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1883

Sonnabend, den 22. Dezember

Ititung

Fuldaer

Zweites Blatt

Deutsches Reich.

Fulda, 22. Dezember.

* Wir theilten gestern unter der Rubrik „Neueste Nachrichten" ein der ,Köln. Ztg.' aus Rom zuge­gangenes Telegramm mit, welches als hauptsäch­lichen Inhalt der Herrn v. Schlözer von Berlin aus zugegangenen neuen Instruktionen die Aushe­bung des Sperrgesetzes, die Begnadigung des Bischofs von Münster und einem Vergleich zur Lösung der die Vorbildung der Geistlichen betref­fenden Fragen bezeichnet. Der .Germania' wird in theilweiser Uebereinstimmung mit dieser Nach­richt gemeldet, daß die Instruktion sich vorzugs­weise auf die Frage der Erziehung des Klerus bezögen. Weitere Aufklärungen wird man wegen der bekannten Schweigsamkeit des Vatikans wohl von Seiten der Regierung erwarten müssen.

(lieber den Besuch des Kronprinzen beim Papste) meldet die ,Nord. Allg. Ztg.':

Der Besuch Seiner kaiserlichen und königlichen Hoheit des Kronprinzen bei Sr. Heiligkeit dem Papste hat unter den feierlichen und erfreulichen Bedingungen stattgefunden, die vorauszusehen waren. Wenn vordem das Gerücht verbreitet worden war, das Zusammentressen werde diesen Charakter nicht tragen, oder überhaupt nicht stattftnden. so beruhten derartige falsche Mittheilungen entweder auf dem Wunsche, Unfrieden zu stiften, oder auf Untenntmß der Regeln, welche den Verkehr zwischen hohen Herrschaf­ten leiten. Selbstverständlich hat unser Kronprinz sich unmittelbar nach Seiner Ankunft in Rom, durch den kö­niglichen Gesandten Herrn v. Schlözer bei dem Papste anmelden lassen, und ebenso selbstverständlich hat darauf der Papst den hohen Gast in feierlicher und herzlicher Weise empfangen. - Die Zeitungsberichte über jenes Zu­sammentreffen sind an vielen Stellen, namentlich in ultra­montanen Blättern, unrichtig und unvollständig. Es ist deshalb darauf hingewiesen, daß der Bericht des ,Osser- vatore Romano', des osfiziellen Organs des päpstlichen Stuhles, der einzige ist, welcher den kronprinzlichen Be­such im Vatikan richtig und vollständig darstelli. Dieser Bericht lautet:

„Nachdem Seine Kaiserliche und Königliche Hohen der deutsche Kronprinz Friedrich Wilhelm kaum in Rom ange­kommen waren, verfügte sich der preußische Gesandte v. Schlözer sofort zum Kardinal-Staatssekretär Jakobinl, um

wurde, schon mit der Andeutung begnügen, daß, um bloße Höflichkeiten auszutauschen, die Zeit von etwa vie^ig Minuten etwas zu lang sein möchte. Die Gemächer Sr. Heiligkeit sind nicht besonders prächtig. Ein Cruc>fix auf dem Kamin zwischen Wandleuchtern deutet auf das Haupt der Christenheit — sonst gar nichts Ascetisches, Hyperka­tholisches, im Gegentheil schöne Bilder, Teppiche. Auch oben beim Kardinal-Staatssekretär Jacobinr, zu dem sich der Kronprinz nach dem Besuche beim Papste verfügte, und der über den Gemächern des Papstes wohnt. Ern großes Vorzimmer mit grellblauer Tapete ein grüner Teppich — nirgends eine Spur von Pracht — außer der köstlichen Aussicht aus den Fenstern unten auf den Peters- platz und nach Rom.

* (Zu den neuen Steuervorlagen.) Die Motive, welche den beiden gestern im Abgeordneten­hause eingebrachten finanziellen Gesetzentwürfen beigegeben worden sind, setzen die in diesen be­folgten Grundsätze der Regierung des Näheren auseinander. Von besonderem Interesse dürften die Erwägungen sein, welche die Regierung zur Heranziehung der Aktien- und Kommandit­gesellschaften auf Aktien bestimmt haben. Hierüber heißt es in den Motiven wörtlich:

