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M 270.

Sonnabend, den 24. November

1883.

Zweites Blatt

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* (Keine Kanalvorlage.) Die .Kreuzztg.' zweifelt daran, daß die Regierung dem Reichstage einen Gesetzentwurf über den Bau des Nordostsee­kanals vorlegen wird, hält es vielmehr für wahr­scheinlicher, daß der Bau dieses Kanals der Privat­industrie überlasien werden wird.

• (Gegen die Sonntagsarbeit.) In Greifswald hat sich, wie man der ,Nordd.Allg. Ztg.' mittheilt, ein ländlicher Verein gegen Sonn­tagsarbeit unter Vorsitz des Grafen Bismarck- Bohlen (Carlsburg) gebildet, welcher folgende für seine Mitglieder bindende Grundsätze aufstellt: An Sonn- und Festtagen sollen keine wirthschastlichen Arbeiten vorgenommen werden, weder auf dem Felde, noch in der inneren Wirschaft. Ausgenom­men sind die Wartung des Viehes und die gebo­tene Hilfeleistung bei Unglücksfällen und Natur­ereignissen. Man will keine Käufe noch Verkäufe, auch keine Auszahlungen, Abrechnungen und Korn­abmessungen am Sonntag stattfinden lassen. Sonn­tags finden keine wirthschastlichen Gespannleistungen für die Leute statt. Diejenigen Arbeiten, welche die Leute in ihrem Interesse an den Sonntagen vorzunehmen pflegen, sollen nach Möglichkeit ent­weder an den Wochentagen von ihnen gemacht oder ihnen die nöthige Zeit alsdann gewährt, oder an­dere den beabsichtigten Zweck erfüllende Einricht­ungen getroffen werden.

Berlin, 23. November.

• (Die Abgeordneten Dr. Krebs sCen- trumf und von Benda) begingen heute den Tag, an welchem sie vor fünfundzwanzig Jahren in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt wurden und von welchen: ab sie ununterbrochen bis jetzt dieser Körperschaft angehören. Nach einer vorangegangenen freien Besprechung begab sich eine Anzahl namhafter Abgeordneter zu den beiden Her­ren, um ihnen ihre Glückwünsche auszusprechen.

♦ Augsburg, 22. Nov. (Bischofs-Jubi- läum.) Gestern feierte die Diözese Augsburg das fünfundzwanzigjährige Bischofs-Jubiläum des hochwürdigsten Herrn Pankratius v. Dinkel. Im bischöflichen Palais drängen sich seit Samstag Gratulationsbesuche in endloser Reihe: ein Beweis

Deutsches Reich.

Fulda, 24. November. ■

* (Zum Ausfall derMarburgerWahl) schreibt das ,K a s s. Journal': Die Angriffe der Gegner galten insbesondere dem Dr. Grimm, der wiederholt so entschieden für ein Zusammen­gehen der Konservativen mit der Centruinspartei eingetreten ist. Und diesem Dr. Grimm gilt ohne Zweifel das Vertrauensvotum der Wähler beson­ders: die katholischen Ortschaften haben fast alle einstimmig für Herrn Dr. Grimin votirt und mit ihnen haben sich die evangelischen Dörfer vereinigt. Das Zusammengehen der Wähler zeigt auch den Weg, den die Parteien beschreiten müssen. Hoffent­lich zeigt es sich auch in der soeben begonnenen Session des Abgeordnetenhauses, daß Konservative und Centrum zusammen operirend den wüthenden Widerstand der Liberalen gegen die Besteuerung des Kapitals überwinden werden.

• (Ueber die Fraktionsoerhältnisse des Abgeordnetenhauses) liegt jetzt eine amtliche Zusammenstellung vor, welche die ander- weiten Angaben in mehreren Punkten richtig stellt. Danach zählt die Fraktion der Konservativen 115, das Centrum 96, die national-liberale Partei 66, die freikonservative 58, die Fortschrittspartei 38, die Fraktion der Polen 18 Mitglieder, bei keiner Fraktion sind 36 Mitglieoer, vier Mandate sind erledigt. Beide konservative Fraktionen bilden zu­sammen noch keine Mehrheit; dagegen kann eine solche durch die Konservativen und das Centrum gebildet werden, wenn sich die Polen anschließen.

