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1883.

Sonnabend, den 13. Oktober

Jeitung.

Jitter

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Ansprache Sr. Heiligkeit Papst Leos xni.

an die italienischen Pilger am 7. Oktober 1883.

Der süße Trost, den Wir vor einigen Tagen anläßlich der glänzenden Kundgebung der Hingebung und kindlichen Liebe seitens des italienischen Klerus empfangen haben, ist heute erneuert worden durch die nicht minder glänzenden Beweise der Anhänglichkeit und Liebe, welche ihr, geliebte Söhne, Uns gebet. In so großer Zahl seid ihr, nach Ueberwindung von Schwierigkeiten aller Art, hierher ge­kommen, aus verschiedenen Theilen Italiens, und habt erst vor wenigen Augenblicken am verehrungswürdigen Grabe des Apostelsürsten das Gelöbniß abgelegt, um jeden Preis und immer treu und gehorsam zu bleiben Uns, sowie dem apostolischen Stuhke.

So ergänzen sich diese beiden Pilgerschaften in bewun­derungswürdiger Weise und zeigen durch die That, daß hinter dem Klerus die Laien sich zahlreich schaaren, welche alle gemeinsam denselben Glauben bekennen, von denselben Empfindungen und Neigungen beseelt sind und mit dem Klerus wetteifern, dem Stellvertreter Christi einen öffent­lichen Beweis ihrer tiefen und unwandelbaren Hingebung abzulegen. Wir danken hierfür lebhaft dem Herrn und freuen Uns mit euch, sehr geliebte Söhne, daß Er in seiner göttlichen Güte euch mit Gesinnungen beseelt hat, wie sie Unsere gegenwärtige Lage und die der Zeiten erfordert.

Ihr alle kennt sehr gut die Absichten, welche die ge­heimen Gesellschaften und ihr Anhang haben. Unter Ver­letzung der hl. Rechte des apostolischen Stuhles haben sie den römischen Papst in eine unwürdige Lage gebracht, welche ihr so tief mit Uns beklagt. Und das geschah nicht, weil, wie man lügnerischer und thörichter Weise gesagt hat, das Papstthum ein Feind Italiens ist. Die Geschichte hat, wie wir oftmals ausgesührt haben, mit unauslöschbaren Let­tern die hervorragenden Vortheile verzeichnet, welche Italien zu allen Zeiten von der wohlthätigen Handlungsweise des Papstthums empfangen hat, Vortheile, denen die Zeit und die Forschungen der Gelehrten stets nur einen neuen Glanz geben werden.

Man wird immer mehr einsehen, daß nichts von dem, was auf den Namen „gut" Anspruch hat, nicht allein auf religiösem oder moralischem, sondern auch auf dem politischen, sozialen, häuslichen und privaten Gebiete, un­vereinbar ist mit dem Papstthum, daß im Gegentheil in ihm alle Gebiete Leben, Kraft und Entwickelung finden. Es ist nur Heuchelei, wenn man den Wunsch äußert, die Kirche befreit zu sehen von der unbequemen Last der irdischen Sorgen. Dieser Wunsch ist ein Spott im Munde derer, welche auf alle mögliche Art sich bemüht haben und noch bemühen, der Kirche in ihrer geistlichen und göttlichen Mission entgeaenzuarbeiten. Die wahre Absicht der geheimen Gesellschaften war, die Kirche und ihr Oberhaupt zu treffen, indem sie dem hl. Stuhle das nahmen, was eine Schutz­wehr seiner Freiheit und eine nicht bloß scheinbare Garantie

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Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

„Ich erwähnte eben," fuhr der Schulte ruhig fort, „daß es möglich sein kann, daß Erbberech­tigte noch leben und mit ihren Ansprüchen hervor­treten. Wir sind in der Lage ihnen zu ihrem Erbe zu verhelfen. Wollen Sie Mitwirken und sich hierdurch die Verzeihung des Himmels für Ihre Verbrechen erlangen?"

„Von Herzen gern, Alles, Alles will ich thun; reden Sie nur."

„Es ist nothwendig, daß Sie, sobald Ihre Kräfte es gestatten, das Bekenntniß, welches Sie mir eben gemacht haben, und den Vorgang in der Waldhütte, in einem schriftlichen Dokumente nie­derlegen, dessen Wahrheit wir mit unserer Unter­schrift bezeugen."

„Meine eigene Schuld?" ries der Ueberraschte und ließ sein Haupt auf die Brust sinken.

Der Schulte erwiderte kein Wort und blickte ernst und erwartungsvoll auf die zusammenge­sunkene Gestalt seines Gastes, welcher endlich sein Haupt erhob und flehend in das strenge Antlitz blickte. Endlich sprach er nach einem tiefen Seuf­zer: „Ich werde thun, was Sie verlangen".

