Freitag, den 28. September
M 222
1883
Fuldaer
eilung
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Mißliche Consequenzen.
Die Nachricht von der Seitens des hl. Stuhles getroffenen Regelung der Dispensfrage für die verwaisten Diözesen wird ohne Zweifel in vielen Zeitungsredaktionen sehr überraschend gewirkt haben, weil durch dieselbe eine ganzer Stoß von mehr oder minder zuverlässig sich brüstenden Schlüffen und Behauptungen ganz einfach über den Haufen geworfen morden ist. Wir haben schon früher davor gewarnt, in Angelegenheiten, deren Entscheidung dem hl. Stuhle obliegt, in einem Tone hineinzureden, als wenn man alles am besten wüßte, oder gar den Schein zu erwecken, als ob man die Entschließungen Roms beeinflussen wolle. Eine ganze Reihe von katholischen Blättern hat diesmal wieder mit einer unbegreiflicher Unklugheit über der Dispensfrage entscheidend zu Gericht gesessen und sich dabei zu B e h a u p t u n g e n verstiegen, die nun, wo Rom gesprochen hat, einen sehr unangenehmen Wiederschein auf ihre allge- meine Zuverlässigkeit werfen. Wir bedauern dies um so mehr, als dadurch den Gegnern un- nöthiger Weise Anlaß zu peinlichen Erörterungen gegeben wird. Man sollte sich allmählich mit Geduld darein finden, daß die gegnerische Presse leider mit römischen Mittheilungen oft besser bedient ist, als wir es sind. Die kirchenpolitischen Verhandlungen sind ja bekanntlich nicht mehr bloß das Geheimniß Roms, sondern auch das der preußischen Gesandtschaft, und der - Papst kann den Bediensteten der -Gesandtschaft ebensowenig das Sieden verbieten, wie er verhindern kann, daß aus den Vorzimmern des Vatikans ein belauschtes und vielleicht oft mißverstandenes Wort von irgend einem untergeordneten Bediensteten preisgegeben wird. Diese Verhältnisse sind den Leitern der katholischen Zeitnngen bekannt, und grade deßwegen muß es um so mehr Wunder nehmen, wie unvorsichtig Manche in der Behandlung römischer Nachrichten sind. Da wird gleich rundweg gesagt: das ist nicht so, das kann nicht sein, oder umgekehrt, — und bald nachher zwingt eine authentische Meldung dazu, indirekt zu
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Der Erbe.
Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.
Der Ton, womit der Schulte dieses sprach, verrieth indessen deutlich, daß es für ihn eine Unmöglichkeit sei, der lieben jungen Frau zu zürnen.
„Ich erkenne jetzt, wie Unrecht ich gehandelt habe, und danke Gott auch für die Hülfe, die er mir durch die edle Dame sandte. Sie ist mir nicht bloß eine Wohlthäterin, sondern auch eine mütterliche Freundin geworden.
Ihre Güte geht so weit, daß sie mir den Vorschlag gemacht hat, ihr für einige Jahre mein Töchterchen anzuvertrauen. Ich habe nur auf Ihre Ankunft gewartet, da ich ohne ihre Zustimmung nicht zusagen wollte. Ich fühle ja, wie dankbar ich der guten Dame sein muß, da ich die Ueberzeugung habe, daß für unsere Johanna nichts erwünschter sein kann; erklärte aber der gnädigen Frau, daß ich mich verpflichtet erachte, Ihre Zustimmung einzuholen."
Die junge Frau ahnte nicht, welche innige Be- fciedigung ihr Gast dadurch empfand, daß sie ohne seine Mitwirkung nicht über ihr Kind verfügen wollte; er richtete daher auch nur die Frage an sie, in welchem Verhältnisse Johanna dorthin kommen sollte.
Fran Ulrich erwiderte: „Seit dem Tode ihres
bekennen, daß alles Vorhergesagte „eitles Geschwätz" war. Wir könnten diesmal eine ganze Sammlung von frappanten Beispielen anführen, beschränken wir uns aber auf eines, welches mehr als frappant ist. Ein Aachener katholisches Blatt schreibt noch in seiner g estrigen Morgennummer:
„Noch immer wird in den Blättern aller Farben hin - und hergeredet über die Dispensangelegenheit. Bald soll der älteste Bischof Preußens, der hochw. Herr von der Marwitz in Kulm für fämmtliche in Frage kommenden Geistlichen die Dispense einholen, bald sollen die Nachbarbischöfe für die bischofslosen Diözesen die Dispens erbitten, bald sollen ein oder mehrere Delegaten ernannt werden, die dieses Geschäft für diesen einen Fall besorgen u. s. w. Alle diese Nachrichten sind nur Konjekturen und eitles Geschwätz. Die Diözesen bilden eine territorial streng abgegrenzte Einheit, und die Ausübung der Jurisdiktion in diesem vollständig begrenzten Territorium ist im kanonischen Rechte in ganz bestimmter Weise geregelt. Der hl. Stuhl wird nicht gestatten, daß ohne dringende äußerste Noth diese Rechte mit seinem Wissen und Willen benachtheiligt oder vergewaltigt werden."
