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M 280.

Donnerstag, den 6. Dezember

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Fuldaer SB Zeitung.

1883.

Deutsches Reich.

Fulda, 5. Dezember.

* Die gestrige Verhandlung des Abgeordneten­hauses über den Antrag Dr. Stern betr. die Ein­führung der geheimen Abstimmung bei den Land­tagswahlen hat eine Ueberraschung hervorgezaubert, mit welcher sich die Parteibewegung ohne Zweifel noch lebhafter beschäftigen wird, als es dem Herold dieser zweifelhaften Neuigkeit lieb sein mag. Minister v. Puttkamer kündigte an, daß die Regierung nicht nur dem Antrag Stern entgegen sei, sondern daß sie sich sogar mit dem Gedanken trage, eine Auf- Hebung der geheimen Reichstagswahl in Anregung zu bringen. Die Stellung der Parteien zu dem Antrag Stern entsprach ganz den Erwartungen: Konservative, Freikonseroative und die nationallibera- len Mannesseelen gegen, Fortschrittspartei, Cent­rum, Sezesstonisten nebst Anhang für den freisinnigen Antrag. Die Nationalliberalen scheinen die Wahl­peitsche in den Industrie- und Arbeiterbezirken nicht aus der Hand geben zu wollen, sie fürcht en die geheime Abstimmung, und darin mögen sie nicht ganz Unrecht haben. Die Abstimmung er­folgt erst heute, das Resultat ist, nach den bis­herigen Reden zu urtheilen, zweifelhaft. (Vgl. Bericht.)

• (Das Herrenhaus) wird am Freitag den 14. d. M. und an den folgenden Tagen Plenar­sitzungen halten. Zur Berathung und Beichluß- fasiung werden gelangen: der Entwurf einer Jagd- ordnug; der Entwurf einer Landgüterordnung für die Provinz Schlesien; der Entwurf eines Gesetzes betreffend die Errichtung eines Landgerichts in Memel; der Gesetzentwurf, betreffend den Rechts­zustand der von dem Königreich Württemberg an Preußen abgetretenen Gebietstheile, sowie die Ab­tretung preußischer Gebietstheile an das König­reich Württemberg; und einige kleinere Vorlagen.

• (Die Verhandlungen über den An- kauf der Berlin-Hamburger Bahn) scheinen vorläufig zu einem Abschluß nicht gekommen zu sein. Die Hamburger Vertreter sind von hier in ihre Heimath mit den Vorschlägen der Regierung

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.Q, Den Frieden gefunden.

(Fortsetzung.)

Nach einiger Zeit, fuhr Walther fort mitzutheilen, wurde ich als „Bruder" in den „Bund zur Be­freiung der Menschheit von den Tyrannen und Pfaffen und zur Sprengung der Sklavenketten, welche Thron und Altar um die freien Geister der Brüder geschlagen", ausgenommen. Die Aufnahme geschah mit lächerlichem Ceremoniell, das um so unsinniger war, weil diese Menschen Gift und Galle über die altehrwürdigen Gebräuche der katholischen Kirche spien. Ein Eid sollte meine Zunge binden, wiederum ein Widerspruch, weil ich bei Dem schwur, an den diese Menschen nicht mehr zu glauben vor­gaben. Tas Ganze war ein Poffenspiel mit thea­tralischem Effekt. Mein eidliches Versprechen hatte deshalb keinen Werth, weil ich nie in den Fall kommen sollte, Geheimniffe zu erfahren. Das Ver­schweigen der Existenz der Gesellschaft konnte man unmöglich unter diese Rubrik bringen, weil man wenig bemüht war, sie der Welt zu verheimlichen. Ich und alle nicht Eingeweihten konnten ruhig schwören, daß wir nichts zu verheimlichen hätten. Ab und zu traten französische und italienische Emis­säre in unseren Versammlungen auf, deren An­sprachen jedoch durchaus keinen Einblick in die ge­heimen Pläne gewährten. Dieses Treiben dauerte fast ein Jahr, als unsere Zusammenkünfte eines Abends durch die Polizei aufgelöst wurden. Gio-

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zurückgekehrt, und letztere wird mit einer gewiffen Ruhe der weiteren Entwickelung dieser Verhand­lungen entgegensehen.

