M 250.
Mittwoch, den 31. Oktober
/ulbarr W Jrilung.
1883.
Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.
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WM'»»
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Deutsches Reich.
Fulda, 31. Oktober.
S Die .Germania' spielt wieder den alten Trumpf ihrer absoluten Unantastbarkeit und Unverletzlichkeit auf. Indem sie schon die bloße Thatsache eines Angriffs als ein crimen laesae majeatatis hinstellt, glaubt sie sich mit einer Reihe schöner Worte und Behauptungen an dem klaren Inhalt der von uns angegriffenen Fuldaer X-Korrespondenz vorbeidrücken zu können. Von einem Nachweis ist keine Rede, nicht einmal eine auszugsweise Wiedergabe unseres Artikels wird beliebt. Wenn wir auch voraussetzen müssen, daß die Redaktion der .Germania' ihren Lesern unsere Vertheidigung vorenthalten wird, so wollen wir nichtsdestoweniger nochmals kurz den unzweideutigen Sinn der Fuldaer X-Korrespondenz darlegen. Nachdem über die Besetzung einer Reihe von Hilfsstellen berichtet worden, heißt es wörtlich: „Gleichwohl hat alles einen recht langsamen Gang, zumal für die jetzt arbeits« und segensvolle Zeit, wo die ganz verwaisten Pfar- reien so sehnsüchtig einen Geistlichen erwarteten und so gern einen solchen in ihrer Mitte gesehen hätten."
Daß der Vorwurf des langsamen Ganges sich nicht auf die allgemeinen KulturkampfSverhält- niffe, sondern auf die in Rede stehende Stellenbesetzung bezieht, geht außer aus dem allgemeinen Zusammenhang deutlich genug aus dem Satze „zumal für die jetzt arbeits- und segensvolle Zeit u. s. w." hervor , wo es nicht etwa heißt, daß die Pfarreien einen Geistlichen erwarten, sondern erwarteten und gern in ihrer Mitte gesehen hätten. Die Beziehung dieser Ausdrücke auf die nunmehr mit Hilssgeistlichen besetzten
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Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.
„Sie würden mich dann ebenso beschäftigt finden," erwiderte der Graf, „und da ich hoffe, daß Sie nicht viel Zeit beanspruchen werden, so ersuche ich, nicht zu säumen und mir mitzutheilen, was Sie zu mir führt."
Er blieb, die Hand auf den Tisch des Pultes gestützt, stehen und blickte fragend auf den Land« mann, der die absichtliche Unhöflichkeit, ihm nicht einmal einen Stuhl anzubieten, erkennend, ruhig erwiderte: „Ich werde schwerlich in der Lage sein, in so kurzer Zeit mein Anliegen vortragen zu können, als es dem Herrn Grafen erwünscht sein mag, deshalb bittte ich zu gestatten, daß ich mich nieder- laffe. — Wer 70 thätig zugebrachte Lebensjahre hinter sich hat, Herr Graf, dem ist nach einem stundenlangen Marsche etwas Ruhe erwünscht."
Die heftige Erwiderung, die auf den Lippen des Grafen schwebte, verstummte, als er den ruhigen festen Blick seines Gegners auf sich gerichtet sah. schweigend deutete er auf einen Stuhl, den der Schulte nahm und sich so darauf niederließ, daß er deutlich das vom Licht voll beleuchtete Gesicht des Grafen betrachten konnte.
„Eine wichtige Familienangelegenheit ist es, welche w'.ch veranlaßte, um die Unterredung zu bitten," hob der Schulte ruhig an.
