fern Italiens und Spaniens entgegengebracht wurden und in der Wärme ihrer Aeußerung den freudigen Eindruck bezeugten, welchen die herzgewinnende Persönlichkeit des hohen Gastes auch in der Ferne ausübte. — Unsere Aufgabe ist es nicht, uns auf dem Gebiete der Koujekturalpolitik zu versuchen und die Reise des Kronprinzen mit politischen Kombinationen in Beziehung zu bringen; aber wie wir der Reise des Kronprinzen mit der vollen Antheilnahme des Herzens folgten, so wollen wir auch nicht versäumen, am heutigen Tage die Freude über seine Rückkehr auszusprechen. — Die Anstrengungen, welchen sich unser Kronprinz in Ausübung seines fürstlichen Berufs auch jetzt wieder unterzogen hat, konnten ihm nichts anhaben, sie scheinen das Maß seines Wohlbefindens nur gesteigert zu haben."
Berlin, 22. Dezember.
* (Der Kronprinz) ist mit sämmtlicheu Begleitern heute früh um 8 Uhr 22 Min. auf der Anhalter Bahn wieder in Berlin wohlbehalten eingetl offen. Zum Empfange waren erschienen: der Erbprinz von Meiningen, der italienische Botschafter Graf Launay, der spanische Gesandten. Benomar, der Polizeipräsident v. Madai, der dienstthuende Kammerherr der Kaiserin, der Generalarzt Dr. Wegner, der Staatssekretär Graf Hatzfeldt und die Offiziere der vierten Armee-Inspektion. Der Kronprinz wurde vom Publikum mit jubelnden Zurufen begrüßt. — Bon Rom wird gemeldet, der Kronprinz habe 3000 Frks. für die Armen Rom's gespendet.
* Münster, 22. Dez. (Der heutigen Versammlung des Westfälischen Bauern- Vereins) in welcher von Schorlemer-Alst den Vorsitz führte, wohnten der Oberpräsident und der Regierungspräsident bet. Oberpräsident v. Hagemeister sprach seine Sympathie für den Verein aus. Er wurde eine Eingabe an die Staats- regierung und an den Landtag beschlossen, durch höhere Besteuerung des Kapitals und der Börse die Grundsteuer zum Theil oder ganz zur Deckung der Kommunalabgaben verwenden zu wollen, die Staatssteuer nicht als einzigen Maßstab für die Kommunalbesteuerung gelten zu lassen und endlich die landwirthschaftlichen Zölle erhöhen zu wollen.
* München, 22. Dez. (Der deutsche Kronprinz) traf auf seiner Rückreise nach fünf Uhr hier ein. Seine Weiterreise fand um 53/4 Uhr statt. Zum Empfange waren am Bahnhofe erschienen die Königin-Mutter, Herzog Ludwig und der preußische Gesandte. Der Kronprinz wurde bei seiner Ankunft und Abfahrt von dem zahllos versammelten Publikum stürmisch begrüßt.
Oesterreich - Ungarn.
* Wien, 22. Dez. (Neuer englischer Botschafter.) Die längst signalisirte Ersetzung des hiesigen englischen Botschafters Elliot durch den Gesandten in Rom, Paget, wurde vollzogen.
* Pest, 22. Dez. (Freisprechung im Tisza-Eszlarer Prozeß.) Die königliche Tafel bestätigte im Tisza-Eszlarer Prozesse das freisprechende Urtheil der ersten Instanz.
* Agram, 22. Dez. (Ausschließung zweier Abgeordneten.) Der Landtag schloß auf Antrag Lacsarics die der Opposition augehörenden Abgeordneten Starcseoics und Pilepics, welche an dem neulichen Tumulte in der Kammer die Hauptschuld trugen, für die nächsten acht Sitzungen aus mit 56 gegen 22 Stimmen. 15 Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung.
Frankreich.
