher Beziehungen zum Gefolge des Kronprinzen angeknüpft hatte. Wie wir aus Madrid erfahren, ist dieses Telegramm dort am 7. d. Mts. aufgegeben worden und trägt als Unterschrift den Namen Pufahl. Durch dasselbe war bei einem Theile der liberalen Presse, sei es absichtlich, sei es unabsichtlich, die Meinung hervorgerufen, als wenn Seine Kaiserliche Hoheit der Kronprinz auf den Wunsch des Kai­sers dem Papste, und nur Diesem, einen Besuch machen werde und deshalb über Genua zurückainge. Man mußte daraus schließen, daß die preußische Regierung der Kurie neue Mittheilungen von solcher Wichtigkeit und so erfreu­lichen Inhalts zu machen habe, daß es angemeffen erschien, den Thronfolger zum Träger derselben zu wählen. Eine solche Annahme bot allerdings bequeme Anknüpfung zu dem sporadisch erhobenen Canossageschrei solcher Blätter, welche überhaupt nur nach Vorwänden suchen, um die Regierung und hier — Se. Majestät den Kaiser direkt der öffentlichen Meinung gegenüber in eine falsche Stel­lung zu bringen. Ob dies die Absicht des Telegramms gewesen ist, darüber wird allerdings nur von dem Unter­zeichner desselben und seinen Gewährsmännern Auskunft zu erhalten sein."

Wir brauchen dem Artikel keinen längeren Kom­mentar beizugeben. Wenn die ,Nordd.' noch zehn solcher Artikel vom Stapel ließe, würde es ihr doch nicht gelingen, die Welt über die hohe Be­deutung des Besuches im Vatikan zu täuschen. Daß das bekannte erste Madrider Telegramm nun als eine politische Jntrigue dargestellt, und der glücklich ausgespürte Absender desselben mit Verdächtigungen überschüttet wird, ist bei der ,N. A. Z.' nichts Wunderbares.

* (ZurBischofsfrage) schreibt ein römischer Korrespondent der .Germania' gegenüber einer un­richtigen Meldung der.Kreuzzeitung': „Versichern kann ich Ihnen, daß in den zugleich mit dem Kron­prinzen hier eingetroffenen neuen Instruktionen für Herrn v.- Schlözer behufs Wiederaufnahme der Verhandlungen von der Demission weder des Kardinals Ledochowski noch des Erzbischofs Mel­chers die Rede ist. Die preußische Regierung scheint eben die Erzdiözesen Köln und Gnesen-Posen or- läuftg in statu quo lassen zu wollen. Der Ge­sandte wird voraussichtlich den königlichen Gnaden­akt gegenüber dem greisen Bischof von Limburg als einen sprechenden Beweis von der Friedensliebe sei­ner Regierung hervorheben und für den Herrn Bi­schof Brinkmann von Münster ebenfalls die Rück­berufung auf seinen Sitz in Aussicht stellen. Auch wird er vermuthlich die Aufhebung des Brodkorb- Gesetzes für die Diözesen der auf ihren Sitzen ver­bliebenen Bischöfe verheißen."

* (Auszeichnung.) Der hl. Vater sandte am 20. Dezember, wie der ,Voff. Ztg.' berichtet wird, dem preußischen Gesandten Herrn v. Schlözer den Großcordon des Piusordens mit den Insignien, nern der Geschichte zur Seite stellte. Mir schien, als mein Blick während der Deklamation zufällig auf Ricciotti fiel, als ob ein spöttisch verächtliches Lächeln seine Lippen umspiele. Welchen Eindruck das Schauspiel auf mich ausübte, brauche ich wohl kaum anzuführen. Es bedurfte meiner ganzen Selbstbeherrschung, um nicht der Schwärmerin zu Füßen zu fallen, als sie nach einiger Zeit, um- jauchzt vom Beifall aller Anwesenden, wieder im Saale erschien.

Als ich zwei Tage später mit Ricciotti Gari­baldi abreiste, lag mein Testament, in aller Form ausgesetzt, bei einem Notar. Das Schriftstück setzte Blanda Toverci im Falle meines Todes zur Unioersalerbin meines ganzen Vermögens ein.

Der Letzte, der mir in den sich schon bewegen­den Zug die Hand reichte, war Giodanni. Es geschah mit dem nicht laut, aber desto sehnsüch­tiger ausgesprochenen Wunsche: „Auf Nimmer­wiedersehen !" (Fortsetzung folgt.)

Diese Auszeichnung gehört zu den höchsten des hl. Stuhles.

Berlin, 26. Dezember.

* (Der Kardinal Hohenlohe) wurde ge­stern Abend von dem Kaiser und der Kaiserin empfangen und von denselben zum Thee geladen.

