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Beiblatt zu Nr. 252 der ,Mldaer Zeitung'.

Sonnabend, den 3. November 1883.

Vermischtes.

#*e (Elektrisches Gewehr.) Das von Herrn Pieper in Lütter erfundene elektrische Gewehr be­stand jüngst auf der Militär-Schießstätte in Wien seine Feuerprobe. Das Gewehr, welches H. Pieper demonstrirte, ist doppelläufig und unterscheidet sich, seinem äußern Ansehen nach, nicht von einem ge­wöhnlichen Jagdgewehre. Dagegen sieht man es dem Schützen, der die elektrische Waffe handhaben will, schon von weitem an, daß er nicht zu der gewöhnlichen Gattung von Jägern gehört. Sein Rock zeigt oberhalb der rechten Achselhöhle eine eigenthümliche Verschnürung, die man sonderbarer Weise nur noch an seinem linken Handschuhe be­merkt. Diese Schnüre bergen den elektrischen Drath, der seine Ladung durch einen kleinen Akkumu­lator erhält, welchen der Jäger in seiner Rock­tasche mit sich tragen kann. Durch die Berührung des eisernen Gewehrlauses mit der linken Hand und durch das Ansetzen des Schaftes an die Schulter überträgt sich mittels der Drähte die Elektrizität des Akkumulators in das Gewehr; doch geht der Schuß nur dann los, wenn durch einen Druck auf das „Züngel" der vollständige Kontakt zwischen Lauf und Schaft hergestellt und hierdurch der äußerst dünne Platindraht der Pat­rone auf elektrischem Wege zum Verbrennen ge­bracht wird. Ein besonderer Vortheil des Ge­wehres ist es, daß beide Schüffe zu gleicher Zeit abgefeuert werden können. Dadurch, daß das Gewehr nicht anders losgehen kann, als wenn der Kontakt mit dem Akkumulator hergestellt wird, ist es auch höchst ungefährlich, und sind Unglücks­fälle, wie sie häufig durch das vorzeitige Ent­laden verursacht werden, absolut unmöglich.

*** (Eine Anekdote von der Wiener elektrischen Ausstellung) erzählt der Wie­ner Feuilletonist des .Pester Lloyd.' Kürzlich sah man einen Herrn von auffallendem Habitus als Stamm- gast der Ausstellung auftauchen. Er war etwa 6 Schuh 2 Zoll hoch, bestand bloß aus Knochen und etwas gelblichem Leder, nebst zwei weißlichgrauen Kotelettes, trug einen ungewöhnlich langen schwar­zen Rock und einen ungebührlich hohen schwarzen Cylinderhut und ging mit langen unhörbaren Schritten wie ein Gespenst von Apparat zu Ap­parat, so daß man erschrack, wenn man ihm plötz­lich begegnete. Er war ein amerikanischer Arzt aus Baltimore und hieß Mr. Newmann oder Newton. Natürlich war er kein Alleskurier, son­dern ein Spezialist, und war seines Zeichens Elek­trotherapeut. Um die Fortschritte der elektrischen Behandlung zu studiren, war er eigens herüber­gekommen über das große Wasser, er scheint aber wenig Neues in dieser Branche gefunden zu haben, denn er hielt es für nothwendig, sich selbst etwas Neues zu erfinden. Er bestellte nämlich bei einer der großen Beleuchtungsfirma zwei elektrische Kande­laber, wie es noch keine gegeben hat. Jeder be­steht aus einem vollständigen, elfenbeinblanken, menschlichen Skelett. In der Höhle des Beckens ist ein Akkumulator untergebracht, von dem sich zwei Leitungsdrähte, wie Nervenstränge, durch den Rückgratskanal bis ins Innere des Schädels ziehen, wo ehemals das Gehirn phosphoreszirte und nun das elektrische Licht keuchten soll. Der Glaskolben eines Bogenlichts ist in jeder der knöchernen Augen­höhle untergebracht, wie ein von Höllenfeuer glühen- ger Augapfel; Mund und Nafe schnauben elek­trisches Licht und aus den Gehörgängen schlängeln sich beiderseits feine Lusterrarme, welche sich zu leuchtenden Kugeln verzweigen. Die Kandelaber, welche er an der großen Treppe zu feinem Ordi­nationssalon aufzustellen gedenkt, werden gewiß höchst effektvoll sein, und wenn es auch fraglich erscheint, ob ein europäischer Elektrotherapeut durch solche furchtbar niedliche Allotrien nicht vielmehr seine Patienten verscheuchen würde, steht die Sache sür Amerika doch anders, und Dr. Yankee kennt das Sensationsbebürfniß seiner Landsleute gewiß ganz genau und weiß, was für ein Futter man denselaen bieten muß.