* Paris, 22. Dez. (Der Fall Sontay's.) Eine Depesche an den Marineminister meldet die bereits mitgetheilte Neuigkeit: Sontay ist genommen. Die äußere Euceinte wurde am 16. Dez. erstürmt und die Nachts geräumte Citadelle kampflos am 19. Dez. besetzt. Der Rückzugsort des Feindes ist unbekannt. Französischer Verlust: 14 Mann und ein Offizier tobt, 55 Mann und 5 Offiziere verwundet.
* Paris,23.Dez. (Diplomatisches Diner). Bei dem Ministerprästdenten und Minister des Aeußern, Jules Ferry, fand gestern ein größeres diplomatisches Diner statt. Marquis Tseng, welcher ebenfalls geladen war, hatte sich durch Unwohlsein entschuldigen lassen. Aus demselben Grunde war der chinesische Gesandtschaftssekretär dem Diner fern geblieben. An das Diner schloß sich ein großer Empfang.
— (Die Deputirtenkammer) nahm gestern mit 280 gegen 221 Stimmen die von Paul Bert vorgeschlagene Tagesordnung an, in welcher die Negierung ersucht wird, die Freigebuug der Einführung gesalzenen Fleisches aus Amerika bis zur Berathung eines Spezialgesetzes aufzuschieben. In Folge dieses Votums äußerte sich der Handelsminister später mehreren Deputirten gegenüber dahin, er werde das Dekret, betreffend die Freigebung der Einfuhr gesalzenen Fleisches, zurückziehen.
Italien.
* (Schutz für die Christen in Nordafrika.) Die Wiener Politische Korrespondenz meldet aus Rom, der päpstliche Stuhl beauftragte vor einiger Zeit, als der Aufstand int Sudan zugenommen, die Nuntiaturen, bei den Mächten Schutzmaßregeln für die Christen in den vom Aufruhr bedrohten Gebieten Nordafrikas anzuregen.
Aus Stadt, Provinz und Nachbargebiet.
Fulda, 24. Dezember.
Ö Zur Ergänzung unserer Mittheilung vom 18. Dez. betr. die Ablösung von Reallasten theilen wir nachstehend den Wortlaut des vom Bischöflichen Generalvikariat unter dem 18. Dez. an die kath. Kirchenvorstände der Diözese Fulda preuß. Antheils ergangenen Cirkulars mit:
„Bei Ablösung von Reallasten im Gebiete des Regierungsbezirks Kassel kann nach den Bestimmungen des Gesetzes vc-in 23. Juli 1876 betr. die Ablösung der Reallasten im Gebiete des Regierungsbezirks Kassel ausschließlich der zu demselben gehörigen vormals Großherz. Hess. Gebietstheile bezw. des Gesetzes vom 17. Januar 1881 betr. die Wiederzulassung der Vermittelung der Rentenbanken zur Ablösung der Reallasten, die Vermittelung der Rentenbank nur dann erfolgen, wenn die Ablösung bei der Königlichen Generalkommission zu Kassel bis zum 31. Dezember 1883 beantragt worden ist. Die Vortheile, welche die Vermittelung der Rentenbank bei Ablösung von Reallasten den Verpflichteten gleich roi? den Berechtigten bietet, sind in der That schätzenswerth und nehmen wir daher Veranlassung darauf hinzuweisen, daß mit Ablauf der auf den 31. Dezember 1883 gestellten Frist für den Berechtigten die Befugniß Kapitalabfindungen zu verlangen, mit alleiniger Ausnahme des im § 27 Abs. 5 des Gesetzes vom 23. Juli 1876 angegebenen Falles verloren geht, wogegen dann die Verpflichteten nur noch die Kapitalablbsung der Ablösungsrenten (bei geistlichen Instituten zum 25fachen Betrag) durch Baarzahlung bewirken können. Im Interesse der geistlichen Institute (Kirchen, Pfarren, Kaplaneien, Küstereien re.) ist es erwünscht, die denselben zustehenden Realberechtigungen durch Kapital und event. durch Vermittelung der Rentenbank abzulösen, und veranlassen wir daher die Kirchenvorstände bezüglich der den in Betracht kommenden geistlichen Instituten zustehenden Realberechtigungen, sofern der Ablösungsantrag noch nicht gestellt ist, diesen bei der Königlichen Generalkommission zu Kassel so zeitig anzubringen daß derselbe vor dem 31. Dezember d. I. dort anlangt. Eventuell gewärtigen wir schleunigst Bericht darüber, welche Gründe die Stellung dieses Antrags derzeit nicht opportun erscheinen lassen. Zum Schluffe bemerken wir noch, baß nach §. 3 Abs. 4 des Gesetzes vom 23. Juli 1876 der Antrag auf Ablösung alle Reallasten umfassen muß, welche zu Gunsten der geistlichen Institute auf Grundstücken desselben Gemeindevcrbands haften. Bischöfliches Generalvikariat gez. Kalb".
