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Fumer Leitung.

Freitag, den 14. Dezember

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1883.

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Deutsches Reich.

Fulda, 14. Dezember.

* (Ueber die Rückkehr des Bischofs von Limburg) spricht sich der .Monit. de Rome' vom 12. d. also aus: „Die preußische Regierung hat soeben den im Exil lebenden Bischof von Limburg, Msgr. Blum, begnadigt. Von ganzem Herzen applau- diren wir zu dieser gerechten Reparationsmaßregel. Sie wurde schon seit einiger Zeit erwartet. Man wundert sich, daß die Regierung die schöne Gele­genheit des nationalen Niederwaldfestes hat vorüber­gehen lassen, ohne wenigstens die Bischöfe von Lim­burg und Münster zurückzurufen. Das ift seit dem Sommer 1882, wo die Negierung vom Landtage die Vollmacht zur Rückberufung der exilirten Bi­schöfe empfing, der erste Prälat, dem die Wieder­kehr in seine Diözese gestattet worden ist. Msgr. Blum ist ein fast erblindeter Greis, der seit dem Tage krankt, wo die Verfolgung ihn seiner theueren Heerde entriß. Er residirte auf Schloß Haid, wo ihm der Fürst Löwenstein die liebevollste Gastfreund­schaft bot. Wird seine Gesundheit ihm gestatten, in seine Diözese heimkehren zu können? Wir hof­fen es. Welche Genugthuung, welche Freude für die Diözese Limburg, wenn ihr Hirt unter sein Volk zurückkehren kann, das ihn mit seinem alten siegreichen Glauben, seiner unerschütterlichen Treue unter Beifall mit Verheißungen des Friedens und der Sicherheit umringen würde. Wie gerecht aber auch dieser Jubel ist, ihm ist doch Bitterkeit bei­gemischt. Die Verwaltung einer Diözese, die fort­gesetzt unter dem Regiment des Kulturkampfes seufzt, wird so schwierig und so prekär sein. Es wird laut dem betrübenden aber zutreffenden Aus pruche Herrn Windthorst's einen Bischof in vinculis mehr geben."

* (Aus Rom.) Ter Kaiser Wilhelm hat, wie die italienisch-offiziöse »Agenzia Stefani' meldet, direkt an König Humbert eine als herzlich bezeichnete Depesche geschickt, und zugleich hat die Berliner Negierung der italienischen offizielle Mit­theilungen gemacht. Als den gemeinsamen Inhalt dieser Erklärungen führt die .Agenzia Stefani' Folgendes an:

Der Besuch des Kronprinzen in Rom erfolge auf Wn Wunsch des Kaisers. Der Kronprinz nehme die ihm im Quirinal angebotene Gaslsreundschaft an. Zweck der Reise des Kronprinzen sei, für den ihm von der italieni­schen Bevölkerung zu Theil gewordenen Empfang zu danken und die zwischen den beiden Herrscherfamilien und den beiden Nationen bestehenden Bande immer fester zu knüpfen.

Selbstverständlich können in den Mitlheilungen an den italienischen Hof und dessen Regierung die Ziv.cke der kronprinzlichen Reise nur insoweit zur Sprache kommen, als sie den B-such beim Könige betreffen. Die Angelegenheit des Besuches beim Papste wird durch diese Verhandlungen nicht berührt. — Aus Rom wird der,Köln.Ztg.' von ihrem bekannten Posthorn-Korrespondenten neuer« dinas gemeldet:

Der Vatikan betrachtet im Einklang mit der hiesigen öffentlichen Meinung den Besuch des Papstes als Haupt­zweck der Reise des Kronprinzen und ist mißvergnügt über die von osfiziöser Seite aus Berlin veröffentlichte gegen: theilige Deutung. Der Vatikan hegt den jedenfalls ver­geblichen Wunsch, daß der Kronprinz nicht in offizieller Form zum Könige komme, besteht aber darauf, daß der Empfang im Vatikan feierlich sei, und daß des Kromrinzen Aaffabrt dazu nicht unmittelbar von der italienischen Königsburg her stattfinde. Es wird indessen sowohl im Quirinal wie im Vatikan für den betreffenden Besuch ge­rüstet. Hiesige Regierangskreise beobachten in Betreff der Frage, in welcher Form der Besuch beim Könige stattfin­den werde, die äußerste Zurückhaltung und beschränken sich auf die Versicherung, daß der Besuch zunächst ein Schritt der Höflichkeit gegen den König sein werde, und daß die Thatsachen selbst alle gegenteiligen Gerüchte zer­streuen würden. Im Quirinal ist kein Zweifel, daß der Papst den Kronprinzen empfangen werde.

