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wie von anderer Seite (Reklam, Spemann rc.) schon lange danach getrachtet worden ist, durch Veran­staltung von billigen und dabei äußerlich anspre­chend ausgestatteten Volksbibliotheken die große Masse des unterhaltungsbedürftigen Publikums heranzuziehen und zu fesseln; es ist nicht minder bekannt, daß in den billigen Sammelwerken, die wir im Auge haben, neben manchem Guten auch viel, recht viel Schlechtes und Verwerfliches sich breit macht und seiner Billigkit wegen sehr leicht und bequem den Weg in's Volk findet.

Gegenüber diesen den billigen Markt beherr­schenden Unternehmen war es für den rührigen I. P. Bachem'schen Verlag immerhin ein großes Ri­siko, mit einem neuen Sammelwerke aufzutreten und gleich Anfangs schon die bestimmte Garantie für eine zeitweilige Fortführung desselben zu übernehmen. Glücklicherweise ist die Bachem'scke Idee auf einen fruchtbaren Boden gefallen, die in jeder Beziehung mustergültige und solide,Novellen­sammlung' hat mit ihren bisherigen Erscheinungen überall — und betonen wir dies vor Allem: nicht nur bei Katholiken, sondern auch bei Protestanten — eine so herzliche und sympathische Aufnahme gefunden, daß man ihr den glänzendsten Erfolg auch für die Zukunft prophezeien kann. Die.No­vellensammlung' verspricht in Wahrheit eine „belle­tristische Haus- und Familienbiblrothek" zu werden, die elegant und solid gebundenen, in Bezug aus typographische Ausstattung, Format und ange­wandtes Druckpapier vorzüglich zu nennenden Bänd­chen schmeicheln sich gar so leicht in Haus und Familie ein, sie sind wie geschaffen sowohl für den zarteren weiblichen Geschmack, wie für solide männ­liche Ansprüche. Und dies gilt nicht nur von der äußeren Erscheinung der Bücher, sondern auch von dem ungleich kostbareren Inhalt. Die uns zu Gesicht gekommenen Rezensionen, und nicht bloß diejenigen katholischen Blätter, sind voll des Lobes über die vorzüglichen, geschmackvollen und anspre­chenden Novellen, die bei der bewährten kritischen Sichtung des Herrn Verlegers zur Aufnahme in die Sammlung für würdig befunden worden sind. Klassische Feinheit und Eleganz der Sprache, meister­hafte Anlage und Behandlung des Stoffes, eine seltene Unschuld und Reinheit der Auffassung paaren sich in allen bisher erschienenen Werkchen mit einer spannenden und intereffanten Durchbildung der lneist sehr einfachen Handlung. Wir sehen hier von den Einzelwerken ganz ab, das Gesammturtheil paßt auf jede einzelne dieser novellistischen Perlen. Wir haben des Lobes viel gesagt, aber nicht zu viel; wer einmal ein solches Bändchen mit Muße durchgelesen hat, wird ganz gewiß auch das zweite und die folgenden zur Hand nehmen. Bei der seltenen Billigkeit des Preises (1 Mark) ist die Anschaffung der in bestimmten Zeiträumen erschei­nenden Bändchen auch den weniger Bemittelten ge­stattet, ja sogar dringend anzurathen. Da heut­zutage doch einmal im Palast wie in der Hütte der Drang zur geistigen Anregung und Unterhal­tung groß ist, und leider nur zu oft mit giftiger, verderblicher Lektüre befriedigt wird, so kann man diese billige Familienbibliothek mit gutem Gewiffen allen Denen anempfehlen, welche überhaupt für Unterhaltungsbücher Geld verausgaben. Für die Heranwachsende und reifere Jugend, sowohl weib­lichen wie männlichen Geschlechtes, läßt sich aber kaum eine beffere, sprachlichen Schönheitssinn und Geschmack, Empfindung und Gemüth veredelnde Lektüre finden, als diese von poetischem Hauch durchwehten, einfach sinnigen, und doch spannungs­vollen Novellen, deren Verfaffer und Verfafferin- nen zu den ersten und vornehmsten Zierden unserer neueren Belletristik gehören.