„Bisher unterliegen der preußischen Klassen- und Ein­kommensteuer nur die physischen Personen, während fast sämmtliche in anderen Staaten bestehenden Einkommen­steuern sich auch auf juristische Personen, Gesellschaften und Vereine erstrecken. Für die isolirte Stellung, welche die preußische Einkommensteuer zu dieser Frage bisher eingenommen hat, lassen sich durchschlagende Gründe nicht anführen. Es liegt keineswegs im Wesen der Einkommen­steuer, sich auf physische Personen zu beschränken, dieselbe hat vielmehr jedes selbstständige Einkommen zu erfassen und alle Subjekte zu treffen, welche ein solches beziehen. Daraus folgt, daß alle mit dem Rechte des Vermogens- erwerbes ausgestatteten Personen, Gemeinschaften und Anstalten in ihrer Eigenschaft als selbstständige und für fich erwerbende Rechtssubjekte der Einkommensteuer zu unterwerfen sind, dagegen kann das Gesammteinkommen solcher Personenvereine, welche nicht ein von ihren Mit­gliedern verschiedenes Rechtssubjekt bilden, nicht als selbst­ständiges Objekt der Einkommensteuer gelten und nicht einer doppelten Besteuerung vor und nach der Verkeilung an die Mitglieder unterliegen. Zweifelhaft könnte es jedoch erschei­nen, ob diejenigen Einkünfte, welche auf Grund irgend einer Antheilsberechtigung aus dem Gesammteinkommen einer Korporation bezogen werden, ungeachtet der Besteuerung der Gesamintheit heranzuziehen sind. Diese Frage wird von der positiven Gesetzgebung mit Recht fast ausnahmslos bejaht. Sobald den in Rede stehenden Gemeinschaften die Eigenschaft eines an und für sich steuerpflichtigen

„Blanda und ihre Mutter haben doch nicht mit Mangel zu kämpfen?" fragte ich nach einer Pause.

„Nein," das eben nicht. Frau Toverci bezieht ein Jahresgehalt bis zu ihrem Tode. Aber die Pension ist doch nicht so groß, daß auch für die Zukunft Blanda's gesorgt werden kann, und dazu kommt noch, daß die beiden edeln Frauen für die nationale Sache nicht unbedeutende Opfer gebracht haben."

„Das heißt also: wenn Frau Toverci stirbt, steht Blanda ohne Vermögen, mittellos allein in der Welt," bemerkte ich erschrocken.

„Nun, so schlimm ist es gerade nicht. Wir, ihre Verwandten sind ja auch noch da; obschon ich Dir gegenüber kein Hehl daraus machen will, daß auch unsere Verhältnisse nicht die besten sind und das aus ganz erklärlichen Gründen. Die finanziellen Zustände in unserem Lande sind be­kanntlich sehr trauriger Art. Unsere Liegenschaften tragen in Folge dessen vielleicht halb so viel ein, als sie etwa in Deutschland oder in Frankreich einbringen würden. Die ausstehenden Kapitalien verzinsen sich jämmerlich, und man muß noch froh sein, sie verhältnißmäßig sicher untergebracht zu wisien. Dazu ist mein Vater nichts weniger als ein Geschäftsmann. Er ist ein Schwärmer, und so hat er in den letzten Jahren in fast unverzeih­licher Weise zu Gunsten der nationalen Bestreb­ungen in unfern Säckel gegriffen. Man mag das edel, patriotisch und opferfreudig nennen: klug ist es keinesfalls." (Fortsetzung folgt.)

Seine Eminenz von dem Wunsche Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit, dem hl, Vater Seme Ehrfurcht zu be­zeugen, in Kenntniß zu setzen.-..^bsteni Nachmittag be­gab sich der Kardinal-Staatssekretar nach dem Palast^Ca- pranica, wo der preußische Gesandte wohnt, um Seme Ex- cellenz zu bitten, dem erhabenen Prinzen seine ehrfurchts­vollen Empfehlungen zukommen zu lassen Heute um 1 W erschienen Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit mit Se - nein vornehmen Gefolge im Apostolischen Palast des Vati- kan und waren begleitet von (folgen die Namen und Titel aller Herren des Gefolges und der Gesandtschaft) sammt- lich in voller, ihrem Range entsprechender Uniform. — -ü« bisherige Oberzeremonienmeister empfing den Kronprinzen am Fuße der Skala regia, welche er hmaufstieg, begleitet von päpstlichen Buffolanten und Schweizergarde. In der Klementinischen Halle empfingen ihn der päpstliche Mazor- domus, sowie die ersten kirchlichen, Emil- und Militarwür- denträqer des päpstlichen Hofes in hochfestlichem Ornat. Nachdem Seine Heiligkeit von der Ankunft des Kronprin­zen benachrichtigt waren, begab er sich ihm entgegen und führte ihn in sein Privatkabinet, wo er sich etwa eine Stunde allein mit ihm unterhielt. Alsdann ließ der hl. Vater die obengenannten Personen des Gefolges hmelntre- ten, welche ihm von Sr. Kaiser!, und Königl. Hoheit vor- gestellt wurden, und richtete an jeden Einzelnen freundliche Worte. Nachdem Se. Kaiserl. und Königl. Hoheit dre pon- tifikalen Gemächer verlassen, begab er sich zum Kardinal- Staatssekretär, um diesem seinen Besuch zu erwidern.

