Einzelbild herunterladen
 

Beiblatt zu Nr. 229 der ,Fuldaer Zeitung'.

Sonnabend, den 6. October 1883.

Vermischtes.

(VorsichtmitPetroleu m.) Das dunkele Halbjahr rückt immer näher. Da scheint es nicht überflüssig, daran zu erinnern, das mit Petroleum­lampen , um ihre Feuersgefahr zu mindern, be­sondere Vorsicht anzumenden ist. Namentlich dürfen sich in dem Brenner nicht abgelöste Docht- schnuppen ansammeln, weil diese bekanntlich leicht Feuer fangen und, wenn das nicht ^rechtzeitig ge­löscht wird, denselben zum Glühen bringen, den Inhalt des Oelbehälters entzünden und ihn sprengen. Gründliche Reinigung der Lampe, womöglich durch einen Klempner, ist rathsam, ebenso Einziehung eines neuen Dochtes. Sicherer ist es stets, die Flamme nicht, wie es meistens geschieht, von oben, sondern von unten auszublasen. Je besser gereinigt die Flüssigkeit, je weniger feuergefährlich ist sie. Die unvollkommene Reinigung kennzeichnet sich durch stechenden Geruch. Das Publikum könnte und sollte in dieser Richtung eine wirksame Polizei üben, indem es sehr stark riechendes Petroleum nicht kauft, auch wenn es wohlfeiler ist.

.** (Die Affaire Possart Ramlo in München) ist dadurch in ein neues Stadium getreten, daß der geschiedene Gatte der Frau Ranilo, Herr Ludwig Schneegans, Herrn Possart kategorisch erklären ließ, daß, wenn der Letztere binnen 8 Tagen nicht seine Entlassung bei der Münchener Hofbühne einreiche, er ihm dazu eine weitere Frist von 8 Tagen geben und dann gegen ihn und Frau Ramlo Strafantrag wegen Ehebruch stellen werde. Die erste Frist ist, wie das .Vaterl/ meldet, argelaufen.

*** (Schneller Bartwuchs.) Der Kapitän eines Kavallerieregiments (Aeomanry) in den Midlands, der selbst ein alter Haudegen war, ärgerte sich gewaltig über die jugendlichen und unsoldatischen Gesichter seiner Truppen, in der sich auch nicht ein anständiger Schnurrbart vorfand. Die jährlichen Hebungen, die vierzehn Tage dauern, waren vorbei, und wie üblich wurde ein General aus Aldershot erwartet, welcher die Truppen m- spiziren sollte. Der Kapitän wünschte nichts sehn­licher, als daß seine Kavalleristen auf den grau­bärtigen alten Pulverfresser, der seine Sporen in der Krim verdient hatte, guten Eindruck machen sollten. Frühmorgens am Tage der Inspektion erhielt jeder Soldat den Befehl, sich in den Laden eines Haarkünstlers zu begeben, den ihnen der Kapitän bezeichnete, und nach einigen Augenblicken kamen die vorher bartlosen jungen Bauernsöhne mit Schnurrbärten heraus, welche einem Veteranen alle Ehre gemacht haben würden. Auf der Pa­rade machten die Leute einen großartigen <An- druck; so vollständig war die Täuschung, daß der alte Graubart aus Aldershot sich speziell an den Kapitän wandte und ihm zu den martialisch aussehenden Kavalleristen gratulirte, was die Truppen augenscheinlich gewaltig belustigte.

*** (Eine grüne Sonne.) An mehreren Orten in den Präsidentschaften Bombay und Madras ist, wie der .Times' aus Kalkutta gemeldet wird, ein.merkwürdiges Phänomen beobachtet worden, das großes Interesse, vermischt mit nicht wenig Bestürzung unter den Abergläubigen, hervorge­rufen hat. Durch einige Tage zeigte die Sonne ganz deutlich eine grüne Farbe. Es sind mehrere Erklärungen dieser Erscheinung aufgestellt worden, von denen jene des Regierungsastronomen die plausibelste ist, der dieselbe dem Vorüberziehen von mit Schwefeldämpfen geschwängerten Wolken von den Vulkanen auf Java zuschreibt.

*** (Eine „Diamanten-Königin".) Eine Dame aus Philadelphia figurirte jüngst in dem Grand Union Hotel in Saratoga als die „Dia­mantenkönigin". Bei einem in dem Hotel veran­stalteten Gartenfest trug sie Diamanten im Werthe von 105,000 Dollars und Spitzen, die einen Werth von -30,000 Dollars repräsentiren. Zwei Geheimpolizisten in Salontoilette folgten der Dame auf Schritt und Tritt, um sie gegen Diebe zu schützen.

