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M 224. Montag, den 1. October 1883.

Fuldaer

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Französische Gastfreundschaft.

Die rohen Ausbrüche des deutschfeindlichen Fa­natismus, welche die Pariser Presse gelegentlich der Verleihung des Kommandos eines preußischen Ulanen-Regiments an den König von Spanien von sich gab, und von denen wir in der Donners­tagsnummer einige packende Proben vorführten, haben ihren Zweck erreicht und bei der Ankunft des Königs in Paris am Sonnabend Nachmittag den Pariser Pöbel zu Kundgebungen veran­laßt, welche einen sehr ernsten Charakter trugen und für Deutschland um so bemerkenswerther sind, weil sie sich gegen den „Ulan" richteten, zu welchem Kaiser Wilhelm den König Alphons in Homburg ernannte.

Schon um die Mittagszeit entwickelte sich am Sonnabend eine unabsehbare Menschenmenge vor und auf der Straße Lafaytte, durch welche der König von Spanien kommen sollte, und auf dem Eintrachtsplatze, wo eine Kundgebung erwar­tet wurde. Die Menge war sehr aufgeregt. Es wurde viel geschrien und geredet. Ein Theil des äußeren Bahnhofes und der Quai waren vor der Ankunft des hohen Gastes mit Fahnen und franzö­sischen und spanischen Wappenschildern, mit Baum­zweigen und Blumen geschmückt. Um 3 Uhr stand die Menge Kopf an Kopf gedrängt vor dem Bahn­hofe. Eine bedeutende Anzahl Stadtserganten ver­sahen den Dienst. Um 38/4 Uhr kündigten zehn Kanonenschüsse die Ankunft des Königs von Spanien an. Mollard, der Einführer der Gesandtschaften, und der spanische Botschafter nebst seinem gesamm- ten Personal traten auf den Perron, um den König zu empfangen. Grövy wartete mit seinen Ministern im Empfangssaale. Nach der Begrüßung wurden die Pforten des Bahnhofs geöffnet, Truppen bil­deten von der Straße Douain bis zur Straße Lafaytte Spalier. Die Volksmenge zeigte sich nun sehr erregt. Kaum war der König Alphons aus dem Bahnhofe getreten, als ein fürchterliches Gepfeife, wildes Geheul und Rufe: „Nieder mit dem Ulanen!" erfolgte. Der Lärm auf allen Zugängen war derart, daß von der Mili­

36 Der Erbe.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn. i „Ja, ja, die adeligen Herrschaften," sprach der Schulte vor sich hin, als er dem am Ende des Hofes gelegenen Stalle zuschritt; als ob das Geld der Bauern nicht gleichen Werth hätte. Vielleicht wird meine Rechnung heute Abend besser klingen, als die der hohen Herrschaften."

Nachdem er sich überzeugt hatte, daß das Vieh mit allem Nöthigen versorgt war, und er sich eben der Stallthür zuwandte, um sich in der Herren­stube von den Anstrengungen des Tages zu erholen, hörte er draußen die Stimme des Grafen Rinteln. Bei allen Besuchen, die er auf dem Schlosse ge­macht hatte, suchte er das Zusammentreffen mit demselben möglichst zu vermeiden, und so beschloß er, auch jetzt noch etwas zu verweilen. Er wollte sich eben mehr zurückziehen, als eine zweite Stimme seine Aufmerksamkeit erregte.

„Wie könnt Ihr Euch unterstehen, auf offenem Markte Euch an mich heranzudrängen?" hörte er den Grafen heftig fragen, „Ihr treibt es noch so Mit, daß ich meine Hand ganz von Euch zurückziehe."