. »Ihre Familienangelegenheiten haben für mich kern Jntereffe," entgegnete der Graf kurz. „Sie
Stellen ist darnach so klar, daß nur das nachträgliche Bestreben, den unangenehmen Eindruck zu verwischen, sie ableugnen kann. Wir konstatiren übrigens ausdrücklich, daß nicht wir, sondern der Korrespondent der .Germania' — und nur den haben wir angegriffen — einen „Streit im eigenen Lager" anzufachen versucht hat. Die Redaktion der .Germania' würde bester daran thun, sich in ihrer gewiß auch von uns anerkannten leitenden Stellung nicht, wie schon so oft, eine absolute Unfehlbarkeit zu vindiziren. Selbst der sehr unpassende Hinweis auf den vor Gram und Aerger gestorbenen Herrn Dr. Hager, von dem die .Germania' doch wahrlich respektvoll schweigen sollte, schreckt uns nicht zurück, der .Germania' zu sagen, daß wir in diesem Sinne ihre leitende Stellung nie anerkennen werden. Und dabei rühmen wir uns doch, an Prinzipientreue und strammer kirchenpolitischer Haltung der ,Germania' nichts nachzugeben. Uebrigens hat eine ganze Reihe sehr ur- theilsfähiger Parteifreunde uns durch betreffende Zuschnfteu ihres Einverständnisses mit unserem Abwehr-Artikel versichert. Unter den gegenwärtigen Umständen nehmen wir keinen Anstand, eine uns noch heute Morgen zugesandte Zustimmungserklärung zu veröffentlichen, die wir sonst ihrer Schärfe wegen unterdrückt haben würden:
ff Kreis Hünfeld, 30. Okt. Soeben las ich in der ,Fuld. Ztg.' die aus der .Germania' abgedruckte X-Korrespondenz und die „Randbemerkungen", welche die verehrt Redaktion dazu gemacht hat. Letztere sind durchaus zutreffend, aber m. E. nicht scharf genug. Aus der X-Korrespondenz, die in der .Germania' ohne Zweifel nur deshalb Aufnahme gefunden hat, weil sie durch ein recht fromm« und seeleneifrigthuendes Begleitschreiben in den: Lichte eines gutgemeinten Noth- schreies erschien, spricht in Wirklichkeit ein tiefgewurzelter Groll, dem es durchaus nicht gelungen ist, seine persönlichenGelüste hinter dem Nothstand der Diözese zu verbergen. Durch solche Expektorationen eines hinter den Wällen des Redaktionsgeheimnisses lauernden Störenfriedes wird der wirklich vorhandene Nothstand nicht ge-
würden besser thun, sich dieserhalb an den Herrn Pastor ober an die Frau Gräfin zu wenden."
„Ew. Gnaden befinden sich in einem großen Jrr- thum," fuhr der Schulte ruhig fort; „weil diese Familienangelegenheit eben auch großes Interesse für Sie hat, komme ich zu Ihnen."
Die ruhige Weise, in welcher der Schulte begann, imponirte dem Grafen; als er nichts erwiderte, fuhr der erstere fort: „Es ist Ihnen bekannt, Herr Graf, daß der frühe Tod des Vaters meines Mündels Veranlassung war, daß ich Felix zu mir nahm; er sowohl wie ich bewahren heute noch die innigste Dankbarkeit gegen die verehrte Frau Gräfin und Sie für die liebevolle Aufnahme, die er hier im Schlosse gefunden, und die Bereitwilligkeit, womit Sie gestatteten, daß et den Unterricht des hochwürdigen Herrn erhalten konnte. Die kühnsten Erwartungen, die ich hegen durfte, sind in Erfüllung gegangen. Mein Felix hat sich durch seinen Fleiß und durch sein gesittetes Betragen die Zuneigung Aller erworben, mit denen er in Berührung gekommen ist. Der vollgültigste Beweis hiersür ist, daß der Herr Graf Erwin ihn seiner innigsten Freund- schäft würdigt."
„Das ist mir bekannt: wozu diese Erwähnung?" erwiderte der Graf ungeduldig.
Der Schulte beachtete den Einwurf nicht und sprach unbeirrt weiter: „Es ist Ihnen ebenso bekannt, daß die schwer geprüfte Mutter meines Felix eine Tochter besitzt, die sich durch Bildung, Liebenswürdig
mildert, sondern in seiner ganzen Größe vor aller Welt bloßgelegt, so daß man sich stark versucht fühlt, in der Reihe unserer Seelsorgspriester eine neue Lückr herbeizuwünschen. Sapienti sat.
