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M 272.

Dienstag, den 27. November

1883

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wie eine Schwester.

„Ein halbes Jahr nach dem Tode meiner Mut­ter brachte ich dem Dntel die freudige Nachricht, daß ich das Abiturienten - Examen glücklich über­standen habe. Seine Freude war um so größer, weil ich nun länger als drei Monate bei ihm bleiben und seine Einsamkeit unterbrechen konnte. Die Frage, auf welche Universität ich gehen solle, hatten wir zusammen erörtert, und es ^entsprach

sich gestern Nachmittag zu einem Festesten im Hotel de Rome, dem auch mehrere pol­nische Abgeordnete als Gäste anwohnten. Der Vorsitzende der Fraktion, Frhr. v. S ch or­te mer-Alst, brachte in einer trefflichen Rede, welche Innigkeit und Humor glücklich vereinte, das Hoch aus auf den Jubilar Dr. Krebs, dessen parlamentarisches Silberfest die Fraktion feierte, sowie auf die drei Clemens der Fraktion (Frhr. v. Heeremann, Menken, Perger), deren Namens­tag nachträglich begangen wurde. Der ,Germ.' zufolge dankte Abg. vr. Krebs in herzlichen Worten, indem er seine parlamentarische Laufbahn und zugleich die Geschichte der katholischen Ver­tretung int Hause, von der kleinen katholischen Fraktion bis zur Entstehung und Blüthe der gro­ßen Centrumspartei, in interessanten Zügen cha- rakterisirte. Namens der Elementen dankte Ab­geordneter Menken in einer launigen Rede. Wäh­rend des Mahles liefen zahlreiche Glückwünsch- Telegramme an den Abg. Dr. Krebs ein, so vom Centrumsverein in Breslau, der Constantia-Ge- sellschaft in Aachen, dem Abgeordneten Prinz Radziwill und anderen Gesellschaften und Personen. Das Fest verlief in der schönsten Weise unter all- seitiger Erbauung und Freude, eine ermunternde Einleitung zu den arbeitsvollen Wochen, in welche die Parlamentarier mit dem heutigen Tage eintreten.

• Eisenach, 26. Noo. (An der heute ab­gehaltenen Versammlung des „libera- ,-l-en" d-utschen Bau'rntageS) nahmen dem ,Franks. Journal' zufolge 350 Mitglieder Theil. Herr Brüning eröffnete die Versammlung, indem er die Wichtigkeit eines selbstständigen Vorgehens des (liberalen?) deutschen Bauernstandes betonte. Gegen die Geschäftsordnung, welche eine Spezial­debatte ausschließen wollte, wurde von der Oppo­sition Protest erhoben. Nach vierstündiger, äußerst erregter Debatte wurde schließlich das Programm und das Statut unverändert angenommen. Der Bericht der .Eisenacher Tagespost' wirft ein sehr bezeichnendes Licht auf die ganze Behandlung der „liberalen" Bauernvereinsfache. Darin heißt es: „Mit Rücksicht auf die sodann zum Vortrage ge­

.0) Den Frieden gefunden.

(Fortsetzung.)

„Hoheneck ist nicht mein elterliches Haus; ich verbrachte jedoch einen Theil meiner Jugend hier, und wenn ich jener frohen Zeit gedenke, so ist da­mit die Erinnerung an einen glücklichen Abschnitt meines Lebens verbunden. Mein Großvater besaß zwei Söhne; der älteste, mein Onkel, folgte ihm als Herr auf Hoheneck, während mein Vater ein anderes Besitzthum in der Nähe von Innsbruck erbte und selbst verwaltete. Ich habe ihn kaum gekannt, da der Tod ihn uns in den ersten Jahren meiner Kindheit raubte. Meine Mutter hat den Schmerz über feinen Verlust niemals vollständig überwun­den ; aber sie trug ihn mit der frommen Ergeben­heit eines gläubigen Gemüthes, das die Schickun­gen Gottes in Demuth trägt. Ueberhaupt könnte ich Dir von meiner Mutter stundenlang erzählen, ohne zu ermüden in der Schilderung ihrer Seelen­güte, ihrer Milde und ihrer innigen Liebe zu mir. Ich bin fest überzeugt, daß ihre Fürbitte mich oft­mals vor drohendem Tode bewahrte, mich rettete vor dem Abgrunde, au dem ich lange besinnungs­los umhertaumelte, und mir endlich wieder den Weg zeigte zum Frieden. Bald nachdem mein Vater gestorben, folgte meine Mutter der dringenden Ein­ladung ihres Schwagers und siedelte vollständig nach Hoheneck über. Mein Onkel war nie verhei- rathet gewesen; die Verehrung, welche er meiner