Aus den neueren Werken des heute ohne Zwei­fel an der Spitze der katholischen Verlagsanstalten stehenden I. P. Bachem'schen Verlages ließe sich noch manche andere schöne Perle herausheben, aber, wie schon gesagt, ist eine eingehende Besprechung der zahllosen herrlichen Produkte des katholischen Büchermarktes nicht die Aufgabe dieser Zeilen.

Sollen wir aber aus der großen Reihe von empfeh- lenswerthen Werken katholischer Verlagsanstalten noch einige besonders zu Weihnachts- und Festge­schenken geeignete hervorheben, so sind es die der Firma Herder in Freiburg, welche namentlich in geschmackvoll ausgestatteten Prachtwerken Vorzüg- liches aufweist. Die Verlagshandlung hat, wie auch in früheren Jahren, einen eleganten illustrirten Weihnachtskatalog erscheinen laffen, der jedem Re­flektanten auf Wunsch gratis zugesandt wird. Weih­

nachtskataloge sind überhaupt von allen größeren Verlagsanstalten entweder auf Buchhändlerweg oder direkt zu beziehen.

Der geneigte Leser möge, — das sei unser Schlußwort, — die obigen Ausführungen nicht miß­verstehen und ihnen eine über -baö Ziel hinaus reichende Deutung ' geben. Es hieße wissentlich die Unwahrheit sagen, wollte man alle in nicht katholischen Geschäften edirten Werke zu den schlech­ten oder weniger guten und zweifelhaften rechnen. Auf indifferenten Gebieten, besonders in Reisebe­schreibung , Erfindung, Technik, Spiel rc. haben namentlich die großen Leipziger, Berliner und Stuttgarter Verlagssirmen manches großartige und gediegene Werk der Oeffentlichkeit übergeben, aber man darf nie vergessen, daß gerade in den sich äußerlich als „indifferent" präsentirenden Werken der verderbliche Keim nur zu leicht in ta rnt merk­lichem Versteck ruhen kann, weßhalb auch diesen „indifferenten" Editionen gegenüber eine eingehende Prüfung des Text-Inhaltes und nicht minder des Bilderschmuckes geboten erscheint. Wer sich bewußt ist, welchen Einfluß das gedruckte Wort auf jeden bildungsfähigen Geist, und daher vor Allem auf das weiche lenksame Gemüth der Jugend hat, wird unserer Mahnung folgen und sich in Sachen des Bücherkaufes die äußerste Vorsicht angelegen fein laffen.

Zuckerfabrikation und Bienenzucht.