„So recht, mein lieber Herr Lüttche," erwiderte der Schulte erfreut. „Zu Ihrer Beruhigung will ich gleich hinzufügen, daß wohl niemals eines Men­schen Auge dieses Schriftstück lesen wird. Das Dokument werde ich mit den Briefen versiegelt bei

seiner Unabhängigkeit war. Und weiter getrieben von ihrer Verwegenheit, wollten sie Italien rauben den unbe­zahlbaren Schatz des Glaubens und der katholischen Religion. Und wie wenn das noch nicht offenbar genug wäre durch unanfechtbare Thatsachen und jeden Tag sich zeigende unselige Pläne, erheben sich von Zeit zu Zeit blasphemische Stimmen, welche diese Absicht noch offener enthüllen.

Vor wenigen Tagen noch hat man hier in Rom öffent­lich und ungestraft zu verkünden gewagt, daß man von einem wahren italienischen Leben nicht sprechen könne, so lange Italien katholisch wäre, und daß die gewaltsame Besetzung Roms nur ein erster Schritt auf dem Wege ge­wesen fei, welcher Italien dazu führen müsse, sich frei zu machen vom Joche des katholischen Priesterthums, und daß man diesen Weg fortsetzen müsse, um das Angefangene zu vollenden.

Möge der Herr in seiner Güte diesen gottlosen Plan zu Schanden machen, und niemals zulaffen, daß ein so furchtbares Unglück über Italien hereinbreche! Um aber ein so großes Unglück zu beschwören, muß man jede Lau­heit abschütteln. Alle diejenigen, welche eine wahre An­hänglichkeit an's Vaterland, eine wahre Liebe zu ihrer Religion haben, müssen ihre Kräfte vereinigen. Es ist für sie eine dringende Pflicht, in all' ihren Handlungen auf­richtige und muthige Katholiken zu sein und als solche sich zu zeigen. Und um besser die Angriffe der Feinde zu­rückschlagen zu können, ist es ihre Pflicht, sich immer enger um den Apostolischen Stuhl zu schaaren; sie müssen das Papstthum frei und geachtet sehen wollen, und den rö­mischen Papst in jener Stellung wahrer Unabhängigkeit und Souverainetät, welche ihm gemäß seiner Gewalt und höchsten Würde zukommt. Wir wissen, daß ihr von diesen Gesinnungen beseelt seid, und daß sie es sind, welche euch hierher geführt haben. Haltet sie standhaft aufrecht, suchet sie zu verbreiten und zu beleben auch bei Andern, und machet sie zur unabänderlichen Richtschnur für euern und Anderer Wandel.

Um in diesem schweren. Uns obliegenden Kampfe Er­leichterung lwd guten'Rath, Kraft, den Geist der Diszplin und den Sieg zu erhalten, haben wir gewollt, daß man den Himmel um Hilfe anrufe, und ganz besonders die h. Jungfrau, unter dem Titel der Königin des Rosenkranzes. Unter diesem glorreichen Titel angerufen, hat die unüber­windliche Jungfrau einstmals über die mächtigsten Feinde des christlichen Namens triumphirt, einzelnen Personen, Familien und Nationen den Glauben, die Unversehrtheit der Sitten, die kostbaren Güter des katholischen Lebens bewahrt. Zu ihr erheben in diesem Monat und vor Allem an diesem Tage, in der ganzen Welt ihre ergebenen Kin­der, wie Ein Herz und Eine Seele, bittend und von der süßesten Hoffnung erfüllt, ihre Hände. Die ungläubige Welt lacht und spottet darüber in sakrilegischen und blasphemi­schen Ausdrücken. Aber weit entfernt, daß dadurch die hergebrachte Liebe der Italiener zu Maria erschüttert werde, muh sie dadurch neu belebt, inniger und vertrauensseliger

meinem Nechtsbeistand deponiren, mit der Ver­pflichtung, es zu jeder Stunde mir, meinem Be­vollmächtigten oder im Falle meines Ablebens, meinen Erben, auf Verlangen auszuhändigen. Ich glaube annehmen zu dürfen, daß für den Grafen Rinteln die Nachricht, daß dieses Dokument existirt, schon hinreichen wird, sich in Allein zu fügen."

Nach einigen Augenblicken richtete der Gast sein Auge in gewohnter Lebhaftigkeit auf seinen Wirth und fragte: „Haben Sie vielleicht Vermuthung, Herr Opienholt, daß noch Erbberechtigte leben?"

Ein Blitzstrahl vom heitern Himmel würde den Schulte nicht mehr überrascht haben, als diese Frage, und nur ein Mann von seiner Festigkeit konnte keine Gemüthsbewegung verrathen, als er ruhig erwiderte: „Ich redete ja nur von der Mög­lichkeit und fühle mich verpflichtet, für alle Fälle Vorsorge zu treffen."