„Ew. Gnaden werden meine treuen Dienste nicht so vergessen," erwiderte der Andere. „Ich habe in der letzten Zeit fast darben müssen; mehrere Male habe ich mir auf dem Schlosse etwas zu schaffen gemacht, ohne das Glück zu haben, Ew. Gnaden ju sehen."

tärmusik, welche die spanische Volkshymne spielte, nichts gehört werden konnte. Geheul begleitete den König bis zum Palast der spanischen Botschaft. Mollard und nicht der Präsident der Republik begleitete den König zur spanischen Gesandtschaft, wo König Alphons Wohnung nahm. Der König von Spanien war sehr blaß und wechselte kaum einige Worte mit dem spanischen Botschafter, der mit ihm im Wagen saß. Grövy verließ nach dem König den Bahnhof; in seinem Wagen saß Gene­ral Pittiö neben ihm. Kürassiere bildeten die Eskorte sowohl für den König wie für Grevy und die Minister. Auf den Straßen Lafaytte, zwischen dem Square Montholon und dem Faubourg Poisson- niere brachte die Volksmenge dex: Präsidenten der Republik eine Ovation. Die Aufregung ist infolge dieser Auftritte in ganz Paris sehr groß und viele Franzosen sind außer sich, daß so etwas in Frank­reich vorkommen konnte.

Ungefähr zwanzig Verhaftungen wurden während des Einzugs des Königs Alphons vorgenommen. Auf dem Eintrachtsplatze fiel nichts vor, als der König vorüberkam, eben so auch nichts vor der spanischen Botschaft. Der König traf um 5®/4 Uhr in Begleitung des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten im Elysse ein. Der König fuhr nicht üivt tzie Eivtrachtsbrücke, wo Volksniassen standen, sondern über die Brücke der Invaliden. Volkshaufen liefen ihm nach und schrieen: „Nieder mit dem Ulanen!" Am Elysee standen an zwei­tausend Menschen, welche pfiffen und tobten. Der König sah, als er ins Elysse trat, sehr erregt aus. Um 6'/< Uhr war König Alphons noch im Elysöe. Der König äußerte gegen Personen seiner Um­gebung, er sei auf einen solchen Empfang gefaßt gewesen. Wie es scheint, will man alles aufbie­ten, damit er nicht sofort abreise.

Abends um 6 Uhr empfing der König das gesammte diplomatische Korps. Gestern, Sonntag, Vormittag wohnte derselbe der Messe in der St. Klotilden-Kirche an. Die für gestern angesetzte Jagd ist wegen schlechten Wetters abgesagt worden. Der Präsident gab gestern Abend im Elysee ein großes Diner, zu welchem der König sein Erscheinen zuge­

. „Ich habe Euch doch ausdrücklich verboten, das j Schloß zu betreten, da ich meine Unterstützungen * auf andepem Wege Euch zuwenden kann."

„Gewiß werden der Herr Graf das nicht ver­gessen, so lange ich lebe; wenn aber die Noth drängt, vergißt man zuweilen das Gebot. Ich war heute schon zweimal hier, ohne Ew. Gnaden zu treffen, und fürchtete, daß Sie fortreiten würden, ohne daß mir das Glück zu Theil würde, Sie zu sehen.

„Woran Euch wohl wenig liegen würde, wenn Ihr kein Geld zum Verschwenden und zum Spielen erhieltet. Ihr habt doch Zeit genug Schurkereien auszuführen, daß es Euch nicht an dem Nothwen- digen mangeln kann."

„Ew. Gnaden belieben zu scherzen; man wird alt, und das Verdienst ist geringe."

„Schurke", rief der Graf heftig; „kräftig genug aber bist Du noch Wildfrevel zu begehen. Glaubst Du, daß es mir unbekannt sei, von wem in der vorigen Woche der Achtender weggepürscht morden ist? Ich sage Dir, hüte Dich!"

„Verleumdung, pure Verleumdung, Herr Graf; ich suche mein Brod redlich zu verdienen, wie das Ew. Gnaden selbst am besten wissen können", fügte er mit einer gewissen Ironie hinzu.

„Schweige! die kleine Gefälligkeit, welche Du mir damals erzeigt hast, habe ich Dir tausendmal ausgewogen. Alles hat ein Ende; ich bin Deiner Prellerei müde."

