Dienstag, den 23 Oktober
Jeitung
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Deutsches Reich.
, Fulda, 23. Oktober.
* (Die Farben der P rovinz Hannover) sind jetzt endgültig festgesetzt. Das königliche Heroldsamt hatte ursprünglich den Vorschlag gemacht, als Farben der Provinz nicht die seiner Ansicht nach heraldisch nicht zu rechtfertigenden Farben „Gelb und Weiß" beizubehalten, sondern als solche „Weiß, Roth, Gelb" aufzunehmen. Daraufhin hat aber der Landesausschuß, zu einer gutachtlichen Erklärung darüber aufgefordert, diese durch das Landesdirektorium dahin abgegeben, daß er auf die Beibehaltung der Farben „Gelb und Weiß" erhebliches Gewicht lege, weil dieselben die Landesfarben des ehemaligen Königreiches gewesen und daher von historischer Bedeutung seien. Diese Vorstellung hat an Allerhöchster Stelle Beachtung gefunden, indem mittelst einer königlichen Ordre als Farben der Provinz „Gelb und Weiß" festgestellt sind.
Berlin, 22. Oktober.
* (Deutsch-spanischer Handelsvertrag.) Die Auswechslung der Ratifikationsurkunden des deutsch-spanischen Handelsvertrags hat heute hier stattgefunden.
* Greifswald, 22. Okt. (Reichstagsersatzwahl.) Graf Behr (konservativ) 7567, Schwartz (Fortschr.) 6117 Stimmen. Neun tPflfPTT
' * Baden-Baden, 22. Okt. (Der Kaiser) ist Nachmittage nach Berlin abgereist.
Oesterreich - Ungarn.
* Wien, 21. Okt. (Mukthar Pascha) ist heute Nachmittag nach Konstantinopel abgereist.
Frankreich.
* Paris, 21. Okt. (Weizenernte.) Das Journal ,Officiel' veröffentlicht annähernde Zahlen über den Stand der Weizenernte. Nach den von
den Präfekten eingesandten Berichten sind in ganz Frankreich 6,718,729ha mit Weizen besät worden, welche 100,646,216hl ergeben haben; der Ertrag sür den Hektar ist demzufolge 14,98hl. Das Durchschnittsgewicht des Hektoliters ist 76,32kg.
Der Erbe. 54
Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.
Der Schulte hatte nach der Abreise seines Pflegesohnes den einmal augeknüpsten Verkehr auf dem Schlosse unterhalten. Er gewann bei dem ersten Besuche, den er nach jenem verhängnißvollen Auftritt in der Waldhütte, auf Westerberg machte, die Ueber- zeugung, daß der Graf die nicht minbefte Ahnung davon hatte, wer ihm den Streich versetzt und auf welche Weifese sein Opfer gerettet worden war. Diese Wahrnehmung war für den ehrlichen Landmann eine sehr beruhigende und gab ihm Anlaß, in dem Verkehr mit dem Grafen eine gewisse respektvolle Annäherung zur Schau zu tragen. Die Verbindung mit den Schloßbewohnern aufzugeben, würde ihm auch recht schwer geworden sein, da er im Laufe der Zeit an dem Schloßgeistlichen einen theilnehmenden, erfahrenen Freund gefunden hatte.
Die Gräfin zeigte bei jeder Gelegenheit, wie sehr sie den vernünftigen biedern Landmann schätzte, und erkundigte sich stets mit dem größten Interesse nach dem Befinden seines Pflegesohncs. Jeder Brief, den der Schulte von Letzterem erhielt, bekundete die dankbare Erinnerung, von welcher sein Herz gegen die alte Dame und seinen würdigen Lehrer erfüllt sei. Es war für den Schulte eine ebenso große Freude, diese Nachricht zum Schlosse zu überbringen, als daß dieselbe auch dort mit der innigsten Befriedigung ausgenommen wurde.
