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Jts. 263.

Freitag, den 16. November

Fuldaer Jeitung.

1883.

. Die »Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — minder belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

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Die öffentlichen Volksschulen im preußischen Staate.

Im Kultusministerium ist eine Denkschrift über „die öffentlichen Volksschulen im preußischen Staate" ausgearbeitet worden, deren Inhalt die ,Nordd. Allg. Ztg.' zur öffentlichen Kenntniß bringt. Die bisher veröffentlichten Theile lauten wie folgt:

i.

Die Denkschrift zerfällt in zwei Theile, deren erster insbesondere die Aufgabe der Volksschulverwaltung dar­stellt, während der zweite die tabellarischen Nachweisungen über den Zustand der preußischen Volksschulen im Jahre 1882 enthält.

Der erste Theil beginnt mit einer Darlegung des Umfanges der Aufgabe. Unter der bei der letzten Volkszählung festgestellten Bevölkerung des preußischen Staates befanden sich 5,419,380 Kinder, welche in den Jahren 1867 bis 1875 geboren waren. Bon diesen waren bis zum Beginn des Jahres 1882 39,342 verstorben. Es verblieben mithin 5,380,038 Kinder im ungefähren Alter von über 5 bis einschließlich 14 Jahren. Diese Kinder standen im Jahre 1882 im schulpflichtigen Alter, waren aber allerdings keineswegs alle schulpflichtig. Die allge­meine Schulpflicht dauert thatsächlich nur 8 Jahre, wäh­rend hier 9 Jahrgänge berücksichtigt sind. Darnach reduzirt sich die obige Zahl auf 4,759,937 Kinder, welche im Jahre 1882 zum Besuche der öffentlichen Volksschule verpflichtet waren, soweit sie nicht entweder anderweitigen Unterricht empfingen, oder körperlich und geistig außer Stande waren, am Unterricht theilzunehmen, oder endlich in Gemäßheit der den Unterrichtsbehörden zustehenden Befugnisse im letzten Schuljahre Dispense erhalten hatten.

Die Zahl der Kinder, für deren Unterricht anderweitig gesorgt ist, läßt sich nur annähernd bestimmen, zumal eine Anzahl der in Betracht kommenden Schulen, wie Kadetten­korps, Militärwaisenhäuser rc., dem Reffort des Unter­richtsministers nicht unterstellt sind. Von den Schulen, welche von demselben ressortiren, sind die höheren Lehr­anstalten und deren Vorschulen, die Seminarschulen, die höheren Mädchen- und die mittleren Knabenschulen, endlich die Privatschulen zu berücksichtigen.

Es erhielten nun zur Zeit außerhalb der Volksschule Unterricht in höheren Lehranstalten 117,451, in Seminar­schulen 16,030, in höheren Mädchenschulen und Mittelschu­len für Knaben etwa 110,000, in Privatschulen etwa 120,000, in der eigenen Familie, in Pensionaten rc. etwa 19,000 und in Schulen anderer Ressorts etwa 3000, zu­sammen also 385,481 Kinder. Es verblieben sonach etwa 4,374,456 schulpflichtige Kinder. Von diesen waren 7000 viersinnig, also außer Stande, die für vollsichtige Kinder eingerichteten Schulen zu besuchen. Rechnet man nun noch schließlich ungefähr 2/3 pCt. oder bestimmter 27,500 Kin-

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Der Erbe.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

(Schluß.)

Wie ein silberklarer Spiegel ruhte der schönste von Rheinlands Seen im strahlenden Lichte der Augustsonne. Das leise Lüftchen, welches die Wipfel der hohen Buchen durchsäuselte, kräuselte kaum be­merkbar die Mitte des schönen Wasierspiegels, worin das Bild der herrlichen Kirche und der majestäti­schen Bäume sich miederspiegelte. Tiefe Stille rings­um; nur einzelne Besucher dieses reizenden Fleckens deutscher Erde ruhen im Schatten des hohen Buchen­waldes, der sich bis dicht an die Mauern des Klo­sters ausbreitet.

In der Nähe der geöffneten Pforte stand eine Gruppe Reisender im Begriffe, Abschied von einem Priester zu nehmen. Die tiefe Bewegung, die aus den Zügen der Scheidenden sprach, ließ erkennen, daß das Lebewohl kein baldiges Wiedersehen hoffen ließ. Die Augen der Dame, welche mit beiden Händen die Linke des Paters umschlungen hielt, waren mit Thränen gefüllt, während die Rechte des Priesters in der Hand eines stattlichen Herrn ruhte, welcher zwar gefaßt, aber mit unverkennbaren Zeichen des tiefsten Schmerzes das Auge auf seinen Be­gleiter richtete. Drei Kinder, zwei Knaben im Alter von 10 und 14 und ein Mädchrn von 8 Jahren umstanden die Gruppe. Der älteste, ein kräftiger, starker Knabe, in deffen Zügen man unverkennbar

ber ab, die schon vor vollendetem 14. Lebensjahre Dispen­sation vom Schulbesuch erhalten, so verbleibt der preußi­schen Volksschulverwaltung immerhin die Pflicht, für die ordentliche Beschulung von 4,340,000 Kindern Sorge zu tragen.