• Paderborn, 24. Dez. (Hirtenbrief.) Der Herr Bischof Franz Kaspar hat einen Hirtenbrief erlassen, dem wir folgende Stelle ent­nehmen:

„Als ich im vorigen Jahre beim Herannahen des hl. Weihnachtsfestes meine theuern Bisthumsangehörigen um eine milde Gabe für das hiesige bischöfliche Gymnasial­alumnat (Liborianische Seminar) ansprach, war ich der Meinung, diese wohlthätige und so nothwendige Anstalt schon zu Ostern dieses Jahres wieder eröffnen zu können. Das ist nun freilich nicht möglich geworden; die umfassen­den Bauten aber und die Beschaffung des gesammten Hausrathes für eine so große Anstalt, auf deren Noth- wendigkeit ich damals hinwies, sind glücklicher Weise jetzt so weit beendet, daß zu Ostern 1884, also mit dem Be­ginne des neuen Schuljahres, mindestens dreißig Zöglinge ausgenommen werden sollen. Die Bestimmungen über Anmelvung und Aufnahme der Zöglinge werden baldigst veröffentlicht werden".

Frankreich.

* Paris, 24. Dez. (Eine Depesche des Gouverneurs von Cochinchina,) Thompson, mit Nachrichten aus Huö bestätigt, daß König Hiephoa vergiftet worden ist. Der Regentschafts­rath hat der französischen Regierung die Thron­besteigung des fünfzehnjährigen Kienphioc, Neffen Hiephoa's, notifizirt. Der erste Minister des neuen Königs gilt als ein Feind der Franzosen. Einige Banden bedrohten die französische Gesandschaft, deren Posten deßhalb verstärkt wurden. Champeux be­findet sich in Sicherheit. Man hofft durch stärkere Pression auf den Regentschaftsrath die Gefahren der Situation zu beseitigen.

* Paris, 24. Dez. (Aus dem Senat.) Bocher, Audiffret-Pasquier und Buffet protestiren gegen das Verfahren der Kammer, welche durch ihre Saumseligkeit die Berathung des Budgets im Senat materiell unmöglich mache. Nach einer kurzen Erwiderung Tirard's, welcher die Regierung von jeder Verantwortlichkeit hierfür loszusprechen suchte, beschloß der Senat mit 143 gegen 114 Stimmen, am Mittwoch die Berathung des Bud­gets zu beginnen.

* Paris, 24. Dez. (Der chinesische Ge- sandte Tseng) ist heute Vormittag nach Folke­stone abgereist.

» (Besetzung Sontays.) Englische Zei­tungstelegramme konstatiren, daß die Soldaten bei Besetzung Sontays, erbittert durch den Anblick acht enthaupteter Turkosleichen, alles niedermachten und keinen Pardon gewährten.

» Paris, 26. Dez. (Dec Senat) berieth in seiner heutigen Sitzung das Budget. Bocher erklärt, daß die Rechte an der Berathung nicht Theil nehmen werde. Der Antrag auf Bewilligung eines provisorischen Zwölftels wird von der Re­gierung wahrscheinlich gestellt werden müffen.

Italien.

* Rom, 25. Dez. (Gratula tions-Em- pfang im Vatikan.) Der hl. Vater nahm gestern anläßlich des Weihnachtsfestes die Glück­wünsche der Kardinäle entgegen. Aus die von dem Doyen des Kardinal-Kollegiums, Kardinal di Pietro, verlesene Adreffe sprach der Papst dem heiligen Kollegium seinen Dank für die dar­gebrachten Friedenswünsche aus und beklagte den unversöhnlichen Haß der Feinde der Kirche, welche ohne Unterlaß mit Erbitterung darauf hinarbeite ten, ihr diesen Frieden zu rauben. Selbst in den am meisten katholisch gesinnten Ländern sei der Geist der Rebtzllion gegen die Kirche zum Aus­bruch gekommen und würden ihre Rechte ange­griffen und ihrer Mission Hinderniffe bereitet. Noch mehr geschehe dies in Rom, wo jede Gelegen­heit zu erneuerten Angriffen gegen das Papstthum benutzt werde. Mit Bezug auf den früheren Je­suiten Curci beklagte der hl. Vater, daß zu den äußeren Feindseligkeiten auch noch unwürdige Schrif­ten undankbarer Söhne der Kirche hinzutreten.

(W.-T.-B.)

* Rom, 26. Dez. (Die Quarantäne­maßregel) für Provenienzen aus Egypten sind auf 10 Tage und für Provenienzen aus nicht egyptischen Häfen des Rothen Meeres und dem Suezkanal auf 5 Tage beschränkt worden. Die Quarantänemaßregeln für Provenienzen aus Malta, Cypern, Smyrna und Syrien sind aufgehoben.

