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Ai 282.

Sonnabend, den 8. Dezember

Fuldaer EM Jeitung.

1883.

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belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' m Fulda t Mk. 70 Psg., auswärts 1 M. Pfg.

Inserate: Die vierspaltige Zeile oder deren Raum IS Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen mtsprechender Rabats_

Erstes Blatt.

C. Ein Besuch in bett deutschen kathol. Kolonien des westlichen Arkansas.

New-Jork, im Oktober 1883.

Das westliche Arkansas, in erster Linie die Län­dereien der Little Rock und Fort Smith-Eisenbahn, werden bekanntlich seit einigen Jahren sowohl dies- als auch jenseits des Ozeans als für deutsche An­siedler besonders passend in Wort und Schrift wärmstens angepriesen. Nachdem vor vier bis fünf Jahren in Faulkner- und in Logan-Conty deutsche katholische Kirchen und Schulen gegründet worden waren, wurde der westliche Theil des Staates Arkansas als zur Ansiedelung für katho­lische deutsche Einwanderer ganz vorzüglich geeig­net empfohlen, und eine im Jahre 1880 erschie­nene Broschüre, „Leitstern zur St. Josephs Kolonie, ein praktischer Wegweiser und treuer Führer für katholische Auswanderer", wurde in Tausenden von Exemplaren in Deutschland und der Schweiz verbreitet. Auf Seite 6 ist in diesem Büchlein zu lesen: „Wie aus den zuverlässigsten Quellen her­vorgeht, steht das ganze westliche Arkansas-Thal von Little Rock nach Fort Smith in Bezug auf Bodenbeschaffenheit, Klima und Fruchtbarkeit jeder Art unübertroffen da." Seite 12: „Der Ansied­ler in der Kolonie mag sich seine Farm wählen wo er immer will, er wird stets gutes Land zum Bebauen, gute Waldung und gutes Waffer fin­den." Seite 14: „Von lang anhaltender Trocken­heit. von übermäßigem Regenwetter rc. rx. weiß man in Arkansas nichts." Seite 16: Wenn Zah­len sprechen und beweisen, so ist sicherlich der Be­weis geliefert, daß West-Arkansas und die St. Josephs-Kolonie zu den von der weisen Schöpfung gesegneten Ländereien gehören." S^ite 21: „In West-Arkansas ist es bekannt und zum Sprüchwort geworden, daß jedes Geschäft blüht, außer das der Doktoren und Apotheker." — „Die Vorzüge ! eines Landstrichs, welcher weder einem nördlichen strengen Winter noch der drückenden Sommerhitze des lieferen Südens ausgesetzt ift,_ also sich sozu- I sagen in der gemäßigten Zone befindet, sind un- |

berechenbar." — „Der Mensch befindet sich in Arkansas ebenso wohl, wenn nicht bester, wie in den gesündesten Gegenden Deutschlands". Haupt­sächlich in Folge der in diesem Büchlein enthal­tenen Mittheilungen sind mehrere hundert katho­lische Familien aus Deutschland nach jener Gegend gezogen. Nachdem ein größerer Theil derselben bereits seit drei Jahren in der St. Josephskolonie sich niedergelaffen hatte unb nach Deutschland viel­fache Klagen über ihr Ergehen gedrungen waren, hatte sich Schreiber dieses die Aufgabe gestellt, im Monat September des laufenden Jahres dieser Kolonie einen Besuch abzustatten. Sobald man Little Rock, die Hauptstadt von Arkansas, verkästen hat, finden wir an der vierten Station die erste katholische Ansiedlung, Namens Conway. Ich hatte das Vergnügen, die Bekanntschaft eines der angesehensten Ansiedler zu machen. Derselbe, ein früherer Oekonom vom Niederrhein, hatte sich durch die im „Leitstern" enthaltenen günstigen Nachrichten über Arkansas entschlossen, vor drei Jahren mit seiner ganzen Familie hierhin überzu­siedeln. Derselbe bracht 3—4000 Dollars mit­kaufte in der Nähe von Conway 160 Acker Land und baute sich ein bescheidenes Haus. Er führte mich bei meinem Besuche bei ihm auf seine Farm und erklärte mir die Art und Weise der ameri­kanischen Bodenbewirthschaftung. Trotzdem, daß seine erwachsenen Söhne und Töchter sowie er selbst wie Knechte arbeiteten, habe er es in drei Jahren zu Nichts gebracht, im Gegentheil, er fei fortwäh­rend nach rückwärts gegangen; er habe in den drei Jahren noch keine ordentliche Ernte gehabt, und baares Geld sei schwer in Arkansas zu fin­den. Obschon er als gläubiger Katholik seinen religiösen Verpflichtungen nachgekommen, habe er selbst auf dringendes Ansuchen seines Pfarrers nicht einmal 10 Dollars subscripiren können zur Erbauung einer neuen Kirche, nachdem die alte vor einigen Monaten durch einen Windsturm um­geweht worden war. Seinen beiden Nachbaren von der Mosel und der Ahr, welche fast ebenso­viel Geld mitgebracht hatten, ging es ebenso' schlecht. Diejenigen Farmer (meistens Badenser), welche mit geringeren Mittel Eisenbahn-Ländereien in weiterer Entfernung gekauft halten, machten noch

