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Jitter N8 Ming.

Donnerstag, den 15. November 1883.

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* Zur Lage in Spanien.

Die Blicke der gesammteti politischen Welt und selbstredend in erster Linie des deutschen Volkes wenden sich im gegenwärtigen Augenblicke nach Spanien. Man legt der Reise des deutschen Kron­prinzen nach Madrid eine ungewöhnliche politische Bedeutung bei und glaubt in ihr mehr als eine bloße ceremonielle Erwiderung des Besuches des Königs Alfons suchen zu müssen. Wenn auch die Unterstellung, daß es sich um die Anbahnung eines formellen oder doch wenigstens tatsächlichen An­schlusses Spaniens an das deutsch-österreichische Friedensbündniß und demnach um einen feind­lichen Schachzug gegen Frankreich handle, grade mit Rücksicht auf die weiter unten zu erörtern­den Verhältnisse kaum glaubhaft erscheint, so ist der Anfang eines gegenseitigen intimeren Ver­kehrs zwischen Deutschland und Spanien nach dem fast gespannten Verhältnisse beider Staaten zur Zeit derHandelsvertrags-Verhandlungen für Deutsch­lands auswärtige Politik ohne Zweifel als ein Erfolg zu betrachten. Durch die geplante Erhebung der beiderseitigen Gesandschaften zu Botschaften kann diese Auffassung nur bestätigt werden.

Die momentane innere politische Lage Spaniens bietet sonderbarer Weise beinahe das konträre Gegenstück zu der vom König von Spanien begün­stigten Annäherung an den mächtigen Vertre­ter des monarchischen Gedankens. Das schon vor der Reise des Königs zu den deutschen Kaiser- manövern unhaltbar gewordene Ministerium Sa- gasta trat bekanntlich gleich nach der Rückkehr des Königs zurück, weil sich in seinem Schooße Mei­nungsverschiedenheiten ergaben über die von dem Pariser Kabinet zu fordernde Genugthuung für die Alfons XII in Paris zu Theil gewordenen Pöbel-Beschimpfungen. Die seitdem von König Al­fons eingeschlagene Richtung ist fast unbegreiflich zu nennen. Wenn zunächst schon in dem Verzicht auf eine von dem demissionirten Ministerium verlangte stärkere formelle Satisfaktion des französischen Ka- binets eine unverständliche Nachgiebigkeit gegen die Frankreich wohlwollenden radikalen Parteielemente lag, so war nach dem enthusiastischen Empfang des

Königs und der in Folge der Pariser Kränkungen fast wie von selbst vollzogenen Stärkung der mon­archischen Sympathien des spanischen Volkes die Berufung eines radikal-liberalen Ministeriums in ihren Motiven noch weit räthselhaster.

Das verflosiene Ministerium Sagasta hatte be­reits einen sehr liberalen Anstrich, der konserva­tiven Partei gehörte nur der Kriegsminister Cam­pos und der Minister des Aeußern, Vega de Ar- mijo an. Der König wünschte ausdrücklich eine Vereinigung der beiden liberalen Parteien, der Konstitutionellen und der sog. dynastischen Linken, und da Sagasta sich einem so gestalteten Mini­sterium nicht gewachsen fühlte, berief Alfons den Po­sada Herrera, einen an Jahren und Erfahrungen reichen Politiker, der nach der Thronbesteigung des Königs sich den Konservativen anschloß, sväter aber allmählich zu den Konstitutionellen überging und Vorsitzender des Staatsraths und Präsident des Abgeordnetenhauses war. Posada Herrera ent­ledigte sich seiner Aufgabe, ein neues Kabinet zu bilden, sehr schnell, jedoch mit völliger Unterwerfung unter den Einfluß der sog. dynastischen Linken, welche Partei vor einem Jahre von dem Marschall Serrano aus der radikalsten Gruppe der Konstitutionellen und einer Reihe von früheren Republikanern gebildet wurde. Dieser unter dem Machtgebot Serrano's stehenden Partei fielen vier Sitze zu, darunter die beiden wichtigsten und einflußreichsten Ministerien des Krieges und des Innern. Kriegs­minister wurde ein Neffe Marschall Serrano's, der General Lopez Dominguez, beide Männer, die sowohl ihrer Vergangenheit nach wie durch ihre Stellung und Haltung innerhalb ihrer Partei von republikanischen Hintergedanken nicht frei ge­sprochen werden können. Außer diesen beiden wich­tigen Portefeuilles begehrten die Serranisten auch noch das Justizministerum und das Mini­sterium der öffentlichen Arbeiten (Linares Rivas und Sardoal.) Der Ministerpräsident Posada Herrera hat kein besonderes Portefeuille, für die Finanzen, die Kolonien und die Marine hat er aus der (liberalen) Fraktion der Kon­stitutionellen drei seiner persönlichen Anhänger,