* (Beschwerdekommission des Cen­trums.) Von der Fraktion des Centrums sind, wie in den früheren Jahren, einige Mitglieder für die Beschwerdekommission erwählt worden, an welche alle Diejenigen, welche Beschwerden anzubringen haben, solche gelangen lassen wollen. Alle Mit­glieder der Centrumsfraktion werden es sich ange­legen sein lassen, die an sie eingesandten Beschwer­den au die Kommission zu befördern.

die Leut ist's schon recht, da will es Walther so haben; aber hier unter uns, da mag ich's erst recht nit leiden. Hat das eine Mühe gekostet, bis ich erst mußt', daß ich mit dem Wort gemeint sei! Anfangs, als mein Walther mich nach Hoheneck gebracht, da hab' ich alleweil um mich geschaut, weil ich halt geglaubt, es ständ' Jemand hinter mir, dem's gelten sollte."

„Und wie soll ich Sie denn nennen?" fragte ich die Schloßherrin, deren natürliche Frische nüch heimelnd anmuthete.

Einen Augenblick schaute sie nachdenkend vor sich hin; dann blickte sie auf, und in ihren offenen, klaren Augen blitzte ein schalkhaftes Lächeln. „Ich meine halt, einen schönem Namen als den meines Mannes gibt's nimmer. Zu ihm sagen Sie jaWalther; nun, so heißen Sie mich Frau Walther. Oder gefällt Dir's nit so?" fragte Sie den Gatten, der ihr freundlich lächelnd zuhörte.

„Freilich gefällt mir's, und ich finde Demen Vorschlag so'hübsch, daß ich versucht bin, Dich gleichfalls Frau Walther zu rufen."

„Nein, Schatzerl, das klänge von Dm gar zu g'spassig. Da müßt ich ja lachen, wenn Du mir riefest, und da litt halt der Respekt drunter. Weißt, Du sagst Anna, und willst zeigen, daß Du mir ganz gut bist, so rufst Annerl. Aber nun ist's Zeit zum Frühstück! Bei den Mannsleut' wird man meiner Seel immer geschwätzig. Komm Franzl, sprich's Gebet!"

<0, Den Frieden gefunden.

(Fortsetzung.)

Jetzt wurde es mir auch auf ein Mal klar, was ich bisher Fremdes an Walther's Gattin ge­sunden. Um wie viel bester kleidete sie die schlichte Tracht! Das eleganteste Pariser Kostüme hätte ihre eigenartige Schönheit nicht so vortheilhaft zu Tage treten lassen, als die Art und Weise, wie sie sich heute trug. Das reiche, goldschimmernde blonde Haar war zurückgestrichen, und die breite, kostbare Goldnadel hatte Mühe, es im Nacken zu­sammen zu halten. Das schmale Gesicht gewann durch diese an altdeutsche Sitte erinnernde Haar­tracht. Die fein gewölbten Nasenflügel verriethen Energie und der anmuthig geschwungene Mund heitere Lebenslust und ungestörtes Glück. Ein weißseidenes Halstuch, mit einem leisen Anflug von Coquetterie arrangirt, ließ der Sitte gemäß nach hinten den vollen Nacken bloß, während es sich vorn höchst zierlich in Herzform über dem Busen schloß. Das einfache Mieder, aus dem die schneeig weißen, halblangen Aermel hcrvortraten, der schwere braune Rock, welcher in gefälligem Gegensätze die Hellrothen Strümpfe und die zier­lichen Schuhe frei ließ, vollendeten die reizende Tracht, wie sie schon seit Jahrhunderten bei den Bewohnern jener Berge üblich ist.