Herr Lüttche war zu großer Menschenkenner, um nicht aus dem augenblicklichen Zucken der Wimpern erkannt zu haben, daß der Schulte mehr ivisse, als er auszusprechen für gut finde.

Es war eine kleine Pause eingetreten, als plötz­lich der Verwundete beide Hände des Landmanns ergriff und sprach: „Verzeihen Sie meine unbe­rechtigte Frage, Herr Optenholt; ich elender Mensch verdiene Ihr Vertrauen nicht, aber Gott im Him­mel würde ich auf meinen Knie en danken, wenn meine Ahnung zur Wahrheit würde."

Unter der sorgsamen Pflege der wackeren Leute

werden. Oft gefällt es dem Herrn zu demüthigen die Mächtigen in dem stolzen Dünkel ihrer Kraft, und zu trösten die Schwachen, welche, verachtet und mit Spott überschüttet, in seinem Namen kämpfen und ihm vertrauen mit fester Zuversicht.

Empfanget unterdessen als Unterpfand der göttlichen Barmherzigkeit und Zeichen Unserer ganz besonderen Zu­neigung den Apostolischen Segen, welchen wir aus dem Grunde des Herzens allen hier Anwesenden, Allen, welche im Geiste mit euch vereinigt sind, Alle, welche Theil neh­men werden am Kongreß der Katholiken in Neapel, euern Familien und Unternehmungen, sowie allen Katholiken Italiens ertheilen.

Deutsches Reich.

Fulda, 13. Oktober.

"(ZurReise des Kardinals Hohenlohe) schreibt die ,@ermanitt': Liberale Blätter machen Aufheben von der Nachricht aus München, daß Kardinal Hohenlohe den dortigen italienischen Gesandten besucht und den Herrn ».Döllin­ger empfangen, oder nach anderer Lesart besucht habe. Der Besuch des Herrn Kardinals bei dem Gesandten, der allerdings kaum zu begreifen wäre, scheint uns bisher nicht hinreichend beglaubigt zu sein. Der Empfang des Herrn v. Döllinger wäre freilich eine auffallende Erscheinung es ließe sich aber immerhin noch eine regelrechte Erklärung den­ken. Wir enthalten uns des Urtheils, bis nähere Nachrichten vorliegen. Immerhin ist festzuhalten, daß die Handlungen eines Kardinals in der Stel­lung und während einer Reise, wie sie Kardinal Hohenlohe entnimmt resp. augenblicklich macht, nur eine individuelle Bedeutung haben.

* Stade, 12. Okt. (Bei der heutigen Ersatzwahl zumLaudtage an Stelle Nen­nigs en's) im Wahlkreise Neuhaus wurde Pastor Pfaff (nationalliberal) mit 155 von 156 im Gan­zen abgegebenen Stimmen gewählt.

Oesterreich - Ungarn.

* Wien, 12.Okt. (Krawall an der öster­reichisch-rum änischen Grenze.) Dem ,Frem- denblgtt' zufolge reduzirt sich der von Bukarester Blättern übertriebene Konflikt an der österreichisch­rumänischen Grenze darauf, daß einige rumänische

schritt die Genesung des Verwundeten erfreulich fort und nach Verlauf einer Woche konnte er schon kleine Spaziergänge mit seinem Gastfreunde machen. Die Wunde begann sich zu vernarben und vor Ablauf der zweiten Woche durfte er seine Heimkehr antreten.

Die Kutsche stand zur Abfahrt bereit. Unter den aufrichtigsten Dankesäußerungen hatte der Gast sich von der Familie verabschiedet, als der Schulte, ihm die Hanv reichend, sprach: „Erlaubt mir, bevor wir scheiden, noch eine Frage, die auszu­sprechen nur die aufrichtigste Theilnahrne für Sie mich veranlaßt; wie sind Ihre Vermögensverhältnisse?"

Nur einen Augenblick schaute der Gast auf die ehrlichen Züge seines Wirthes, als er erwiderte: „Ich danke Ihnen, Herr Optenholt, für Ihre Theil- nahme, und da ich die Motive, die Sie zu der Frage veranlassen, erkenne und ehre, so will ich sie ebenso offen beantworten. Sie sind so, daß ich nicht allein ruhig meinen ferneren Tagen entgegen sehen kannn, sondern auch im Stande bin, Vieles gutzumachen. - Herr Optenholt," fuhr er bewegt fort, „der Dolchstoß des Grafen war die größte Wohlthat, die mir erzeigt werden konnte. Er hat meine Vergehen mich erkennen lassen und mir einen Freund verschafft, für welchen mein Dank nur mit meinem Leben enden wird."

Franz brachte den Gast zur Stadt und begab sich bann zu dem Justizrath, dem er ein Schreiben seines Vaters nebst einem versiegelten Packete Über­brachte. (Forts, folgt.)