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| Montag, den 8. Oktober 1883.

Fuldaer Jeitung.

Die",Fuldaers Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld- 1 Mk. SO.Pfg., -'minder 6 belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' m Fulda 1 Mk. <0 Pfg-' Auswärts 1 M. 75 Pfg.

Inserate: Die viersvaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; der Wiederholungen entsprechender Rabatt.

* Gesunde Konkurrenz oder lieber« Produktion?

Aus der ,Rheinisch-Hessischen Correspondenz.') In Nr. VI. des laufenden Jahrganges der ,K a' tholischen Bewegung' findet sich ein Aufsatz milder Ueberschrist: „Ueberpr oduktion ka­tholischer Zeitungen". Der Verfasser des­selben scheint von der Unumstößlichkeit seiner Be­hauptungen und dem Werthe der ganzen Arbeit so sehr durchdrungen zu sein, daß er ihr eine all­gemeine Verbreitung geben zu müssen geglaubt hat. Der Artikel ist in einem Separatabdruck an alle katholischen Redaktionen und auch sonstwie an ausgewählte katholische • Parteigenossen versandt worden, um für die darin ausgesprochenen Tenden­zen Stimmung zu machen. Wir bezweifeln sehr, daß dieser Zweck durch das uns vorliegende Ela­borat erreicht wird. Dasselbe strotzt von falschen Unterstellungen und irrigen Behauptungen, wie wir in Folgendem an einigen Beispielen zu zeigen gedenken.

Wir sind mit dem Verfasser darin gewiß ein­verstanden, daß die katholische Presse in Deutsch­land einen schweren Stand hat, und zwar nicht zum wenigsten deshalb, weil es ihr vielfach an den nöthigen Mitteln fehlt, um sich gegenüber der auf alle mögliche Weise subventionirten gegnerischen Presse konkurrenzfähig zu erhalten. Auch der Satz, daß jedem katholischen Blatt der Boden, in dem es wurzeln und gedeihen kann, unbestritten belassen bleiben muß, ist gewiß richtig und hat unsere volle Zustimmung. Wenn daher an einem Ort oder in einer Gegend, wo ein katholisches Blatt „nur mühsam um seine Existenz kämpft", ein neues Unternehmen dem früheren Konkurrenz be­reitet, so verdient dies gewiß den stärksten Tadel, und kein wahrer Parteifreund wird ein solches Unterfangen billigen können. Der Fehler des Ver­fassers beruht nun hauptsächlich darin, daß er diese Unterstellung ohne Weiteres auf konkrete Fälle überträgt. Der ganze Artikel ist geradezu auf die be­kannten Verhältnisse in Köln, Aachen und Bonn zuge­stutzt, und scheint auch die Propaganda für denselben nicht so sehr von Bornheim bei Sachsenhausen als viel­

mehr von einer der genannten drei Städte auszugehen. Wir gaben dem Verfasser zu Anfang Recht für den von ihm grundsätzlich aufgestellten Fall, wo „ein Blatt nur mühsam um seine Existenz kämpft." In Köln, Aachen und Bonn war und ist dies nicht der Fall, und obwohl wir die Jahresbilanz der betreffenden Blätter nicht kennen, glauben wir doch mit ruhigem Gewissen die Behauptung auf­stellen zu dürfen: die Herren Bachem, Hauptmann und Kaatzer werden sich gewiß eines Lächelns nicht erwehren können, wenn sie sehen, wie man in wohlmeinender Absicht ihre Blätter zu denen zählt, welche „nur mühsam um ihre Existenz kämpfen."

Es liegt uns aber durchaus fern, schon deshalb, weil die .Köln. Volksztg.', das .Echo der Gegen­wart' und die .Deutsche Reichsztg.' anerkannt gute Geschäfte machen und sich einer fortgesetzt blüh­enden Weiterentwickelung erfreuen, die Gründung von katholischen Konkurrenzblättern rechtfertigen zu wollen. Pekuniär gut fituirte Blätter sind für die Partei und die gute Sache ein wahrer Segen, insbesondere auch, weil sie in der Lage sind, sich tüchtige Mitarbeiter und eine der gegnerischen Presse ebenbürtige Promptheit der Berichterstattung und des Nachrichtendienstes zu sichern.