Spanien.

* Madrid, 25. Dez. (Die Auflösung der bisherigen Majorität der Cortes) wird als definitiv angesehen. Die Zeitungen sprechen von dem bevorstehenden Rücktritte des KabinetS.

Rußland.

• Konstantinopel, 24. Dez. (Bei einem Brande in der israelitischen Schule) in Galata sind 19 Kinder und eine Lehrerin umge­kommen.

Lgypten.

* Kairo, 25. Dez. (Sieg der egypti­schen Truppen.) Der K'hedive hat Nachrichten von den Gouverneuren in Berber und in Don- gala erhalten. Ersterer meldet, daß Hicks Pascha mit 3000 Mann gefallen sei und der Rest der egyptischen Truppen unter Aladin Pascha bei Melbas lagere, wo die Egypter von freundlich gesinnten Stämmen mit Lebensmitteln versorgt würden. Der Gouverneur von Dongala berichtet Details über den Kampf zwischen dem Mahdi und den egyptischen Truppen, welcher schließlich mit dem Siege der egyptischen Truppen endete und meldet gleichfalls, das egyptische Heer bei Melbas sei intakt.

Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 27. Dezember.

X Gestern Nachmittag 4 Uhr wurde die Christ« bescheerung in der Kleinkinderbewahranstalt in ge­wohnter Weise ahgehalten. Das neue sehr schöne und zweckmäßig eingerichtete Lokal, in welchem zum ersten Male die Feier stattfand, hatte einen außer­gewöhnlich zahlreichen Besuch herbeigezogen. Herr Domkapitular Dr. Komp gedachte in seiner An­sprache der Thatsache, daß die Anstalt seit fast fünfundzwanzig Jahren bestehe und durch die hülfreiche Unterstützung der Stadtbehörden und der Privaten ohne Unterschied der Konfession und der politischen Anschauungen sich zn immer um­sangreicherer Thätigkeit entwickelt habe, so daß sie dermalen an 110 Kinder zähle. Auch der hessische Kriegerverband und der .Schwarze Walfisch' hat­ten eine Spende verabfolgt, letzterer im Betrag von 22,30 Mark, was bei der Ansprache an die zahl­reiche Versammlung dankend hervorgehoben wurde. Zwei der kleinen Mädchen deklamirten vor dem festlich geschmückten Weihnachtsbaume kurze Weih­nachtsgedichte, und dann erfolgte die eigentliche Be­scheerung und die Vertheilung der den Kleinen gewidmeten Kleidungsstücken.

chs: Auch in diesem Jahre wurden am heiligen Abend an dreißig bedürftige Schülerinnen der dom- pfarrlichen Mädchenschule durch die lobenswerthe Sorge der Fräulein Lehrerinnen und die Beiträge mildthätiger Familien fertiggrstellte Kleidungsstücke unter Beigabe von Backwerk, Aepfel und Nüssen bei beleuchtetem Chriftbäumchen vertheilt.

+ Das gestern in der städtischen Turnhalle ab­gehaltene Weihnachts-Vergnügen des Bürger- t) er eins war sehr stark besucht. Den abgesetzten Eintrittskarten zufolge müffen sich über 300 Per­sonen an demselben betheiligt haben. Die Weih- nachtsbescheerung wurde durch die durch Schieß­baumwolle mit einem Male erfolgende Anzündung des herrlich geschmückten Christbaumes eingele.tet, dann trug ein vierstimmiger Männerchor zwei Weihnachtslieder vor, während dessen der Chnst- baum mit Magnesium-Licht und durch Rothseuer beleuchtet wurde. Die Verloosung, zu der über 600 Loose abgesetzt waren, und die sehr hübsche und geschmackvolle Gewinne zeigte, schloß sich hieran, und sodann das Tanzkränzchen, welches die Ge­sellschaft in animirtester Stimmung bis lange nach Mitternacht zusammenhielt.

tru Der Gesangverein „Winfridia" veran­staltet am nächsten Sonntag, den 30. Dez., Abends 7 Uhr, im großen Saale der „Harmonie" ferne Weihnachts- und Stiftungsfeier. Dem Vernehmen nach kommt u. A. auch ein kleines Weih­nachtsdrama zur Aufführung. Der Eintrittspreis ist auf 50 Pfg. (Kinder die Hälfte) angesetzt und so der Besuch der Feier den weitesten Kreisen er­möglicht.

— (Personalchronik.) Dem Major z. D. von Rohrscheidt, bisher Bezirks-Kommandeur des 1. Bataillons (Rotenburg a. d. Fulda) 2. Thüringischen Landwehr-Re­giments Nr. 32, und dem evangelischen Pfarrer Herwrg