JVs. 286.
Donnerstag, den 13. Dezember
1883
Fuldaer Hi Jeitung. .
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Deutsches Reich.
Fulda, 13. Dezember.
* Der .Frankfurter Zeitung' wird aus Berlin, 11. Dez. geschrieben: „Die.Germania' zieht die Mittheilung ihres eigenen Wiesbadener Korrespondenten, sowie die von der .Franks. Zkg.' reproduzirte Meldung der ,Fuld. Zkg', wonach die Rückberufung des Bischofs von Limburg bedingungslos erfolgt sei, insofern in Zweifel, als sie Grund zu der Annahme haben will, daß „in diesen Dementis der Ton auf dem Worte „Bedingung" liegt, und daß, wenn auch die Form einer Bedingung nicht gerade zutrifft, doch die Bestellung eines Koadjutors zu erwarten ist." Von bestinformirler Seite wird mir bestimmt versichert, daß gar kein Grund vorliegt, die Bestellung eines Koadjutors zu erwarten. Die ,Germ.' scheint diese Bedenklichkeiten nur in der seltsamen Absicht sortzusetzen, um den guten Eindruck, den die Rückberufung des Bischofs gemacht hat, abzuschwächen. Weßhalb wendet sich übrigens die ,Germ.' in dieser Angelegenheit nicht an ihren römischen Korrespondenten, der sonst für so gut unterrichtet gehalten wird? Es würde ihr auch von Rom bestätigt werden müssen, daß von der Bestellung eines Koadjutors gar keine Rede ist. Uebrigens werden selbst die Zweifel der ,Germ.' nicht lange vorhalten, denn die allernächste Zeit wird ja schon die in Frage gestellte Auffaffung vollauf bestätigen und rechtfertigen. Der Bischof von Limburg wird nach seiner Rückkehr die Regierung alsbald selbst in die Hand nehmen".
Wir geben diese in den s a ch l i ch e n Punkten durchaus zutreffenden Ausführungen wieder, müssen aber selbstredend die der .Germania' insinuirte „seltsame Absicht" als eine unbegründete Annahme zurückweisen. Die ,Germ.' hat sofort nach Bckanntwer- den der Nachricht von der Begnadigung des Limburger Bischofs ihrer großen Genugthuung und Freude über diesen Schritt der Regierung den bestimmtesten Ausdruck gegeben. — Um jede Deutung und Deutelung auszuschließen, wiederholen wir nochmals, daß die Bestellung eines Koadjutors
in Limburg nicht zu erwarten ist, und daß die gegentheilige Annahme der .Germania' sich nicht bestätigen wird.
* (Neber den Besuch des Kronprinzen issRom) geht der ,Germ.' folgendes Telegramm zu: “ „Gestern erhielt der Vatikan die offizielle Mit- theilung von der Ankunft des deutschen Kronprinzen. Es fand gestern eine Kardinalsversammlung statt, welche sich mit dieser Angelegenheit beschäftigte. Schlözer behcmptet, daß die Initiative zu diesem Besuche nid)tw oom Auswärtigen Amte ausgehe. Die Wohnungsfrage gilt noch als unentschieden", jltz- Der Schlußsatz findet seine Bestätigung in nachstehendem Telegramm des ,W. T. B.':
Rom, Dienstag 11. Dez., Abends. Die ,Opinione' begrüßt mit warmen Worten die Reise des Deutschen Kronprinzen nach Rom, da dieselbe ein glücklicher Anlaß sei, die zwischen den beiden Herrscherfamilien und den beiden Nationen bestehenden Freundschaftsbande noch mehr zu befestigen. Ein Besuch des Kronprinzen beim Papst bei diesem Anlaß sei sehr natürlich. Der gesunde Sinn der Italiener werde die Tragweite eines Ereignisses begreifen, deffen glückliche Wirkungen die Zukunst zeigen werde. Schließlich spricht die ,Opinione' den Wunsch aus, daß der Kronprinz im Quirinal sein Absteigequartier nehme. x
Berlin, 12. Dezember.
