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M 293.

Freitag, den 21. Dezember

1883.

Fuldaer Ä Jeitung.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 SRI. 50 Pfg., — mit dei belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

Inserate: Die vierspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

lieber den Besuch des deutschen Kron­prinzen beim hl. Bater.

Vom Besuch des Kronprinzen im Vatikan bringt die .Köln. Ztg.' längere Berichte, aus denen wir zur weiteren Ergänzung der bereits erfolgten Mit­theilungen Folgendes entnehmen:

Mit dem Glockenschlage ein Uhr fand die Anfahrt auf dem Petersplatze statt. Bei derartigen offiziellen Em­pfängen fürstlicher Personen sind stets die sänimtlichen höchsten Hofchargen des Papstes gegenwärtig, während ihnen von den niederen Hofchargen eine entsprechende Ver­tretung beiwohnt; dagegen ist die Anwesenheit von Kardi­nalen nicht hergebracht. Auch bei dem jetzigen Besuch wurden diesem Ceremoniell, sowie dem Umstande, daß der Kronprinz nicht als Souverän, wie man dies ursprünglich gemuthmaßt hatte, austrat, Rechnung getragen. Dement­sprechend wurde der Kronprinz auch nicht am Fuß der großen vatikanischen Treppe von dem Oberhofmeister (Mag- giordomo) Theodoli — diese Aufmerksamkeit wird nur den Souveränen zu Theil —, sondern von dem Cererno- nienmeistrr nebst Schweizern und Nobelgarden empfangen und von diesen in die Sala Clementina geführt; in dieser bildete die berühmte päpstliche Schweizergarde in ihrer prachtvollen Gala-Uniform mit weißem Helmbusch Spalier und hier fand die Begrüßung durch den eben genannten Maggiordomo statt. Eingeschaltet sei, daß der Kronprinz auf seiner Uniform das Band des Schwarzen Adlerordens, das Eiserne Kreuz und den Hohenzollern'schen Hausorden trug. In der Sala Clementina bildete sich nunmehr der feierliche Zug. Voran schritten in purpurne Seide gekleidete päpst­liche Sänftenträger, ihnen folgte unmittelbar der Kronprinz, geleitet vom Obersthofmeister und dem Ceremonienmeister, dann kam das ganze Gefolge des Kronprinzen mit hoch­gestellten geistlichen, und den Schluß bildeten Kavaliere in schwarzer, spanischer Tracht. In den Sälen, die dirscr an mittelalterliche Zeiten erinnernde Zug durchschritt, bil­deten Soldaten der Schweizergarde, mit stattlicher Helle­barde ausgerüstet, Gendarmen, die päpstliche Leibgarde und die nur aus katholischen Adligen bestehende päpstliche adlige Leibgarde, in dieser ein Neffe des Papstes, Graf Pecci, Spalier. Als der Zug in der sogenannten Antecamera an­gelangt war, mußte das Gefolge Zurückbleiben, während der Obersthofmeister den Kronprinzen zum Papste führte. Die Unterhaltung dauerte 40 Minuten; sie wurde, obwohl der Kronprinz des Italienischen mächtig ist, in französischer Sprache geführt, die der Papst in Brüssel erlernt hat, als er dort apostolischer Nuntius war. Nach Beendigung der Unterredung wurden die Herren des kronprinzlichen Gefol­ges dem Papst vorgestellt, der für einen Jeden von ihnen freundliche Worte hatte. Mit dem Glockenschlage 2 Uhr ver­abschiedete sich der Kronprinz vom Papste, durchschritt in ' demselben feierlichen Zuge die Gemächer des Vatkians.

K> Den Frieden gefunden 26

(Fortsetzung.)

Sie hatte scheinbar gleichgültig eine eben gepflückte Blume entblättert. Jetzt warf sie, als riefen meine Worte ihr gerechtes Staunen hervor, den pracht­vollen Kopf empor, so daß die schwarzen Locken sich wie Schlangen um ihren schönen Nacken rin­gelten. Fragend richtete sie ihr dunkles Auge auf mich: „Signore Walther, ich verstehe durchaus nicht, was Sie sagen. Warum können Sie mir keine Ausmerksainkeit schenken? Was beschäftigt Sie denn so sehr?"

Einen Augenblick suchte ich in ihren Zügen zu lesen z doch die zeigten eine Ruhe, wie nur ent­weder die größte Unschuld und Unwissenheit, oder die schlaueste Berechnung sie Hervorzurusen im Stande ist. An das Letztere und Richtige dachte ich nicht.

„Weil ich nur einen einzigen Gedanken habe, Blanda, und dieser einzige Gedanke sind Sie! Sollte es Ihnen denn entgangen sein, daß ich seit vielen Wochen mit der ganzen Kraft meiner Seele dahin strebe, Ihre Gunst zu gewinnen? O, Blanda, wenn Ihnen das wirklich fremd geblieben wäre, dann bin ich der elendeste Mensch!"

