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1883

Sonnabend, den 27. Oktober

M 247

Zeitung

Fuldaer

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% Ein deutscher Offiziers-Konsumverein.

Die vor Kurzem auftauchende Nachricht, daß man sich in militärischen Kreisen mit der Absicht trage, einen großen centralisirten Konsumverein der deut­schen Offiziere in's Leben zu rufen, der seinen Mitgliedern alle militärischen und auch civilen Verbrauchsmittel liefern solle, hat in allen inter- esfirten Kreisen eine berechtigte Aufregung hervor­gerufen. Diejenigen, welche das Projekt für eine müßige und aussichtslose Idee hielten, wurden schon bald gewahr, daß die Ofsizierskreise sich mit großer Sympathie dem Plane anschließen, so zwar, daß von rund 20,000 deutschen Offizieren, Mili­tärärzten und höheren Militärbeamten bisher be­reits gegen 9500 sich zur Theilnahme an dem Verein verpflichtet haben, darunter 135 Generäle, 976 Stabsoffiziere, etwa 7000 Hauptleute, Ritt­meister, Kapitän-Lieutenants und Subaltern-Offi­ziere, sowie gegen 1300 Militärärzte und Beamte. Die Presse ist daher angesichts der wahrscheinlichen Verwirklichung des Projektes der sorgfältigen Prü­fung desselben näher getreten, und ist eine solche mit Rücksicht auf die in Frage stehenden Inter­essen der kaufmännischen und gewerblichen Kreise wahrlich geboten.

Die beabsichtigte Gründung eines „Deutschen Offizier-Vereinshauses der Armee und Marine", wie der an die Offiziere versandte Prospekt das Institut benennt, soll eine rein private Veran­staltung innerhalb der Offtzierskreise werden, die also mit den Militär-Werkstätten und Militär-Kan­tinen nichts zu schaffen hat. Gestützt auf die Aus­führungen des erwähnten Prospektes nahm man

Der Erbe. 57

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

Nur einen Augenblick ruhte des Felix auf seinem Freunde, dann sank er mit dem Ausrufe: „Mein Erwin!" in die Arme seines Begleiters.

„Siehe," hob Erwin nach einer Pause mit fast heiterer Stimme an, „siehe, jetzt wird es mir leicht, Dir Alles zu enthüllen, was mein Herz bedrückt. Ich will mein ganzes Leben Dir entrollen und dann wirst Du Dein Mitleid mir nicht versagen."

Manchen stillen Händedruck tauschten die jungen Männer während der Erzählung aus, die Erwin mit dem frühen Tode seiner Mutter und seiner freudelosen Jugend begann. Wenn er auch mit kindlicher Hochachtung von seinem Vater sprach, so fühlte Felix doch, daß die Tage seiner Kindheit goldene gegen die seines Freundes gewesen waren.

„Erst seitdem ich als Jüngling von Zeit zu Zeit ssuf Westerberg kam," fuhr Erwin fort, „habe ich ^iebe kennen gelernt. Meine theure Großtante ließ mich erkennen, welch' unersetzlicher Verlust mich durch vcn frühen Tod meiner Mutter getroffen hatte."

Als er nun ferner von seinen Studienjahren be­richtet hatte, schilderte er begeistert jenes erste Zu- lammentreffen im Walde, seine innige Liebe zu Jo­hanna und alle Hoffnungen, welche die feurige Seele des Jünglings an dieses Ereigniß knüpfte. Des guten Felix treues Auge, der mit inniger Theil­nahme der Erzählung seines Freundes folgte, trübte sich immer mehr, als Erwin ihm nun seine Unter­

allgemein mit Recht an, daß der Verein nicht bloß für eigentliche Militärbedürfniffe der Offiziere (Mili­täreffekten und Bekleidungs-Gegenstände), sondern auch für ihre Familien und für sämmtliche andere Verbrauchsmittel bestimmt sein werde. Wenn man einer neuerdings von den der Regierung nahestehenden Blättern verbreiteten „wohlinformirten" Mittheilung Glauben schenken will, so ist allerdings diese Un­terstellung, daß der Verein alle Lebensbedürfnisse und Konsumartikel den Offizieren zu liefern beab­sichtige, unrichtig und zu weitgehend.