viel traurigere Erfahrungen: Sie hätten kaum zu leben; Korn sei schlecht gerathen, und Baumwolle, welche im letzten Jahre einen besseren Ertrag ge­liefert, sei in diesem Jahre fast vollständig fehlgeschla­gen ; Baumwolle gerade eben auch nur gut in den Niederungen (Bottemland); diese seien aber äußerst heiß und ungesund, und nur Neger könnten es dort aushalten; er setze nun seine Hoffnung auf Tabak und Reben, welche letztere hier sehr gut gerathen. Die fürchterliche Hitze, welche vom Mai bis zum September herrsche, sei kaum auszuhalten. Seit 2 Monaten habe es nicht mehr geregnet und konnte daher nichts prospenren. Auch seien die Deutschen vielfach durch schwere Krankheiten heim­gesucht. Im Staate Arkansas herrscht übrigens das Temperenzgesetz und darf außer in Little Rock und Fort Smith kein Wein und sonstiges geistiges Getränk verzapft werden. Bei einem Besuche, den ich dem katholischen Herrn Pfarrer in Con­way machte, theilte derselbe mir mit, daß die Leute allerdings sehr arm seien, und daß er für sich nichts erhalten könne als Natural-Lüferungen; er könne Niemand rathcn, hierher zu kommen, der eine beffere Heiinath finden könne. Für Bauers­leute ohne Geld und Handwerk sei hier gar kein Platz. An 200 Schweizer aus dem Kanton Wallis seien kürzlich durch Agenten hierher gesandt worden; denselben gehe es sehr schlecht, und manche hätten kaum etwas zu leben. Zwanzig Meilen von Con­way entfernt liegt Morrilton. Ich begab mich zu- nächst nach der sogenannten Altstadt, woselbst die meisten ärmeren deutschen Ansiedler wohnen. Hier erfuhr ich, daß schon viele Deutsche, welche in Hoffnung auf lohnende Arbeit hierher gekommen waren, durch Roth und Krankheit genöthigt, wieder fortgezogen sind. Sämmtliche Hütten sind bis auf einige wenige zu geringem Preise in die Hände der Neger übergegangen, welche es beffer hier aus­halten. Manche Deutsche, welche an dem Fieber oder an der Ruhr erkrankt waren, sind wegen Mangels an Pflege und schlechter Nahrung ge- storben. Einzelnen Farmern, welche weiter im Lande wohnen, geht es beffer und finden dieselben hier ihren Lebensunterhalt. Bei meinem Besuche, welchen ich den Schwestern des hl. Joseph, die hier ein schönes, großes Haus, in welchem auch

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(Q) Den Frieden gefunden.

(Fortsetzung.)