Ö Der Rhönklitb hat in diesen Tagen den von seinem Präsidenten Herrn vr. Justus Schneider verfaßten Bericht über die Thätigkeit des Vereins in den Jahren 1880 bis 1883 an feine Mitglieder versandt. Die in jeder Beziehung geschmackvoll ausgestattete Broschüre schildert die Thätigkeit und die Entwickelung des Klubs sowie die Wirksamkeit der einzelnen Sektionen an der Hand der offiziellen Protokolle der drei letzten Generalversammlungen. Diese protokollarischen Berichte enthalten auch die Rechnungsabschlüsse der Centralkaffe von jedem der drei Kiubjahre. Gleichzeitig ist eine Generalübersicht des Bestandes des Vereins, ein Abdruck der Statuten nebst bei Zusätzen ber Generalversammlungen, sowie ein Verz ichniß ber gegenwärtigen Mitglieder beigegeben. Der Rhönklub zählt zur Zeit 27 Sektionen mit 2168 Mitglieder. Es sind dies die Sektionen: Bischofsheim, Brückenau, Dermbach, Eisenach, Fladungen, Fulda, Geisa, Gersfeld, Hammelburg, Hilders, Hünfeld, Jena, Kaltennordheim, Kissingen, Lengsfeld, Meiningen, Mellrichstadt, Männerstadt, Neustadt a. d. S., Ostheim, Poppenhausen, Schlüchtern, Schweinfurt, Tann, Vacha, Würzburg, Zillbach. Die größte Mitgliederzahl hat die Sektion Fulda mit 417, nach ihr folgt Würzburg mit 254, Schweinfurt mit 170, Gersfeld mit 118, Eisenach mit 115 Mitgliedern. Als willkommene Zugabe enthält die Schrift am Schluffe eine gediegene und sorgfältig bearbeitete Abhandlung des Herrn Dr. Schneider
über die Entstehung und Bildung des Rhöngebirges. Dieselbe ist durch ihre klare, wohlgeordnete und dem allgemeinen Verständniß angepaßte Darstellungsweise bestens geeignet, die Kenntniß der geologischen Verhältnisse der Rhön den weitesten Kreisen zu vermitteln.
Ö Am verflossenen Samstag wurde der in Fulda gebürtige, zuletzt zu Kassel wohnhafte Lokomotivführer W. auf dem Bahnhofe Guxhagen vom Zuge überfahren. Der Verunglückte gab alsbald feinen Geist auf:
Ö In den letzten Tagen sind zwei Individuen in das hiesige Gefänguiß eingebracht worden, welche hier in Fulda ihre Langsinger-Künste au8« geübt hatten. Der eine hat vor kurzer Zeit einen Handwerksburschen im „goldenen Faß" bestohlen, der andere hat in der Nonnengasse eine Hose es« karnotirt. Ersterer wurde in Vacha, letzterer in Melsungen aufgegriffen.
