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Montag, den 26. November
1883
Fuldaer fili Iritung.
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Deutsches Reich.
Fulda, 26. November.
* (Zur kirchenpolitischen Situation.) Die große Mehrzahl der katholischen Blätter hat in dem Umstande, daß die Thronrede über die kirchenpolitische Lage ganz schweigt, ein schlimmes Zeichen für die Absichten der Regierung erblickt. Der bekanntlich allgemein als Organ des Vatikans geltende Moniteur de Rome', welcher ohne Zweifel über den Stand der Verhandlungen mit Berlin bestens unterrichtet ist, theilt diese Ansicht nicht; er schreibt vielmehr Folgendes: „Das absolute Schweigen in Betreff der kirchenpolitischen Frage wird sicher auf verschiedene Weise erklärt werden. Wenn nach einem neuen kirchenpolitischen Gesetze die Thronrede weder über seine Folgen noch über seine Tragweite und seine Ausführung sich ausspricht, wenn ferner die Verhandlungen in eine neue Phase einzutreten scheinen und die Regierung es opportun findet, ein absolutes Stillschweigen darüber zu beobachten, so muffen diesem Verhalten sehr wichtige Motive zu Grunde liegen. Einige werden diese diskrete Zurückhaltung tadeln; Andere werden diese Thatsachen beredter finden, als die nettesten und entschiedensten Erklärungen, die Findigsten endlich werden der Meinung sein, wenn man nichts zu sagen habe, so sei Stillschweigen das Beste. Wir für unseren Theil rechnen es dem Takte der Regierung und ihrer hohen politischen Einsicht zur Ehre an, daß sie mit dem Reden wartet, bis die Fragen reif sind." — Von verschiedenen Seiten wird gemeldet, daß binnen Kurzem dem Landtage eine Vorlage, betreffend die Verlängerung des kirchenpolitischen Diskretions-Gesetzes zugehen wird, das bekanntlich am 1. April 1884 abläuft. Die Vorlage soll keinerlei Modifikationen enthalten, sondern lediglich den bisherigen Zustand konserviren. — Mit großer Bestimmtheit wird in Kreisen, welche als gut unterrichtet gelten, neuerdings versichert, daß in der That die mit Recht viel besprochenen fünf kirchenpolitischen Artikel der,Köln. Zeitung' offiziösen Ur-
<Q> Den Frieden gefunden. 6 (Fortsetzung.)
Acht Tage erst waren verflossen, seit ich auf Hoheneck weilte; Walther und ich standen uns wieder so nahe wie in den schönsten Tagen unserer Freundschaft, wo wir mit dem hingebenden Vertrauen der Jugend keine Geheimnisse vor einander gehabt. Wieder schritten wir hinab in's Thal zum sonntägigen Gottesdienst, doch dieses Mal allein, ohne Frau Walther. Sie war schon am Tage vorher fortgefahren weiter in's Gebirge hinein zum väterlichen Hause. Die Sehnsucht, ihre Eltern nach der langen Reise wieder zu sehen, hatte sie nicht mehr ruhen lassen. Es schien mir, als sei Walther heute ernster als sonst. Eine weiche Stimmung sprach aus seinen Augen und zeigte sich im Gespräche. Mir war, als beschäftigte er sich mit einem wichtigen Entschlüsse.
Als wir den Rückweg einschlugen und in der halben Höhe des Berges, auf dem Hoheneck liegt, angelangt waren, blieb Walther stehen. Er zog den Hut und strich das reiche Haar von der Stirne, so daß die Narbe wieder zum Vorschein kam, von der ich überzeugt war, daß keine Studentenklinge sie geschlagen hatte. Aufathmend schauten wir hinab in das sonnige Thal, dessen Fluß wie Silber erglänzte. Da fühlte ich, wie Walther seinen Arm um meine Schultern schlang, und aufschauend begegnete mein Blick seinem leuchtenden Auge. So standen wir schweigend eine Weile, dann Hub er an:
sprungs seien. Und zwar macht man zur Unterstützung dieser Annahme nicht bloß den Wahrscheinlichkeitsgrund geltend, daß das rheinische Blatt andernfalls derartige, mit der ganzen Maigesetz- gebuug so scharf in's Gericht gehende Aufsätze nicht ohne einschränkende Redaktions-Bemerkungen würde abgedruckt haben, sondern es sollen auch positive Anhaltspunkte dafür vorliegen.