• (DasProjekt einer Befestigung Kreis) gewinnt im Zusammenhänge mit dem Bau eines Nordostsee-Kanals an Wahrscheinlichkeit. Mit dem Kriegsminister Bronsart v. Schellendorf und dem General-Quartiermeister Graf v. Waldersee sind vor wenigen Tagen auch der General-Inspektor der Artillerie v. Voigts-Rhetz und der Chef des Jngenieurkorps Biehler in Kiel anwesend gewesen. Es kann als sicher angenommen werden, daß die­ser Besuch der projektirten Befestigungsanlage um Kiel gegolten hat, die um so mehr Aussicht auf Ausführung hat, als auch der Umstand mit ihr in Zusammenhang gebracht wird, daß Herr von Kaprivi jüngst eine längere Audienz beim Kaiser hatte.

Oesterreich - Ungarn.

• Wien, 4. Dez. (Abgeordnetenhaus.) Das Expose des Finanzministers wurde von der Majorität mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Unter den zahlreichen Regierungsvorlagen befindet sich auch ein Gesetzentwurf betreffs einer Unfall­versicherung der Arbeiter.

Frankreich.

* Paris, 5. Dez. (Das chinesische Gelb­buch.) Der erste Band des Gelbbuches enthält enthält ein historisches Expos«, welches, vom Der- trage von 1874 ausgehend, sich bis 1878 erstcckt, wo Annam die Hilfe Chinas zur Unterdrückung eines Aufstandes anrief. Die Korrespondenz Myre de Villers' und Berichte von der Küste zeigen, wie die Tongkingfrage entstanden und größer ge- worden ist. Ein Krieg mit China schien damals unvermeidlich, als Bourae anzeigte, China habe seine Truppen zurückgezogen und vorgeschlagen, es wolle das nördliche Ufer des rothen Flusses be­wachen, während Frankreich das südliche Ufer be­wachen solle. Bouroe rieth von einer solchen Ver­ständigung ab. Das Gelbbuch enthält auch eine Depesche Tseng's vom 24. Nov., worin derselbe die Erklärung Ferry's bedauert, daß er die Be­setzung Hunghoo's, Sontay's und Bac-Ninh's für vanni und die Eingeweihten schrieen über Verrath. Sie bedrohten den Schurken, der als Verräther gedient habe, mit Dolch und Gift. Mir fiel es auf, daß man so viel Wesens daraus machte, gerade als sollte die Kenntniß des Vorgefallenen allgemein ver­breitet werden. Und so war es; Brunello hatte selbst die Zusammenkunft verrathen. Die Zweigverbindung sollte vorläufig aus Nützlichkeitsgründen aufgelöst wer­den. Aber auch hieraus wollte man noch so viel Kapital als möglich schlagen; daher das Geschrei über die Maßregeln der Polizei und die Aufbauschung der der an sich unbedeutenden Sache. Später erkannte ich die ganze Hinterlist solcher Handlungen. Mit den schwärmerischsten Ausdrücken der Freundschaft nahm Brunello Abschied von mir, nachdem er mich überredet hatte, später nach Florenz zu kom­men. Er versprach, mir mitzutheilen, wann der geeignete Moment herannahen werde. Damals vertraute er mir aber nicht einmal andeutungs­weise, was er hierunter verstehe; und als ich es später erfuhr, war es ein öffentliches Geheimniß.

