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Fuldaer

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Deutsches Reich.

Fulda, 3. October. ^*(Die vatikanischen Luther-Dokumente.) In der Presse ist schon viel die Rede gewesen von einer Sammlung von Dokumenten betreffend Luther und die Reformation, welche von dem bis­herigen Unterarchivar des Vatikanischen Archivs, Msgr. Balan, aus den hier und in der Biblio­thek des Vatikans aufbewahrten literarischen Schätzen zusammengestellt sind und demnächst im Pu st ra­schen Verlage in Regens urg erscheinen werden. In protestantischen Kreisen scheint man mit einer Alt ängstlicher Gespanntheit dieser Publi­kation entgegenzusehen. Die .Germania' bringt über das Werk folgende vorläufige Mittheilungen:

Die uns vorliegenden 304 Seiten bringen in sehr vor­nehmer Ausstattung nicht weniger als 131 auf Luther und die Reformation bezügliche Dokumente, und zwar 128 allein aus dem kurzen Zeiträume vom 8. Juli 1520 bis 27. Oktober 1521. Das letzte Schriftstück ist vom 10. September 1523 datirt. Sämmtliche Dokumente sind, mit einer Ausnahme, so weit ich sehe, dem vatikanischen Ar­chive entnommen, und von dem Herausgeber beinahe ohne jede erklärende Rote oder Zwischenbemerkung aus den ihm vorliegenden Originalen oder beglaubigten Copien mit der einen oder andern Ausnahme vollständig und mit diplomatischer Treue reproduzirt worden. Näheres über Auswahl und Wiedergabe der betreffenden Schriftstücke wird also wohl das Vorwort besagen. Nach einer kurzen Notiz gilt das gleich von dem ersten mitgetheilten Akten­stück, dem Schreiben Leo's X. d d. VIII. Julii 1520 an den Kurfürsten Friedrich von Sachsen, das auch in den Ausgaben von Luther's Werken, aber ganz abweichend (omuino diversam) von jenem, wiedergegeben ist. S. 120 ist ein zweites Dokument, Karl's V. Brief an Luther vom 11. März 1521, nützet heilt, der wiederum nicht wenig j von dem in Luthers Werken veröffentlichten Briefe sich unterscheidet. Zwei andere Aktenstücke wurden von Pal- lavicini in seiner Geschichte des Konzils von Trient frei benützt, während drei weitere von Lämmer in seinen Mon. Vatic. aber nicht ganz korrekt bereits veröffentlicht sind. Alle übrigen Dokumente waren bisher ungedruckt.

Unter denselben finden sich zunächst 13 Schreiben von Papst Leo X. und zwar vier an Kaiser Karl den V., je eins an dessen Beichtvater, an die Nuntien in Deutschland, an die Kurfürsten des Reiches, an den Kurfürsten von Sachsen, und denjenigen von Brandenburg, an die deut- i scheu Fürsten, an den Markgrasen von Antwerpen, an ■ einen Bischof und an einen Unbekannten; desgleichen von Papst Adrian VI. an den Erzherzog Ferdinand von

D e r E r b e. 38

Original-Novelle von Wilhelm van Linn.

Der Schulte begab sich zu einem andern Tische, wo einige ihm bekannte Hofbesitzer Platz genommen hatten; er setzte sich jedoch so, daß er die Spieler im Auge hatte. Der Mann für den der Schulte sich plötzlich so lebhaft interessirte, hatte eine hagere, eckige Gestalt; dichtes brandiothes Haar begrenzte die niedrige Stirne. Das bewegliche rechte Auge, woraus in erregten Augenblicken ein tückischer Strahl hervorschöß, ließ einen entschlossenen Cha­rakter erkennen. Das schielende linke saß wie an- gewachien in seiner Höhlung.

Bernhard Lüttche, nach der Ausdruckweise der Gegend Lüttche Bernd oder der schiele Lüttche ge­nannt, war fiit langen Jahren in Vehlen ansässig. Einige Jahre lang war er Schreiber, Verkäufer und Packknecht in einer Person bei einem kleinen Kaufmann eines Nachbarortes gewesen. Mancher­lei Gerüchte waren unter den Leuten über seinen plötzlichen Austritt im Umlauf ; Niemand aber wußte etwas Bestimmtes. Kurze Zeit darauf etablirte er ein eigenes Geschäft. Es würde nun schwergehal­ten haben, zu bestimmen, worin dasselbe bestand; er betrieb Alles, womit Geld zu verdienen war. Er vermittelte Kaufgeschäfte, bandelte mit altem Gold und Silber, war Gesindevermiether und Bote für die umliegt üben Adligen und Hofbesitzer, fer­tigte schriftliche Arbeiten an und war selbst juristischer Beistand für manchen unwissenden Landmann.