Berlin, 25. November.
* (Aus dem Forst-Ressort.) Der Minister für Landwirthschaft, Domainen und Forsten hat dem Abgeordnetenhause eine Uebersicht über den bisherigen Verlauf und Erfolg der bis Ende 1882 zur Ausführung gebrachten Anbauversuche mit ausländischen Holzarten zugehen lassen.
• München, 24. Nov. (Der Finanzausschuß der Abgeordnetenkammer) lehnte den Antrag Frankenburgers ab, die Beschlußfassung über die Frage der Aufbesserung der Beamtengehälter vorläufig zu vertagen.
* Sternberg, 24. Nov. (Die Stände von Mecklenburg-Schwerin) haben gestern beschlossen, dem Großherzog Friedrich Franz ein Ehrengeschenk von 24,000 Thalern Gold zu offeriren. Heber die Frage, ob die Regierung um Mittheilungen über die Verhandlungen wegen der Berlin-Hamburger Eisenbahn zu ersuchen sei, blieb der Beschluß ausgesetzt.
Mesterreich - Ungarn.
• Pest, 24. Mai. (Ein Gesetzentwurf betreffend die Gültigkeit der Ehe zwi- schen Christen und Juden) beschäftigt das Abgeordnetenhaus und die öffentliche Meinung Ungarns in hohem Maße. Das Abgeordnetenhaus hat heute mit großer Majorität den Entwurf als Basis der Spezialdebatte, sowie die Resolution Jranpi's, welche die Regierung zur baldigsten Unterbreitung einer Vorlage, betr. die obligatorische Civilehe, auffordert, angenommen. Ehen zwischen Juden und Christen sind das neueste Ideal der „Liberalen" und Freimaurer in Ungarn. Nicht etwa weil die 13 Millionen Christen eine Verschmelzung mit den 700,000 Juden wünschen,
„Ich muß Dir's abermals sagen, Werner, wie glücklich ich bin, daß Du bet mir bist. Gott hat mich in unverdienter Weise gesegnet: ich bin gesund, reich, unabhängig; ein treues, edles Weib steht mir zur Seite; herzige Kinder erhöhen unser eheliches Glück. Und doch hegte mein Herz immer noch einen Wunsch."
Er schwieg und blickte ernst vor sich hin. Dann fuhr er fort: „Mein Leben war bis vor wenig Jahren wild, düster, sturmgepeitscht wie das grollende Meer im nächtlichen Sturme. Doch jene Zeit ist vorüber. Wie ein Genesener auf die überstandene lange, schmerzhafte Krankheit zurückblickt, so schaue ich auf das hinter mir liegende Leben, geheilt, zufrieden und glücklich. Ich habe nach Kräften gut gemacht und bestrebe mich noch immer, bis an das Ende meines Lebens, mich der geschenkten Gnade würdig zu zeigen. Doch die Erinnerung an das Unrecht, das ich Dir zugefügt, das ich an unserer Freundschaft verschuldet, konnte ich nicht vergessen."
Ich versuchte, Walther zu unterbrechen. Doch er ließ mich nicht zu Wort kommen. Er löste den Arm von meiner Schulter, legte ihn in den meinigen, und indem ivir unfern Weg fortsetzten, Hub er wieder an: „Solltest Du nicht in diesen verflossenen Tagen den Wunsch gehegt haben, Näheres über meine Vergangenheit zu vernehmen?"