Nach Giovanni's Abreise kam ich mir verein­samt vor in dem buntbewegten Paris und warf mich wieder mehr aufs Studium. Ab und zu, doch selten kam Nachricht von Giovanni. Die im freundschaftlichsten Toue geschriebenen Briefe ließen mich immer wieder die Zeit, welche ich mit dem jungen Florentiner verlebt, mit der jetzigen vergleichen. Eines Tages erinnerte ich mich, daß ich vollständig frei sei, und daß in der Erfüllung

unerläßlich halte. Diese Erklärung widerspreche den früheren Erklärungen des Ministers, welche von einem einfachen Protektorate sprachen. Ferry entgegnete am 30. November, die Politik Frank­reichs sei nicht geändert, Frankreich wünsche die Befestigung des Protektorats, freie Schiffahrt auf dem Songkoi und die Sicherheit des Handels. Der Plan der militärischen Expedition nach Tong- king sei nicht modifizirt. Die Verantwortlichkeit für diese Politik falle auf China, nicht auf Frankreich.

England.

• London, 4. Dez. (Ankunft chinesischer Truppen in Hongkong.) Nach einer Tirnes- meldung der zweiten Ausgabe aus Hongkong vom 4. November trafen dort von Shanghai auf einem Handelsdampfer 1100 Mann chinesischer Truppen ein, welche nach Kanton weitergingen. Andere Truppensendungen sollen folgen.

Italien.

* Rom, 4. Dez. (Konsistorium.) Der Papst hält wahrscheinlich am Ende des Monats ein Konsistorium ab, worin außer neuen, nament­lich italienischen, französischen, spanischen Mit­gliedern des Episkopats auch Titulare für Mechel» und Cadix präkonisirt werden. Es ist noch un­bekannt, ob der Papst hierbei auch eine Alloka­tion hält.

Spanien»

♦ (lieber den Katholizismus in Spa­nien) äußert sich der Spezialberichterstatter der ,Köln. Ztg.', wie folgt: „Es ist manchen Leuten aufgefallen, daß gerade die strengkatholischen Zeitungen Spaniens unferm Kronprinzen so herzlichen Willkommensgruß entgegenge­bracht haben. Man wollte das durch die Annahme erklären, daß die katholische Kirche vor Revolution und Republik besorgt sei, daß sie in einem Freunde der monarchischen Staatsform auch ihren Be­schützer sehe. Meines Erachtens ist diese Annahme durchaus unbegründet. Auf solch festen Füßen steht in Spanien die katholische Kirche, daß wohl vielleicht ihrem irdischen materiellen Besitz, nicht des schon lang gehegten Wunsches, Italien kennen zu lernen, auch die Wiedervereinigung mit Bru­nello enthalten sei. Ich ordnete meine Angelegen­heiten, und wenige Tage, nachdem der Entschluß gefaßt worden, verließ ich Paris zum zweiten Male. Brunello sollte Überrascht werden.

VI.

Ohne in der Heimath zu verweilen, die ihren Reiz für mich verloren hatte, reiste ich von Mün­chen aus durch Tyrol geraden Weges nach Italien. Es war Mitte Juni, als ich in der Stadt der Medicäer ankam. Gleich nach meiner Ankunft erkundigte ich mich nach Brunello, mußte aber hören, daß er verreist fei. Ich ließ meine Karte zurück und gab mich dann ganz dem überwälti­genden Genuß all' der künstlerischen Pracht hin, den die schöne Blumenstadt bietet. Acht Tage mochten seit meiner Ankunft in Florenz verstrichen sein; ich fühlte nach den anstrengenden täglichen Besuchen der zahlreichen Kunstsammlungen das Bedürfniß, eine Pause eintreten zu lasten und statt den schwülen Sälen einmal mehrere Stunden im Freien zu verweilen. Zu diesem Zweck nahm ich meinen Weg über den Ponte Vecchio. Dort, anstoßend an den Palazzo Pütt, liegt Boboli, vielleicht der schönste Garten Italiens, schön durch den Reichthum an Gewächse» jeglicher Art, reich an Statuen, aber am reichsten durch den Blrck, de» er über ganz Florenz und die zauberisch schöne Umgebung bietet. Bewundernd schritt ich durch