(N a ch a h m e n s w e r t h.) Eine Anzahl pa­triotischer Damen in New-York und den anderen Großstädten des amerikanischen Ostens organisiren

gegenwärtig eine Liga zur Austreibung der Pariser Moden aus den Vereinigten Staaten. Die New-Yorker Blätter stehen der Bewegung im Allgemeinen durchaus sympathisch zur Seite. Ihre Anstifterinnen betonen, daß es des amerikanischen Nationalgefühls unwürdig sei, sich von den oft­mals bizarren und geschmacklosen Einfällen der Pariser Modisten abhängig zu machen; daß die amerikanischen Damen besser thäten, ihrem eigenen Geschmack zu folgen und das ungezählte Geld, das alljährlich nach Paris wandere, der einheimischen Industrie zuzuwenden. Und bei uns?

(Eine allerliebste Jagdgeschichte) finden wir im ,St. Hubertus': „An der Table d'Hote eines Hotels in einer deutschen Provinzialstadt saßen jüngst Geschäftsleute, Beamte, Gelehrte rc. und weiter ziemlich zahlreich die Mitglieder eines Jagdklubs, sogenannte Sonn­tagsjäger, beisammen. Jeder kam nach und nach an die Reihe, seine „Abenteuer" zu erzählen, welche an „Jäger­latein" nichts zu wünschen übrig ließen. Da erbat sich einer der anwesenden Fremden das Wort. „Ich wurde", so erzählte er, „von einem Freunde, der in Norwegen bedeutende Waldungen besitzt, eingeladen, an einer von ihm und mehreren Nachbarn arrangirten Bärenjagd Theil zu nehmen. Man hatte ein mächtiges Bärenpaar aufge­spürt. Mit einem Jagdmesser und einer Büchse bewaffnet erhielt ich meinen Posten. Zu meinem Unglück wurde ich von den Gefährten und Treibern getrennt und sah mich plötzlich am Rande eines schwindelnden Abgrunds, der nur durch einen darübergelegten Baumstamm über­brückt war. Auf einmal höre ich ein furchtbares Gebrüll hinter mir und sehe das Bärenmännchen direkt auf mich zukommen. Mir blieb keine andere Wahl, als die gegen­überliegende Seite zu erreichen. Ich nahm das Messer in den Mund, die Büchse in die Hand und trat den ge­fährlichen Weg kriechend über den Baumstamm an. Als ich die Mitte desselben glücklich erreicht hatte, sehe ich zu meinem Entsetzen, daß das Bärenweibchen auf der andern Seite des Abgrundes meiner harrt. Ich war wie gelähmt .... die Büchse entfällt meiner Hand und rollt in die Tiefe .... als ich nach meinen Freunden rufe, entfällt das Messer meinen Zähnen! Vor und hinter mir eine wüthende Bestie, unter mir der schauerliche Abgrund . . . ." Erschöpft nahm unser Erzähler sein gefülltes Glas und leerte es auf einen Zug. Die Gesellschaft, welche in athem- loser Spannung der Erzählung gefolgt war, erholte sich nach und nach von ihrem Schrecken, und einer der Sonn­tagsjäger wagte endlich die bange Frage: „Und was geschah mit Ihnen?" — „Ich", erwiderte mit dumpfer Stimme der Bärenjäger, „ich wurde von den Bestien voll­ständig aufgefressen!" Seit jenem Tage hat der Jagd­klub seinen Mitgliedern verboten, in fremder Gesellschaft wieder Jazdabenteuer zu erzählen.

(Gute Bekannte in Amerika.) Als ein Reifender auf einem Bahnzug die Bemerkung machte, er käme von Texas, fragte ein Anderer: „Kommen Sie aus dem westlichen Texas?" — „Jawohl." — „Vielleicht aus dem Tom Green County?" — „Gerade daher." — „BeiCarson?" — „Genau daher." — „Da kennen Sie vielleicht meinen Bruder, William Henry Jones aus Pennsylvanien?" — „Geben Sie mir die Hand, Fremder," rief der Texaner erfreut, „den kenne ich freilich! ich habe ihn ja die Nacht, ehe ich abreiste, aufhängen helfen. Er war ein tüchtiger Pferdedieb."