Ihre Hand zuckte leise in der meinigen, und ihr Auge blickte mich mit einem so sonderbaren Aus­druck an, daß ich fast verwirrt wurde. Es war ein Gemisch von neugierigem Forschen, befriedigtem Stolze und Triumph — aber ich glaubte ganz andere Gefühle in ihren Augen zu sehen.

die er vorher durchmessen hatte, und entließ dann in der Sala Clementina das päpstliche Gefolge, wobei die deut­schen Herren und die hohen Geistlichen sich kräftig die Hände schüttelten. Dann ging es eine Treppe höher in die Wohnung des päpstlichen Staatssekretärs Kardinal Jakobini. Mit Diesem hatte wiederum der Kronprinz zu­nächst eine Unterredung unter vier Augen, die 15 Minu­ten währte; dann holte der Gesandte v. Schlözer den Pri­vatsekretär Jakobini's, der dem Kronprinzen vorgestellt wurde. Um 2 Uhr 25 Minuten verabschiedete sich der Kronprinz, der vom Staatssekretär Jakobini und dem Unter- Staatssekretär Mocenni bis zur Thür der Wohnung ge­leitet wurde. Hieran schloß sich eine Besichtigung der Kunstschätze des Vatikans, welche das regste Interesse und die hohe Bewunderung des Kronprinzen hervorriesen. — Die Angelegenheit des päpstlichen Gegenbesuches scheint schon erledigt zu fein, und zwar auf folge'de Weise: Nach­dem Herr v. Schlözer des Kronprinzen Ankunft dem Va­tikan angezeigt hatte, fuhr gestern um 5 Uhr Nachmittags Jakobini bei Schlözer's Wohnung vor, um im Auftrage des Papstes dem Kronprinzen, der allerdings nicht zu Hause war, einen Besuch zu machen. Des Kronprinzen Besuch im Vatikan war also eigentlich ein Gegenbesuch.

Als der Kronprinz dem päpstlichen Zimmer nahe kam, öffneten sich die Thuren und der Papst trat, die Hand ausstreckend, heraus. Beim Abschied begleitete der Papst den Kronprinzen durch mehrere Gemächer und reichte ihm mehrmals feine Hand. Der Papst erzählte dem Kron­prinzen. heute fei der dreißigste Jahrestag feinet Kardinals­ernennung. Damals fei der Kronprinz auch gerade in Rom gewesen. Katholische Begleiter des Kronprinzen, darunter General von Loö, küßten dem Papst die Hand. Alle rühmen die würdevolle Grazie des Papstes. — Des Kronprinzen Abreise ist auf Donnerstag Abend angesetzt. Er übernachtet in Bozen und trifft in Berlin am Sonn­tag früh ein. Am Donnerstag ist Frühstück in der deut­schen Botschaft angesagt, wozu die Majestäten geladen sind.

Ueber die Bedeutung des kronpriirzkichon Besuches beim hl. Vater hat sich, wenn das ,Berl. Tagebl.' recht berichtet, der Kronprinz selbst ausgesprochen, und zwar in einer Erwiderung auf eine Adreffe der deutschen Kolonie in Nom. Dem genannten Blatte wird gemeldet:

An dem Empfange der deutschen Kolonie durch den Kronprinzen im Palazzo Caffarelli betheiligten sich etwa 40 Damen und 60 Herren. Der Empfang dauerte eine Stunde. Nachdem der Präsident des Künstlervereins, Otto, die Huldigungsadresse verlesen und überreicht hatte, ant­wortete der Kronprinz: er freue sich, die deutsche Kolonie in Rom empfangen zu können in einem so wichtigen Moment am Schluß des Jahres, wo er sich auf Befehl des Kaisers in der ewigen Stadt befinde, wo er die lang- gewohnte freundschaftliche Aufnahme bei dem König und

Ich sank vor ihr nieder, und mit Ungestüm ihre beiden Hände ergreifend, rief ich in entfesselter Lei­denschaft : „Blanda, ich kann nicht mehr ohne Sie leben! Ich liebe Sie, und wie mich selbst, so lege ich Ihnen Alles, was ich besitze, mein Leben, meinen Namen und meine Güter zu Füßen nieder. Haben Sie Erbarmen, und sagen Sie mir nur das einzige Wort: Walther, ich liebe Dich!"

„Blanda stand unbeweglich; aber ein Kampf schien sich in ihrem Innern zu erheben. Sie mochte fühlen, wie unedel und unweiblich ihr Spiel mit mir sei; vielleicht auch, daß in ihrem Herzen doch einige Neigung zu mir lebte. Mit ängstlicher Spannung blickte ich zu ihr auf, ohne zu ahnen, daß, wie die Entscheidung auch ausfallen mochte, sie für mich verhängnißvoll werden würde. Kürzer als die Zeit, die meine letzten Worte in Anspruch nahmen, war der Kampf im Innern Blanda's; sie hatte gewählt — doch nicht mich.