Die vom Verein der Industriellen des Re­gierungsbezirks Köln an den Reichskanzler gerichtete Denkschrift gegen das Bienenschutz-Gesetz wen­det sich hauptsächlich gegen die in dem vorgeschlagenen Ge­setz getroffenen Bestiminungen in Bezug auf das massen­hafte Tobten der Bienen, welches mit einer Geldstrafe bis zu 600 Mark oder Gefängniß geahndet werden soll. Es wird des Weitern dann die Gefräßigkeit der Bienen in den Zucker-Raffinerien und Zuckerwaaren-Fabri- ken und der diesen erwachsende Schaden angeführt. Unter Anderm wird behauptet, daß die Bienen große Löcher in die Zuckerbrode fräßen, und daß einer Raffinerie beispiels­weise in co. 90 Tagen ein Schaden von 3600 Mk. erwachsen sei. Eine andere Raffinerie veranschlagt den Raub der Bienen auf mindestens einen Centner Zuckersyrup pro Tag, da man sie von den Reservoiren für Deckkläre und von den Syrup-Rinnen nicht entfernen könne. Aus der Rheinpfalz wird konstatirt, daß die Bienen in den Fabriken sich buchstäblich zu Tode fräßen, und daß der weggeschleppte Zucker wohl einige Centner täglich in einer Fabrik ausmache. In Braunschweig hat man Aehnliches wahrgenommen. Eine Kölner Zuckerwaaren-Fabrik behauptet, daß ihr eines Sonntages einKessel von 20 Pfund Zucker von den Bienen vollstän­dig geleert worden sei. (?!> Weiter wendet die Ein­gabe sich gegen die übrigen Schäden und Belästigungen der genannten Fabrikationszweige durch die Bienen. Die Bie­nen sollen die verschiedenen Klären und Syrupe verunrei­nigen und verderben, ferner die Abflüsse von Rohren und Rinnen verstopfen, sogar in die Zuckermühle sich verlieren, um mit dem Mahlgut als Stampfzucker zum Vorschein zu kommen. Die Zuckerwaaren sollen von den Bienen ange­bohrt und dadurch unbrauchbar gemacht werden. Am lästig­sten würden die Bienen den Arbeitern, welche durch die häufigen Stiche mitunter tagelang arbeitsunfähig würden. Weiter wird die Zudringlichkeit der Bienen erörtert. Man will nachweisen, daß dieselben nicht nur die großen, son­dern auch die kleinsten Oeffnungen zum Eindringen in die Fabrikräume benutzen. Das Vergittern der Fenster habe sich hiergegen als unwirksam erwiesen. Selbst die An­wendung stark riechender Substanzen, wie Carbolsäure und Ammoniak, sei erfolglos gewesen. Das Personal in den Fabriken sei oft gezwungen, bei der Massenhaftigkeit der in den Räumen umherschwirrenden Insekten Nothwehr oder doch Hausrecht zu üben. Am besten habe sich hierbei ein Bespritzen der an den Glasfenstern rc. schwirrenden Bienen mit heißem Wasser bewährt. Der Rückgang der Bie­nenzucht (der allerdings in quantitativer Hinsicht zuge­standen werden muß, aber in qualitativer Beziehung ver­neint wird) sei nicht in der größeren Ausdehnung der Zucker-Raffinerie, sondern in der Zollfrage zu suchen. Schließlich wird der Bienenzucht ein gesetzlicher Schuß aus den angeführten Gründen abgesprochen. Auch juristische Gründe, u. A. die Entscheidung des Gerichtes in Mainz, sprächen dagegen. Ebenso habe die humanistische Für­sorge für die Bienen keinen realen Boden, weil es sich bei der Vernichtung der Bienen in den Raffinerieen um eine Nothwehr gegen ein schädliches und geradezu gefähr­liches Insekt handle. Ferner wird noch der in verschiede­nen Städten bestehenden polizeilichen Verordnungen gedacht, welche die Petenten fernerhin für den Schutz der Raffinerien und Zuckerwaaren-Fabriken nicht verlangen, weil sie in der Ablehnung des Bienenschutzgesetzes eine Gewähr dafür erblicken, daß die Bienenzüchter in Zu­kunft ihre Bienenstände in größerer Entfernung von den Raffinerien rc. aufftellen.

Wir bringen die vorstehenden der .Köln. Vztg.' entnommene Mittheilungen auch für unsere an Bienenfreunden so reiche Gegend zur öffent­lichen Kenntniß, damit die Bienenzucht-Ver­eine Gelegenheit nehmen, in ähnlicher Weise, wie es vom Kölner Verein beabsichtigt wird, zu der obigen Frage im Interesse der Bienenzucht Stell- ung zu nehmen. Die obigen Daten scheinen uns dach an's Ungeheuerliche zu grenzen.

Vermischtes.

**, (Sturmfluth.) Heber die Sturmfluth in Kiel am 4. und 5. Dezember wurde bereits berichtet. Auch aus Lübeck, Swinemünde und Danzig laufen gleichlautende Berichte ein. Glück­licherweise sind nirgends Menschenleben verloren gegangen, wenn auch die Gefahr eine sehr große war.

*** (Großfeuer.) In Chikago brannte am 1. d. Mts. ein Theil des Farwell-Blocks nieder. 72 Mädchen, die in den oberen Arbeitsräumen mit Pelznähen beschäftigt waren, befanden sich in der größten Gefahr, und zwei von ihnen kamen in den Flammen um. Der angerichtete Schaden wird auf 200,000 Doll, veranschlagt.

,** (Die Weltausstellung) in Kalkutta ist am 5. d. feierlichst eröffnet worden.

