231. Dienstag, den 9. Oktober 1883.
Fuldaer W8 Jrihnig.
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Deutsches Reich.
Fulda, 9. Oktober.
*(Ueber den an geblichen Verkehr Schumanns mit kirchlichen Würdenträgern) wirb der ,Gerrn.' geschrieben:
„Wallgren-Schumann ist niemals empfangen worden vom Sekretär des h. Vaters, bei dem er mehrere Male anfragte. Nur ein Mal wurde er vom Kardinal Jakobini empfangen und zwar auf Grund einer Empfehlung des Gesandten. Der Substitut des Kardinal-Staatssekretairs Mocenni, der hie und da interviewt wurde, verhielt sich immer ablehnend. Schumann stand in lebhaftem Verkehr mit Herrn v. Rothenhan."
• (Dementi aus Rom.) Die auch von uns übernommene Mittheilung der .Germania', daß Herr Henri de Houx vom .Journal de Nome' flüchtig geworden sei. erweist sich als falsch. In einem an die .Germania' gerichteten Briefe erklärt Herr de Houx:
„Indem Ihr Korrespondent diese flagrante Infamie einem italienischen Blatte entnimmt, hat er nicht die Entschuldigung des guten Glaubens. Gleich den folgenden Tag nach Veröffentlichung dieser verwegenen Verleumdung hat der .Messagero' sie schon fönnlich zurückgezogen."
* (Ein Gesetzentwurf über die Regelung des Auswanderungswesens) ist, wie bekannt, in Vorbereitung. Die Berathungen desselben sind, wie mehrere Blätter berichten, neuerdings wieder aufgenommen worden. Es handelt sich dabei vornehmlich um eine Regelung des Agentur- und Auswanderungs-Unternehmerwefens, nicht aber um einen besonderen Schutz und eine besondere Fürsorge, die sich auf die Ausgewanderten bis ins ferne Land erstrecken könnte.
* (Die Befähigung für den höheren Verwaltungsdienst in Preußen.) Rach Einführung der neuen Verwaltungsgerichtsbarkeit wird es unumgänglich nothwendig, daß das Regulativ zur Ausführung des Gesetzes betreffs der Befähigung für den höheren Verwaltungsdienst vom 11. März 1879 eine Abänderung erhalte. Bekanntlich werden vom 1. April 1884 ab die Bezirksverwaltungsgerichte aufgehoben und ihre, mitsammt der Bezirksräthe, Funktionen Bezirksausschüssen übertragen werden. Namentlich wird
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Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.
Plötzlich flammte ein Licht auf, der Graf zog eine Laterne hervor, zündete sie an und stellte sie auf den Tisch; die beiden Ehrenmänner ließen sich an demselben nieder. Von seinem Verstecke aus konnte der Schulte Alles deutlich sehen, was in der Hütte vorging, da das Licht die Züge der Beiden grell beleuchtete, während die Seite, wo der Schulte sich befand, im Schatten blieb.
„Nun," hob der Graf an, „habt Ihr die Briefe mitgebracht?"
„Wie können Euer Gnaden zweifeln? Ich hatte ei Ihnen ja versprochen," erwiderte Lüttche bescheiden.
„Auch die wirklichen Originale? Ich sage ncch- mais, hütet Euch, noch einmal falsches Spiel mit mir zu treiben."
„Der Herr Graf werden sich von meiner Treue überzeugen, haben Ew. Gnaden auch die Güte gehabt, das für mich Bestimmte mitzubringen?"
„Selbstredend, hier ist es", sprach der Graf und warf seinem Gegenüber einen Geldbeutel hin.
Lüttche zog eine alte Brieftasche hervor und entnahm aus derselben zwei Schreiben, die er dem Grafen reichte. Hastig ergriff dieser die Briefe und unterwarf dieselben einer scharfen Prüfung.
