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M 223. Sonnabend, den 29. September 1883.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

Inserate: Die vierspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Fuldaer

Abonnements-Einladung.

Zum bevorstehenden Quartalmechsel ersuchen wir um rechtzeitige Erneuerung des Abonnements zur Verhütung sonst eintretender Un­regelmäßigkeiten in der Zustellung unserer Zeitung.

Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich (ausgenommen an Sonn- und Feiertagen); sie ist das einzige Centrumsorgan in der ganzen Diözese Fulda und im Regierungsbezirk Kassel. Obgleich die .Fuldaer Zeitung' wöchentlich 6 Mal erscheint, ist der Abonnementspreis nicht höher als bei den 3 Mal wöchentlich erscheinenden Blättern der Provinz.

Durch zahlreiche selbstständige Leitartikel, Originalkorrespondenzen und eine sorgfältig bearbeitete und gesichtete politische Uebersicht bemüht sich die .Fuldaer Zeitung' ihren Lesern das Halten einer größeren Zeitung entbehrlich zu machen. Eine größere Rundschau über intereffante lokale und provinzielle Begebenheiten, ein sittlich reines und doch zugleich spannendes Feuilleton, ein reichhaltiger vermischter Theil, häufige unterhaltende und belehrende Abhandlungen aus allen Theilen menschlichen Wisiens, sowie regelmäßige Markt- und Wetterberichte geben dem Blatte eine wünschenswerthe Mannigfaltigkeit.

Als willkommene Sonntagsbeilage wird auf Verlangen jeden Sonnabend der .Fuldaer Zeitung' das rühmlichst bekannte Unterhaltungsblatt

--= „Sterne und Blume n", =--

redigirt von PH. Wasserburg (Laicus) beigelegt.

Der Abonnementspreis beträgt vierteljährlich M. 1,50 (ohne Bestellgeld), mit dem Sonntagsblatt M. 1,75.

Indem wir unsere verehrten Abonnenten zur rechtzeitigen Erneuerung des Abonnements einladen, bitten wir sie gleichzeitig, der .Fuldaer Zeitung', wie auch bisher, immer neue Freunde zuzuführen und dadurch dem einzigen katholischen Organ der Diözese eine möglichst allgemeine Verbreitung *u fld'k'nL Redaktion, Expedition nnd Verlag der ,Fuldaer Zeitung.

Deutsches Reich.

Fulda, 29. September.

* Die ,Germania' veröffentlicht einen Hirten­brief des Fürstbischofs von Breslau, an dessen Schluß derselbe seine unmittelbar bevor­stehende Reise nach Rom ankündigt, um gemäß uralter Sitte die Apostelgräber zu besuchen und dem Papst seine Verehrung zu Füßen zu legen.

* Der angekündigte Gesetzentwurf, betreffend die Kommanditgesellschaften auf Aktien und die Aktiengesellschaften ist fertiggestellt. Die Vorlage ist sehr umfangreich, sie umfaßt 383 Seiten.

* Die Mittheilung mehrerer Zeitungen, daß be­züglich desEintrittsBremens indenZoll- Verein ein Vertrag zwischen dem Bremer Senat und der Reichsregierung durch Kommissare abge­schlossen sei, bestätigt sich nicht. Es ist daher nicht wahrscheinlich, daß der Reichstag sich in nächster Sitzung mit der Eintrittsfrage Bremens wird beschäftigen können.

Berlin, 28. September.

* (Fürst Bismarck) ist mit Gemahlin und dem Grafen Herbert Bismarck Nachmittags 4 Uhr nach Friedrichsruh abgereist.

* (Zeichen der Zeit.) Durch das hiesige Polizeipräsidium ist auf Grund des Sozialistenge­setzes verboten worden die angeblich in der „In­ternationalen Druckerei der Freiheit" gedruckte nicht­periodische Druckschrift: „Die Gottespest und die Religionsseuche", enthaltend eine Abhand­lung von Johann Most, und auf der letzten Seite ein Gedicht mit der Ueberschrift: „Communisten­gebet".

* Kassel, 26. September. (Der zweite evange­lische Schulcongreß) ist hier im Saale des Stadt- gartens gestern Morgen eröffnet worden, nachdem schon vorgestern eine Vorversammlung stattgefunden hatte, in welcher Redner aus vielen deutschen Landestheilen auf­traten, die ihre großen Sympathien für die Bestrebungen, welche aus Sicherstellung der konfessionellen Volks­schule gerichtet sind, zum Ausdruck brachten. Die Zahl »er Theilnehmer kann heute auf nahezu 500 bemessen werden, unter denen sich ungefähr ebensoviel Theologen als^Lehrer befinden. Die Eröffnungsansprache hielt der «ssherig« Präsident, Realgymnasialdirektor Leimbach aus ldoslar, und gestattete sich derselbe sehr taktlose Bemer­kungen hinsichtlich der Katholiken, welche er im Jnter- sile des Kongresses doch besser unterlassen hätte. — Herr «onsistorialpräsident Weyrauch begrüßte die Versainm- lung im Auftrage des Lokalcomitvs und betonte, daß der Ingreß mit Parteipolitik nichts zu thun habe und Jeder, welcher es mit der Erhaltung der christlichen Volksschule

ehrlich meine, an demselben theilnehmcn könne. Nachdem das Bureau konstituirt war durch Wiederwahl des bisheri­gen, schritt man zur Berathung des Gegenstandes der Ta­gesordnung: „Der naturwissenschaftliche Unter­richt an den höheren Schulen mit Berücksichtigung des christlichen Charakters derselben". Di« Referenten waren die Herren Gymnasiallehrer Professor vr. Kramer-Halle a. S. und Gymnasialdirektor Alexi-Mülhausen i. E., welche beide sich ausführlich und entschieden gegen den Darwinismus und überhaupt gegen die materialistischen Theorien wendeten.