Ueber Universal-Kohlen-Anzürrder

wird der .Deutschen Kohlenzeitung' geschrieben: Während in letzter Zeit die eigentlichen Brennstoffe eine erhebliche Erweiterung z. B. durch die Einführung der Briquettes, erfahren haben, sind wir in Bezug auf das Anzündematerial auf derselben Entwickelungsstufe stehen geblieben, wie vor Jahrhunderten, indem wir nach wie vor das Spaltholz für ausschließlich zu diesem Zweck geeignet ansahen. Und doch nrtb Niemand über dessen Unzulänglichkeit im Zweifel sein, der da weiß, wie viel Zeit und Mühe oft dazu gehören, ein Kohlenfeuer in dieser altgewohnten Weise anzumachen. Der unwider- leglichste Beweis dafür, daß in der That ein Bedürfniß vorhanden ist, das herkömmliche Anzündeholz durch einen seinen Zweck beffer und bequemer erfüllenden Stoff zu ersetzen, ist der in Stadt und Land eingerissene gefährliche Mißbrauch der Dienstboten, die zum Anmachen des Feuers bestimmten Holzstücken mit Petroleum zu befeuchten, wo­durch schon vielfach Menschenleben gefährdet wurden.

Es sind aus diesen Gründen in den letzten Jahren vielfach Versuche gemacht worden, ein brauchbares An­zündematerial zu schaffen, indeß haben sich sämmtliche dafür in den Handel gebrachte Fabrikate nicht bewährt und somit auch keinen Anklang finden können. Zum Theil waren dieselben mit feuergefährlichen Stoffen gemischt, wie Zündmaffe, Petroleum rc., theils wieder waren die einzelnen Stücke, mit denen Feuer gemacht werden sollte, so klein, daß sie wohl genügten, Papier, Spähne, Kiehn und bergt entbehrlich zu machen, nicht aber auch bas Holz überhaupt.

Alle bie^e Mängel zu vermeiden scheint ein Fabrikat erreicht zu haben, welches uns heute zur Begutachtung vorliegt. Es sind bies bie von ber Firma Scheide! und

Peemöller in Oberrod bei Schleusingen in Thür, herge­stellten Universal-Kohlenanzünder. Dieses Fabri­kat erscheint uns so allgemeiner Beachtung auch in den Kreisen der Kohleninteressenten werth, daß wir keinen An­stand nehmen, an dieser Stelle auf diesen neuen Artikel hinzuweisen, zumal derselbe nach unserer Erfahrung in der That das leistet, was er verspricht, d, i. direkt die Kohle re. in Brand zu setzen, also die Ver­wendung von Holz und dgl. zum Anmachen eines Kohlenfeuers in Ofen, Heerd oder wo sonst immer gänz­lich überflüssig zu machen.

Diese Universal-Kohlenanzünder bestehen in handlichen, etwa pfundschweren Tafeln, die in Felder getheilt sind, von denen je eins zu einmal Feuermachen ausreicht. Der Preis eines solchen Stückchens, das 20 Minuten intensiv brennt, stellt sich nicht höher, als der des sonst nöthigen Anzündeholzes, vor dem es voraus hat, daß es ungemein bequemer und wirksamer ist, leichtere Verbrauchskontrole bietet und wenig Raum einnimmt, also in jeder Ecke unter­gebracht werden kann, selbst im Zimmer.

Der Verbreitung der Briquettes, die schon ein sehr kleines Stückchen des neuen Präparats leicht und mühelos in Brand setzt, dürfte aus diesem letzteren ein neuer Bundesgenosse entstehen. — Auf keinen Fall glauben wir fehl zu gehen, wenn wir den Universal-Kohlenan­zündern der Herren Scheide! und Peemöller eine rasche und willige Aufnahme in den meisten Haushalten ver­sprechen, zumal dieselben neben absoluter Ungefährlichkeit ebenso sauber wie frei von Geruch oder ähnlichen Un­tugenden, also völlig salonfähig sind.

Literarisches.

Deutscher Hausschatz in Wort und Bild. X. Jahr­gang. 18 Hefte, a 40 Pfennig. Verlag von Friedrich Pustet in Regensburg, Newyork u. Cincinnati.