* (Bischofsbegnadigung. — Reise des Kronprinzen nach Rom.) Im.Reichsanzeiger' wacht der Oberpräsident von Hessen-Nassau unter Mittheilung der Begnadigung (t, BischoiS Blum bekannt, daß die, Cenfiten'iD des Bischofs am 8. Dex >,914 Mark, ISM nen habe, und daß an dem t Mark. —- -ne AmtSthätigkeit des königlichen-- -- ur die
bischöfliche Vermögensverwaltung uufgörii — Tie .Provinzial-Korrespondenz' schreibt, der Besuch des Kronprinzen bei dem König von Italien sei so direkt angezeigt, daß die Unterlassung ungleich auffallender gewesen wäre, als die Abstattung. Der Kronprinz berühre binnen kurzer Frist zum zweitenmal das Gebiet eines Staats, der zu dem deutschen Reiche in freundschaftlichster Beziehung stehe, mit dessen Souverän der Kronprinz durch enge persönliche Bande verbunden sei. Es nochmals bei der bloßen Durchreise bewenden zu lassen, wäre
mit den Rücksichten der internationalen Höflichkeit ebenso unvereinbar gewesen, wie mit der Natur der persönlichen Beziehungen beider Fürsten. Die Hauptstadt Italiens sei aber auch der Sitz des Oberhauptes der katholischen Kirche, bei welchem Preußen durch einen Gesandten vertreten, daher sei es selbstverständlich. daß der Kronprinz Gelegenheit nehme, den Papst zu besuchen. An der Absicht und dem Charakter des römischen Aufenthaltes des Kronprinzen werde damit nichts geändert. Die Veranlassung und die begleitenden Umstände der römischen Reise zeigten deutlich an, daß dieselbe nicht aus politischen Absichten unternommen und zu polilischen Zwecken bestimmt sei. — Die Begnadigung des Bischofs Blum gehöre zu der Reihe von internen Maßregeln, die die Regierung i ohne jede Nebenabsicht lediglich im Interesse der kaiholischen Unterthanen ergriffen und nicht erst jetzt ergriffen habe, während die römische Reise auf den Umstand zurückzuführen sei, daß der Kronprinz zum zweitenmale das Gebiet des Staats berühre, dessen Souverän in Rom residire.
* (Aus der interessanten Debatte des Abgeordnetenhauses über den Justiz- et at) bringen wir nachstehende im gestrigen Berichte allzu kurz behandelten Reden in weitläufigerem Auszuge nach:
Abg. vr. Windthorst: Die Angelegenheit, über welche hier debauirt rotriv, gehört eigentlich in den Reichstag. Das Prinzip te <">üzr«korm soll nicht angegriffen wer- d«s7 wöh' aber NN man einzelne Punkte hervor Hebri«. Es sind die Ko genannt worden, ich glaube aber, daß man sich darübe. nur ein Urtheil erlauben darf, wenn man das Ganze üb-rsehen kann. Die Anwalts- und Kbnsuktatisnskoften sind freilich hoch, aber ich meine, der Herr Justizminister hat Recht,- wenn er mit der Verminderung der Kosten nicht zu rasch vorgeht. Auskömmlich muß doch der Advokat gestellt werden. Zu gut geht es den Leuteu nicht. Die Herren Gutsbesitzer trinken vielleicht mehr Sekt als die Advokaten. (Heiterkeit.) Wenn man sich hier über die freie Advokatur beklagt, muß man doch folgerichtig verlangen, daß zur Vertretung der Parteien Staatsbeamte mit festem Gehalt eingeführt werden. Die freie Advokatur ist eine Errungenschaft, an der man nicht rütteln soll. Wenn der Herr Minister befüi ch- tet, daß dadurch ein Advokaten-Proletariat geschaffen und deßhalb die freie Advokatur beseitigt werden soll, so werd« ich ihn bis aufs Messer bekämpfen. Jemehr di«
<0, Den Frieden gefunden. 21 (Fortsetzung.)
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Das Geschäft mit Signore Cavazzo, der in der Thal eine ziemliche Anzahl hübscher Pferde besaß, erledigte sich zu unser Beider Zufriedenheit. Der schlaue Florentiner mochte bemerken, daß er jeden Preis von mir erhalten würde, und stellte dem- nach seine Forderung. Der enormen Höhe derselben schenkte ich keine Beachtung; hätte ich doch den zehnfachen Preis in meiner Verblendung gezahlt.