Oesterreich; ferner fünf Briefe Karl's V., und zwar je einer an die Kurfürsten und Fürsten, an den Kurfürsten von Sachsen, an den kaiserlichen Staatsrath, an die Uni­versität Wien und an Luther; sodann ein Brief Heinrich's VIII. von England an den Erzbischof von Mainz, des Königs von Portugal an den Erzbischof von Köln und des Königs Gustav von Schweden an Adrian VI.; weiter­hin Informationen für die Nuntien in Deutschland, zwei Berichte über die in Utrecht und Lüttich stattgefundene Publikation der Bannbulle, ein offiizieller Bericht über Luther's Auftreten zu Worms, die Sentenz des Kurfürsten von Brandenburg in Betreff Luthers, Rathschläge der Fürsten an den Kaiser u. s. w. Den Grundstock der bis jetzt vorliegenden Dokumente bildet aber die offizielle Korrespondenz des damaligen Nuntius Ale and er mit dem römischen Staatssekretär, dem Vicekanzler Julius de Medicis, dem nachherigen Papste Clemens VII. Von letzerem finden wir 28, von Aleand er 43 Briefe an jenen migetheilt, daneben 7 weitere' Briefe von Aleander an verschiedene hochstehende Personen in Deutschland.

Schon aus dieser kurzen Aufzählung der bis jetzt uns vorliegenden Dokumente wird der kundige Leser ersehen, daß Balan's Publikation von außerg ewö hnliche r Be­deutung ist und die Beachtung nicht bloß der Historiker von Fach, sondern auch der gebildeten Kreise überhaupt in höchstem Maße beanspruchen darf, sofern ihnen an einem allseitig klaren und gerechten Urtheil über eine der folgenschwersten Perioden in der Geschichte unseres Vater­landes gelegen ist.

* (lieber die Verhaftung des römischen Korrespondenten Schumann) wird der.Ger­mania' aus Rom, 28. Sept., geschrieben:

Der Polizeibericht der heutigen Morgenblätter enthält die Nachricht, daß ein Herr Schumann, Korrespondent deutscher Zeitungen, gestern in Folge gerichtlichen Haftbe­fehls festgenommen worden sei unter der Anschuldigung, bei Anmeldung eines ihm kürzlich geborenen Töchterleins auf dem hiesigen Siandesainte sich eines -falschen F« miliennamens bedient zu haben. Im ersten Moment wußten die Meisten nicht, um wen es sich handle, denn ein Individuum Namens „Schumann" war weder bei den hiesigen Zeitungs-Redaktionen, noch unter den Korrespon­denten auswärtiger Blätter bekannt. Bald aber erfithr man, daß der Verhaftete identisch sei mit dem preußisch- offiziösen Journalisten, der seit dem vorigen Jahre hier sich als „Kommandeur v.Valgreen", ehemaliger preußischer Gardeofsizier, eingeführt hatte, Mitarbeiter mehrerer hiesiger Blätter von durchaus verschiedener Farbe, wie .Gazzetta d'Italia', ,Diritto', ,Rassegna', .Riforma', ,Stampa', ,Capitale,' »Journal de Rome' gewesen war und ein Korrespondenzbureau für deutsche Zeitungen gegründet hatte, von welchem unter anderen der »Hamburger Korrespondent', die »Kreuzzeitung', die Augs­burger Postzeitung', und die »Schlesische Zeitung'

Tas Geschäft mußte recht einträglich fein, denn nach einigen Jahren kaufte er sich ein nettes Häuschen. Ungeachtet seines wenig empfehlenden Aeußern würde es ihm nicht schwer gefallen sein, ein Weibchen heim­zuführen. Gott Amor schien indeffen für ihn eine unbekannte Persönlichkeit zu fein; dagegen stand Bachus bei ihm in großer Gunst. Wenn er auch in den ersten Jahren eine wenig beachtete Persön­lichkeit war, so änderte sich das später, besonders seit der Zeit, wo er ständiger Gast im goldenen Drachen geworden war. Er galt allgemein als ein wohlhabender Mann, welche Annahme auch gerecht­fertigt schien, da er seit manchen Jahren alle müh­samen Geschäfte vermied. Selbst der Drachenwirth hatte das lange gehegte Mißtrauen gegen ihn ab­gelegt ; wenn er auch manchmal mit der Berichti­gung seiner Rechnung etwas im Rückstände blieb, so zahlte er unerwartet den Betrag derselben in vollwichtigen Dukaten oder Karolinen aus.

Dem offenen, redlichen Sinn des Schulte war der Mann immer unsympathisch gewesen, und er hatte bei feiner jedesmaligen Einkehr im goldenen Drachen nur so viel mit ihm verkehrt, als die ge­wöhnliche Höflichkeit erforderte. Er zweifelte nicht, daß feine heutige freundliche Annäherung das Ziel, welches er im Äuge hatte, fördern werde. Obgleich er recht eifrig sich an dem Gespräche seiner Nach­barn betheiligte, so beobachtete er doch unausgesetzt , die Spieler.