Der gedachten Mittheilung zufolge will der Offiziers-Verein seinen Mitgliedern „hauptsächlich nur Militaireffekten, Uniformen und etwa noch Handschuhe, Sattelzeug und wenige andere in dies Gebiet schlagende Ar­tikel" unter thunlichster Berücksichtigung und Heranziehung aller bestehenden Militaireffekten- Firmen, deutschen Fabrikanten :c. beschaffen und durch die Vermittelung gleich baarer Bezahlung „für beide Theile erhebliche Vortheile gegen die jetzt bestehenden Verhältnisse erwirken." Wir wollen nicht untersuchen, ob es aus der Grundlage der für den Verein geplanten statutarischen Einrichtung überhaupt möglich sein wird, die „Vermittlung gleich baarer Bezahlung" stets und in allen Fällen zu bewerkstelligen, es kommt für uns ja weniger auf die Untersuchung der besseren oder schlechteren Verfassung eines solchen Vereins an. als auf die Kärdinalfrage, ' ob überhaupt ein solcher Verein ins Leben treten soll. Die Agitation gegen den Plan des Vereines hat auch schon eine breite Basis angenommen, eine Folge derselben ist die Ver­handlung in der bayerischen Kammer, eine andere die von der Handelskammer zu Hannover ergriffene Initiative für ein Vorgehen der Handels- und Gewerbskreise. In einer Zeit, wo von oer Re­gierung und von großen mächtigen Parteien fort­gesetzt die Rothwendigkeit einer Verbesserung der Lage des Handwerkerstandes und der gesammten gewerblichen Thätigkeit hervorgehoben wird, wo allenthalben Klagen laut werden über die wachsende Kommunalsteuerlast, in einer solchen Zeit wäre es doch wahrlich nicht wohlgethan, wenn die

redung mit Frau von Bönagel mittheilte und end­lich mit dem Ausdruck des Schmerzes das Fehl­schlagen seiner Hoffnung durch den Brief seines Vaters enthüllte.

In seinem Schmerz versunken richtete Erwin, nachdem er geendet, sein Auge wie hülfesuchend auf den Freund, der scheinbar theilnahmlos in die Ferne starrte, dann plötzlich aufsprang und, Alles um sich her vergessend, aus rief:

„Arme, arme Johanna, meine gute Schwester!"

Der schmerzliche Aufschrei und die tiefe Nieder­geschlagenheit, die sich auf den Zügen seines Freun­des malte, ließen Erwin sein eigenes Leid vergessen und mit der innigsten Theilnahme ergriff er seine Hand.

„O, nun wird mir Alles klar," fuhr Felix jam­mernd fort, welcher in seinem Schmerze noch immer die Anwesenheit seines Freundes ganz zu vergessen schien, „Du gutes Kind, mußt Du Deine junge Liebe so früh zu Grabe tragen?"

„Felix, Felix!" rief Erwin, indem er beide Hände seines Freundes ergriff; „wie soll ich Deine Worte deuten? O, sprich, liebster Freund! Welche Selig­keit, wenn ich die Gewißheit hätte, daß mich Jo­hanna liebte!"

