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eine ministerielle Instruktion, wonach die Unterbeamten nicht mir „Ihr", sondern mit „Sie" anzureden sind

Minister v. Puttkamer hält eine solche Instruktion für überflüssig. Der Geschäftsgang sei geregelt, und der vereinzelte Fall könne ihn nicht veranlassen, generelle Maßregeln zu erlassen.

Zum Kapitel „Lokal der Polizeiverwaltung" begründet Abg. v. Eynern seinen Antrag auf Vorlegung eines Gesetzentwurfs bezüglich gerechterer Kosten-Vertheilung der örtlichen Polizeiverwaltung.

Minister v. Puttkamer erklärt sich gegen den An­trag des Abg. v. Eynern, derselbe geh- nicht überall von den richtigen thatsächlichen Voraussetzungen aus. Uebri- gens beruhe die jetzige Einrichtung auf bewährten Erfah­rungen. Es handle sich um eine finanzielle Frage, und man würde mit einer anderweiten Regelung denselben ge­ringen finanziellen Effekt erreichen, ohne ein praktisches Resultat zu erzielen. Ein Bedürfniß zur Abänderung fei nicht vorhanden. m

Der Antrag des Abg. v. Eynern wird an die Ge­meindekommission verwiesen.

Titel „Landesgensdarmerie", Bei welchem sich Abg. Dirich let gegen die Neueinstellung von Kreiswachtmeistern aussprach, wird nach längerer Debatte unverkürzt bewilligt,

Fortsetzung Dienstag.

Das Herrenhaus beschäftigte sich mit der aus der ad hoc gewählten Kommission zurückgelangten Vorlage einer Jagdordnung, deren Abänderungen durch den Be­richterstatter Herr Staatssekretär Dr. Stephan in einem interessanten schriftlichen Bericht motivirt waren und heute int Einzelnen befürwortet wurden.

Zu § 43 wurde gegen den Widerspruch des Regierungs- kommissars ein Antrag Manteuffel angenommen, wonach die Jagd durch Ansitz (Anstand) während einer Stunde vor Sonnenuntergang bis eine Stunde nach Sonnenauf­gang in einer «Entfernung von weniger als 300 Meter vonder Grenze des Jagdgebietes nicht ausgeübt werden darf.

Lebhaftere Diskussion erregten die Paragraphen, welche vonder Abgrenzung der Jagdbezirke, der Ge­bühr für den Jagdschein und der Sonntagszagd handelten. ' .

Bezüglich des erstgenannten Punktes hatte die Regie­rung unter Zustimmung der Kommission eine Minimal­größe von 100 Hektaren vorgeschlagen, während dieselbe bisher 75 Hektar betrug, ein Vergrößerung, welcher na­mentlich die Herren aus dem Rheinlande und aus Hessen- Kassel, Adams und Dr. Weigel, widersprachen.

Auch in Bezug auf den Jagdschein blieb es bei den Beschlüssen der Kommission, wonach 20 M k. für denselben zu entrichten sind, und an Ausländer die Verabfolgung von Tagesscheinen zu 2 Mk. erlaubt ist.

Bezüglich der Sonntagsheiligung war von Herrn Graf Zieten-Schwerin der Antrag gestellt, Jagden m,t Schußwaffen oder Hunden am Sonntage gänzlich ruhen zu lassen. Dieser Antrag wurde 55 gegen 44 Stimmen angenommen. Die Berathung wird morgen fortgesetzt.