Solche Blätter haben aber natürlicher Weise einen relativ hohen Abonnementspreis und sind daher nicht allen Kreisen der katholischen Bevölkerung zugäng­lich. Nun hat aber unsere Sache grade eine Haupt­stütze in dem eigentlichen Volk, in den weniger be­mittelten Klaffen, welche, nicht im Stande, ein größeres und namentlich ein zweimal täglich er­scheinendes Blatt zu hallen, doch auch nicht ohne paffende geistige Anregung und politische Belehr­ung gelassen werden können. Man findet aber leider in vielen Städten die traurige Erscheinung, daß diese Leute in ihrem Lesebedürfniß oft nach kleinen billigen „farblosen" Blättchen greifen, welche für wenige Groschen zu haben sind und ihren pekuniären Halt im Annoncenwesen suchen. Diese Blätter, welche als „Generalanzeiger", „Anzeiger" und unter ähnlichen Titeln in allen größeren Städten epftiren, befleißigen sich allerdings aus Geschäftsintereffe der politischen Farblosigkeit, die­

nen dabei aber oft genug der städischen Klatsch* und Skandalsucht und laffen es auch sonst an pikanten, skandalösen und den Leidenschaften schmei­chelnden Nachrichten und Erzählungen nicht fehlen. Wenn für den weniger bemittelten Bürgerstand und auch für die Arbeiterfamilien an die Stelle dieser meist für harmlos gehaltenen, aber deshalb um so gefährlicheren „farblosen" Lektüre ein bil­liges auf streng katholischem Standpunkt stehendes Volksblatt tritt und sich in denjenigen Kreisen ein« bürgert, welche den hohen Preis einer größeren Zeitung nicht oder nur schwer erschwingen können, so ist dies für die katholische Sache gewiß nur ein Gewinn.

Das vorhin allgemein Gesagte trifft aber in den Städten, auf welche jener Artikel exemplisizirt, vollständig zu, und hat der Verfasser dies auch im Grunde genommen selbst zugegeben, indem er bei­spielsweise von der ,Bonner Volksztg.' behauptet, sie habe ihrer größeren Billigkeit wegen in der ärmeren Klasse einen Leserkreis gefunden.

Bei alledem läßt es sich natürlich nicht ver­meiden, daß den größeren Blättern eine Zahl von Abonnenten zu Gunsten des kleineren Blattes ver­loren geht, ein Verlust, der ihre Existenz in keiner Weise in Frage stellen kann. Es hat auch in ge­wissen Städten Fälle gegeben, wo die Gründung eines zweiten katholischen Blattes nicht nur un- nöhig, sondern auch schädlich war, aber wie der beregte Artikel selbst hervorhebt, sind alle diese Unkrautpflanzen von selbst wieder eingegangen, weil der gesunde Sinn des Volkes ihre Schädlichkeit schnell erkannt und gewürdigt hat.

Der geneigte Leser sieht, daß wir mit dem Ver­fasser der Konkurrenzschrift jede Konkurrenz gegen ein nur „mühsam um seine Existenz kämpfendes Blatt" lebhaft perhorresciren, aber dabei nicht wie er, das Kind mit dem Bade ausschütten und einer Art von Zeitungsmonopol das Wort reden.

Der jeweilige Entstehungsgrund einzelner Kon­kurrenzblätter kommt gar nicht in Frage, wenn nur die bisher erörterte Grundbedingung erfüllt ist, daß sie nämlich die Existenz und das Gedeihen anderer Blätter nicht in Frage stellen, und, was

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Der Erbe.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

XI.

Doch wehe, wehe, wer verstohlen Des Mordes schwere Thal vollbracht! Wir heften uns an seine Sohlen, Das furchtbare Geschlecht der Nacht.

F. v. Schiller.

Der Herbst hatte seine letzten schönen Tage ge­spendet. Der feuchte Wind trieb die Wolken am Himmel einher und jagte die falben Blätter über die Fluren. Die Haide lag öde und stille; nur der Wald hatte noch sein Kleid bewahrt; oder wo sonst die Sonnenstrahlen das frische Grün beschienen, beleuchteten sie jetzt die buntfarbigen Blätter, die vom leisesten Windstoße zur Erde geworfen wurden.