(Anti-Korsettverein.) In Mülheim a. Rh. hat sich eine Gesellschaft unter dem Na­

men „Anti-Korsettverein" gebildet, deren Mitglie­der darauf hinwirken sollen, daß ihre resp. Damen das durch die Mode veranlaßte enge Schnüren durch Korsetts in Rücksicht der hierdurch entstehen­den Folgen unterlassen. Einem schönen, natur­gemäßen Wüchse wird jeder Mann mit Recht den Vorzug geben, aber nicht einer künstlich hervorge­zauberten „Taille".

**» (Der Gipfel der Reklame.) In Chi­cago lief letzlhin ein anscheinend im Zustande äußerster Verzweiflung befindlich»!: Mensch über den sehr belebten Strand dem Michigansee zu und stürzte sich hinein. Alles strömt entsetzt zusammen; während aber einige Entschlossene sich anschickten, den Selbstmörder zu retten, taucht derselbe kunst­gerecht empor, streckt der erstaunten Menge ein auf Leinwand gedrucktes Plakat entgegen, welches er an seinem Leibe verborgen halte, und schreit mit Stentorstimme: „Patentstiefelwichse! Nur echt Long- ftreet Nr. 5 bei Smith u. Cornp."

(3n eigener Schlinge gefangen.) Amtsrichter: „Sie behaupten also, Herr Müller, daß Herr Volkmann Sie einen Betrüger genannt hat. Herr Volkmann, was haben Sie darauf zu erwidern?" — Angeklagter: „Herr Amtsrichter, ich war etwas sehr bezecht — und — Sie wis- fen ja — da sagt man dann allerlei, was man eigentlich nicht so meint — —" - Müller (ein­fallend): „Nichts da weiß ich b.sser. Jin Rausch sagt man die Wahrheit!" — Amtsrichter: „Nachdem Sie selbst, Herr Müller, bezeugt haben, der Angeklagte habe die Wahrheit gesagt, wird Ihre Klage gegenstandslos."

(DieMacht der Gewohnheit.) Hans: „He Jörge, wo willst Du denn hin, Du hast Dich ja in Dein Sonntagsgewand gesteckt." — Jörge: „Ich muß hinein auf's Gericht, da hab' ich en Termin." — Hans: „Aber sag' mir nur, wozu brauchst Du denn da den Schubkarren?" — Jörge: „Nu, 'S is nur, daß mer was in der Hand hat."

*** (Ein sinniges Präsent.) Haarkünstler (zur Köchin): Sie haben heute Ihren Namenstag, mein Frsiuletn, und da ich schon eine so geraume Zeit täglich bei Ihnen speise, hielt ich es für meine Pflicht, Ihnen durch diese Kleinigkeit, von mir selbst gepflochten, einen Beweis meiner beson­deren Verehrung zu geben. Köchin: O, das ist allerliebst — ach, hätte ich das ahnen können, so hätten Sie mir das Blümerl von meinem eigenen Haar machen müssen. Haarkünstler: Beruhigen Sie sich, es sind Ihre eigenen, denn ich habe feit einem halben Jahre alle Haare gesammelt, die ich in der Suppe und den anderen Speisen fand.

**, (Vom medizinischen Examen.) Pro­fessor: „Herr Kandidat, was halten Sie für das beste Mittel, um z. B. einen durch maßlosen Ge­nuß geistiger Getränke besinnungslos gewordenen Kollegen schnell wieder zu sich zu bringen?" — Kandidat: „Ihm ins Ohr schreien, daß ihn der Geldbriefträger sucht."

(Unsere Kinder.) „Du, Mama", sagt die siebenjährige Else, „da schwör' ich Dir aber 'nen Eid d'rauf, wenn heute die Damen zu Dir kommen — wer mich duzt, wird ohne Gnad' und Barmherzigkeit wieder geduzt. Ich muß ’nmal ein Exempel ftatuiren".

(Merkwürdig!) Als in Kömer's Drama Hedwig am Schluffe den Räuber Rudolph er­schießt und dieser fällt, schrie einer der Zuhörer laut auf: „Ach, das ist stark!" — Man fragte ihn, worüber er so erstaunt sei? Er antwortete: „Ich verwundere mich, daß das Mädchen so gut schießen kann, jetzt seh' ich das Stück schon sieben Mal und nicht ein einziges Mal hat sie den Kerl noch gefehlt."

*** (Gegen die Traurigkeit.) Tourist: „Guten Morgen liebes Kind. Dich hat wohl Dein Schatz schon ordentlich abgeküßt, weil Du so lustig bist?" — Milchmädchen: „Macht denn das Küssen lustig?" — Tourist: „Gewiß, ein Kuß von einem Manne macht luftig!" — Milchmädchen: „Ach, lieber Herr, bann küssen Sie doch meinen Esel, der ist immer so traurig."