„Sie sehen, Herr Graf daß keine Täuschung möglich ist, das alte Papier, das Postzeichen der Abgangs- und Empfangsstation. Sie erlauben,
ich das Geld nachzähle?"
durch diese Aenderung die Stellung der Regie- rungsreferenbarien bei den Bezirksverwaltungsgerichten getroffen unb muß demgemäß in diesem Punkte das Regulativ abgeändert werden. Gleichzeitig will man mit diesem auch das Regulativ vorn 1. Mai 1883 über die juristischen Prüfungen und die Vorbereitung zum höheren Justizdienst und die Bestimmungen über die Gestaltung des Vorbereitungsdienstes bei den Verwaltungsbehörden zweckentsprechend ändern.
* (Ehrengabe für Prof. Schi kling.) Bezüglich des in den Voranschlägen für das Niederwald-Denkmal unterschätzten Aufwandes, wodurch der Erbauer des Denkmals kaum vor unmittelbarem Schaden bewahrt wurde, theilt der .Reichsanzeiger' mit, der Kaiser habe im Hinblick hierauf und in Würdigung der Größe und Bedeutung des Meisterwerks dem Professor Schilling neben der Ordensauszeichnung eine besondere Anerkennung in Gestalt einer Ehrengabe von ßAißigtausend Mark zugewendet und den Künstler Am Einweihungstage davon durch ein huldreiches Handschreiben in Kenntniß gesetzt.
• (Verbot ber Schweine-Einfuhr aus Nußlanb.) Der .Reichsanzeiger' publizirt bas Verbot ber Schweine-Einfuhr aus Nußlanb für bie ganze Lanbesgrenze des Regierungs-Bezirks Gum- binnen.
* München, 8. Okt. (Kardinal Hohenlohe.) Das ,W. T. B.' melbet: Der gegenwärtig hier weilende Kardinal Hohenlohe besuchte den italienischen Gesandten und empfing dessen Gegenbesuch.
(Oesterreich - Ungarn.
* Wien, 7. Okt. (Petition betr. Gründung eines polnischen Schützenkorps.) In der nächsten Sitzung des galizischen Landtags wird eine von tausenden von Bürgern unterfertigte Petition betreffs Organisation eines polnischen Schützenkorps unb Sanbfturmes eingebracht. In den Motiven wirb ausgeführt, daß Galizien dem Ueberfalle Rußlands ausgesetzt und daß die Polen zur Hebung ihres politischen Einflusses und zur Wiederherstellung ihrer traditionellen Disziplin das Nationalheer wenigstens durch eine derartige Korpsbildung ersetzen müssen. Das Korps wird polnisch kommandirt und uni»
Die Geierkrallen ergriffen die Börse. „Gold, wie prächtig; der Herr Gras sind sehr gütig; — viel besser als Silber ober Papier." — Das bewegliche Auge rollte unb blitzte wie das einer Schlange, als er die Stücke überzählte.
„Ganz richtig, Herr Graf, 500 Louisdor, und der Schein über dieselbe Summe?"
Der Graf reichte ihm denselben hin.
„Ganz gut, sehr gut", fuhr er vergnügt fort, während sein Auge aber immer den Grasen fixirte; „Anerkennung für treue Dienste; wie dankbar ich dem Herrn Grafen bin."
Nach einer kleinen Pause fuhr er fort: „Unb ber Herr Graf finb nun überzeugt, daß ich ihm die echten Schreiben überbracht habe?"
„Vollkommen," erwiderte dieser, faltete die Briefe und legte sie in sein Taschenbuch.
Es ist nicht möglich, die Gemüthsbewegung zu schildern worin ber Schulte sich befand. Krampfhaft bohrte feine Linke sich in die Borke der Eiche, woran er stand, ein Zittern durchfuhr seine Glieder und er glaubte bas Pochen seines Herzens an fein Ohr schlagen zu hören. Als er sah wie ber Graf bie Briffe in seine Tasche legte, glitt er, ungeachtet feines hohen Alters, wie eine Schlange um ben Stamm ber Eiche herum unb schlich sich bis bicht an den Eingang heran.