Ö Herr Theodor Cagliostro, Prof, berMagie, veranstaltet am zweiten Weihnachtsfeiertage Abenbs um 8 Uhr im großen Saale ber „Harmonie" eine Vorstellung in der modernen Salon-Magie und Zauberei. Herr Cagliostro führt den größten Theil seiner Zauberkünste nach der Methode des berühmten Prof. Stengel in Wiesbaden aus, und ist besonders hervorzuheben, daß der Künstler auf freier Bühne meist ohne Apparate und stets ohne Gehülfen arbeitet. Die uns vorliegenden Zeitungsberichte sprechen sich sämmtlich in der anerkennendsten Weise über die Leistungen Cogliostro's aus. Einem Bericht aus Bückeburg entnehmen wir folgende Stelle: „Gestern Abend experimentirte hier der Zauberkünstler Professor Cogliostro im Rathhaussaale. Die Vorstellung, welcher der Fürst beiwohnte, ließ in Ausführung, sowie in der Wahl der Piöcen nichts zu wünschen übrig, und war dieselbe mit Recht eine brillante zu nennen." Wir können demnach^ den Besuch der Vorstellung bestens empfehlen.
5 Der Güter- und Personenverkehr aus der Bahn nahm besonders am gestrigen Tage ungewöhnliche Dimensionen an. Viele Züge hatten in Folge dessen Verspätung, so traf der Frankfurter 9 Uhr-Zug mit mehr als einer Stunde Verspätung ein.
h. Hünfeld, 22. Dez. Der Bauer Anton Franke von Nüst, welcher in Folge des Brandes, der am 10. d. M. die Scheune desselben in Asche legte, verhaftet und seitdem im Amtsgerichtsge, fängniß dahier in Untersuchungshaft betinirt war- ist heute Morgen auf desfallsige Weisung ber Königl. Staatsanwaltschaft zu Hanau auf freien Fuß gesetzt worben. Die öffentliche Meinung, die den Genannten alsbald für unschuldig erklärte, hat somit Recht behalten. — Das Haun- thal war gestern und zum Theil noch heute überschwemmt, jedoch war die Ueberschwemmung oberhalb ber neuen Brücke bei Rückers bei weitem nicht so stark, wie sie früher unter gleichen Verhältnissen gewesen wäre, ein augenfälliger Beweis, baß die feit vielen Jahren ventilirte und nun endlich auch ausgeführte Brücke dem Wiesenbau einen wesentlichen Mutzen bringt.
* Bebra, 22. Dez. Abermals ist der hiesige Centralbahnhof von einem großen Brandunglück heimgesucht worden, nachdem er vor kaum vier Jahren das Empfangsgebäude und später ein Maschinenschuppen zum Theil niedergebraunt ist. In Folge des Platzens eines Ballons mit Benzin entzündeten sich heute früh 4‘/2 Uhr die ausströmenden Dämpfe, und innerhalb weniger Minuten stand die große, am südwestlichen Ende des Bahnhofes gelegene Umladehalle der Frankfurt-Bebraer Bahn fammt den auf die anliegenden Geleise geschobenen beladenen Güterwagen in Hellen Flammen. An ein Löschen war, trotzdem die Feuerwehr rasch herbeieilte, gar nicht zu denken, vielmehr mußte alle Aufmerksamkeit darauf gerichtet werden, das Feuer zu isoliren, sowie die benachbarten Gebäude, die in den Anschlußgeleifen stehenden Wagen rc. zu schützen. Vorsichtigerweise stellte man auch die Gasleitung ab, sodaß auf dem Bahnhofe egyptische Fiusterniß herrschte. Der Schaden ist ein enormer, wenn die Summe auch naturgemäß nur oberflächlich geschätzt werden kann. Der Ge- sammtschaden (intl. der zerstörten Geleise) dürfte sich aber immerhin auf 6—700,000 M. beziffern. Nicht weniger als 20 Güterwagen mit werthvoller Ladung (Baumwolle, Seide, Bockholz, Möbel, Maschinen rc.) sind völlig zerstört, und von ber Ladehalle steht nur noch ein kleiner Theil. Die