Eine militairische Einquartierung im Kloster der Trappisten auf Oelenberg Jm Ober-Elsaß.
(Schluß.)
Tisch zieht alles paarweise, laut den 50. Psalm M<.nb am Kirchhofe vorüber in die Kirche, bann folgen ^ Arbeitsstunden, hierauf die einfache Abendmahlzeit, und ® ,n »eben endlich jedem 2 Stunden zur freien Verfügung, bie er nach den Worten des Priors entweder im Müßig- „erbringen oder zum Studium verwenden kann, je Sbem es ihm sein Gewiffen zuläßt. Um 7 Uhr kommt die ganze Genossenschaft zu kurzer Vorlesung im Kapitel zusammen. dem folgt in der Kirche die stille Gewissenserfor- s-buna, der rührende Lobgesang des Salve regina und der englische Gruß, worauf Jeder aus der Hand des Obern das Weihwasser empfängt und nun sich um 8 Uhr zur
$ nach Jahreszeit und Umstanden erleidet diese Tages- nrbnung einige Abänderung, wie denn in den heißen Sommermonaten Mittags eine Ruhestunde eingeschaltet wird, und man im Winter schon um 7 Uhr zu Bette geht. Auch wird über die Dauer der hvrtesten Feldarbeit Abends Bier aercicht, welches selbst gebraut und leicht, aber wohlschmeckend ist Anderseits treten in der Fastenzeit wesentliche Verschärfungen, zum Beispiel nur einmalige Tagesmahlzeit und verlängerte geistliche Uebungen ein.
Die Chorgeistlichen, durch weiße Kutten und schwarzes Skavulier kenntlich, werden nach einer festgesetzten Zeit nimmer zu aller Arbeit wie die braun gekleideten Laienbrüder beigezogen, dagegen liegt ihnen höheres Studium, die Erziehung und der wissenschaftliche Unterricht der Zoglmge ob.
Für heute ist der Besuch des Herrn Abtes angesagt, der auch bald nach aufgehobener Tafel, gestützt auf zwei schöne junge Mönche, den Saal betritt und nebst dem Prior tn Mitten seiner Gäste Platz nimmt. Es ist ein 80jühriger Greis von stattlichem Körperumfang mit rothem fleischigem Gesicht, um den kahlen Schädel zieht sich ein schmaler Kranz von weißen Haaren. Zwar ist seine Kraft verfallen, so daß er die Mühen des Amtes hat nach und nach seinem Prior abtreten müssen, aber jetzt noch kann man es aus den energischen beinahe harten Gesichtszügen herauslesen, daß er ein würdiger Rachfolger des strengen Stifters Ranye gewesen. Heute zeigt er sich in Formen und Unterhaltung als gewandter Weltmann, ja es will beinahe scheinen, als ob unsere Erscheinung und die Unterbrechung des langjährigen gewohnten Tageslaufes Erinnerungen an vergangene Zeiten in ihm wachgerufen hätten; denn plötzlich rollen große Thränen über seine Wangen und die Stimme beginnt zu zittern. Die Anfrage des Obersten, ob das Spielen der Regiments-Musik im Kloster gern gesehen sei, bejaht er mit sichtlicher Freude und zieht sich dann mit der Bitte zurück, ihm zu verzeihen, daß er in unserer Gegenwart von der Schwachheit des Alters übermannt worden fei.
Haben wir von dem früheren Lebensgang des Abtes, der einen holländischen Namen führt und nicht immer dem geistlichen Stande angehört haben mag, wenig erfahren, so können wir in dieser Hinsicht vom Prior etwas mehr berichten. Derselbe stellte sich zunächst als geborener Schwabe aus Babenhausen in Baiern vor. In den vierziger Jahren von König Ludwig I. als Professor der Theologie nach Augsburg berufen, verließ er diese Stellung nach mehrjährigem Wirken, um vier Jahre lang Amerika zu bereisen und die dortigen kirchlichen Verhältnisse zu studiren. Nachdem er so die alte und neue Welt kennen gelernt, war sie ihm „entleibet und bitter geworden". Er wollte sich möglichst von ihr losmachen, im strengsten Sinn des Wortes nur noch beten und arbeiten, und hoffte im Trappisten-Orden dies am besten erreichen zu können. „Aber", fügte er lächelnd hinzu, „gerade das, dem ich mich durch meinen Eintritt in's Kloster zu entziehen hoffte, nämlich weltliche Geschäfte, Umtrieb und Sorgen, das muß ich hier, wie man zu sagen pflegt, mit Löffeln essen." Einen Mann mit seinen Gaben ließ man nicht, wie es sein Wunsch gewesen wäre, als einfachen frommen Pater bloß her Regel nach leben, sondern er wurde zum Prior erwählt, womit ihm auch alle Lasten und Arbeiten des verantwortlichen Amtes auferlegt waren. „Welt und Menschen sind eben auch im Kloster", meinte er, eine Prise nehmend, und beklagte habet, selbst es noch so wenig weit in der Verleugnung gebracht zu haben, daß er nicht ein Mal das Schnupfen entbehren könne.