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Der Erbe.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

XVI.

Fort aus dem Lande die stillen Beter, Die Staatsgefährlichen, Uebelthäter! Die Gründer, die Schinder, die Buhlerinnen, Die bleiben drinnen.

F. W. Weber.

Eine größere Täuschung wurde wohl niemals einem Volke zu Theil, als dem deutschen nach jenen glorreichen Kriegsjahren, wo die vereinte deutsche Tapferkeit und Opferwilligkeit den Ueber» muth der Franzosen brach. Gleich wie die wackeren Krieger todesmuthig zur Fahne eilten, so wett­eiferten alle Schichten der Bevölkerung den für die heiligsten Güter des Vaterlandes kämpfenden Kriegern ihr schweres Loos zu erleichtern.

Ohne Unterlaß flehte das gläubige Volk zu dem Herrn der Heerschaaren um Sieg und glückliche Heimkehr für seine kämpfenden Väter, Brüder und Söhne. Die Witter des rochen Kreuzes eilten dem Kriegsschauplatz zu, ihr Liebeswerk zu beginnen, unterstützt von den Ordenspriestern, welche ihre Lehrstühle und ihre stillen Zellen verließen, die segensreichste der Missionen zu beginnen, zu welchem ihr hoher Beruf sie befähigte, Trost und Stärke den verwundeten und kranken Kriegern zu bringen. Ganze Schaaren gottgeweihter Jungfrauen weilten auf dem Schlachtfelde und in den Lazarethen, ihre Kräfte den sterbenden und leidenden Kriegern

zu widmen. Millionen von Segenswünschen tönen heute noch von den Lippen derer, die die Liebes­werke dieser edlen Jungfrauen kennen zu lernen das Glück hatten. Die Reihen dieser christlichen Streter sind durch die Anstrengungen und Müh­seligkeiten ihres schweren Liebeswerkes ebenso ge­lichtet, wie diejenigen der kämpfenden Krieger.

Endlich war das schwere Werk vollbracht, und mit Blitzesschnelle brachte der Telegraph dem har­renden Volke die Kunde von dem Friedensschluffe.

Freudenfeuer flammten auf den Bergen, Jubel­gesänge erfchallteu in allen Gauen unseres Vater­landes; in den hohen Domen und in den kleinen Dorskirchen ertönten Lob- und Dankgesänge zum Preise des Herrn. TaS deutsche Volk athmete auf nach den schweren Kämpfen und träumte von Ruhm und Glück der kommenden Zeiten.

Kaum aber war das Tedeum verhallt, als ein neuer Krieg die Gauen des deutschen Vater­landes zu durchtoben begann, und demselben seit einem Dezennium tiefere Wunden schlug, als der eben beendigte Krieg.

