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Sonnabend, den 8. Dezember
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1883.
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Zweites Blatt.
* Gute Nachrichten.
Wir waren gt stern in der Lage, zuerst von allen Zeitungen die Begnadigung des Hochwürdigsten Herrn Bischofs von Limburg unseren Lesern mit« zutheilen und haben auch durch Telegramme, u. a. an unseren Landtagsabgeordneten Herrn Amtsrichter Gößmann und an die .Köln. Volkszeitung' der Nachricht weitere Verbreitung gegeben. Wie aus der Meldung mehrerer Blätter hervorgeht, ist durch unser Telegramm die Nachricht im Abgeordnetenhaus« bekannt geworden. Der .Post' zufolge, ist sie in nichtkatholifchen Kreisen als sehr unwahrscheinlich angesehen worden, hat später aber doch ihre volle Bestätigung gefunden, die wir in Anbetracht unserer Quelle gar nicht abzuwarten brauchten. Der gestern Abend erschienene .Staats-Anzeiger' konstatirt die erfreuliche Thatsache in seinem nicht amtlichen Theile durch folgende Notiz:
„Durch Allerhöchste Ordre vom 3. Dez.d. I. ist der Bischof Dr. Peter Joseph Blum, gegen welchen durch gerichtliches Unheil vom 13. Juni 1877 auf Entlassung aus dem Amte als Bischof von Limburg erkannt ist, begnadigt worden.
In Folge dessen ist die kommissarische Vermögensverwaltung in der Diözese Limburg aufgehoben und die Wiederaufnahme der eingestellten Staatsleistungen für diese Diözese, und zwar vom 1. Oktober d. I. ab, erfolgt."
e- Die Katholiken werden mit Freude und Dankbarkeit von dieser Entschließung der Kgl. Staatsregierung Kenntniß nehmen. Sie bezeichnet einen wichtigen Fortschritt auf dem Wege zur völligen Verständigung zwischen Staat und Kirche. Der bis dahin nur dem Buchstaben nach existirende sog. Bischofsparagraph hat nun seinb erste Anwendung gefunden, und die mit der Rückberufung des Bischofs Peter Joseph von Limburg ohne Weiteres verknüpften ferneren Maßnahmen, insbesondere die Wiederaufnahme der eingestellten Staatsleistungen,
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,0) Den Frieden gefunden. (Fortsetzung aus dem I. Blatt.)
VII.
Mein Aufenthalt in Florenz gewann mit Einem Schlag einen Zweck; es galt ein Ziel zu erreichen, und dieses Ziel hieß — Blanda. Ich hatte bei der letzten Frage nach Giovanni meine Karte zu- rückgelasien mit der darauf geschriebenen dringenden Bitte, mich sofort nach seiner Rückkehr zu besuchen.
Zwei Tage — sie dünkten mir eben so viele Wochen — waren seit jener Begegnung vergangen, und mit fieberhafter Ungeduld lauschte ich auf jeden Tritt. Kaum verließ ich meine Wohnung, um nur ja nicht von Giovanni verfehlt zu werden. Am dritten Tage ließ mich die Ungeduld nicht länger warten; ich kleidete mich an, um abermals Giovanni's Wohnung aufzusuchen und, falls er noch nicht angekommen fei, mich seinem Vater vorzustellen. Vielleicht, daß dies mir Gelegenheit gäbe, Blanda wieder zu sehen. Da tönte die Glocke; die Hausthüre wurde geöffnet, einige-Worte gewechselt, und mit elastischem Schritt eilte Jemand die Treppe herauf. Das mußte der Erwartete sein. Hastig riß ich die Thüre auf und mit stürmischer Freude umarmte ich Giovanni, der keine Ahnung davon Haven konnte, woher die ungewöhnliche Aufregung rühre, welche mich bei seinem Anblick ergriffen. Jetzt, als der lang Ersehnte vor
geben der Diözese Limburg wieder ihre volle kirchliche Verfassung wieder, soweit dies mit Rücksicht auf die Maigesetze möglich ist. Wir wünschen den Limburger Diözesanen zu der bevorstehenden Rückkehr des Bischofs von Herzen Glück. Sie werden es verstehen, ihre Freude auch äußerlich an den Tag zu legen und der Negierung den Beweis zu liefern, mit welch' unvergleichlicher Anhänglichkeit das katholische Volk seine Bischöfe verehrt. Der Ju«l der Limburger wird der Negierung den Weg Zeigen, auf dem sie allein die Herzen der Katholiken, die bisher in wohlverständlichem Groll und Mißmuth nur aus Pflichtgefühl ihre Loyalität bewahrt haben, wiedergcwinnen, und wie sie in ihnen mit Recht die besten Stützen des Thrones erblicken kann.