Was diese Zahl besagen will, läßt sich ermeffen, wenn ihr die Zahl der Schulkinder in einigen anderen deutschen Staaten zur Seite gestellt wird. Nach der Statistik des Unterrichts und der Erziehung im Königreich Bayern waren daselbst im Jahre 1871/72 Werktagsschüler (gleichbedeutend mit unserm Begriff Volksschüler) 632,599; das Königreich Sachsen hatte 1881 einschließlich der Kinder in Seminar­schulen 474,058 Volksschüler; das Großherzogthum Baden hatte 1871 227,065 Kinder in Volksschulen und das Groß- herzogthum Hessen endlich hatte 1881 150,821 Volksschüler.

II. Die Schwierigkeit der Aufgabe.

Der preußischen Unterrichts-Verwaltung liegt es nun ob, dafür Sorge zu tragen, daß fämmtliche Theile der Monarchie mit Volksschulen zweckmäßig ausgestattet wer­den, und daß diese mit ausreichenden, vorschriftsmäßig ausgebildeten Lehrkräften versorgt seien. Sie hat dabei die Verschiedenheit der Religions-Bekenntnisse, die Ungleich­artigkeit der Bodenbildung, die Unterschiede in der Besiede­lung und den Erwerbsverhältnissen der einzelnen Gegenden, endlich auch das ungleiche Maß der Steuerkraft bei den Trägern der Schulunterhaltungs-Pflicht zu berücksichtigen.

Wenn die Lösung dieser Aufgabe gegenüber einer Schü- lcrzahl von 4 Millionen an sich schon mit Schwierigkeiten verknüpft ist, so erhöhen sich diese im preußischen Staate noch aus besonderen Gründen nicht unerheblich. Zunächst erschwert der bisherige Mangel einheitlicher gesetzlicher Re­gelung. wenigstens der Schulunterhaltungs-Pfiicht, für alle Theile der Monarchie die Arbeit der Volksschul-Verwaltung um so mehr, als diese in einzelnen Provinzen oder Bezir­ken an Provinzial- und Spezialgesetze gebunden ist, deren Voraussetzungen zum Theil nicht mehr zutreffen und deren Auslegung bei Behörden und Gerichtshöfen mannigfach ge­schwankt hat.

Eine besondere Schwierigkeit liegt ferner in den Sprach­verhältnissen einzelner Landestheile. Nach der jüngsten Statistik über dieselben vom Jahre 1871 befanden sich unter den damaligen Volksschülern 431,187 polnisch re­dende Kinder, darunter 360,528, welche beim Eintritt in die Schule nur polnisch verstanden. 18,236 littauisch redende Kinder, darunter 10,075, welche nur littauisch verstanden, 12,788 wendisch redende Kinder, darunter 6690, welche nur wendisch verstanden, 8741 mährisch redende Kinder, darunter 8239, welche nur mährisch verstanden, 1662 böh­misch redende Kinder, darunter 1131, welche nur böhmisch verstanden, 25,650 dänisch redende Kinder, darunter 21,245, welche nur dänisch verstanden, 3824 ftiesisch redende Kinder, darunter 1035, welche nur friesisch verstanden, 1577 wallonisch redende Kinder, darunter 1430, welche nur wallonisch verstanden, und 495 holländisch redende

das Abbild seines neben ihm stehenden Vaters er­kannte, bemühte sich vergebens, deffen Beispiel zu folgen und die aufsteigenden Thränen zurückzudrän­gen, während die jüngeren Geschwister, an der Mutter angeschmiegt, sich ganz ihrem Schmerze überließen.

„Noch immer kann ich es nicht faffen, mein lie­ber Felix," sprach die Dame, „daß man Dich zwingen kann, uns für immer zu verlaffen. Ich kann es nicht begreifen, wie man Euch, die Ihr nur zum Wohle der Menschheit gewirkt, die Ihr Euer Leben und Eure Gesundheit auf den Schlacht­feldern Frankreichs aufgeopfert habt, nun zum Lohne, wie schimpfliche Verbrecher, über die Grenze jagt."

„Es wundert mich nicht uno es freut inich sehr, theure Johanna", sprach der Pater mit milder Stimme, „daß Du das Treiben der gottlosen Welt nicht verstehen kannst. Es ist nun einmal so; ich will Dein reines Herz auch nicht mit Schreckbildern ängstigen, aber das vermag ich bei unserem Schei­den Dir nicht zu verhehlen, daß die von dem bösen Geiste in's Nollen gebrachte Kugel unend­liches Elend über unser theures Vaterland bringen wird. Für's erste richtet sich der gottentfremdete Liberalismus gegen die Söhne des hl. Ignatius; dann werden die andern Orden und Genoffenschaf- ten ihm zum Opfer fallen. Nach diesen wird der Kampf gegen die Weltpriester und das gläubige Volk beginnen."