* (Unruhen in Oldenburg.) In Oldenburg ist es zu bedauerlichen Vorfällen gekommen. Der seit einigen Monaten dorthin versetzte preußische Major v. Steinmann wurde von den Volksstimmen beschuldigt: sich gewohnheitsmäßig in beleidigender Weise über die oldenbnrgische Bevölkerung insbesondere auch über die Oldenburger im 91. Infanterie-Regiment, zu welchem er gehört, zu äußern; er sollte u. A. wiederholt den Ausdruck „Oldenburger Ochsen" gebraucht haben. Von anderer Seite wird letzteres bestritten, lieber das, was folgte, wird der ,Nat.-Ztg.' berichtet: es erschien alsbald ein „oldenburgisches Ochsenlied" , welches in zahlreichen Exemplaren Verbreitung fand. Die fünfte Auflage wurde ton» fiszirt, weil Drucker und Verleger nicht angegeben waren. Die sechste Auflage erschien noch an demselben Tage mit dieser Angabe. Drei von Soldaten viel besuchte Wirthshänser wurden denselben verboten, weil das Lied dort ausgelegt war; während die drei Wirthe beim Großherzog Beschwerde erhoben, leitete Major Steinmann gegen einen Dienstmann, der wiederholentlich das Lied in dessen Hause angeboten hatte, Klage wegen Hausfriedensbruch ein. Hauptmann von der Lippe soll nun gelegentlich dem Adjutanten des Großherzogs gegenüber auch Klage über Steinmann geführt haben. Jedenfalls erfolgte eine Forderung des Majors, bei dem Duell, daß am 25. Nachmittags ftattfanb, erhielt Hauptmann von der Lippe einen Schuß in den Unterleib, Major Steinmann einen ganz leichten Streifschuß. Letzterer soll an Ort und Stelle sofort eine weitere Forderung von einem anderen Hauptmanns erhalten haben, der Tags darauf noch zwei Forderungen folgten. Gestern früh nun erschienen Maueranschläge, worin zu einer Volksversammlung Abends 8 Uhr vor des Majors Hause behufs Demolirung desselben aufgeforbert würbe. Trotzdem die Polizei dieselben schnell ent«
feit und Tugend ebenso auszeichnet, als Frau Ulrich dieses von ihrem Sohne sagen darf. Die Wittwe des Forstrath von Bönagel, welche zu einer Seitenlinie der Ihnen verwandten Familie gleichen Namens gehört, und bei welcher die junge Dame sich seit ihren Kinderjßhren befindet, liebt und schätzt sie wie ihr eigenes Kind. — Der Herr Graf Erwin, welcher' vor Jahresfrist mit der Familie bekannt wurde und seit bieser Zeit viel bort verkehrte —"
„Genug," rief ber Graf funkelnben Auges, indem er sich erhob, „ich begreife, wo Ihr Sermon hinaus soll; aber ich kann nicht begreifen, wie mein Sohn Sie zum Fürsprecher feiner Thorheiten machen kann und Sie Ihr graues Haupt so wenig achten, sich dazu gebrauchen zu lassen."
„Die Wahrung meines in Ehren ergrauten Hauptes mögen ber Herr Graf ruhig mir überlassen," sprach gelassen der Schulte, ohne sich zu erheben. „Sie täuschen sich sehr, wenn Sie annehmen, daß Ihr Herr Sohn von diesem Besuche unterrichtet sei."
„Gleichviel; ich habe keine Lust, mich länger mit Ihnen über de» Gegenstand zu unterhalten."
„Und doch muß ich Sie bitten, mich ruhig anzuhören ; nicht meinethalben, sondern weil Sie später bereuen würden, mich heute nicht gehört zu haben." Sein Auge richtete sich so beherrschend auf den Grafen, daß dieser stillschweigend auf seinen Sitz zurücksank. — Ich will es kurz machen, Herr Graf. Ihr Sohn fand in ber jung.u Dame alle Eigenschaften vereinigt, die ein edler Manu van feu er