(Die österreichische Her rscherfami« lie) scheint eine besondere Vorliebe für schrift­stellerische Arbeiten zu haben. Der Kronprinz Ru­dolph ist schon seit längerer Zeit Mitarbeiter an der in Wien erscheinenden Monatsschrift „Mitthei­lungen des Ornithologischen Vereins, Blätter für Vogelkunde, Vogelschutz und -Pflege". Er zeichnet seine Beiträge mit einem Stern. Die Kaiserin, welche als Dichterin auch hübsche Sonette verfaßt, hat sich vor kurzem eine kleine Druckmaschine ge­kauft und druckt ihre eigenen Werke, die sie zu einem zierlichen Bande vereinigen will.

(Kurz und bündig.) Sohn: Vater, ich mochte heut' Abend in den goldenen Mond gehen und ein Glas Bier trinken. Vater: So thu' was Du nicht laffen kannst. Sohn: Ja Vater, ich habe aber kein Geld. Vater: So laß, was Du nicht thun kannst.

(Der Ordnungsliebende.) Vater (zu seinem Sohne Studio): „Gestern Abend hast Du wieder einmal einen ordentlichen Rausch gehabt!" Sohn: „Ja, Gott sei Dank, bei mir ist immer Alles in der Ordnung!"

(Das seltene Fernrohr.) Kurz nach dem letzten Kriege von 1870/71 saßen in »iner Restauration mehrere junge Offiziere und erzählten sich von den Erlebnissen der jüngsten Zeit. Ein junger Lieutenant rühmte seinen Feldstecher (Dop­pel-Fernrohr), mit dem er in größter Entfernung die Bewegung des Feindes habe wahrnehmen kön­nen. Da sagte ein alter Major: „Ist wohl mög­lich ! Wir hatten zu -unserer Zeit kerne Feldstecher, wohl aber ausgezeichnete Fernrohre. Ich besaß eins, welches die entfernteste Dorfkirche so nahe vor das Auge brachte, daß man die Leute in der Kirche fingen hörte!"

,*, (Das Echo am Lnrleifelsen.) Kapitän eines Dampfboots: „Ich mache Sie aufmerksam auf das wunderbare Echo am Lnrleifelsen. Hören Sie: Ho hi ho!" — „Das ist ja reizend!" riesen einige Touristen. — „Noch erstaunlicher", fuhr der Kapitän fort, „erklingt ein Schuß. Hat Niemand der Herren eine Pistole oder einen Revolver bei sich?" Ein Handwerksbursche: „Herr Kapitän, einen Revolver hau ich nit, aber ein tüchtiges Dolchmesser; kann ich damit ufroarten ?"

**, (Automatische Photographie.) Ein Deutsch-Amerikaner soll einen Geldschrarck erfunden haben, der, sobald ein Einbrecher daran rührt, nicht blos eine Klingel ertönen läßt, sondern auch mit einem Strahl elektrischen Lichts die Gesichts­züge des Diebes derart beleuchtet, daß dieser von einem am Geldschrank befindlichen photographischen Apparat automatisch abkonterfeit wird. Echt „ame­rikanisch" in jeder Hinsicht!

(Der König der Thiere.) Lehrer: „Nenne mir einmal den König der Thiere". — Peter: „Der Elephant". — Lehrer: „Der Ele- phant ist zwar das größte unter den Landthieren, aber den König unter den Thieren nennt man ihn doch nicht. Diesen Namen gibt man einem Thier, das viel kleiner, sehr blutdürstig und berühmt ist durch die Stärke seiner Sprünge." — Lieschen: „Ich weiß es." — Lehrer: „Nun, dann sag's. — Lieschen: „Der Floh".________________________

Meteorologische Beobachtungen.

Wetterbericht der deutschen Seewarte eom 7. Dezember Bei meist schwacher Luftbewegung ist das Wetter über Centraleuropa im Norden trübe, im Süden fast wolkenlos. Daher hat auf letzterem Gebiete der Frost sehr stark zuge­nommen: München meldet 16, Prag 11, Chemnitz und Wien 10 Grad Kälte. In Süddeutschland ist allenthalben Schnee gefallen.

Fulda, 8. Dezember, Vorm. 12 Uhr: Barometerstand: 748,6 Mill. Thermometerstand: —2,’ Röaumur.