seit 9 Uhr Morgens eine große Volksmenge nach dem festlich beflaggten Bahnhose, sowie nach der Rue National und nach der vom Quirinal nach dem Palast führenden Straße geströmt. Dem Zuge war eine einzelne Lokomotive vorausgefahren. Die Bahnhöfe der Hauptstationen, welche der Zug passirte, waren ebenfalls festlich geschmückt. Ueberall begrüßte die zahlreich herbeigeeilte Bevölkerung den Kronprinzen. Am hiesigen Bahnhofe erwar­teten der König, der Kronprinz Viktor Emanuel, der Herzog von Aosta, die Minister, die Präsiden­ten des Senats und der Deputirtenkammer, die hohen Würdenträger des Hofes, des Staates, die Mitglieder der deutschen Botschaft, die deutsche Kolonie den Hofzug. Auf dem Perron war eine Kompagnie mit Musik und Fahne aufgestellt, welche beim Einfahren des Zuges die üblichen Honneurs erwies, während gleichzeitig Geschütze auf der Esplanade Montepicino Salven abgaben, und auf dem Pavillon im Quirinal, wo der deutsche Kronprinz absteigt, die kaiserliche Fahne aufgehißt wurde. Die Begrüßung war überaus herzlich. Der Platz vor dem Bahnhof war von Kavallerie besetzt. Auf dem Platz vor dem Quirinal hielten Artillerie und Bersaglieri. Zwischen dem Bahnhof und dem Quirinal bildeten Fußtruppen Spalier. Es kostete große Mühe, die andrängende zahllose Menschen­menge zurückzuhalten. Nachdem im Königsfalon des Bahnhofs die üblichen Vorstellungen stattge­funden, der Kronprinz von einer Deputation deut­scher Damen ein Bouquet entgegengenommen, reichte ihm der König den Arm, führte ihn zum offenen Galawagen, worin er, der italienische Kronprinz und Prinz Amadeus Platz nahmen. Der Wagen wurde von Kürassieren flankirl. Im Cour d'Honime des Quirmals wurde der Kron­prinz von der Musik der aufgestellten Leibkom­pagnie durch eine Fanfare und die preußische Nationalhymne begrüßt. Die Königin in vio­letter Veloursrobe erwartete mit dem Hofstaate den Kronprinzen im Schweizer Saale. Der Kronprinz küßte die Königin auf die Stirn und Hand, brachte ihr Grüße von der Kaiserfamilie, reichte ihr den Arm und führte sie in den gelben Saal, wo die Vorstellung des Hofstaates und des kronprimlichen Gefolges stattfand. Auch der Prinz von Baden, Ludwig Wilhelm, det zu längerem Aufenthalte heute früh eingetroffen war, hatte sich zur Begrüßung des Königepaares, sowie des Kronprinzen hier em- gefunden. In Folge der andauernden Evvivarufe der vor dem Palost versammelten Menschenmassen erschienen der König, die Königin und die Königs­familie mit dem Kronprinzen auf dem Balkon. Der Empfang war ein äußerst enthusiastischer. Der König geleitete den Kronprinzen nach dem Absteige­quartier. Später unternahmen der Kronprinz und die Königsfamilie eine Spazierfahrt durch die Stadt.

fahrt.

• Rom, 17. Dez. Ungeachtet des strömenden Regens werden die Straßen, wodurch der Kron­prinz fährt, geschmückt. Sämmtliche Zeitungen bringen Begrüßungsartikel. .Capitano fracaffa' bringt die Biographie des Kronprinzen mit dem Bilde, das die vier Generationen des Kaiserhauses darstellt.

* Rom, 17. Dez. Der königliche Zug mit dem deutschen Kronprinzen traf Mittags i2ll2 Uhr ein. Trotz des regnerischen Wetters war bereits

parlamentarisches.

Berlin, Montag, 17. Dezember.

In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde die Berathung des Etats des Ministeriums des Innern fortgesetzt. Titel 9 betreffend die außerordentli­chen Remunerationen für Bureau- rc. Beamte des Mini­steriums wurde in Folge einer Debatte, bei welcher sich auch der Abg. Dr. Windthorst betheiligte, an die Kom­mission verwiesen.

Bei Kapitel „Statistisches Bureau" erklärt auf eine Anfrage der Negierungskommissar, die Aufnahme einer Grundeigenthumsstatistik fei im Gauge. Für eine Ver­minderung der Belastung des Amts der Gemeindevorsteher mit den statistischen Nachweisungen werde möglichst Sorge getragen werden.

Bei Kapitel „Meteorologisches Institut" wünscht Abg. Huyssen eine Vermehrung der Mittel für das Institut und die Wiederherstellung der eingegangenen Station auf dem Brocken.

Abg. Reichensperger bemängelt die Overzier'schen Monatsprognosen und stellt die Wichtigkeit der Wetter- pragnosen für die Laudwirthschaft überhaupt in Abrede.