Weder die feige That, deren Wahrheit Giovanni später bestätigte, noch das cynische Lachen des Erzählers berührte mich unangenehm. Nicht ein­mal die Zeichen des Beifalls, welches die beiden Damen gaben, ließen mich Ekel empfinden. Aber obwohl ich Gesinnungsgenosse des fanatischen Man­nes dort vor mir ivar, so fühlte ich mich dennoch nicht zu ihm hingezogen. Es lag etwas in dem Wesen des alten Brunello, das mich abstieß, und so dachte ich keinen Augenblick daran, mich ihm als Freund seines Sohnes vorzustellen; hätte ich doch damit eingestanden, daß ich. wenn auch un­freiwillig, gehorcht hatte. Ich änderte jedoch meine Stellung. Die Bewegung lenkte die Aufmerksam­keit der Damen auf mich; sie wandten sich Beide zu mir hin, so daß ich sie vollständig betrachten konnte. Mit Mühe unterdrückte ich einen Ruf der Bewunderung. Eine solche auffallend schöne Er­scheinung, wie die der jüngeren Dame, hatte ich noch nie gesehen.

Walther hielt lächelnd inne. Die heitere Ruhe, welche er zeigte, bewies mir, wie gründlich er mit der Vergangenheit gebrochen, und daß nichts mehr aus jener Zeit im Stande war, den Frieden seiner Seele zu stören. Dann fuhr er fort: „Lieber Freund,

wenn ich Dir die äußern Vorzüge von Blanda Toverci im Laufe meiner Erzählung mit lebhaften Farben schildere, so denke nur nicht, daß ihr ver- führerisches Bild noch irgend welchen Reiz auf mich ausübe. Wie ich Dir von der Schönheit eines Gemäldes spreche, so betrachte ich jetzt auch die allerdings ungewöhnlich reichen körperlichen Gaben jenes Mädchens, das meinen Lebensweg verhängnißvoll kreuzte.

Blanda Toverci besaß jenes Ebenmaß der Ge­stalt, wie sie in so vollendeter Form ein Vorzug südlicher Völker zu sein scheint. In edeler Haltung trug sie das Haupt, von dem eine üppige Fülle des prächtigsten Haares von blau-schwarzer Farbe den stolzen Nacken herunterquoll. Unter der hohen Stirne wölbten sich starke, tiefschwarze Augen­braunen, die aber nicht im Stande waren, das Feuer der Augen zu dämpfen. Ja, ich habe er­fahren, daß dieselben Augen es ebenso gut verstan­den, in verzehrender Leidenschaft aufzulodern, als auch die Sanftmuth der Taube anzunehmen. Die kühn gebildete Nase ließ auf unverfälschte römische Abkunft schließen. Die feste Form des etwas zu starken Kinnes, sowie ein eigenartiger Zug um den feingeschnittenen Mund, besten Lippen die glühend­sten Korallen beschämen mußten, hoben noch das fast Männliche in diesem sonst so vollenoet schönen , Gesichte. 1

Las die junge Dame die aufrichtige Bewun» derung ihrer Schönheit in meinen Augen? Fast schien es mir; denn ich bemerkte, wie es in den ihrigen aufbitzte, und wie die feinen Nasenflügel sich aufblähten, ein Zeichen befriedigter Eitelkeit. Doch rasch, wie er gekommen, verschwand der Aus­druck, und als beleidige sie mein Blick, wandte sie sich zu ihrem Begleiter. Was sie zu ihm sagte, verstand ich nicht; vielleicht war es eine Auffor­derung, den unterbrochenen Weg fortzusetzen. Bru­nello nickte zustimmend, und ohne mich einer wei­tern Beachtung zu würdigen, schritten die drei an mir vorüber.

Hastig sprang ich auf. Sollte ich ihnen folgen und, das Mißbehagen gegen Giovanni's Vater unterdrückend, mich ihm als Freund seines Sohnes vorstellen? Die Gluch, welche Vie Schönheit Blanva's plötzlich in mir angefacht, trieb mich ihnen nach; der Gedanke jedoch, daß mein Benehmen aufdring­lich erscheinen mußte, hielt mich wieder zurück. Sehnlicher, als bisher, sah ich der Zurückkunft Giovanni's entgegen. Immer nur das Bild Blaada's vor Augen, vermochte ich dem wunderbaren Pano­rama, das mich soeben noch entzückt hatte, keinen Reiz mehr abzugewinnen. Gelangweilt trat ich den Rück­weg an, um sogleich Erkundigungen einzuziehen, bis wann man Giovanni's Heimkehr erwarte".

(Fortsetzung folgt im zweiten Blatt.)