Noch eine andere Person gab es auf dem
* (Preßstimmen über die französischen Greuelthaten in Annam.) Die von dem französischen Offizier M. Pierre Loti im ,Figaro' veröffentlichte Beschreibung der von den französischen Soldaten in Hüe verübten barbarischen Abschlachtung der Annamiten hat in der englischen Presse ebenso wie in der deutschen eine außerordentliche Entrüstung hervorgerufen. Die ,Pall Mall Gazette' bezeichnet diese entsetzlichen Vorkommnisse als eine „Schändung der französischen Flagge", und sagt, daß dieser „Schmutzflecken auf der Ehre und Menschlichkeit der fran- zösijchen Nation sich nicht leicht verwischen lassen dürfte". Der ,Globe' sagt, daß Niemand diesen Bericht lesen dürfe, der Lust hat, die Franzosen als ein zivilisirtes Volk zu betrachten. Die Bezeichnung der Annamiten als „Wilde" sei durchaus falsch angewandt, und „wenn alle Lügen über die bulgarischen Grausamkeiten wahr wären, so würden die Türken den Civilisatoren von Tongking gegenüber noch iinmer als ausgezeichnete Christen erscheinen." Die ,St. James Gazette, erklärt, daß die Soldaten Englands, Deutschlands, Spaniens und Italiens nicht int Stande wären zu thun, was in Hüe gethan wurde; solcher Handlungen hielt man nur die Tscherkessen fähig, denen sich nun die Franzosen würdig an die Seite stellen.
*(Zur Lage in Madagaskar.) Zufolge einer Meldung des Bureau Reuter aus Tamatave vom 4. Okt. sind die Verhandlungen zwischen den fran- -zösischen und madagassischen Behörden aufgeschoben; gegenwärtig sei keine Wahrscheinlichkeit für eine friedliche Lösung; die madagassischen Streitkräfte und die französische Flotte verhielten sich zwar noch un- thätig, oberes ging das Gerücht, die französische Flotte werde die offensiven Operationen bald wieder beginnen. Aus Furcht vor einer Erneuerung des Bombardements Seitens der Franzosen verließen die Bewohner in Schaaren die Stadt. Admiral Galiber ist am 24. September angekommen und das Kriegsschiff „Creuse" mit Verstärkungen wird täglich erwartet. Der deutsche und der amerikanische Konsul haben ihre Flaggen noch nicht aufgehißt. Die madagassische Regierung verbiete die Ausfuhr vou Vieh
Schlosse, für welche der Schulte sich lebhaft inter- essirte; der Sohn des Grafen. In gleichem Maaße, wie letzterer durch sein hochmüthiges düsteres Auftreten abstieß, fühlte sich jeder durch das freundliche theilnehmende Wesen des jungen Grafen angezogen. Obgleich derselbe nur in der Ferienzeit auf Westerberg erschien, so unterließ er niemals den alten Optenholt zu besuchen.
Frohe Blicke flogen dem hübschen jungen Manne entgegen, wenn er ganz unerwartet in den Hof sprengte und sich von der Hausfrau mit einem Glase frischer Milch bewirthen ließ, oder mit den Männern einen Krug Bier leerte. Unter fröhlichem Geplauder über die vergangenen Zeiten und die Erlebnisse seiner Studienzeit schwanden die Stunden recht schnell.
Den redlichen Optenholt beschlich ost ein peinliches Gefühl, wenn er bedachte, daß die Zeit immer näher heran rücke, wo er bestimmt sein würde, so entscheidend in die Zukunft des jungen Mannes, den er wirklich liebte, eiugreifen zu müssen. Eine Beruhigung fand er allerdings darin, ! daß er nur seine Pflicht erfülle, und deredle rechtliche Sinn Erwin's dieses anerkennen werde.
Seit Jahresfrist war der junge Graf nicht auf Westerberg gewesen, da er in Berlin die Hochschule besucht hatte, als ein Brief von Felix den Schulte von dem Zusammentreffen der beiden jungen Leute auf dem Schlößchen in Kenntniß setzte. — Felix, welcher nach Ablauf des ersten
und Landesprodukten sowohl auf englischen wie aus anderen Schiffen.
England.