Abg. Dr. Thilenius wünscht die Beschleunigung der Reorganisation des meteorologischen Instituts.

Der Regierungskommiffar erklärt, bis zur Verlegung des nächsten Etats werde die Reorganisation hoffentlich zum Abschluß gelangen.

Abg. Seehusen bittet, die Sturmsignale nicht bloß nach der See, sondern auch an die Küsten auf dem Lande zu geben. ,

Bei Kapitel „Standesämter" beklagt Abg. v. Wiecz- binski die Germanisirung der polnischen Namen.

Abg. v. Tiedemann weist demgegenüber auf die von den Polen beliebte Polonisirung deutscher Namen hin.

Abg. Dr. Windthorst benutzte den Anlaß, um dar­auf hinzuweisen, daß es besser gewesen, die Geschäfte der Standesämter bei der Geistlichkeit zu belasten, was freilich nur wenig Anklang auf der linken Seite des Hauses fand.

Bei Kapitel „Landrathsämter" bringt Abg. v. Hoenika den Fall des Gemeindevorstehers Fuhrmann gegen den Landraths-Stelloertreter Ohlen zur Sprache und wünscht

Aus Stadt, promnz und Zlacbbargebiet.

Fulda, 18. Dezember.

X Das bischöfliche Generalvikarial zu Pader­born macht im .Amtlichen Kirchenblatt' bekannt: „Nach den Gesetzen vom 27. April 1872 und 17. Januar 1881 sind die ^geistlichen Institute als Berechtigte nur noch bis zum 31. Dez. d. I. in der Lage, die Ablösung der Nealberech- tigungen (Realabgaben) zu beantragen.....

Da es in sehr vielen Fällen bei der Unsicherheit der Abgabenverhältnisse, speziell auch, weil io manche Abgaben in das Grundbuch nicht eingetragen sind, dringend zu wünschen ist, daß die Abgaben abge­löst werden, so veranlaffen wir die Kirchenvor­stände, sich schleunigst (falls der Ablösungsantrag nicht schon gestellt ist) mit den kirchlichen Gemeinde­vertretungen über den Antrag in das Einvernehmen zu setzen und nach erfolgtem Einvetständniß bei der königl. General-Kommission zu Münster so zeitig den Ablösungsantrag zu stellen, daß derselbe vor dem 31. Dez. d.J. dort anlangt. Der An­trag aus Ablösung der den geistlichen Instituten zustehenden Realabgaben muß sich aber auf alle Realabgaben erstrecken, welche für die geistlichen Institute (Kirche, Pfarre, Küsterei, Kaplaner rc.) auf den Grundstücken desselben Gemeindeverbande» haften." — Wie uns mitgetheilt wird, will da» Bischöfliche Generalvikariat zu Fulda in den allernächsten Tagen eine gleiche Weisung an die Kicchenvorstände der Diözese preuß. Antheils er­gehen laffen.

+ Nach dem in der Generalversammlung des Bürgervereins am verfloffenen Samstag erstatteten Rechenschaftsbericht beläuft sich das Vermögen der Gesellschaft auf 34,400 Mark, die Zahl der or­dentlichen Mitglieder beträgt 285, außerdem ge­hören dem Vereine 24 außerordentliche Mitglieder, 23 Damen - Mitglieder und 12 zeitweilige Mit­glieder an. Die Generalversainmlung ernannte einstimmig den Herrn Kantor Hill zum Ehren« mitgliede des Vereins. Herr Hill hat dem Ver­eine ununterbrochen 48 Jahre lang angehört und fungirte seitdem während 13 Jahren (von 1866 bis 1880) als Präsident.

in zweiter Instanz. Die Verhandlung dürfte fünf Tage lang dauern. Das Auditorium besteht Haupt- 1 sächlich aus Journalisten und Stenographen.

Spanien. '

* Madrid, 17. Dez. (Ein Manifest Zo- ; rilla's) wurde beschlagnahmt und den Gerichten überwiesen, weil es die V-rtheidigung des mili- tärischen Aufstandes und eine Aufreizung zut Re­bellion enthält.