Ich nickte schweigend.
„Nun wohlan, Werner; Du sollst Alles ersah-
sondern weil einige bankerotte Magnaten und andere „höhere" Hungerleider in und außer Stellung sich und ihren Familien die Möglichkeit verschaffen wollen, mit dem jüdischen Geldsack Fühlung zu bekommen. Außerdem soll durch den Gesetzentwurf dem Antisemitismus von Oben herab Trotz geboten und so den Juden, ohne welche Tisza nicht auskommen kann, ein Dienst erwiesen werden!
Frankreich.
* Paris, 24. Nov. (Die Deputirten- kammer) begann heute die Berathung der Vorlage wegen Kumulation der Aemter der parlamentarischen Jnkomptabilitäten. Artikel 1, welcher den gleichzeitigen Belitz besoldeter Staats-, Departements- oder Kommunalämter verbietet, wird an eine Kommission verwiesen. Die Kammer berieth sodann den Artikel über die parlamentarischen Jnkomptabilitäten, und nahm den Artikel, welcher die Unvereinbarkeit eines Senatoren- oder Depu- tirtenmandats mit einem Staatsamt erklärt, ausgenommen bei den Ministern, Unterstaatssekretären und Gesandten an.
Lhina.
"(AusHongkong.) Zufolge einer Meldung des Bureau Reuter ans Hongkong vom 24. Nov. griffen 3000 chinesischer Truppen am 17. ds. Haidzuong an. Die Franzosen, unterstützt durch ein Kanonenboot, leisteten Widerstand 7 Stunden lang, bis die Chinesen sich zurückzogen. Die Franzosen hatten 20 T'odte und Verwundete. -- In Kanton treffen fortgesetzt Verstärkungen für die chinesischen Truppen ein.
Lgypten.
* Kairo, 25. Nov. (Entsendung von Hülfskorps nach Suakim.) Der Minister- r a t h hat beschlossen, 2000Mann egpptischer Gendarmerie und 6000 Beduinen nach Suakim zu entsenden und dieserhalb mit den Beduinenhäuptlingen Unter- und Oberegyptens zu unterhandeln. Die Expedition soll für Suakim die Berberstraße wieder eröffnen und eine Verbindungslinie offen halten, um den Rückzug der egyptischen Truppen aus Char- reu. Heute bleiben wir zu Hause. Nach Tisch setzen wir uns auf Dein Zimmer; es ist frei von der Nachmittagssonne. Vom Altan aus kann sich Dein Auge immer wieder an der Schönheit meiner Heimath laben, wenn das Bild, das ich Dir entrolle, gar finster, traurig und häßlich erscheint."
War es zu verwundern, daß ich der Mittheilung Walther's mit äußerster Spannung entgegensah? Länger schienen mir die Stunden; doch ich darf es gestehen, nicht müßige Neugierde ließ mich den fest- gesetzten Augenblick herbeisehnen: nein, es war das rege, lebendige Interesse, das ich an dem Schicksal des Freundes nahm. Er hatte mich ahnen lassen, daß ich keine alltägliche Lebensgeschichte hören werde — und wahrlich, meine Erwartungen wurden weit übertroffen.
III.
Das Mittagsmahl war beendet. Langsam faltete Walther die Serviette zusammen und steckte sie bedächtig in den silbernen Ring. Dann griff er zum Glase, in welchem der selbstgezogene Wein funkelte, hielt es mir freundlich lächelnd entgegen und sagte: „Komm, Werner, laß uns anstoßen auf mein liebes Weib. Ihr habe ich es hauptsächlich zu danken, daß ich Dir jetzt mit Ruhe und ohne Bitterkeit gegen Andere und mich selbst meine Generalbeichte ablegen kann. Wer die erste hörte, wirst Du erfahren; diese zweite ist für Dich."
Hell klangen die Gläser zusammen; dann stiegen wir hinauf zu meinem Zimmer. Walther setzte