•*• (Kellner-Mimik.) „Vor Allem", in« ftruirte der Wirth seinen neuen Kellnerjungen, „schreien Sie nicht durch den ganz n Saal, wenn Sie einem Gast etwas zu melden haben!" Nach einer Weile sieht der Restaurateur zu feinem Ent­setzen den Kellner am Buffet stehend, den Kopf schütteln und dabei einem Gast die Zunge in ihrer vollen Länge ausstrecken. „Was fällt Ihnen denn ein, M nsch? Sind Sie verrückt?" ruft wüthend der Gastwirth. „Bewahre! Ich wollte bloß dem Herrn dahinten, wo ich nicht durchkommen kann, mittheilen: Kalbszunge is nicht mehr!"

.".(Reflexionen eines jungen Philo­sophen.) Da liest man immer: „Der oder jener war das Kind armer, aber ehelicher Leute." — Das versteht sich doch von selbst; denn eben weil sie ehrlich waren, sind sie arm geblieben; nie habe ich aber gelesen: „Er war das Kmd reicher, aber ehrlicher Eltern", - und da wäre es doch wohl nolhwendiger, denn da versteht es sich nicht immer von selbst.

Verzeichnis der Beiträge ans den Pfarreien der Diözese Fulda

__vom 1. April bis 30. September d. I.

II. Für die auswärtigen Missionen:

I.

Für den hl. Vater:

Die Mitglieder

M. Pf. des

Uebertrag: Bieber

M. Pf.

602 23

Bisch. G. V-cariats 72 50

8 —

Dompf. Fulda

68 57

Bockenheim

28 50

Pennal Amänrdnrg.

Per. Hilden.

Marburg

9 —

Wüstensachsen

10-

Ruhlkirchen

25 —

Batten

3 —

Allendorf 18 92

Anzefahr 12 31

Der. Eiterfeld.

Der. Hünfeld.

Hünfeld Großenbach

65 —

18 —

Haselstern

4 96

Mackenzell

13 —

Roßdorf

50 —

Marbach

4 —

Oberufhausen

10 —

Michelsrombach

3 —

Pu. Geisa.

Per. Kaffe!.

Geisa

24 10

Kassel

44 —

Buttlar

10 —

Rotenburg

30 -

Barsch

70 —

Eschwege

3 —

Geismar

Kranlucken

4 —

32 30

Per. Zahaaniaberg.

Der. Heimbach

Johannesberg Petersberg

24 —

15 —

Großenlüder

12 —

Schwarzbach

30 60

Bimbach Blankenau Kämmerzell Salzschlirf

Per. iauau.

20 — 18 45

4 90

8 67

Per. Pk-h-f.

Rückers Utrichshausen

Per. Srb.

Orb

20 72

13 04

12 50

Gelnhausen

1155

Aufenau

8 —

Somborn

115 —

Oberndorf

3-

Summa:

602 23 |

Summa: 958 59

III. Für den Verein der hl. Kindheit:

Dompfarrei

M. Pf.

3 —

Uebertrag:

M. Pf. 140 20

Per. Amöneburg.

Amöneburg 26 —

Marburg 6 90

Mardorf 2 —

Ruhlkirchen 4 50

Allendorf 4 —

Per. Eiterfeld.

Oberufhausen 10 —

Der. Geisa.

Borsch 14 —

Per. Heimbach.

Großenlüder 17 50

Bimbach 40 —

Kämmerzell 130

Per. tzanan.

Gelnhausen 11 —

«omborn 301 —

Großauheim 3 34

Bockenheim 25 —

Per. Hilden.

Batten 4 _

Wüstensachsen 40 30

Per. Kaffe!.

Rotenburg 20 —

Per. Zahaunesberg.

Johannesberg 9 —

Petersberg 15 —

Per. «rb.

Orb 12 55

Aufenau 8 —

Oberndorf 21 —

Lettgenbrunn 6 —

Summa:

140 20

Summa:

605 39

M. Pf.

M. Pf.

Per. Amöneburg.

Uebertrag: 301 79

Amöneburg 15 —

Per. Hanau.

Allendorf 4 —

Somborn 5 _

Anzefahr 9 81

Bockenheim 15 7g

Per. Eiterfeld.

Per. Hilden.

Großentaft 22 —

Batten 1 io

Oberufhausen 30 —

Per. Geisa.

Schleida 64 75

Wüstensachsen 2 50

Schmalnau 40 —

Per. Kaffe!.

Rotenburg 14 —

Per. Heimbach.

Per. Nenbaf.

Großenlüder 109 33

Rückers 3 —

Kämmerzell 3 20

Per. Zohaunnderg.

Bimbach 43 70

Johannisberg 8 50

Summa: 301 79

Summa: 39159