Wie aus einem Traume erwachend starrte Felix in das erregte Gesicht seines Freundes; dann sank er aus den Sitz zurück und bedeckte sein Antlitz mit den Händen. Liebreich entfernte Erwin diese und bat: „Felix. Du hast mir versprochen, mein Freund zu sein; darf ich nicht Vertrauen von Dir erwarten?"

auch von der Kommunalsteuer befreiten Offiziere eine Gründung ins Leben riefen, welche insbe­sondere das Handwerk und Kleingewerbe in den Garnisonstädten empfindlich schädigen würde. Kleinere Garnisonstädte, welche oft nur mit großen Opfern (Hergabe von Kasernenbau­plätzen, Zuschüssen zu Kasernenbauten u. s. w.) sich eine Garnison gesichert haben, würden bei der ohnehin schon bestehenden Kommunalsteuer­freiheit der Offiziere den von einer Garnison erwarteten Vortheil fast ganz verlieren, da ja der centralisirte Massenbezug jenes Offizierconsumver- eins ganz gewiß selten Kaufleute, Schneider, Schuh­macher, Sattler u. s. w. kleinerer Orte in Nah­rung setzen würde.

Die der Gründungsidee nahestehenden Blätter werfen allerdings hiergegen ein, der Effektenfabri­kant, der Militärschneider, wie jeder für Bedarfs­artikel des Offiziers arbeitende Handwerker werde in Verbindung mit dem deutschen Offizierverein naturgemäß dieselbe fortdauernde Beschäftigung finden wie bisher, da der Verbrauch selbstredend kein geringerer werde, er werde sogar mit dem vortheilhaften Unterschiede arbeiten, daß er für kontraktlich feststehende und keinerlei Druck unterliegende Preise gegen gleich baare Bezahlung liefere. Das sind schöne Worte, denen am wenig­sten ein mitten im praktischen Leben stehender Handwerker und Geschäftsmann Glauben schenken kann und wird. Es handelt sich bei dem V-r- ein ja doch offenbar um einen möglichst billigen Massenbezug; bei solchem würde er sich in erster Linie an große Geschäfte, an große Liefe­ranten halten müssen, und auch, wo er — was nicht ausgeschlossen ist, — zu eigener Produktion überginge, würde diese selbstredend in größerem Umfange an wenigen Orten sich konzentriren, wie­der vorzugsweise auf Kosten der kleinen Garniso­nen und des Mittelstandes.

Neben dem empfindlichen Schaden, der den Ge­werbetreibenden in den kleinen Garnisonsstädten durch eine solche Neuerung erwachsen würde, ist auch nicht außer Acht zu lassen, daß in vielen Kreisen eine Mißstimmung gegen das Militär Platz

Schmerzlich bewegt blickte dieser auf. „Verzeihe," sprach er mit trauriger Stimme, „daß ich über die geliebte Schwester den theuern Freund vergaß. Die plötzliche Ueberraschung hat mich die Klugheit vergessen lassen. Jetzt verstehe ich, was mein gutes Schwesterchen so umgewandelt hat; wie konnte ich aber ahnen, daß Du das schlichte Kind in Dein Herz eingeschlossen hattest. O, leider, daß ich es bekennen muß; sie liebt Dich. Armer Erwin, arme Johanna!"

„O, ich Glücklicher!" rief Erwin, begeistert auf­springend. Nach wenigen Augenblicken aber brach er wie niedergeschmettert an der Seite seines Freun­des nieder und weinte bitterlich. Nach einer lan­gen Pause erhob sich Felix; die Hand seines Ge­fährten an sein Herz ziehend, sprach er mit beweg­ter Stinime:

„Theurer Ermin! eine Bitte, eine einzige, welche Du mir nicht verwehren wirst; schone meine gute Schwester."

„Sei ruhig, mein Lieber. — O, wie danke ich jetzt der verständigen Frau Bönagel für den Rath, den sie mir ertheilt. Keine Silbe, kein Blick mei­nes Auges soll dem guten Kinde verrathen, wie sehr ich sie liebe, welch' ungeheurer Schmerz mein Herz zerreißt. — Jetzt verzage ich nicht, in wenigen Wochen werde ich in Westerberg sein. Die Ge­wißheit, daß Johanna mich liebt, wird meinen kindlichen Bitten eine Begeisterung verleihen, welcher mein Vater nicht wird widerstehen können. Wenn aber nichts sein Herz rühren kann, dann" —