Mil sanftem, freundlichem Lächeln entzog sie mir ihre Hände und sagte: „Ich danke Ihnen, Walther, für die warmen Gefühle, die Sie für mich hegen. Sie ehren mich, und nur zu verlockend dringen Ihre Worte an mein Ohr. Aber ich kann und darf sie nicht hören."

„Warum, Blanda?" rief ich angstvoll.

„Weil ich unwürdig wäre, Italien mein Vater­land zu nennen, wenn ich jetzt, wo es in Trauer und Sorge schwebt, glücklich sein wollte. Wie könnte ich mein Herz, meine Liebe verschenken,

der Bevölkerung wieder in außerordentlichem Maße ge­sunden habe. Es sei ihm dieses Mal besonders erfreulich gewesen, unter des Königs Dach zu wohnen, wie es ihn unendlich gefreut habe, Se. Heiligkeit den Papst be­suchen zu können, ein Besuch, welcher hoffent­lich allerseits nicht ohne wohlthuende Folgen bleiben werde.

Andere Blätter meldeten den Inhalt der An­sprache in anderer Fassung, alle Versionen stimmen aber darin überein, daß der Kronprinz von dem Besuche beim Papst wohlthätige politische Folgen erwartet. — Die kalholische Presse Roms begrüßt in dem Kronprinzen den Besucher des Papstes. Der ,Osserv. Rom.' weist auf die früheren Besuche hohenzollern'scher Prinzen während unseres Jahr­hunderts im Vatikan hin und hebt besonders her­vor, daß König Friedrich Wilhelm III., der Hum- bold nach Rom als preußischen Gesandten hin- sandte und unter dessen Regierung die Bulle „De salute animarum“ zu Stande- kam, 1822 mit seinen Söhnen von Papst Pius VIT. auf das Glänzendste empfangen wurde. Recht zeitgemäß ist die Erinnerung des ,Off. Rom.', daß Papst Pins VII. und König Friedrich Wilhelm III. Jahre lang Hand in Hand den ersten Napoleoniden bekämpft haben, der, ein Werkzeug der Revolution, die Throne Europas zu stürzen suchte. Daß rö­mische Blatt weist ferner auf den Besuch der Schwester des Königs hin, welche mit ihrem Ge- mahle, dein Herzog von Anhalt-Köthen, zur ka­tholischen Kirche zurückgekehrt war, sowie auf König Friedrich . Wilhxlm IV., welcher auf die Nachricht von dem durch die Revolution herbei­geführten Exile Pius' IX. diesem das Schloß Brühl am Rhein zum Aufenthaltsorte anbot.

Der .Moniteur de Rome' vom 18. d. beschäf­tigt sich vornehmlich mit bin kirchenpolitischen Fol­gen des Besuches beim hl. Vater. Der bemerkenS- werthe Artikel liegt noch nicht vor; deshalb können wir dessen Inhalt nur nach einem Tele­gramm der .N. Fr. Pr.' reproduziren:

Der Besuch des künftigen Souveräns einer der mäch­tigsten Monarchien bei dem obersten Vertreter der größten moralischen Macht dieser Welt ist eine dem Papstlhum dargebrachte Huldigung, eine Hoffnung auf den reli­giösen Frieden für Preußen. Der ,Moniteur' er-

die beide unserer heiligen Sache gehören!" fügte sie mit dem Pathos hinzu, das -ihr so gut an» stand.

„Wie, Blanda, Sie wollen doch nicht sagen, daß Sie nie einem andern Gefühle Raum geben wollten, als nur der Liebe zum Vaterlande? Kön­nen Sie sich nicht mit noch größerer Hingebung der nationalen Sache widmen, die eine so begei­sterte Anhängerin in Ihnen hat, wenn ein Gatte Ihnen zur Seite steht, der Sie schirmt und Ihre Gesinnung theilt?"

„Nein, mein Freund," erwiderte sie. „Mein Herz kann nur eine Liebe verschenken, meine Seele nur ein Gefühl hegen. An der Seite eines Gatten würde mein Denken, Fühlen und Handeln getheilt sein — und wie dürfte das geschehen! Dennoch gedenke ich keineswegs eine neuere Art Vestalin zu werden. Ist unser Ziel erreicht, dann ist mein Herz und meine Hand frei."

„Und worin besteht dieses Ziel?" rief ich.

„In der Vereinigung Roms mit Italien. O, Freund, Sie haben ein Herz für unsere Sache; Sie haben es gezeigt in Ihrer edlen Freigebigkeit; aber Sie können mehr thun als das!"

„Was meinen Sie, B!anda? Sagen Sie mir, was ich thun soll!"

„Walther, Sie sind stark, rnuthig und in den Waffen geübt; Männer wie Sie fehlen uns noch immer; wir können derer nicht genug erlangen."

(Fortsetzung folgt.)