Mutter zollte, kam der meinigen am nächsten, und so durfte er behaupten, daß nicht wir, sondern er dabei gewänne, wenn Hoheneck von nun an unsere Heimath würde. Mein Onkel liebte mich wie einen Sohn und da die Erinnerung an meinen Vater nur schwach war, weil ich noch zu jung gewesen, als er starb, und mit den Jahren noch mehr ver­blaßte, so wurde es mir sehr leicht, ihn wie einen Vater zu verehren und zu lieben.

„Dem Plan meiner Mutter, mich von einem tüchtigen Hauslehrer bis zur Sekunda des Gym­nasiums vorbereiten zu lassen, stimmte mein Onkel vollständig bei. Es war eben der sehnlichste Wunsch meiner Mutter, mich so lange als möglich in ihrer Nähe zu behalten, einzig und allein, um meine Er­ziehung selbst überwachen zu können. Nachdem ich die nöthige Vorbildung erlangt hatte, bezog ich das Gymnasium zu Innsbruck, um dort meine Vorstudien zur Universität zu beenden. Es war im letzten Jahre meines Aufenthaltes in Innsbruck, als meine Mutter in Folge einer Erkältung er­krankte. Das anfangs kaum beachtete Unwohlsein stieg so rasch und nahm in wenigen Tagen einen so bedenklichen Charakter an, daß der Arzt dringend rieth, mich kommen zu laffen, wenn ich die Mutter noch lebend antreffen sollte. Du kannst Dir den Schmerz vorstellen, der mich fast verzweifeln ließ, als ich, wenige Stunden nach meiner Ankunft auf öobenerf an der Leiche der Mutter knieete. Ihre , 7~...... . ,

^ten Worte waren ein Gebet für mich und ihr | unferm beiderseitigen Wunsche, als der Onkel mir

brachte Geschäftsordnung, deren Fa-ssnng eine objektive Diskussion der Vorlagen aller­dings ausschließt, erklärte Herr Schönseld- Dranienbur gin seinem Namen und in dem zahlrei­cher, aus Westpreußen, Ostpreußen, Brandenburg, Hessen u. Westfalen dahier eingetroffenen Landwirthe, daß er gegen diese Geschäftsordnung sowie namentlich auch gegen das in der gestrigen Vorversammlung Geschehene feierlichst Protest einlege. Ein solches Verfahren, wie es hier zur Nieder« drückung gegnerischer Ansichten beliebt werde, erscheine geradezu unerhört und drücke dem Kongresse den Stempel einer gro­ben einseitigen Mache auf. Dieser Protest führte zu einer längeren Debatte, in welcher ein­zelne Redner die Geschäftsordnung vertheidigten, andere aber den Protest für begründet erklärten und besonders auf die Form der in öffentlichen Blättern geschehenen Einladung hinwiesen."

Frankreich.

* Paris, 25. Nov. (Die Deputirten- tammer) begann, wie bereits kurz gemeldet, gestern die Berathung des Gesetzentwurfs wegen der Vereinigung von Aemtern und der parlamen­tarischen Unvereinbarkeit. Der Artikel 1, welcher die gleichzeitige Führung von besoldeten Staats-, Departements- ober Kommunalämtern verbietet, wurde an eine Kommission verwiesen. Die Kammer berieth sodann diejenigen Artikel, welche die par­lamentarische Unvereinbarkeit betreffen und nahm zunächst den Artikel an," welcher aas Malldat eines Senators und Deputirten mit jedem andern, vom Staate verliehenen Amte für unvereinbar erklärt, außer bei Ministern, Unterftaatsfefretären und Gesandten.