„So wäre unser Geschäft beendigt," sprach Lüttche, „und Ew. Gnaden dürfen versichert sein, daß ich Sie in meinem Leben mit Nichts mehr belästigen werde."
formirt und hätte ganz selbstständig und von den Militärbehörden unabhängig zu bestehen.
Schweiz.
* (Ueber ben Staub der kirchenpolitischen Verhandlungen) der Bundesregierung mit dem Vatikan meldet der Berner ,Bund' neuer» dings, daß die Kantonsregierung von Tessin selbst sich direkt mit dem h. Stuhle in Verbindung gesetzt hat. Zu diesem Zwecke befanden sich vor etwa drei Wochen zwei Mitglieder der genannten Regierung, Regazzi und Pedrazzini, in Rom. Dieselben standen in lebhaftem persönlichen Verkehr mit der päpstlichen Staatskanzlei und übermittelten bei jener Gelegenheit ber Kurie eine Petition, durch welche die Errichtung eines eigenen Bisthums für den Kanton Tessin erbeten wurde. Das Gesuch fiel im Vatikan aus guten Boden. Die Unterhandlungen sind in Fluß gekommen; fo weit dieselben in der Competenz ber Kantonalregierung liegen, soll keine Schwierigkeit vorhanben sein, zumal bie Kurie bereit zu fein scheint, bie schweizerischen zum erzbischöflichen von Como gehörigen Pfarreien von ber lombarbischen Kirchen- jurisbiktion loszutrennen. Falls biefe Präliminarien zu einem Resultate führen sollten, würbe es darauf ankommen, wie sich die Bundesregierung zu der Errichtung eines neuen Bisthums auf schweizerischem Boden stellen wird. Die genannten Herren verhandelten im Vatikan, der genannten Zeitung zufolge, ebenfalls über die Lachat'sche Angelegenheit.
Frankreich.
* Paris, 7. Okt. (Entlassung Thibau- dins.) Die hiesigen Blätter besprechen die Ent- lassung Thibaudins. Die Organe der gemäßigten Republikaner und der Monarchisten billigen dieselbe; die .Ropublique Frantzaise' sagt, die Belassung Thibaudins auf seinem Posten würbe jebe reguläre Beziehung zu den benachbarten Nationen unmöglich gemacht haben; ,Paix' hätte gewünscht, daß diese Maßregel weniger unerwartet ergriffen worden wäre; »GauloiS' sagt, Thibaudin sei ein dem allgemeinen Frieden gefährlicher Kriegsminister
„Nein, das wirst Du nicht mehr, Schurke!" rief der Graf, zog blitzschnell einen Dolch hervor unb stieß denselben in dessen Brust. — Mit einem lauten Aufschrei stürzte sein Opfer zur Erde.
„Mörder I" bornierte eine brohenbe Stimme in fein Ohr, ein furchtbarer Schlag fiel auf feinen Schäbel unb besinnungslos brach er zusammen.
Ein greller Pfiff durchdrang bie tiefe Stille, einen Augenblick hörte man ein Rascheln im Gesträuche unb Franz staub, den hochgeschwungenen Knotenstock in der Rechten, an der Seite feines Vaters. — Dieser hatte seine Ruhe wiebergeroounen.
„Nimm die Laterne, Franz, und laß' uns sehen, ob hier noch Hülfe möglich ist." Behutsam entfernte er die Kleider von der Brust des Unglücklichen; dieselbe war von Blut überströmt. Als er dasselbe mit seinem Tuche entfernte, seufzte der Verwundete und schlug die Augen auf.
„Gott sei Dank!" rief der brave Mann, „er lebt noch."
Bei näherer Untersuchung zeigte sich, daß der Dolchstoß sein Ziel verfehlt und nur eine lange, aber nicht tiefe Fleischwunde in der Seite verursacht hatte. Nur die Heftigkeit, womit der Knopf der Parirstange die Brust getroffen, hatte den Lüttche augenblicklich betäubt.
Die Männer hoben den Verwundeten auf einen Stuhl und verbanden denselben so gut, als es die Umstände gestatteten. Nach wenigen Augenblicken sah der Schulte, baß die Besinnung zurückkehrte