Unter feiner freundlichen Führung wird der Mittag der näheren Besichtigung des Klosters gewidmet, dessen einzelne Flügel durch einförmige Korridore verbunden sind. Einen derselben ziert auf Tafeln geschrieben „Ein geistlich Reimspiel":
1. Den Reinen — Den Kleinen — Sich einen:
2. Viel leiden — Viel meiden — Gern scheiden:
3. Nicht zagen — Nicht fragen — Nicht klagen:
4. Geborgen — Nicht sorgen — Für morgen:
5. Nicht schlagen — Still tragen — Die Plagen:
6. Ohn Eigen — Sich neigen — Und schweigen:
7. Frohsinnig — Herzminnig — Gottinnig:
8. Auf streben — Hingeben — Sein Leben:
9. Sticht weilen — Gleich Pfeilen — Hineilen:
10. Gott loben — Gehoben - Nach oben:
11. Das wähle — O Seele — Vermähle
12. Dann ewig — dem Herrn dich — Als Braut.
Bald sind wir am Ende aller irdischen Dinge — auf dem Friedhof angelangt. Den düstern rings von Gebäudemauern eingeschlossenen Raum beherrscht ein hohes roh gezimmertes Kreuz, um welches herum kleine schwarze Kreuzchen mit dem Klosternamen des Verstorbenen den Ort bezeichnen, wo der Trappist ohne Sarg im Ordenskleid in die Erde gebettet ist, welche über ihm eingeebnet stch bald wieder mit Grün überzieht.
Die Gesundheits- und Sterblichkeits-Verhältnisse im tm Kloster sind günstig zu nennen. Viele erreichen das stebenzizste Lebensjahr und darüber; nur muß der Eintritt rrn besten Alter, wenn der Mensch vollkommen ausgewachsen, oder, wie unser Gewährsmann sich ausdrückte, „ausge- knöchert" ist, also etwa im 23. bis 26. Lebensjahre geschehen. Jüngere, in der Entwickelung begriffene Leute,
oder solche von vorgerückterm Alter können öfters die Anforderungen der Ordensregel nicht aushalten und scheiden bann meist wieder aus.
Bemerkenswerth ist die Thatsache, daß die den meisten Menschen geradezu widersinnig erscheinenden einzelnen Ordensregeln doch die Summe der Weisheit aller Zeiten und Völker enthalten. Der weise Salomo kam zum Schluß, daß alles eitel ist, und der Grieche Pythagoras nahm keinen Jüngling in seine Schule auf, der nicht zuvor ein ganzes Jahr bloß im Schweigen sich geübt. Als der Göttersohn Alexandros auf seiner Siegeslaufbahn am Indus anlangte, stampften die ernsten Buddahs (d. h. die Erleuchteten) stillschweigend vor ihm mit den Füßen die Erde, in welche auch er wieder zurückkehren werde. Der Gottessohn Jesus Christus hatte nicht, wo er sein Haupt hinlegte, und sein Vorgänger tm härenen Gewände aß Heuschrecken und wilden Honig. Die tiefe Ruhe und Befriedigung, welche nach der Entäußerung vom eigenen Willen den Menschen erfüllt, hat uns Goethe durch die „Bekenntnisse einer schönen Seele" im Spiegel der Dichtkunst gezeigt, wie er auch das Leben des hl. Philipps Neri zwei Mal erzählt. Arthur Schopenhauer endlich, dessen Philosophie unser Jahrhundert beherrscht, erklärt den innern Sinn des echten Klosterlebens dahin, daß man sich eines bessern Daseins, als unseres ist, für würdig erkannt hat, und deshalb, was diese Welt bietet, verachtet, alle Genüsse als werthlos von sich wirft und nun das Ende dieses seines eitlen Köders beraubten Lebens rnftlZuversicht abwartet, um einst die Stunde des Todes als Erlösung willkommen zu heißen. Er selbst, für Lebensgenüsse sehr empfänglich, hat bekanntlich die von ihm theoretisch als richtig gepriesene Ascese persönlich nicht be- thätigt; aber der Anblick des Bildes von de Rancö preßte ihm den schmerzlichen Ausruf aus: das ist Gnade!
