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1883.

Montag, 6en 17. Dezember

M 289.

Die ,Fuldaer Bettung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne «ringerlohn-und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne UNd Blumen' m Fulda 1 Mk^ 70 Pfg., auswärts 1 M. 5 Pfg

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Deutsches Reich.

Fulda, 17. Dezember.

(Zum Besuche des Kronprinzen in R o m.) Verschiedenen katholischen Zeitungen (.Ger­mania', .Westph. Merkur', ,Echo der Gegenwart', ,Deutsche Reichsztg.') ging von einem römischen Korrespondenten folgendes Telegramm zu:

„Herr v. Schlözer hat seit zehn Tagen lebhaften Ver­kehr mit dem Vatikan. Die Nachricht von der Romreise des Kronprinzen war dem Vatikan am Dienstag aus Ma­drid gemeldet worden. König Humbert und der Botschaf­ter v. Keudell werden dem Kronprinzen entgegen reisen. Gestern Mittag hatte Herr v. Schlözer eine lange Kon­ferenz mit dem Kardinal-Staatssekretär Jakobini. Der Kronprinz wird im kleinen Palast neben dem Quirinal absteigen. Eine offizielle Fahrt vom Quirinal nach dem Vatikan wird nicht erfolgen. Im Vatikan wird ein feier­licher Empfang stattfinden. — Der,Moniteur de Rome' weist heute darauf hin, daß das Einvernehmen mit dem Vatikan der Weg zur Beendigung des Kulturkampfes fei."

Aus dem inhaltlich gleichlautenden, aber von

> den verschiedenen Blättern verschieden redigirten Telegramm hat die ,Germania' den vom ,Echo' und der .Deutschen Reichszeitung' mitgetheilten Satz: „Die Reise des Kronprinzen gilt für einen Schach­zug Bismarks in der preußischen Kirchenpolitik'' iveggelajfen, und zwar, wie uns scheint, mit vollem Recht. Die Kritik des Besuches im Vatikan wird sich schon bald aus den Th als ach en ergeben, die diesem Schritte folgen oder vielleicht nicht fol­gen werden. Man ist bei uns in Preußen ge­wohnt, bei gewisien Leuten die äußeren Thatsachen und das Wesen wie den Zweck der Dinge stets scharf auseinanderzuhalten. Die katholische Presse beweist mit einer instinktiven Einmüthigkeit, daß sie auch dem neuesten „Ereigniß" gegenüber diese feine Unterscheidung nicht aus den Augen läßt. Sie beurtheilt den Besuch im Vatikan vorläufig äußerst ruhig, beobachtend und zurückhaltend. Sie steht dabei auf dem sichern Boden der Erfahr­ungen. — Die römischen Telegramme der ge­nannten katholischen Blätter scheinen übrigens eine gewisse Stelle sehr verstimmt zu haben. We- i nigstens erklärt die .Norddeutsche' neuerdings, „das I Telegramm der .Germania', der Vatikan habe

(Q) Den Frieden gefunden 24 (Fortsetzung.)

Zu meinem Glück sahen die durchtriebenen Ver- schwörer nicht, wie es in meinem Innern wogte, sonst hätten sie ihren Vortheil noch weiter ausge- uutzt; ich wäre zu jeder Thorheit fähig gewesen. Heute habe ich jenen Menschen, die das frevel­hafte Spiel mit Liebe, Freundschaft und Vater­landsliebe trieben, alles verziehen, und ich blicke dankbar zu Gott auf, daß ich auch das eben Er­zählte vergessen kann und darf. Ich glaube kaum, daß ich die vollständige Ruhe des Gewissens und das ungetrübte Glück, desien ich mich erfreue, so genießen könnte, wenn jenes Geld nach dem Plane des Verschwörers verwendet morden wäre. Denn zur Unterstützung des allerniedrigsten Meuchelmor­des waren jene zweitausend Lire bestimmt. Bru- nello und seine Genosien wußten, daß alle ihre Versuche, jene wackern Männer, die sich aus den edelsten Beweggründen in die Reihen der päpst­lichen Streiter hatten aufnehmen lasien, zum Ver- rath zu verleiten, vergeblich seien. Das päpstliche Heer sollte auf andere Weise geschwächt werden. Man hatte den teuflischen Plan entworfen, die Kaserne der Zouaven zur Stunde, wo alle Sol­daten in derselben versammelt seien, in die Luft zu sprengen, und die Summe, welche Brunello mir entlockte, sollte — ich bebe heute noch, wenn ich daran denke — zu diesem meuchlerischen Pro- jette verwandt werden."