„Onkel Felix", rief der älteste Knabe funkelnden

Kinder, darunter 7, welche nur holländisch verstanden, zu­sammen also 410,380 Kinder, welche beim Eintritt in die Volksschule kein Deutsch verstanden. Dieses hatten den gerechten Anspruch darauf, in der Schule zur vollen Be­herrschung des Deutschen, als der Muttersprache ihres Vaterlandes, erzogen zu werden. Geschähe es nicht, so gingen sie der meisten Wohlthaten ihrer Zugehörigkeit zu einem großen und mächtigen Staatswesen verloren, reiche Bildungsquellen für ihr inneres, auch religiöses Leben blieben ihnen verschlossen, und ihre Erwerbsfähigkeit würde beschränkt. Aber auch der Staat hat ein Interesse daran, alle Volkskräste, auch diejenigen an der Peripherie seines Gebiets, zu gemeinsamer Thätigkeit heranzuziehen, und zu verhüten, daß sich in einzelnen Bezirken die Verschieden­heit der Sprachen zu einer Scheidewand zwischen ihren Bewohnern gestalte. Daraus ergibt sich für die Unter­richtsbehörden die doppelte Pflicht, dafür zu sorgen, daß es den zweisprachigen Schulen niemals an Lehrern fehle, daß sie vor allen anderen mit solchen versorgt werden, und daß diese Lehrer nicht nur der deutschen Sprache mächtig, sondern auch zur Ertheilung des Unterrichts in derselben bei anders redenden Kindern befähigt seien. Nach beiden Seiten hin ist in dem letzten Jahrzehnt viel geschehen. Bestimmte Anweisungen für die Ertheilung des Sprachunterrichts sind erlassen, int Seminarunterricht wer­den die angehenden Lehrer zu deren Verständniß und zweckmäßiger Befolgung angeleitet uud bereits int Amte stehende Lehrer erhalten in besonderen Kursen Gelegen­heit, sich für den Sprachunterricht besser zu befähigen.

Ein weiterer Grund dafür, daß die preußische Unter­richtsverwaltung noch nicht vermocht hat, die ihren Be­mühungen entgegenstehenden Hemmnisse überall zu über­winden, liegt in der Jugend mancher Schuleinrichtungen, welche uns jetzt als fest begründete entgegentreten.

Endlich aber wirkt die starke, jedoch nach Ort und Zeit durchaus ungleichmäßige Zunahme der Bevölkerung, nament­lich in den Städten, aber nicht in diesen allein, einer ruhigen und sicheren Entwickelung des Volksschulwesens entgegen. Die sieben größten Städte der Monarchie haben in zehn! Jahren um 32,8 pCt. oder um 506,127 Einwoh­ner zugenommen. Noch größer war die Zunahme in ein­zelnen anderen größeren und mittleren Städten. Bei 23 solcher Slädte z. B. betrug die Vermehrung 42,7 pCt. Um das unterrichtliche Mehrbedürfuiß allein dieser 30 Städte zu befriedigen, würden mindestens 1600 neue Lehrerstellen nüthig gewesen sein. Besonders groß war aber die Zu­nahme der Bevölkerung um Berlin, wo sich in den Orten, welche die Kreisschulinspektion „Berlin Land" umfaßt, die Bevölkerung innerhalb dreizehn Jahren fast verdreifacht hat.

III. Die Vertheilung der Schulen über die einzelnen Provinzen, Bezirke und Kreise der Monarchie.

Für die Beantwortung der Frage, inwieweit es der Unterrichtsverwaltung gelungen sei, die dargelegten Schwie-

Auges, „bann wird man aber auf hatte Köpfe stoßen, die sich nicht beugen werden."

Mit inniger Befriedigung ruhte der Blick des Paters liebevoll auf feinem Neffen, der durch fein klares, verständiges Auge bewies, daß der Ernst der Lage von feinem jugendlichen Geiste schon er­kannt fei.

„Möge der Himmel geben, mein lieber Heinrich", sprach der Pater, seine Hand auf den lockigen Scheitel des Knaben legend, „daß das Wort aus Kindesmund zur Wahrheit werde. Unerschütter­liche Festigkeit allein wird aber nicht genügen, das Unheil abzuwenden, wenn dieselbe nicht mit Gott­vertrauen gepaart und durch eifriges Gebet unter­stützt wird."

„Aber warum gehst Du denn so weit über das große Meer fort, Onkel Felix?" sprach der zweite; „dort können wir Dich ja nie besuchen."

„Wo wir uns auch befinden mögen, lieber Kuno", erwiderte der Pater, „überall sind wir in der Hand des Herrn. Wenn wir täglich für einander beten, sind wir immer vereinigt, ob wenige Stun­den oder tausende Meilen uns trennen."

„Ist Dein Entschluß so unabänderlich, lieber Felix", sprach der Vater, „meine Begleitung bis Antwerpen zurückzuweisen."

„Guter Erwin", erwiderte der Pater gerührt, wozu das? Ob wir hier oder dort uns trennen, ist wohl gleich. Führe Du unsere Lieben zurück und grüße mir viel tausendmal mein gutes Müt-