* London, 22. Okt. (Aus Hongkong.) Dem,Standard' wird, einem Telegramm der ,Frkf. Ztg.' zufolge, aus Hongkong gemeldet: General Mesny, gebürtig aus Jersey, aber in chinesischen Diensten, ist soeben in Canton von der Grenze Dunnans eingetroffen. Er bestätigt die Thatsache, daß die Chinesen die Schwarzen Flaggen mit Leuten, Geld, Waffen und Munition für den Krieg in Tongking versehen und er schätzt deren Stärke auf 3000 Mann, außer den Garnisonen von Bac Nindh und Sontay. — Der Vizekönig von Canton erlaubt nicht, daß Fremde durch die Stadt gehen; er hat 10,000 Mann Chinesen dort konzentrirt wegen der Aufregung des Volkes, wie gesagt wird, in Wirklichkeit aber, wie man glaubt, als Vorsichtsmaßregel gegen den erwarteten Angriff der Franzosen. Der Vizekönig verlangt ein Anlehen von einer Million Taels, angeblich zur Zahlung der Entschädigungen für die durch die Ruhestörungen verursachten Verluste. Seine Agenten verlangen Waffen. Mesny bestätigt auch die Behauptung, daß im Innern Gerüchte kursiren, nach welchem die Armee sich zur Vernichtung der Fremden vorbereitet. — Nach einem Telegramm des ,New- Aork Herald' beschuldigt Mesny die Schwarzen Flaggen, daß sie die Leichen ihrer Feinde auffressen, da sie glauben, die Verzehrung des Fleisches wilder Männer mache sie tapfer. Dieser Umstand mag die Thatsache erklären, daß man vergeblich oie Leichen Riviorcs und seiner Genossen gesucht hat. Mesny ist der Ansicht, daß die Schwarzen Flaggen die tapfersten Chinesen sind und er glaubt, daß Frankreich in einem Kriege mit China siegreich sein würde. — Ein Extrablatt der ,Daily-NewS' enthält eine Depesche aus Hongkong vom 22. d. M., wonach die Einwohner von Haiphong einen Angriff einer 1200 Mann starken Seeräuberbande, die 12 Meilen vor der Stadt lagere, befürchten. Auch eine Offensivbewegung der Schwarzen Flage en werde befürchtet. In den chinesischen Lagern nöid- lich von Hanoi herrsche große Rührigkeit.
Studienjahres zwei Jahre in München gewesen, konnte seiner Freude nicht genug Ausdruck geben, dieses Jahr in derselben Universitätsstadt wieder zuzubringen, wo sein Jugendfreund diente. Der Verkehr mußte jetzt, wo sie nach mehrjähriger Trennung sich wiedergefundcn hatten, ein recht inniger geworden sein, da alle Briefe, die der Schulte von Felix erhielt, mehr über den Grafen, als über ihn selbst berichteten. Eines schönen Tages wurde der Schulte sogar durch einen Brief Erwin's angenehm überrascht, worin der junge Herr mit# theilte, daß es ihn dränge, dem lieben Herrn Optenholt auch einmal einige Zeilen zuzusenden. Er berichtete, welche große Freude und welchen Vorthtil ihm der Umgang mit dem fleißigen und mit so vielen Kenntnissen ausgestatteten Freunde bereite, und daß er keinen größeren Genuß finde, als seine freie Zeit mit demfelben zu verleben. Gleichzeitig theilte er auch mit, daß er im verflossenen Herbst das Glück gehabt habe, die Mutter und Schwester seines lieben Freundes kennen zu lernen. Die Lobsprüche, die er dann im ferneren Verlaufe des Briefes der feingebildeten Dame und iherer liebenswürdigen Tochter spendete, entlockten zwar den wetterhärten Zügen des alten Mannes ein Lächeln, botni doch auch wieder Veranlassung zum ernsten Nachdenken. Das letztere war um so mehr gerechtfertigt durch die Nachrichten, die ein gleichzeitig von Frau Wisting eingelaufenes Schreiben brachte. Erwin's Schreiben