* (Ein peinlicher Zwischenfall), den der Ma­drider französische Gesandte Baron Desmichels bei sei­ner Rückreise aus Paris auf der Grenzstation Jrnn her­vorries, macht in Madrid viel von sich reden. Der Baron hatte bei einem Gang in der Umgebung des Bahnhofs ein Gebiet Betreten, welches dem Publikum verschlossen ist; als die spanischen Beamten den französischen Gesandten mit ehrerbietiger Höflichkeit auf dieses Vergehen aufmerksam machten, ließ der Diplomat, einem Bericht der .Times' zu­folge, sich von seinem reizbaren Temperament soweit fort­reißen, die spanischen Beamten, welche lediglich ihre Pflicht erfüllten, durch Wort und That zu mißhandeln. Der sonderbare Austritt nahm erst ein Ende, als der Expreßzug nach Madrid abging: der erregte Baron, welcher denselben bestieg, ließ sich zum Schluß noch die Drohung entfahren, er werde die Entlassung der betreffenden Beamten erwir­ken. In der That hat Baron Desmichels vom spanischen Ministerium die Verabschiedung der Bahnbeamten verlangt; aber das Ministerium war trotz seiner bekannten Hinnei­gung zu Frankreich nicht in der Lage, dieselbe zu bewilli­gen. Denn die Bevölkerung macht kein Hehl aus ihrem Aerger über das unbegreifliche Verhalten des Franzosen; alle Blätter, selbst die republikanischen, deren Radikalismus sonst mit heißer Liebe für die Schwester-Republik und die lateinische Liga schwärmt, lenken die ernste Aufmerksamkeit der Regierung aus diesen Vorfall, der in der That ein be­zeichnendes Schlaglicht auf die Stimmung zwischen Paris und Madrid wirft.

(Lhina.

* Hongkong, 17. Dez. (Truppenland­ung.) Nach einem Telegramm des .Bureau Reuter' ist ein Transport von 6000 Franzosen auf der aus Kanonenbooten und Schaluppen be­stehenden Flotille nach Sontay abgegangen. Sie landeten 7 Meilen von Sontay und bezogen, ohne Widerstand zu finden, ein Lager. Die Macht des Feindes wird auf 20,000 Mann geschätzt. Die Besatzung von Hannoi beträgt gegenwärtig vier Kompagnien.

Der deutsche Kronprinz in Italien.

Genua, 17. Dez. Der Kronprinz empfing ith Stadthause den Gemeinderath, sprach seine hohe Befriedigung über den herzlichen und enthusiastischen Empfang aus und ersuchte den Bürgermeister, seinen Dank zur Kenntniß der Bürgerschaft zu bringen. — Der Kronprinz empfing gestern Nachmittag die Spitzen der Behörden, den Generalkonsul Bamberg und eine Deputation der deutschen Kolonie, welche eine Adreffe überreichte. Der Kronprinz unterhielt fich huldvollst mit der Deputation und sprach seine hohe Befriedigung über die Sympathie-Kund­gebungen tt,§, die er überall von den Deut­schen erfahren. Der Kronprinz besuchte auch den Bürgermeister. An dem Diner nahmen 22 Personen Theil. Zur Rechten des Kronprinzen saß Keudell, zur Lmken der Bürgermeister. Der Kronprinz toastete auf Genua, der Bürgermeister auf den Kaiser und die Mitglieder des Königs­hauses. Später besuchte der Kronprinz die Mar­quise Durazzo-Pallavicini. Die Straßen beim Kö­nigspalais waren illuminirt, und alle Zugänge von dichten Menschenmassen angefüllt, welche den Kron­prinzen, sobald er sich zeigte, mit lebhaften Zu­rufen begrüßten. Die Abreise des Kronprinzen nach Rom erfolgte Nachts 12*/2 Uhr. Auf dem festlich geschmückten, glänzend erleuchteten Bahn­hofe stand eine Ehcenkompagnie, deren Musikkorps die preußische Volkshymne spielte; außerdem wa­ren die Mitglieder der Behörden, die Angehörigen des genuesischen Adels und der deutschen Kolonie, sowie die Kommandanten und Offiziere der deut­schen Kriegsschiffe zur Verabschiedung anwesend. Unter begeisterten Hochs auf die Deutschen und unaufhörlichen Eovioas der maffenhaft versam­melten italienischen Bevölkerung erfolgte die Ab-