Folgende Thesen, meistens nach der Referenten Vor­schlag, wurden angenommen: „1) Die Aufgabe auch der höheren Schulen, christliche Bildung zu geben, ist beim naturwissenschaftlichen Unterricht, wo die Gefahr nahe liegt, der materialistischen Weltanschauung Vorschub zu leisten, noch in ganz besonderem Maße zu beachten. 2) Soll überhaupt Anthropologie auf der Schule getrieben werden, so hat der Unterricht neben der Betrachtung der physischen Seite des Menschen auch noch besonders die im Selbstbe­wußtsein gipfelnde geistige Natur desselben hervorzuheben, damit der Mensch als Persönlichkeit begriffen werde. 3) Der physikalische Unterricht darf bei aller Strenge der Ableitung einzelner Gesetze weder die Ueberzeugung er­wecken, daß Hypothesen, wie Gravitation, Aethertheorie u. a. m. Thatsachen der Erfahrung seien, noch die Natur­gesetze als die personifizirten Regierer des Weltalls dar­stellen. 4) Bei Auswahl der Lehr- und Hülfsbücher für den Unterricht in den Naturwissenschaften sind solche, welche materialistischen Grundsätzen huldigen, auszuschließen. 5) Sollten einem Schüler während des naturwissenschaftlichen Unterrichts Zweifel kommen, so ist denselben zu begegnen. Diesen in der zweiten Haupt-Versammlung gefaßten Beschlüssen reihte sich die Berathung über einen an­deren Gegenstand an, welcher nicht wenig Jnterresse erregte, nämlich die „Bedeutung des Spiels für Jugendleben und Erziehung." Der Referent, Herr Realgymnasialoberlehrer Dr. Schlapper Erfurt, beleuchtete so trefflich die Nothwendigkeit einer freien körperlichen Be­wegung für die Jugend, daß man in der That von diesem Vortrag in hohem Grade erbaut war und der Korreferent auf seine Erörterungen verzichtete. Die sieben Thesen des Referenten, worin seine auf Erhaltung der Frische des Körpers und des Gemüthes abzielenden Vorschläge »ieder- gelegt sind, wurden freudig angenommen.

* Stade, 28. Sept. (Bei der Reichs- tagsstichwaht) erhielt bis jetzt Hottendorf (nat.-lib.) 6072, Crone meyer (Fortschr.) 6631 Stimmen. 23 Bezirke fehlen noch.

Desterreich - Ungarn.

△ Wien, 27. Sept. (Die jüngsten Nach- richten aus Kroatien) lassen ein Erlöschen der Unruhen erkennen. In den letzten acht Tagen sind nur ganz sporadisch Ausschreitungen vorge­kommen und fügt sich die bäuerliche Bevölkerung, die über die falschen Gerüchte belehrt ist, allerorts in die Anordnungen der Behörden. Die kroatischen Abgeordneten werden allerdings im ungarischen

Reichstage Veranlassung nehmen, um die Regier­ung wegen der Wappenfrage zu interpelliren; allein • schon heute steht fest, daß die ungarische Regierung zur Nachgiebigkeit entschlossen ist. Ministerpräsi­dent Herr v. Tisza hat seiner Partei dringend Mäßigung empfohlen und wird auch im Reichs­tage diese Politik vertreten. Es ist Hoffnung ge­geben, daß schon in allernächster Zeit der verfas­sungsgemäße Zustand in Kroatien wieder hergestellt wird. Schwierigkeiten dürfte nur die Frage ma­chen, wer zum Banus ernannt werden soll. Hier in Wien hat man an maßgebender Stelle Alles aufgeboten, um dem allzeit kaisertreuen Kroatien bald wieder die Segnungen des inneren Friedens zu gewähren.

* Prag, 28. Sept. (Telegrammgebühren.) Zufolge Anregung der Frankfurter Handelskam- iner beschloß die Reichenberger Handelskammer, den Handelsminister anzugehen, im Wege der Vereinbarung mit Deutschland die Gebühren für Telegramme zwischen Oesterreich und Deutsch land dem inländischen Tarif gleichzustellen.

* Agram, 28. Sept. (Erdbeben.) In der vergangenen Nacht fanden hier zweimal Erder­schütterungen statt.

Frankreich.

* (Zur Tongkingfrage.) Wie die .Morning Post' erfährt, soll Tricon gestern an die fran­zösische Regierung telegraphirt haben, daß China die Vorschläge Frankreichs abgelehnt habe.

England.

* London, 28. Sept. (Parnell.) Nack- Meldungen aus Dublin zirkulirte dort das Gerücht, ein Organist habe auf Parnell geschossen und den­selben verwundet. Dublin war sehr erregt. Das Gerücht bestätigte sich jedoch nicht, Parnell weilte in London.

Dänemark.

* Kopenhagen, 28. Sept. (Die Rück­reise) des russischen Kaisers ist auf den 11. October verschoben; die Abreise des griechischen Königs auf unbestimmte Zeit vertagt.

Türkei.

* Konstantinopel, 28. Sept. (Die pro- jektirte Patentsteuer) ist nunmehr von allen Mächten angenommen und man erwartet nur noch Lord Dufferin's Ankunft, um einige Einzelnheiten zu regeln.