* (Aus Rom) wird Der ,Frkf. Ztg.' unter

dem gestrigen Datum gemeldet: „Der vatikanische .Osservatore' läßt sich aus Wien schreiben, daß die römischeReise des deutschen Kronprinzen hauptsäch­lich dem Vatikan gelte. Es verlautet, daß der Kronprinz nur eine Privat-Audienz beim Papste verlangen und kein offizieller Empfang im Vatikan stattfinden wird. Das Programm der Festlichkeiten ist noch nicht endgültig feftgestellt. Der Botschafter v. Keudell hatte heute eine nochmalige Unterredung mit dem königlichlichen Hofmeister, Syndikus Tor- lonia, und Maneini wegen Feststellung des Pro­gramms. Zeitmangels halber wird der Stadtrath keinen großartigen Empfang veranstalten können.

* (Die neuen Steuervorlagen.) Dem Vernehmen nach ist die Vorlage, betreffend die Einkommensteuer und betreffend die Einführung einer Kapitalrentensteuer, in der gestrigen Staats- ministeriaisitzung endgiltig festgestellt worden und befindet sich augenblicklich im Kadinet des Kaisers zur allerhöchsten Genehmigung. Ebenso liegen die Grundzüge zum Unfallversicherungsgesetz jetzt dem Kaiser vor uno werden dieselben, sobald Der Kai­ser die Zustimmung ertheilt hat, den Bundesregie­rungen zur gutachtlichen Aeußerung zugesendet wer­den. Die Ausarbeitung des Gesetzentwurfs selbst dürfte eine Verzögerung hierdurch nicht erfahren, da die Arbeiten für denselben inzwischen weiter ge­fördert werden. Was das Steuergesetz betrifft, so bestätigt sich, wie aus Vorstehendem ersichtlich, die Miltheilung, daß zwei Gesetzentwürfe dem Abgeordnetenhause zugehen werden, der eine be­trifft die Einkommensteuer, der andere die Ein­führung einer Kapitalrentensteuer; dagegen ist die Mittheilung, daß ein besonderer Gesetzentwurf über die Heranziehung der Aktiengesellschaften zur Ein­kommensteuer ausgearbeitet ist, nicht zutreffend; vielmehr sind auch die Aktiengesellschaften in den Entwuif über die Einkommensteuer mit einbezogen und, wie ich höre, nur hinsichtlich des Einkommens aus denjenigen Unternehmungen, welche den Berg- Werks- ober Eisenbahnabgaben unterliegen, befreit. Die Kapitalrentensteuer soll bei einem Einkommen von mehr als 10,000 Mark ab für je 100 M 2 M. betragen, von . 0,000 M. abwärts verrin­gert sie sich um 10 Ps. in dem Abschnitt von 10,000 bis 6000 M. pro 1000 M., in dem Ab­schnitt von 6000 bis 1800 M. pro 600 M. und in dem Abschnitt von 1800 bis 600 M. pro 300 Mark weniger Einkommen aus Rente.

* Breslau, 12. Dez. (Gehaltsaufbesse­rung der kath.-theol. Professoren.) In der vorigen Landtagssession hatte sich bei der Be- rathung des Kultusetats ein Mitglied des Cent­rums darüber beschwert, daß die Gehälter der Piofessoren der katholisch-theologischen Fakultät zu Breslau nicht entfernt die Sätze erreichten, welche die Professoren anderer Fakultäten speziell der evan­gelisch-theologischen Fakultät beziehen. In den letz­ten Tagen hat nun der Kultusminister, wie dem ,Wests. Merk.' geschrieben wird, eine Aufbesserung der Gehälter jener Professoren endlich in der Weise eintreten lassen, daß jetzt wenigstens der höchstbe­soldete Prof.ffor der katholisch-theologischen Fakul­tät das Gehalt des Minbestbesoldeten in der evan­gelisch-theologischen Fakultät erreicht.

Q München, 12. Dez. In vergangener Woche haben die Debatten über die Frage, ob der Malz aufschlag in der bisherigen Höhe weiter erhoben werden solle, die Haupt­aufmerksamkeit fast der gesammten Bevölkerung auf sich gezogen. In Bayern wird bekanntlich von jedem Hekto­liter Bräumalz eine Staatssteuer von 6 Mark erhoben und da weit über 5 Millionen Hektoliter Malz bei uns all­jährlich verbraucht werden, so trägt diese Steuer der Staats­kasse das erkleckliche Sümmchen von fast 32 Millionen jährlich ein. Bis zum Jahre 1879 betrug der Malzauf­schlag nur 4 Mark. In den Interessentenkreisen wird nun behauptet, daß das kleine und mittlere Braugewerbe den erhöhten Satz nicht ertragen könne und gegenüber dem