Eine andere ebenfalls sehr erfreuliche Nachricht meldet das ,'Wolff'sche Telegraphenbureau'. Der Kronprinz foll beabsichtigen, die Rückreise von Spanien über Nom zu machen und dem Papst Leo XIII einen Besuch abzustatten. Wenngleich diese Meldung noch keine direkte offiziöse Bestätigung gefunden hat, so darf man ihr bei den guten Beziehungen des ,W. T.-B.' doch vollen Glauben entgegenbringen. Der Besuch des deutschen Kronprinzen im Vatikan wird ohne Zweifel in der politischen Welt großes Aufsehen machen. Auch das deutsche katholische Volk wird mit Genug- thuung diesen, wenn auch nur formellen Schritt der Höflichkeit und Freundschaft als ein Zeichen ansehen, daß die preußische Regierung Werth darauf legt, endlich zu einer Verständigung mit dem hl. Stuhle und zur Wiederherstellung des kirchlichen Friedens in Preußen zu gelangen. , Möchten die beiden erfreulichen Botschaften ebenso gute Vorzeichen für die Zukunft sein!
Oeutsches Reich.
Berlin, 7. Dezember.
* (Ein Schulzwang-Gesetzentwurf) soll laut den .Berliner Pol. Nachr.' in naher Zeit dem Landtage wieder zugehen. „Dabei dürfte" — bemerkt die genannte Korrespondenz — „das in der Unterrichtskommission des Abgeordnetenhauses angenommene Prinzip beibehalten und auf dieser
mir stand, fiel mir die Aehnlichkeit zwischen ihm und seinem Vater doppelt auf.
Dieselben Leidenschaften, welche sich in den Zügen des Alten zeigten, tobten auch hier, nur machte die Jugend den Ausdruck derselben weniger abstoßend. Mit steigender Ungeduld hörte ich die Berichte Giovanni's an; hasiig beantwortete ich seine Fragen. Mich interefsirte nur Eines, ich wollte nur eine einzige Auskunft haben — wer ist Bkanda, und wie kann ich mich ihr nähern? End- lich versiegte der Redestrom des stürmischen Frei- ' heitshelden, und ich war im Stande, ihm zu erzählen, daß ich schon die Bekanntschaft seines Vaters gemacht hätte, ohne jedoch von ihm gekannt zu sein.
„Warum hast Du ihm denn nicht gesagt, wer Du seiest? Er würde Dich mit Freuden begrüßt haben; er hat sich auch schon nach Dir erkundigt, als er Deine Karte fand."
Ich erzählte unter welchen Umständen ich mit dem alten Brunello zusammengetroffen sei, und in der lebhaften Erinnerung an jene Szene forschte ich ungestüm nach dem Namen und den Verhält- niffen seiner Begleiterin.
Wie der Künstler das Bild, welches seine Seele erfüllt, mit allen Einzelheiten zu schildern vermag, so beschrieb auch ich die schöne Unbekannte. Meine Leidenschaftlichkeit konnte Giovanni nicht entgehen; aber sie war es auch, welche mir die steigende Aufmerksamkeit, ja, die ungewöhnliche Aufregung
Grundlage ein Gesetzentwurf über die Schulpflicht und den Schulzwang aufgebaut sein."
* (Ans der vorgestrigen Rede des Abg. Dr. Windthorst) tragen wir noch folgenden Passus, der die Stellung des Centrumsfübrers zum Minister des Innern kennzeichnet, in ausführlicherer Form nach.