am 11. Dezember die offizielle Mittheilung von der Ankunft des Kronprinzen erhalten, sei falsch, dem Vatikan sei bis Sonnabend noch keine offizielle Mit- theilung von der Ankunft des Kronprinzen zuge­gangen, daß dieselbe rechtzeitig erfolgen werde, sei außer Zweifel; die .Germania' sei auch im Jrr- thum, wenn sie behaupte, die Initiative zum Be­suche des Kronprinzen beim Könige und Papst sei nicht vom Auswärtigen Amt ausgegangen; zu den Pflich­ten des auswärtigen Resiorts gehöre auch die Sorge für die Beachtung der Regeln der internationalen Höf­lichkeit zwischen den Regierungen und Souveränen." Soweit die ,Nordd. Allgem. Ztg.'. Hoffen wir, daß dieselbe Stelle, von welcher die Instruktion zu diesem Artikel ausgegangen zu sein scheint, der­selben .Norddeutschen' nächstens auch über die „Beachtung der Regeln der internatio­nalen Höflichkeit" gegenüber dem souveränen Papste eine Vorlesung hält. Möglich, daß die paffende Höflichkeit der Sprache auch dem Papste gegenüber bisher nur vergessen worden ist. — Auf die englische Presse scheinen die bekannten offiziösen Abwiegelungs-Versuche ihren Eindruck ganz verfehlt zu haben. Sie beurteilen fortge­setzt den Papstbesuch als ein sehr wichtiges poli- tischeö Ereigniß. So spricht sich der einflußreiche — .Standard' in einem Leitartikel im Interesse des europäischen Friedens sehr warm für den Be­such aus, ja er meint, ihn sogar als ein Ereigniß bezeichnen zu können, dem an Bedeutung und Tragweite feit der Wiederaufrichtung des deutschen Kaiserreichs keines gleichzustellen sei. Gewiß aber heiße es nicht nach Kanossa gehen, wenn der Erbe des deutschen Kaiserthrons im Quirinal als Gast des Sohnes Victor Emanuels wohne, und ganz gewiß liege auch wenig von einem Olmütz darin, wenn der Erbe des deutschen Thrones durch die Haupt­stadt Rom reite ober fahre an der Seite des Kö­nigs des freien und einigen Italiens. Weiterhin meint der .Standard', das Europa von 1883 sei nicht mehr dasjenige von 1873, auch Deutschland habe in diesem Jahrzehnt ernste Erfahrungen ge­macht, welche seinem großen Staatsmann die lieber« zeugung verliehen haben müßten, daß das Papst-

Jch konnte mich eines Schauders nicht erwehren -bei den Worten Walther's. Dunkel erinnerte ich mich der Thatsache; aber die Einzelheiten waren mir im Laufe der Jahre entfallen. „Welchen Verlauf nahm denn jenes schmachvolle Vorhaben?" fragte ich.

„Die Unterminirung der Kaserne gelang nur zu gut, und alles war vorbereitet, um eine ent­setzliche Katastrophe herbeizuführen. Die Mine sollte in der Nacht entzündet werden, und die Ver­schwörer würden dadurch zweierlei erreicht haben: ein Mal wäre ohne Zweifel der weitaus größte Theil der Zouaven getöbtet worben, unb zum an- bern hätten bie Garibalbiner, welche sich heimlich in Rom aufhielten, bie Verwirrung benutzt, irgend einen Putsch auszuführen. Wodurch es kam, weiß ich nicht; aber die Mine explodirte vor der Zeit bei Tage, und da im Augenblicke der Explosion sich nur wenige Zouaven in der Kaserne befanden, so war die Zahl der Opfer verhältnißmüßig ge­ring. An eine weitere Ausbeutung des teuflischen Planes war nicht zu denken, vielmehr schadete dieser Akt der tiefsten sittlichen Verkommenheit der Sache Garibaldi'S sehr bedeutend."