Großbetrieb immer mehr in Nachtheil gerathe. Thatsache ist auch, daß seit dem Jahre 1879 viele kleinere und mittlere Brauereien eingegangen sind, während der Groß­betrieb sich eines geradezu wunderbaren Aufschwungs er­freut. Es ist daher schon seit längerer Zeit eine bedeu­tende Agitation in Szene gesetzt worden mit dem ausge­sprochenen Zwecke, für das kleine und mittlere Brauge­werbe gewisse Erleichterungen durchzusetzen. Die königliche Staatsregierung will hievon nicht recht etwas wissen, weil sie, um das Gleichgewicht im Staatshaushalt zu erhalten, der ganzen Summe zu bedürfen erklärt. Die beiden Kam­mern des Landtages wären schon damit einverstunden, daß dem kleinen und mittleren Braugewerbe gewisse Zuge­ständnisse gemacht würden, allein über die Art und Weise, wie dies zu geschehen habe, befindet man sich völlig im Unklaren; wenigstens ist bisher ein wirklich praktisch durch­führbarer Vorschlag noch nicht gemacht worden. Die Ver­handlungen im Finanzausschüsse sind daher auch einstwei­len resultatlos verlaufen. Man weiß noch nicht, was man thun soll. Soviel steht aber heute schon fest, daß wenig­stens für das erste Jahr der nächsten Finanzperiode der erhöhte Malzaufschlag wird weiter erhoben werden müssen. — Bei der Reichstagswahl im Wahlkreise Forchheim- Kulmbach ist der freikonservative Kandidat Frhr. v. Auf­seß mit Hilfe der Katholiken gegen den Fortschritts­kandidaten durchgedrungen. Meines Erachtens wäre es besser gewesen, wenn die Katholiken einen eigenen Kan­didaten aufgestellt hätten, da bei der eigenthümlichen Lage der dortigen Verhältnisse der Sieg des Centrums nicht völlig ausgeschlossen gewesen wäre. Ueber die Peftönlichkeit des neuen Abgeordneten will ich noch hin­zufügen, daß derselbe ein Sohn des bekannten Stifters des Germanischen Museums, Hans von Aufseß, ist, der be­kanntlich bei dem Einweihungs-Kommers der Straßburger Universität von einem „reichstreuen" Proftssor die Treppe hinuntergeworsen wurde und an den Folgen des Sturzes starb. Am Freitag hat dahier die Vorstandschaftswahl des „Katholisch-bayerischen Wahlvereins" statt- gefundcn. Dieser In fröhlichem Aufblühen begriffene Ver­ein hat bekanntlich den Zweck, die Kadrtzs für den Wahl­kampf zu bilden und durch Veranstaltung von öffentlicl en Versammlungen das Interesse der Wählerschaft an der poli­tischen Entwickelung unseres engeren und weiteren Vater­landes rege zu erhalten. Aehnliche Vereine sollen überall dort gebildet werden, wo die Vorbedingungen dazu vorhan­den sind. Es besteht kein Zweifel darüber, daß die Ver­wirklichung dieses Gedankens für die katholisch-bayerische Partei von größtem Voriheil sein müßte.

(Defterreid) - Ungarn.

* Wien, 13. Dez. (Sonntagsheiligung.) Das Abgeordnetenhaus beschloß 38 Petitionen, be­treffend die Sonntagsheiligung der Regierung zur eingehendsten Würdigung und baldigsten Berück­sichtigung abzutreten, auch die Linke stimmte dafür.

* Pest, 13. Dez. (Vertagung.) Das Abge­ordnetenhaus hat seine Sitzungen bis zum 10. Jan. vertagt.

Frankreich.

* (Kirchenpolitisches aus Frankreich.) Die Nachricht der ,Dofense', mehrere Kardinäle hätten dem Papste die Abberufung des Nuntius angerathen, wird von der offiziösen ,Agence Havas' eine irrthümliche genannt. Indessen geben doch selbst Regierungsblätter zu, daß die Beziehungen zu dem hl. Stuhle nichts weniger als herzlich sind. So erinnert das .Parlem.' daran, daß die Kammer erst jüngst die Seminarfreistellen, sowie zwei Drit­tel des Gehaltes für den Erzbischof von Paris ge­strichen und die Gememdezufchüsse zu den Kultus­kosten fakultativ gemacht, ohne daß die Regierung energisch dagegen proteftirte. Und das geichieht, sagt das liberale Blatt, in Dem Momente, wo Der Deutsche Kronprinz sich anschickt, Leo XIII. im Va­tikan zu besuchen. Das Kabinet läßt sich aber fi lbst Durch die liberale Mißbilligung von Kulttnkampfs- Maßregel nicht abhalten. Der Bischof von Tülle proteftirte jüngst in einem öffentlichen Schreiben gegen die Gehaltssperre eines seiner Pfarrer, die als rechtlich nicht begründete WiUkürmaßngel be­zeichnet wurde. Ter Bischof hat Dafür vom Mini­ster einen Verweis erhalten. Das genügt jedoch dem Gambettistischen .Paris' nicht; den Bischöfen muß, sagt das Blatt, für jedes Vergehen das Ge­halt gesperrt und schließlich auch der Palast ge-