Nicht mit Unrecht führt dieses vortreffliche, alle 20 Tage erscheinende und mit prächtigen Illustrationen ge­schmückte Lieferungswerk der rühmlichst bekannten Verlags­buchhandlung Friedrich Pustet in Regensburg den Titel „Deutscher Hausschatz". Es ist in der That ein wahrer Schatz jedes Hauses, in welchem Religion und Recht, gute Sitte und Ehrenhaftigkeit heimisch sind. Wir empfehlen daher wiederholt diese von uns bereits oftmals empfohlene illustrirte Zeitschrift unseren christlichen Leserkreisen auf das Wärmste. Das soeben erschienene 1. Heft des neuen zehn­ten Jahrganges hat nachfolgenden reichen Inhalt:

Der Holderhof. Eine Geschichte aus dem Volksleben von August Butscher. — Eine Reise durch die Schweiz. Von Ferdinand Heitemeyer. Zweiter Theil. — P. Mar­kus von Aviano. Von Bruder Norbert. — Die Trunk­sucht und ihre Kuren. Von Dr. I. A. Schilling. — Das neue Raihhaus in Wien. — Im Hochgebirge. Ge­dicht von Bruder Norbert. — Die Korallen. Von Dr. A. Berghaus. — Die Errichtung des Herzogthums Preu­ßen. Aus den Quellen geschöpft von Venanz Müller. — Bewährte Hausmittel. Mitgetheilt durch Heinrich von Glane. Ein ganz vortreffliches Pflaster. — Mittel gegen den Magenkampf. — Für Küche und Tisch. Eine neue Reibmaschine. — Liqueur aus Pflirsichkernen. — Kürbis-Marmelade. — Die Carbolsäure in der Haus­apotheke. Von Dr. Altenburg. — Skizzen aus London. Ein Besuch in dem Wachsfigurenkabinet der Madame Tüssaud. Von Dr. Adolf Seine. — Aus unserem Rhein- Album. Die Drachenfelsbahn und die Drachenburg. — Die Feier des 12. Sept. 1883 in der deutschen National­kirche dell’ anima zu Rom. — Allerlei.

verbunden mit prächtigen Illustrationen. Mit einem Worte: dieser „Deutsche Hausschatz" verdient in allen deutschen Familien Eingang zu finden, denen wir somit denselben besonders jetzt bei Beginn eines neuen Jahrganges auf das Angelegentlichste zum Abonnement empfehlen.

Familiennachrichten.

Dompfarrei.

Geborene. Den 20. Okt.: Sebastian Hermann, S. des Gerbergehülfen Daniel Weigand. Den 28. Okt.: Emil, S. des Webers Konrad Schmitt. Den 28. Okt.: Fabian Sebastian, unehelich.

Stadtpfarrei.

Verehelichte. Den 16. Okt.: Karl Ernst Maxi­milian Hoffmann, Kaufmann in Berlin, mit Jungfrau Anna Theresia Natalie Sennefelder. Den 23. Okt. ^Bal­thasar Wiegand, zu Horas, mit Jungfrau Emilia Happ.

Geborene. Den 7. Okt.: Hermann Josef Karl, S. des Schreiners und Kleinhändlers Ambrosius Müller. Den 9. Okt.: Franz Adam, S. des Maurers Angelus Gies zu Horas. Den 18. Okt.: An ton, S. des Johann Josef Weh­ner zu Horas. Den 18. Okt.: Eduard Wendelin, S. des Nikolaus Hillenbrand zu Leipzigerhof. Den 19. Okt.: Josepha Maria, T. des Büttners Josef Wohlgemuth. Den 19. Okt.: Ludwig. S. des Lackirers Leopold Schäfer. Den 26. Okt.: Josef August, S. des Josef Liebig zu Horas.

Gestorbene. Den 7. Okt. Im hl. Geisthospt.: Maria Statio Eva Gatterdam, ledig, 77 I 7 M. Den 8. Okt.: Elisabeth Theresia, T. des Fabrikanten Karl Bellinger, 4 M. 25 T. Den 11. Okt. Im Landkrkh.: Placidus Bol­linger aus Hainzell, verh. 48 I. Den 14. Okt. Im Landkrkh.: Anna Barbara Böhm ans Eichenzell, ledig, 70 I. Den 20. Okt.: Andreas Graul, Hüttner zu Horas, 45 I. Den 20. Okt.: Maria Katharina Ballmeier, ledig, 33 I. Den 25. Okt: Johan» Gustav, S. des Gerberge­hülfen August Heres, 2 M. 3 T. Den 25. Okt.: Kaspar Kreß, Bauer zu Riesig, 76 I.