Bei Fortsetzung unserer Wanderung durch das Kloster stoßen wir auf eben im Ban begriffene neue Oekonomie- gebäube, welche durch die stetige Vermehrung des Grnnd- eigenthums nothwendig geworden sind. Die Bauarbeiten werden von den Klosterleuten theilweise selbst ausgeführt, welche in ihren braunen Kutten luftig als Zimmerleute oder Maurer hannren.
Während wir eben dem Steinhauer zuschauen, her mit sichtlicher Liebe die Kreuzblume für bas neue Thor bearbeitet, unb mit stillem dankbarem Lächeln das Lob seiner Kunst entgegennimmt, naht sich der Bruder Bierbrauer, um anzudeuten, daß es Zeit für den Abend-Imbiß geworden ist. Diesem guten Mann, der ganz freundlich, ja beinahe weltlich drein schaut, sind wir, abgesehen von seiner nützlichen Beschäftigung, Bier für uns zu brauen, noch in doppelter Beziehung verbunden; denn er ist nicht bloß ein engerer schwäbischer Landsmann, aus dem Städtchen Aalen gebürtig, sondern sogar ein ausgedienter königlich würt- tembergischer Soldat. In Ludwigsburg hat er vor etlichen dreißig Jahren bei der zweiten Fußbatterie gestanden. Im Sommer 1870, wo das Kloster ein Lazareth für Verwundete eingerichtet hatte, hat er von denselben mancherlei über die gewaltige Wirkung der gezogenen Hinterlader gehört, von denen jetzt drunten im Dorf eine prächtige preußische Batterie steht, die er gar zu gern besichtigen möchte. Die Erfüllung dieses bescheidenen Wunsches ist ihm denn auch in den nächsten Tagen durch Vermittelung eines Offiziers vom Herrn Abt gnädig gewährt worden; der Feldwebel her Batterie hat ihn in die Geheimnisse des Gußstahls, der Züge und des Keilverschlusses einge- weiht, wogegen er seine wohlbehaltenen Kenntnisse über die Behandlung der glatten Bronze-Haubitze zum Besten gab.
Bald legen wir uns mit dem angenehmen Gefühl zur Ruhe, morgen das Mahnen der Reveille eine Stunde überhören zu dürfen, denn es ist Rasttag befohlen. Er bringt dem Kloster zunächst vermehrte Slrbeit, da aus den umliegenden Kantonnements mehrfacher Besuch angesagt ist. Doch ist unter den Brüdern bereits die Erlaubniß des Abtes bekannt geworden, heute die Musik hören zu dürfen, und so erwarten fie in Unruhe den Abend, der endlich in Alles vergoldender Schönheit hereinbricht. Im geräumigen Klosterhof, gegenüber dem Portal der düstern Kirche, steht eine mächtige Linde, deren Geäste lange Schatten in in den daneben befindlichen Blumengarten wirft, welcher dem Bienenvater für feine emsige Schaar anvertraut ist. Unter dem Baum hat sich die Musik ausgestellt, um sie sammeln sich auf der einen Seite in erwartungsvoller Erregung die Klosterbewohner, die in ihrer Haltung und der wirksamen Ordenstracht seltsam mit der anderen Seite tontraftiren, wo sich die Träger der manchfaltigen Uniformen in fröhlichem Geplauder gruppirt haben.
Jetzt hebt der Kapellmeister den Taktstock zu einem schönen Choral, dem die Versammlung in weihevoller Stimmung lauscht. Die Künstler beklagen sich oft über unsere nüchterne Zeit und den sich daraus ergebendem Stoff- mangel für die darstellende Kunst. Hier bot sich ein Bild, das würdig für den Pinsel eines Genremalers vom ersten Rang gewesen wäre: denn ergreifend war es, die Wirkung zu beobachten, welche die überwältigende Macht der Töne bei diesen Menschen hervorbrachte.