„Und wie kam es, daß Dein Geld nicht zu seinem ursprünglichen Zwecke verwandt wurde?" fragte ich den Freund.

„Einige Tage fpater," antwortete Walther, „war ich ohne Absicht Zeuge eines Gespräches zwischen dem alten Brunello und Giovanni. Ich hörte

thum eines der konservativsten und friedlichsten Elemente bilden würde, wenn man mit ihm in direkte Verständigung treten könnte. Der .Stan­dard' schließt mit folgenden Worten:„ Wie immer man daher die Reise beurteilen möge, man muß in derselben einen neuen Beweis von dem tiefen und besorgten Wunsche des deutschen Kaisers nach Frieden erblicken: Frieden jeder Art, sowohl gei­stigem als zeitlichem Frieden. Andere große Kaiser haben fremde Hauptstädte als Eroberer besucht, und auch der deutsche Kaiser ist in seiner Art ein Eroberer. Aber er schickt seinen Sohn nach Spanien, nach Italien, zum Papst, nicht mit einem Schwert, sondern mit dem Oelzweig in der Hand. Das ist eine stolze Stellung, doppelt stolz durch den schönen Zweck, zu dem sie gebraucht wird."

Wir geben dieses Urtheil des .Standard' wieder, um zu zeigen, wie man auch heute noch in Eng­land über den Besuch im Vatikan denkt. Die Einzelausführungen des ,Standard' machen wir darum doch keineswegs zu den unfrigen.

* (Ein katholischer lommanbirenbe r General.) Der .Köln.Ztg.' wird von Berlin gemeldet: „In kürzester Frist wird sich in der höchsten militärischen Stelle einer der westlichen Provinzen ein Wechsel vollziehen; derselbe könnte zur Folge haben, daß der neulichen Windthorst'- schen Klage über das Fehlen eines katholischen kommandirenden Generals Abhilfe geschehe. Einer der ältesten Anwärter auf das Generalkommando ist nämlich der katholische Freiherr v. Los, Gene­ral-Adjutant des Kaisers und zur Zeit Komman­deur der 5. Division in Frankfurt a. O., derselbe, der vor wenigen Wochen die diplomatische Mission nach Spanien hatte und den Kronprinzen auf der Reise begleitete."

Frankreich.

• Paris, io. Dez. (Botschaft beim hl. Stuhle.) Die Kammer hat gestern den Antrag beS radikalen Raspail auf Aufhebung der fran­zösischen Botschaft beim hl. Stuhl mit 325 gegen 191 Stimmen abgelehnt. Die Gegner Roms gingen in der Debatte so weit, daß sie sogar die wie der erstere seinem Sohne mittheilte, daß die Verhältniffe am Hose zu Paris äußerst ungünstig für ihre Sache ständen, und daß die Leiter der Verschwörung darin übereinstimmten, sofort einen tüchtigen und zuverlässigen Freund nach der fran­zösischen Hauptstadt zu senden, um mit Hülfe dor­tiger einflußreicher Gesinnungsgenossen jener Strö­mung entgegen zu arbeiten.

„Dazu", so fuhr Brunello laut lachend fort, „dazu kommen uns die zweitausend Lire Deines Freundes ungemein gelegen, und ihre Verwendung ist in Paris vielleicht von mehr Erfolg als in Rom."

Mir war es ganz gleichgültig, ob das Geld auf diese ober jene Wette verwendet würde, so­bald der Zweck nicht ein direkt verbrecherischer war. Einige Zeit nachher theilte der alte Bru­nello mir selber bie geänberte Verwendung mit, wobei er hinzufügte, daß für bas Unternehmen in Rom eine anbere HülfSquelle sich erschlossen habe. Auf biefe Weise barf ich ohne qualvolle Gewissens- bisse an jene Unterstützung zurückdenken. Doch laß mich in meiner Lebensgeschichte fortfahren.

Seit jener thönchten Freigebigkeit war im Be­nehmen Blanda'S gegen mich eine bedeutende Ver­änderung vorgegangen. Ein fast freundschaftlicher Ton verdrängte die bisherige mehr höfliche Zurück­haltung , unb je weiter ich auf bie Pläne ber Ver­schwörer einging, desto freundlicher blickte ihr Auge, desto herzlicher war der Druck ihrer Hand. Wie