Endlich kam die verabredete Stunde. Mein Pferd stampfte ungeduldig vor der Thüre, und jetzt ertönte auch der Hufschlag von Giovanni's Pferde. Wir ritten den Arno entlang nach dem Versammlungsorte der vornehmen und schönen Welt von Florenz.
Die Cascinen sind der Lieblingsplatz der Florentiner, die zu Wagen oder zu Pferde dorthin eilen, um die erfrischende Kühle des Abends zu genießen und sich hier zu treffen. Was das Opernhaus im Winter ist, das sind die Cascinen in der übrigen Zeit des Jahres. Hier macht man den bekannten Familien seine Aufwartung, bespricht die Tagesneuigkeiten, knüpft Verbindungen an, reitet, fährt, unterhält sich, coquettirt und intri- guirt. Damals war Florenz noch Sitz der Regierung und die Hauptstadt des Landes. Der Hof mit seinem ganzen Anhänge wohnte dort, und
dieses trug natürlich mit dazu bei, die Bedeutung der Cascinen zu heben.
Als wir ankamen, staunte ich über die Menge der Wagen von den hocheleganten Equipagen mit betreßten und galonirten Dienern bis zur einfachen Miethkutsche herab. Hier versuchten junge Cavaliere durch Reiterkünste die Aufmerksamkeit der Damen zu erregen; dort hielten Andere an den Wagen, um mit den Insassen zu plaudern. Mein Äuge eilte forschend über die Wege, um Blanda zu erspähen. Zu meinem Aerger wurden wir fast jeden Augenblick von Bekannten Giovanni's ausgehalten, die sich nach seiner Reise und den Verhältnissen in Rom erkundigten. Ich war zu sehr von der Begierde, Blanda zu sehen, eingenommen, als daß ich besondere Aufmerksamkeit darauf gelegt hätte, mit welcher auffallenden Offenheit man von den Unternehmungen gegen Rom sprach. Selbst Offiziere und Beamten behandelten die Angelegenheit nicht, als ob es sich um ein völkerrechtswidriges Attentat, den Putsch eines Flibustiers, sondern um ein gerechtes, von der Regierung genehmigtes Unternehmen handele.
„Ah, voilä," rief jetzt Giovanni, nachdem er von einem altern Herrn, den er Nicotera nannte, und der sich heimlicher als die Andern aber auch eindringlicher nach den Verhältnissen in Rom erkundigte, Abschied genommen, „da ist ja meine schöne Cousine"!
Hastig wandte ich den Blick nach der angedeu
teten Richtung. Wirklich, da saß sie, eine Königin an gebietender Schönheit, in einfachem Miethwagen, dennoch die hocharistokratischen Damen in ihren reichen Equipagen durch den Glanz ihrer Erscheinung verdunkelnd.
Wir ritten bis dicht an den Wagen heran, und nach lebhafter Begrüßung von beiden Seiten, wobei Giovanni einige Worte im Florentiner Dialekt sagte, die ich nicht verstand, stellte er mich seinem Vater, dessen Schwester, der Mutter Blau- da'S unn dieser selbst vor. Des alten Brunello stechende Augen ruhten durchbohrend auf mir, während Blanda unter den langen seidenen Wimpern einen forschenden Blick über mich gleiten ließ.
„Ah, Signore von Hoheneck," — sie sprach meinen Namen so eckig, daß ich davon allein schon entzückt war — sagte sie nach Austausch einiger bei solchen Fällen gewöhnlichen Redensarten; „es ist nicht das erste Mal, daß wir uns sehen."
„Ei, wo wäre das denn gewesen?" fragte Giovanni lachend.
„Das erste Mal lag Dein Freund im Grase bei der Statue der Slbunbantia und hat ganz sicher gehört, was der Onkel von Deinen losen Streichen in Rom erzählte; das zweite Mal ist noch nicht lange her. Es war heute auf der Straße an unfern Hause; als ich eben hinunterblickte, sah ich Sie der Piazza Signoria zueilen."
„Und hast Du meine schöne Cousine auch gesehen?" fragte Giovanni.