Der Partner des Schielenden war dem Schulte I

ihre Informationen Über hiesige Verhältniffe und speciell über die kirchenpolitischen Unterhandlungen bezogen. Ich hatte wiederholt Veranlassung, den Lesern der »Germania' Mittheilungen über diesen Herrn zu machen, den ich An­fangs für ein Konsortium hielt, weil die Berichte desselben zwar die gleiche Inspiration zeigten, aber in der Form und dem Jdeengang unter einander verschieden waren, je nach der Tendenz des Blattes, an welches sie gerichtet waren. Die Herren v. Schlözer und v. Rothenhan zeigten dem Herrn v. Valgreen großes Vertrauen und Entgegenkommen und auf ihre Empfehlung wurde er von hohen kirchlichen Würdenträgern empfangen, die jedoch alsbald erkannten, daß es mit dem Kunden nicht so ganz seine Richtigkeit habe, und jeden weiteren Verkehr mit ihm ab brachen. Er aber schwadro- nirte beständig von dem Vertrauen, welches ihm der Kar­dinal Jacobini, der Substitut des Staatssekretariates und andere hochgestellte Personen schenkten und von dem Antheil, den er an den kirchenpolitschen Unterhandlungen habe. Eines Tages hatte er sogar die Frechheit, im Redaktionsbureau des ,Moniteur de Rome' zu erscheinen, um einen der Redakteure zum Duell herauszufordern, weil dieses Blatt den von ihm bedienten .Hamburger Korrespondenten' un­sanft angefaßt hatte. Mit seiner Forderung abgewiesen, drohte er mit einer gerichtlichen Klage, die er auch an­hängig zu machen sich erdreistete, dann aber gleich wieder zurückzog. Nun stellt es sich heraus, daß dieser dunkle Ehrenmann vor 6 bis 7 Jahren sich in Neapel unter dem Namen Schumann aufgehalten und dort wegen Verfüh­rung einer Minderjährigen zu einer zweijäh­rigen Gefängnißstrafe verurtheilt worden war, der er sich durch die Flucht entzogen hatte. Später lebte er in Venedig, wo er dem Polizeidirektor als Spion Dienste leistete. Als die hiesigen Zeitungsredaktionen erfuhren, daß er in Blättern von ganz entgegengesetzter Farbe Be­richte veröffentlichte, die unter einander in grellstem Wider­spruch standen, und was er auf der einen Seite erfuhr, auf der andern Seite ausnutzte, da gaben sie ihm den Laufpätz. Jetzt endlich Hai ihn- das Verhängniß ereilt. Bei seiner Verhaftung leugnete er anfänglich, daß er mit dem verurtheilten Schumann identisch sei. Nachdem aber bei der in seiner Wohnung vorgenommenen Haussuchung alle seine Papiere in Beschlag genommen worden waren, mußte er gestehen. Das Verbrechen der Fälschung des Civilstandsregisters wird vom italienischen Gesetz mit fünf- I bis zehnjähriger Gefängnißstrafe bedroht. Herr Schumann von Valgreen und der Chefredakteur des ,Journal de Rome', Herr des Houx, der auch einen falschen Namen führt, sind ein „edles Paar von Brüdern". Letzterer ist kürzlich mit Hinterlaffung bedeutender Schulden flüchtig ge­worden, Frau und Kind hier in Noth und Elend zu- rücklaffend.

* (Die Westfälische Handwerkerver­sammlung.) Am Sonntag Nachmittag fand zu

unbekannt; die beiden Anderen waren zwei Bauern der Nachbarschaft, die in dem Gerüche standen, etwas leichtsinnig zu wirthschaften. Es wurde hoch gespielt und der Schulte merkte bald, daß zwischen den Ersteren ein geheimes Einverständnis; bestand, die Bauern auszuplündern. Die sich auf ihrer Seite mehrenden Geldstücke bewiesen, daß sie das Geschäft verstanden. Bald wurde es laut an dem Tische; die eine Partei beschuldigte die andere des falschen Spieles. Der Lärm schien in einen hef­tigen Zank aus arten zu wollen, als der Wirth sich in's Mittel legte und den Streit schlichtete. Die beiden Gauner strichen ihren Gewinn ein und die Geprellten zogen grollend ab.

Die Gaststube hatte sich langsam etwas geteert; der Schulte saß an dem Tische noch allein, als Lüttche sich demselben näherte.

„Unangenehmes Volk das," redete er den Schulte an, „haben keine Lebensart; wenn sie ein paar lumpige Thaler verlieren, wissen sie ihrem Aerger keinen andern Ausdruck zu geben,, als daß sie honette Leute beschimpfen. Man sollte doch vor­sichtiger sein und immer darauf sehen, in welche Gesellschaft man sich begibt."

„Ich bin ganz Ihrer Meinung, Herr Lüttche; und doch kann es vorkommen, daß man durch Zu­fall in solche Gesellschaft geräth, oder Gründe vor­liegen, die Anwesenheit eines Lumpen zu ertragen, den man lieber zum Kuckuck schicken möchte. — Sie wollen doch noch nicht aufbrechen?"