„So klein war sie nun eben nicht", erwiderte der

sagt hat. — Daß die meisten Pariser Blätter in ihren gestrigen Ausgaben die skandalösen Vorgänge bedauern, ließ sich erwarten, sie können aber damit den gerade von der Presse angerichteten Schimpf nicht wett machen.

Deutsches Reich.

Fulda, 1. October.

* (Die großartige Kundgebung des italienischen Klerus.) Tas ,W. T.-B.' hatte die Zahl der in Rom um den Papst versammelten Priester auf 500 angegeben, diese Nachricht stellt sich als eine tendentiöse Entstellung heraus, da die Zahl derselben von zuverlässigen Berichten auf 5000 geschätzt wird. Schon am Dienstage waren zu Nom mehr als 2000 Geistliche als Mit­glieder der italienischen Pilgerschaar aus allen Theilen Italiens und von den Inseln unter Führ­ung ihrer Bischöfe eingetroffen. Diese hielten Dienstag Abend in der Apollinariskirche eine vor­bereitende Versammlung ab. Durch viele Geist­liche aus der Provinz und der Stadt Rom stieg die Zahl der Theilnehmer an der Audienz, welche im Atrium der Peterskirche der zahlreichen Menge wegen stattfand, aus fast 5000. Der hl. Vater war von mebr als 20 Kardinälen umgeben. Ueber den Inhalt der vom Kardinal Alimonda^v erlesenen Adresse meldeten wir bereits am Freitag, ebenso gaben wir einen kurzen Auszug der päpstlichen Antwort. Am Schluß der Audienz wurde Leo XIII. eine Peterspfenniggabe zugleich mit einem Album überreicht, das die Namen der anwesenden Geist­lichen, aber auch jener abwesenden enthielt, welche, wenn auch örtlich getrennt, doch im Geiste dieser Kundgebung der Liebe gegen den Nachfolger Petri sich angeschlossen hatten. Nicht weniger als drei­ßig auswärtige Erzbischöfe und Bischöfe waren an der Spitze zahlreicher Priester ihrer Sprengel erschienen, um Leo XIII. das Gelöbniß unwandel­barer Treue zu Füßen zu legen. Dieses muthige, offene Bekenntniß macht dem Klerus der italieni­schen Halbinsel um so mehr Ehre, als die Regier­ung des Revolutionsstaates mit Argusaugen jede

Andere frech; „würden Sie auf Westerberg sitzen, wenn ich nicht so bereitwillig gewesen wäre? Es bedarf ja nur eines Wortes von mir und Ihre ganze Herrlichkeit bricht zusammen.".

Es trat eine kurze Pause ein, dann hörte der unfreiwillige Lauscher den Grafen in höchster Wuth die Worte hervorstoßen: „AufGerede einesGauners, wie Du bist, gibt kein Mensch etwas, und Beweise hast Du nicht." • 1

„Und wenn ich sie nun doch hätte?" erwiderte der Andere hämisch, an dessen Stimme man immer mehr merkte, daß er schon reichlich der Flasche zu- gesprocheu hatte.

„Glauben Sie", fuhr er fort, „ich sei Narr genug gewesen, vor Ihren Augen die Original­briefe zu verbrennen? Ha, ha, dafür war der Lüttche zu klug; obcfr glauben Sie, daß es mir schwerer gefallen fein ivürde, die Handschrift der Gräfin nachzuahmen, als die des verstorbenen Grafen?"

„Schurke!"

„Wie es beliebt; Ew. Gnaden werden einsehen, daß es an der Zeit ist, wieder etwas großmüthiger gegen mich za werden, als Sie in den letzten Jahren gewesen sind."

Beim Beginne der Unterredung wollte der Schulte sich aus angeborenem Zartgefühl außer Hörweite zurückziehen. Da er aber den Andern sofort an seiner Stimme erkannte und derselbe ihm nicht allein so unsympathisch wie der Gras war, sondern