♦ Paris, 25. Nov. (Zur Tongking-Au- g e l e g e n h e i t.) Ein neues Heft des gelben Buches soll zehn Tage vor der Verhandlung der Deputir« tenfammer über die Tongking-Angelegenheit ver­teilt werden und die Depeschen des Tsung-li- Aamen mit den chinesischen Ansprüchen enthalten, deren Annahme vom französischen auswärtigen Amt als unmöglich erhchtet wird.

Segen; meine letzten Worte zu ihr waren das Gelöbniß, ihrer Lehre und ihrem Beispiel gemäß zu leben."

Walther schwieg. Das lebhafte Andenken an die die unvergeßliche Mutter hatte sein Auge in feuchten Schimmer gehüllt. Mich rührte die innige Liebe, mit welcher der gereifte Mann an die edle Todte dachte, und die sich in seinen Zügen so le­bendig aussprach, als hätte das Grab der Mutter sich erst gestern geschlossen, als seien die Kränze auf demselben noch nicht verdorrt.

Nach einer Pause fuhr Walter fort: „Die Lücke, welche der Verlust der Unvergeßlichen geriffen, em­pfand nicht ich allein, sondern auch mein Onkel. Nun war es auf Hoheneck wieder einsam gewor­ben wie vor Jahren; aber der alternde Mann trug diese Einsamkeit nicht so leicht wie früher, wo er kaum anders gewußt. Es lag nicht in feiner Natur, äußerlich zu zeigen, wie tief er den Ver­lust derjenigen empfand, die ihm so nahe gestanden

Deutsches Reich.

Fulda, 27. November.

*(ZurBekämpfungderVagabondage.) In dem Etat des Ministeriums des Innern ist bei den Ausgaben für die Landgendarmerie ein Mehr von 71,370 Mark vorgesehen. Zur Motivimng wird bemerkt: „Bei den veranlaßten Erhebungen über die zu ergreifenden Mittel zur Bekämpfung der Vagaboudage ist insbesondere die Frage zur Erörterung gestellt worden, ob es sich nicht em­pfehlen möchte, zum Schutze der Bewohner des platten Landes, welche der Kalamität des Bettelns und Landstreichens in besonders hohem Grade aus­gesetzt sind, die Gendarmerie zu vermehren und in welchem Umfange eventuell eine solche Vermehrung erforderlich sei. Die über diese Frage von den Polizeibehörden erstatteten Berichte sprechen sich in der überwiegenden Mehrheit für eine Verstärkung der vorhandenen Gendarmeriekräfte aus; die Zahl der aus den in Betracht kommenden Verwaltungs- Bezirken angemeldeten Gendarmen ist jedoch eine so beträchtliche, daß es Bedenken finden muß, schon jetzt und bevor die eingeleitete Prüfung, durch welche Mittel dem Uebelftanbe der Vagaboudage mit Erfolg entgegenzutreten ist, in ihrem Gesammt- umfange zum Abschluß gelangt sein wird, eine ent- sprechende Verstärkung der Landgendarmerie ein­treten zu laffen. Es dürfte vielmehr auf Neuem- stellung von Gendarmen bis auf Weiteres nur bann Bedacht zu nehmen fein, wenn der allgemeine Zu­stand der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in einzelnen Distrikten das Eintreten einer schärferen Ueberwachung erforderlich macht und deshalb eine Theilung bestehender polizeilicher Bezirke mit Not­wendigkeit bedingt." Die Regierung hat sehr Recht, wenn sie an dem Erfolg der Gendarmerie-Vermeh­rung noch zweifelt. Damit wäre nur zu helfen, wenn wir neben jeden Vagabonden einen Gendar­men stellen könnten. Glücklicher Weise sind schon besiere Heilmittel, als dieses mechanische, in Aus­sicht genommen.

Berlin, 26. November.

* (Die Centrumssraktivn) vereinigte

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