Im milden Strahl der Abendsonne haben liebevoll die Jüngern einen alten kranken Bruder niedergesetzt, der bei Beginn der Musik erst zitternd die Hände faltet, bann erregt und dankbar zum Himmel blickt, während große Thränen über das abgezehrte Gesicht in den weißen Bart rollen.
Der Choral ist verklungen, nun aber feiert Mozart's Genius in den lieblichen Tönen der Zauberflöte einen Triumph; denn dort drüben der Mönch an der Kirchenmauer ist längst der Wett und Umgebung entrückt. Seine erhobenen Arme wiegen sich auf den Wellen der Musik, die er gleichsam einzusaugen scheint, auf allen Gesichtern malt sich Entzücken. Auch der Abt hat sich durch die dienenden Brüder vom Sitz erheben lassen, und folgt, auf dieselben gestützt, mit gespannten Sinnen jeder Bewegung des Kapellmeisters, auf dessen Wink nun die Ouvertüre von Weber's Freischütz ertönt. Länger vermag der achtzigjährige Greis seine innere Bewegung nimmer zurückhal- ten. Er winkt am Schluß den Kapellmeister heran, faßt ihn bei der Hand und erzählt ihm mit bebender Stimme, daß er als achtzehnjähriger Jüngling im Theater zu Frankfurt mit der Geige an dieser da
mals noch jungen Oper mitgewirkt, und jetzt im Trappistenkloster, nahe des Grabes, dürfe er diese durch die Erinnerung ihm doppelt süße Musi noch ein Mal hören.
Von einem anderen unsichtbaren Theil der Zuhörer oder vielmehr Zuhörerinnen haben wir noch nicht gesprochen. Die hohe Steinmauer links der Kirche verbirgt nämlich Notre-Dame de la Trappe; aber außer dem Umstand, daß der Besuch des Hrn. Obersten von der Frau Aebtissin am Gitterfenster angenommen wurde, ist ihr Thun und Treiben uns gänzlich verborgen geblieben. Jndeß nach der Weise gütiger Feen wirken sie im Stillen Gutes. Unsere tägliche Mahlzeit ist von ihnen bereitet, und während jetzt der Prior in einer Pause dem Herrn Obersten den Dank der Damen für den ihnen gewordenen Genuß übermittelt, werden als Gruß derselben mehrere Körbe angenehmen selbst bereiteten Gebäcks für die Musik herbeigebracht, denen der Abt schwere Krüge ebeln Kloster- meines beifügen läßt, so daß der Kapellmeister die Pause gern länger als sonst ausdehnt. Selbst vom Genießen ausgeschlossen, freuen sich die eifrig bedienenden Brüder des Genusses der Bewirtheten, bleibt ihnen doch das Wort, daß Geben seliger ist denn Nehmen.
Hinsichtlich der Stellung des Klosters zu Kirche und Staat sei bemerkt, daß diese eine sehr freie ist. Der Bischof von Straßburg hat fein Recht, dasselbe zu inspi- ziren, fast nie ausgeübt; der vom Konvent der Chorgeistlichen gewählte Abt wird zu Rom bestätigt, und eine bald nach der Wiedergewinnung Elsaß-Lothringens von der deutschen Regierung gestellte Anfrage, ob das Kloster Verbindungen in Frankreich habe, konnte dahin beantwortet werden, daß ein Verband mit den französischen Trappisten zwar früher bestanden, aber schon vor einer Reihe von Jahren vollständig gelöst worden sei. Im un- wirthlichen Bosnien aber grünt ein frisches Reis vom alten Stamm, nämlich ein dort von Deienberger Mönchen gegründetes Kloster, welches wiederum seine überschüssigen Kräfte nach Südafrika in's Zululand gesandt hat.
Damit fei Abschied vom Kloster genommen. Der Gang des Manövers bringt die Verlegung der Truppen mit sich, und am Abend vor dem frühzeitig angesetzten Abmarsch versammeln wir uns zum letzten Male im Speisesaal, dessen Tisch vom freundlichen Kellermeister heute mit besonderer Sorgfalt behandelt ist. Auch bei der Mannschaft unten scheint Abschiedsstimmung eingekehrt zu sein; denn plötzlich schallt fröhlicher Gesang herauf, an dem jedoch die Brüder ihre herzliche Freude Haden.