Der Tag begann sich zu neigen. Auf einem einsamen Waldpfade schritt ein Wanderer rüstig einher. Eine dunkelgraue Filzoppe und bis über das Knie reichende Gamaschen ließen den kräftigen Körperbau erkennen; eine Mütze von Fuchspelz be­deckte das ergraute Haupt. Obwohl bei Jahren, schien er den wuchtigen Knotenstock mehr aus Ge­wohnheit als zur Stütze in seiner Rechten zu tragen. @6 war der Schulte Optenholt. An einer kleinen Biegung des Weges machte er Halt; das scheidende Tageslicht ließ den Pfad noch eben erkennen. Un» -rächtet der einbrechenden Dunkelheit verließ er denselben, bog in das Dickicht ein und schritt mit

einer Sicherheit, als ob er sich auf ebenem Wege befände, durch das Gestrüpp. Nach Verlauf von fünf Minuten blieb er stehen und lauschte; Nichts rührte sich. Geräuschlos schritt er vorwärts, bis er sich einem dunklen niedrigen Gegenstand näherte, der am Rande einer kleinen Lichtung stand.

Er befand sich an der Hintern Wand der Wald- Hütte, welche sich an den Stamm einer riesigen Eiche anlehnte. Vier schlanke Buchenstämme bil­deten das Gerippe derselben; Dach und Wände waren von Eichenborken hergestellt. Der Gras hatte die Hütte errichten lassen, um bei ungünstiger Wit­terung Schutz zu gewähren oder bei Jagdpartien als Rendez-vous zu dienen. Ein kunstloser Tisch und Stühle aus knorrigem Holz bildeten die ganze Einrichtung. Eine Thür aus Weidengeflecht ohne Schloß schützte den Eingang.

Ohne Geräusch war der Schulte bis zur Hütte vorgeschlichen und legte sein Ohr an die Ritzen. Als er sich überzeugt hatte, daß noch Niemand in der Hütte sich befand, umging er dieselbe und lehnte sich dann in die durch Stamm und Hütte gebil­dete Nische.

Für den redlichen Landmann war der heutige Gang wohl der schwerste, den er in seinem Leben gemacht hatte. Schwierigkeiten und Hindernisse, die auf geradem Wege und durch Thatkrast über­wunden werden konnten, fürchtete er nicht; aber durch Schliche und Hinterlist zum Ziele zu gelan­gen, dagegen sträubte sich sein aufrichtiger Sinn.

Nur nach langer Ueberlegung hatte er sich über winden können, diesen Schritt zu thun.

Der schiele Lüttche hatte das Versprechen, wel­ches er am Berndstaze gegeben, bald wahr gemacht und den Schulte besucht. Ein recht lebendiger Ver­kehr hatte sich zwischen den beiden Männern ent­wickelt. — Wie geschickt indessen der Schulte auch operirt hatte, so kam er doch zu keinem Ziele; er fühlte bald, daß er es mit einem gewandten Geg­ner zu thun hatte. Wenn er auch manchmal glaubte, fein Ziel erreichen zu können, so mußte er wieder ablenken, um durch keine Unvorsichtigkeit den schlauen Fuchs aufmerksam zu machen. So war die kost­bare Zeit verstrichen und der Tag nach Martini angebrochen. Eine nicht zu unterdrückende Auf­regung bemächtigte sich des sonst so ruhigen Man­nes. Endlich war fein Entschluß gefaßt. Nach dem Mittagstische trat er zum Ausgehen gerüstet in die Küche und theilte seiner Frau ruhig mit, daß er einen Ausgang zu machen habe.

„Du kommst doch bei Zeiten zurück, Vater?" erwiderte diese.

„Es mag wohl etwas spät werden," bemerkte er; „Franz wird mir entgegen kommen."

„Dann ist es gut; Adieu Derick."

Franz war das treue Ebenbild seines Vaters, fleißig, redlich und verschwiegen, ein echtes Kind der rothen Erde. Der Schulte durfte sich in allen Stücken auf ihn verlassen und hatte ihn mit den nöthigen Weisungen versehen.