„Ich möchte dadurch, daß ich für den Antrag stimme, mich in keiner Weise anschließen allen den Beschuldigungen, die gegen die Regierung überhaupt und gegen den Minister v. Putttzamer gerichtet morden sind. Sehr vieles davon ist unbegründet und recht vieles übertrieben. Ich glaube freilich nicht, daß H-rr v. Puttkamer mit gekreuzten Armen den Wahlen zusieht; das thnt überhaupt kein Minister. Aber das muß ich doch zur Steuer der Wahrheit sagen, daß unter seiner Amtsführung eine billigere und gerechtere Praxis Platz gegriffen hat, als unter dem Kulturkampfs- Ministerium Camphausen-Falk-Eulenburg, unter welchem das Centrum Dinge erlebt hat, welche zum Himmel schrien. (Zustimmung im Centrum). Hätten wir ideale Verhältnisse und ideale Persönlichkeiten, dann wäre es besser; da wir sie aber nicht haben, so ist es das Beste, wenn der Minister sich der Majorität anbequemt. Es wird nicht zehn Jahre dauern, so haben wir ein parlamentarisches System in aller Form (Widerspruch rechts). Denken Sie an den heutigen Tag, ich sage Ihnen: Wir entgehen diesem Schicksal nicht."
* (Fürst Bismarck) dm ft«, wiedas .Deutsche Tageblatt' rnitzutheilen weiß, gegen Mitte Februar nach Berlin übersiedeln. Man wird sich indeß darauf gefaßt machen müssen, den Herrn Reichskanzler in einer etwas anderen Gestalt wiederzusehen, als in der bisher historischen. Fürst Bismarck ist nicht zum Nachtheil der Widerstandskraft seines Körpers schlatzker geworden und soll z. Z. ein Gewicht von. 195 Pfund haben.
* Cöslin,' 6. Dez. (Neuwahl zum Landtage.) An Stelle des Kriegsministeis Kameke ist der konservative Amtsrichter v. Unruh mit 113 gegen 107 Stimmen gewählt, welche der nationalliberale Landgerichtsrath Hilde!-randt erhielt.
Oesterreich * Ungarn.
• Pest, 6. Dez. (Oberhaussitzung.) De? Ausschuß reichte den Bericht über die Ehegesetz- Vorlage betreffend Christen und Juden ein, die Annahme derselben empfehlend. Die Verhandlung im Plenum findet am 10. Dezember statt.
des Zuhörers entgehen ließ. Jck^^^icht, wie es in den Zügen Giovanni's auff^^^M^ann bedeckte er seine Augen mit beideWWMchen, als sammele er seine Gedanken zu eifrigem Michforsch^i, und ich ahnte nicht, daß er, der sich mein Fretsiid nannte, den gemeinsten Bubenstreich gegen mich ersann. Jetzt sank die Hand des Menschen, welcher sich als Kämpfer für die edelsten Güter der Menschheit pries und das häßlichste Verbrechen beging, Verrath: tückischen Verrath am Freunde, in demselben Augenblick, in dem er mir mit Wärme die Hand reichte und rief: „Freund! Du hast keinen schlechten Geschmack und auch nicht geringes Glück, sofort die schönste Dame von Florenz in dem herrlichsten Garten der Welt zu treffen!"
„Du kennst sie also?" rief ich, seinen Arm heftig fassend.
„Per paccho! Ich werde Blanda Toverci, die Tochter meiner Tante, doch kennen! Ihre Mutter ist die Schwester meines Vaters, eine echte Brunello, wie sie selbst".
Heiß drängte sich mir das Blut zum Kopfe. Ich war aufgesprungen und fragte: „Giovanni, sprich, steht Blanda Dir nahe? Ist sie Detzne Verlobte?"
Eir^äßliches Lachen umspielte die Lippen Bru- nello'WM er antwortete: „Aber weißt Du denn nicht, daß unsere Familie zu den gläubigsten Italiens gehört, und somit von einer Heiralh zwischen so naheK Verwandten keine Rede sein kann, da die Kirche solche Verbindungen verbietet?" (Forts, f.)