Der glaubenslose Liberalismus, welcher bei den fortwährenden Siegen der deutschen Truppen schon während des Feldzuges sein Gift gegen die Kirche zu speien begann, eröffnete sofort nach Beendigung des Krieges den Kampf gegen dieselbe, weil er in ihr das einzige Bollwerk erkannte, welches im Stande fei, seine verderblichen Pläne zu hinter­treiben. Unterstützt von einer intoleranten, theils

Gallostra, Suarez-Jnclan und Bal-Careel gewählt. Endlich erhielt Ruiz-Gomez, ein Mann, der dem ehemaligen Kabinet Zorilla angehörte, nach dem Sturze des Königs Amadeo Republikaner ward und seit Alfons Thronbesteigung sich kürzlich erst zur Monarchie bekehrt hat, das Ministerium des Auswärtigen. Da die Serranisten auf den letzteren Minister ziemlich bestimmt rechnen kön­nen, so verfügen sie in dem 9köpfigen Kabinet über die Majorität, und als der eigentliche Minister­präsident ist demnach eher Marschall Serrano als Po­sada Herrera zu bezeichnen. Posada hat sich deshalb auch von Serrano und seiner Partei baS Programm der Negierung diktiren lassen müssen. Dasselbe stellt in Aussicht: Wiedereinführung des allgemei­nen Stimmrechtes, Revision der bestehenden Ver- faffung im Sinne einer Annäherung an die Ver­fassung von 1869, das ultra-demokratische Werk der September-Revolution, und dazu noch eine Reihe von liberalen oder radikalen Gesetzen: Schwurge­richt, Civilehe, Ausdehnung der Preßfreiheit, wie des Vereinsrechtes und dergleichen mehr.

In den Händen dieser radikal und republikanisch angehauchten Gesellschaft liegt nun die politische Leitung Spaniens. Statt den Aufschwung der konservativ - monarchischen Richtung gelegentlich seiner Rückkehr nach Madrid zu einer offiziellen Schwenkung nach Rechts zu benutzen, gibt der König sich dem Gutdünken der radikal-liberalen Clique preis. Insbesondere die Ueberantroortung der Oberleitung des Heeres an ein gefügiges Werk­zeug des alten Ränkeschmieds Serrano ist ein ge­radezu unbegreiflicher Fehltritt. Es gibt nur einen Beweggrund, der diese Entschließung des Königs Alfons erklären kann. Es ist dies die hochgradige Furcht vor Zorilla und seinem kor- rumpirenden Einflüsse auf das Heer. Die Militär­aufstände im August, deren Urheber Zorilla und feine Anhänger waren, haben allerdings bewiesen, daß Offiziere und Mannschaften des spanischen Heeres noch immer den Lvckstimmen der extremsten Parteien zugänglich sind. Und trotzdem der versuchte Gewalt­streich damals jämmerlich mißglückt ist, steht doch fest, daß die revolutionäre Agitation im Heere auch heute

«katholischen und glaubenslosen Kammermajorität wurden mit Dampfeseile Gesetze fabrizirt, die den Lebensnerv der Kirche unterbanden, und die schön­sten Blüthen derselben in öde Ruinen verwandelten.

Vergessen war die Todesverachtung der katho­lischen Krieger, die Opferwilligkeit des treuen Volk kes; vergessen war die Aufopferung, mit welcher die Ordenspriester unter dem Donner der Kanonen, umsaust von den Geschoßen, den sterbenden Krie­gern die letzten Tröstungen der Kirche spendeten, oder in den Hospitälern von Bett zu Bett wander­ten und Freund und Feind mit gleicher Liebe trö­steten ober zu dem schweren letzten Kampfe vorbe­reiteten. Das stille Walten der Ordensfrauen, die unausgesetzt an dein Lager des verwundeten und kranken Kriegers weilten, mit sorgender Mutterliebe ihn pflegten, ihn trösteten und labten, es war ver- geffen.

Der böse Geist, der unser armes Vaterland durch­zieht, trieb sie von der heimathlichen Scholle, und die mit dem eisernen Kreuze geschmückten Priester mußten als Vaterlandslvse, vertrieben von denen, welchen sie Gutes erzeigt, ihrer Heimath den Rücken kehren. Oede und verlassen stehen die herrlichen Biüthestätten der christlichen Kirche und Kultur.

Auch Maria-Laach, die für Religion und Kultur so segensreich wirkende Pflanzstätte, wurde eines der ersten Opfer des beginnenden Kulturkampfes.

Pater Ulrich hatte lange segensreich in bin Hospitälern der Champagne gewirkt, bis er seilst