„Ja, und daß ich's gleich sag', Herr Doktor, Eie dürfen nimmer gnädige Frau sagen. Für

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der hohen Verehrung, deren der hochwürdigst Herr allenthalben sich erfreut. In außerordentlich großer Zahl sind auch Festgeschenke aller Art dem hochwürdigstcn Jubilar zugekommen, theilweise von sehr hohem Werthe und großer Schönheit. Gestern Abend wurde dem hohen Jubilar von den ver­einigten Gesangvereinen Augsburgs eine Serenade gebracht. Gestern um 9 Uhr war Festgottesdienst. Die theologische Fakultät der Universität Würzburg hat dem Herrn Bischöfe Pankratius in Anbetracht seiner wissenschaftlichen Leistungen auf dein Gebiete der Homiletik und Liturgik, die Doktorwürde ver­liehen. Der derzeitige Dekan der Fakultät, Herr Prof. Dr. Kihn, überreichte persönlich das Ver­leihungs-Dokument und eine prachtvoll ausgestattete Adreste der Fakultät dem hochwürdigsten Jubilar. ”** München, 23. Nov. (Der Landtag) beschloß, gemäß dem Ausschußantrag, über die Pe­tition des LandesausschufseS der deutschen Volks­partei um Einführung des allgen:einen direkten Wahlrechts zum Landtag den Uebergang zur Tages­ordnung.

— (Der Magistrat) bewilligte mit 20 gegen 11 Stimmen für die Erbauung von drei katholi­schen und einer protestantischen Kirche, sowie einer Synagoge einen Zuschuß von 630,000 Mark.

Oesterreich - Ungarn.

* Prag, 21. Nov. (Konsekration des neuen Bischofs.) Am Sonntag fand in der St. Salvatorkirche dahier die feierliche Konsekration des neuen hochw. Herrn Bischofs von Budweis, Dr. Franz Graf von Schönboru, durch Seine Eminenz Kardinal-Fürsterzbischof Fürst von Schwar­zenberg unter Assistenz der hochw. Herren Bischöfe Dr. Hais von Königgrütz, Dr. Schöbt von Leit- meritz und Dr. Bauer von Brünn statt. Der heh­ren Feier wohnten die Spitzen der Behörden von Prag, darunter der Statthalter von Böhmen, bei, dann die Vertreter der Domkapitel, Stifte und Ab­teien des Landes und zahlreiche Mitglieder des hohen Adels, die gesammte gräfliche Familie Schön­born — so auch der Bruder des Bischofs, der Statthalter von Mähren, und als Vertreter der

Freund Walther hatte wahrlich nicht zu viel gesagt, als er mir reiche Belohnung versprochen für die Reise nach Hoheneck. Von Stunde zu Stunde fühlte ich mich heimischer neben ihm und seiner vortrefflichen Gattin.

Am Tage streiften wir durch die bald mild ro­mantische, bald idyllisch liebliche Gegend, stiegen hoch auf zu den Bergen mit ihren bestrickenden Fernsichten und dann wieder in die Thäler und Schluchten hinab, wo der Gebirgsbach tosend von der Felsenwand herabstürzt und die Sonne im hoch aufdampfenden Wassernebel prächtige Regen­bogen malt.

Und wenn wir Abends heimkehrten zum trau­lichen Heerd, wie ruhte es sich dann so behaglich im holzgetäfelten Gemach! Daun empfing uns Frau Walther mit herzlichem Gruß. Bis das Abendbrod aufgetragen wurde, blieben die Kinder im gemüthlichen Kreise. Dann saß die einfache und doch so schöne Schloßherrin int kunstreich ge­schnitzten Sessel, auf ihrem Schooße der kleinste ihrer Lieblige, während Franz Pins und Maria sich lustig umhertummelten. Vor uns standen steinerne Krüge mit schäumendem Bier, und wäh- rend wir ansruhteu von den oft anstrengenden Ausflügen, berichtete Frau Walther, was deit Tag über geschehen war.

Mehr als ein Mal während jener frohen Zett hatte ich mich neugierig gefragt, wie es doch ge­kommen sei, daß Walther so vollständ g anders