Der Osservatore' berichtet weiter, daß der Kronprinz dann noch die vatikanische Gemäldegalerie und die Peters- kirche besucht, und daß der Kardinal Jakobm, ihn auf diesen Gängen bis zur Abfahrt begleitet habe.

Was in dieser sonst in angemessenem Tone ge­haltenen Darstellung der Ausfall auf die ultra­montane Presse soll, ist uns nicht recht klar ge­worden. Dem offiziösen Blatt scheint die „ultra­montane Presse" sehr unbequem zu sein. — Wir entnehmen der .Post' noch folgende Mittheilungen:

Das Privatkabinet des Papstes ist nut rother Seide bekleidet. An einer Wand befindet sich ein Thronhimmel, er aber saß auf einem Stuhle in der Ecke und trug ine übliche weiße Soutane mit dem rothen Käppchen. Auf die Herren der Umgebung des Kronprinzen machte er den Eindruck eines Gelehrten von feinem Geiste und welt­männischen Manieren, der sich in entgeg-nkommendster Weise seinem hohen Besuche erwies. Die Anwesenheit des Kronprinzen und seiner Umgebung beim Papste hatte im Ganzen etwa fünfzig Minuten gewährt. Da em Posten der Schweizergarde vor der Thüre des Privatgemaches stand und ein Berichterstatter, wenn er auch Vieles fertig bringen muß, doch nicht durch Schlüffellöcher schlüpfen kann, so muß sich das liebe Publikum in Bezug auf das, was zwischen dem Kronprinzen und dem Papste gesprochen sage, was ich Dir — und das macht mir Ge­wissensbisse — vielleicht schon längst hätte mit« theilen sollen."

Jetzt war ich erst recht gespannt.

„Wenn ihr euch auch noch nicht vollständig er­klärt habt," begann Giovanni wieder auf noch- maliges Drängen, „so wird es doch wohl über kurz oder lang dazu kommen. Wie Blanda über Dich denkt, weiß ich ja nicht mit vollständiger Sicherheit; von Deiner Neigung dagegen bin ich fist überzeugt. Noch aber ist es Zeit, Deinerseits zurückzutreten —" .

„Warum zurücktreten?" rief ich, stehen bleibend. „Wo willst Du mit Deinen sonderbaren Reden hinaus, Giovanni?"

Nun, so höre! Was Du nicht kennst, ist die Mittellosigkeit Blanda's. Du bist wohlhabend und magst dasselbe von Blanda gedacht haben, und daß ich Dich niemals aufmerksam darauf machte, das —"

„Sei still; darüber hast Du schon viel zu viel gesprochen," unterbrach ich ihn. „Meine Verhält­nisse sind der Art, daß ich auf Vermögen gar nicht zu sehen brauche. Es macht mich im Gegen- theil recht glücklich, wenn ich Blanda eine sorgen­lose Existenz bieten kann, natürlich vorausgesetzt, daß sie meiner Liebe und meiner Bewerbung Ge­hör schenkt."

„Gut, bann wäre das abgemacht, und ich bm froh, mit Dir darüber gesprochen zu haben/' ent­gegnete Giovanni, wie von einer Sorge befreit.

<0; Den Frieden gefunden 23 । (Fortsetzung aus dem ersten Blatt.) I

Ich suhlte, wie eine tiefe Rothe mein Gesicht überzog. Es schmerzte mich, dem Freunde nicht alles sagen zu dürfen, was mich so glücklich be­wegte; aber das Versprechen, das ich Blanda ge­geben, band mir die Zunge. Giovanni schien meine Gedanken zu errathen; er drückte mir bi: Hanb unb sagte: „Laß es gut sein, Freund, in die Geheimnisse zweier Liebenden soll man nie ein­bringen. Ich will gar nichts wisien."

Währenb bieses Gespräches waren wir int Thale angekommen unb näherten uns Florenz. Giovanni schien in ernste Gedanken versunken zu sein! mit großer Geschicklichkeit ließ er mich merken, daß er gern sprechen möchte, aber von Bedenken zurück­gehalten werde. Was er bezweckte, ge’ang ihm vollkommen. Ich forderte ihn auf, mir zu sagen, was ihn bewege.

Mit gut gespielter Verlegenheit wehrte Gio­vanni meine Frage ab, doch so, daß ich nur noch neugieriger wurde. Endlich stellte er sich, als ob er meinem Drängen keinen längere Widerstand leisten könne, und antwortete in fast verlegenem Tone: „Was ich Dir sagen wollte, betrifft Blanda ; aber es geht mich eigentlich durchaus nichts an und—" „So sage doch endlich einmal, was Du hast!" rief ich ungeduldig.

„Nun, ich weiß, Du wirst es meiner Freund­schaft nicht übel deuten, wenn ich offen heraus-

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