So scheiden wir am andern Morgen mit Dank und Zufriedenheit ans den ernsten Mauern, begleitet von den Segenswünschen unserer guten Wirthe, die an den steten Wechsel aller Erscheinungen der flüchtigen Außenwelt eben durch ein paar schmucke Dragoner gemahnt werden, welche neue Einquartierung für die künftigen Tage ansagen.
Marktbericht.
Kassel, 29. Ott. Weizen 18 Mk. 46 Pfg. bis 18 Mk. 85 Pfg. Roggen 15 Mk. 40 Pfg. bis 16 Mk. 25 Pfg. G erste 15 Mk. — Pf. bis 16 Mk. 50 Pf. Hafer 14 M. — Pfg. bis 15 Mk. — Pf. (Alles per 100 Kilogramm.)
Frankfurt, 29. Okt. (Wochenbericht.) Weizen, hiesiger und Sßetterauer 20 Mk. 50 Pfg., kurhessischer 20 Mk. bis 20 Mk. 25 Pfg., norddeutscher 19 Mk. 25 Pfg. bis 20 Mk., Roggen, hiesiger 17 Mk., Pfälzer 17 Mk. 25 Pfg., französischer 17 Mk. 25 Pfg., russischer 15 Mk. 50 Pfg. bis 15 Mk. 75 Pfg., Gerste, Pfälzer 18 Mk. bis 18 Mk. 25 Pfg., Thüringer 18 Mk. 75 Pfg. bis 19 Mk. 50 Pfg., fränkische 18 Mk. bis 18 Mk. 50 Pfg., Hafer, Württemberger 14 Mk. 75 Pfg. bis 15 Mk. 25 Pfg., bayerischer 14 Mk. 75 Pfg. bis 15 Mk. 25 Pf., fränkischer 14 Mk. 25 Pfg. bis 14 Mk. 75 Pf., böhmischer 14 Mk. 90 Pfg. bis 15 Mk. 30 Pfg. (Alles per 100 Kilogramm.)
Meteorologische Beobachtungen.
Vetterbericht der deutschen Seewarte vom 29. Oktober.
lieber Norddeutschland ist Abkühlung eingetreten, jedoch nur in den nordöstlichen Gebietstheilen liegt die Temperatur unter her normalen, in Sübbeutschlanb ist es wärmer geworben.
Fulda, 30. Oktober, Norm. 10 Uhr:
Barometerstand: 750 Millim. (gestiegen.)
Thermometer st and: 9’ Röaumur.
Ucbcr Gicht und Rheumatismus. Beim Herran- nahen her schlechteren Jahreszeit stellen sich auch unsere alten Plagegeister, die katarrhalischen Affektionen und namentlich auch die rheumatischen und Gichtschmerzen, wieder ein. Wohl bei keinem Leiden, welches den Menschen befällt, gehen die Ansichten über hie Ursache her Entstehung so weit aufeinander, als bei Gicht unb Rheumatismus unb es ist beshalb auch leicht begreiflich, weshalb hie Wissenschaft bisher nur sehr wenig gegen biefe Feinde unseres Geschlechts auszurichten vermochte und fast alle Kuren unb Mittel: (Bäder, Salicylsäure, Einreibungen aller Art, Gichtketten, Elektrizität rc. rc.) wohl vorübergehenbe Hülfe brachten, aber bauernbe Heilung äußerst selten erzielten. Als sehr wahrscheinlich muß es gelten, baß bie von genannten Leiben Befallenen eine entliehene Disposition (Anlage) bafür haben unb daß als Träger bes Krankheitsstoffes bas Blut zu betrachten ist. Diese Ansicht spricht benn auch her langjährige Chef- hospitalarzt Dr. med. Liebaut aus, her in einer 40jährigen Praxis vielseitig Gelegenheit hatte, seine Annahmen bestätigt zu finben. In seiner höchst lehrreichen, habet in gemeinverstänblicher Sprache geschriebenen Broschüre (erhältlich in Kassel, Chr. Hoffmann's Buchhand- lung L 50 Pf.) unterzieht er Rheumatismus, Gicht und damit verwandte Leiden einer eingehenden Besprechung und gibt dabei Mittel unb Wege an, wie auf naturgemäße unb rationelle Weise das Blut gereinigt unb neu.- gebilbet werde, wodurch allein nur bie Beseitigung bet Leiben zu erzielen ist. Im Jntereffe Leibender kann dem Merkchen nur die weiteste Verbreitung gewünscht werden.