So schreibt das katholische Blatt in Aachen gestern noch. Wie wird es sich nun zu der That- sache stellen, daß das „eitle Geschwätz" die Wahrheit war, daß das geschehen ist, was es mit einer so mißlichen Redewendung im letzten .Satze als für den hl. Stuhl unangängig bezeichnet? Das Leichresie wird allerdings fein, wenn es den Hellen Widerspruch und das eigene „eitle Geschwätz" mit den Mantel der Vergeßlichkeit bedeckt. Sonderbar ist, daß ganz dasselbe Blatt in ganz derselben Nummer über dieselbe Angelegenheit schreibt: „Wir wollen und dürfen der diesbezüglichen Entscheidung des hl. Stuhles nicht vorgreifen und scheiden deshalb jede Erörterung über diese Frage aus." Und die oben eitirte Stelle griff doch wahrlich der Entscheidung des hl. Stuhles gründlich vor. Möchte man doch bei Fragen, die von dem Spruche des Papstes abhängen, zu
Gemahls hat sich Frau von Bönagel auf ihr Landgütchen zurückgezogen. Eine Erzieherin, welche sie für das Töchterchen ihrer verstorbenen Tochter- angenommen hat, und das Dienstpersonal bilden den ganzen Hausstand. Ich weiß nicht, wodurch ich so große Güte verdient habe, da Johanna mit ihrem Enkelchen von der Lehrerin unterrichtet und erzogen werden soll. Sie werden begreifen, wie schwer es mir fallen wird, niich von meinem Kinde zu trennen; der edle Charakter der gnädigen Frau, die eine Wohlthäterin der ganzen Umgegend ist, und die gediegene Bildung und der tieschristliche Sinn der Gouvernante sichern meinem Kinde eine Erziehung und Pflege, die ich ihm niemals zu Theil werden lassen könnte."
Der Gast, welcher bei Nennung des Namens betroffen aufschaute, verrieth indessen mit keiner Miene, wie sehr dieses Zusammentreffen ihn überraschte.
Er gab daher um so freudiger seine Zustimmung, weil er hoffen durste, daß dieses Ereigniß nicht nur seine Pläne nicht durchkreuze, sondern denselben vielleicht sogar förderlich sein könnte.
Beruhigt schied er von der lieben Familie. Hanna, welche ihn bis Dierdorf begleitet hatte, kehrte am Nachmittage schwer bepackt zurück, da der gute Mann cs sich nicht hatte nehmen lassen, mancherlei Einkäufe vor seiner Abreise für seine, Freunde zu machen.
rückhaltender und vorsichtiger im Urtheil sein. Man erspart sich dadurch manches demüthigende Fiasko und manchen Spott unserer Gegner, der Kulturkämpfer, welche nun, wo ihre Sache den Krebsgang geht, sich nur zu gern an solche Dinge anklammern.
Deutsches Reich.
Fulda, 28. September.
* (Ueber die schwebenden Gesetzesvorlagen) bringen die ,Berl. Pol. Nachrichten' folgende Uebersicht:
„Außer dem Etat stehen die drei bei Eröffnung der letzten Session bereits angekündigten Vorlagen, das Kom- munLlsteuergesetz, das Schuldotationsgesetz auf der Grundlage des Kommunalprinzips und der direkten Betheiligung des Staates an den Schullasten und das Beamtenbesoldungsgesetz zu erwarten. Eine neue Serie von Eisenbahnverstaatlichungen ist bekanntlich bereits vorbereitet und ebenso dürften es die Kreis- und Provinzialordnungen für Hannover und Schleswig-Holstein sein. Als nicht unwahrscheinlich muß es gelten, daß das Schulversäumnißgesetz, welches ja unter eigenthümlichen Umständen gescheitert ist, alsbald wieder eingebracht wird, dagegen soll in Sachen der Kanalvorlage eine Entscheidung noch nicht getroffen sein. Nimmt man noch hinzu, daß die schon früher regie- ruugsftitig in Aussicht genommenen Vorlagen betreffend die definitive Ordnung der Klassen- und Einkommensteuer und des Veranlagungsverfahrens, sowie die Regelung der kommunalen Besteuerung der juristischen Personen, Aktiengesellschaften -c. in ihrer Vorbereitung schon so weit gediehen sein müssen, daß ihre Einbringung in den Landtag ernsthaft ins Auge gefaßt werden darf, so ergibt sich hieraus ein so stattliches Pensum, daß man wohl eine ganz außerordentliche und an- geüreiwle Thäiigkeitiu den Ministerien voraussetzen kann.
* (Die Kaiserin) hat an den Vorsitzenden des Ausschusses für die Errichtung des National- denkmals auf beut Niederwald, Staatsminister und Oberpräsidenten Grafen zu Eulenburg ein Handschreiben gerichtet, in welchem sie ihr Nichterscheinen mit ihrem Gesundheitszustände entschuldigt.
Berlin, 27. September.
* (Fürst Bismarck) ist mit seiner Gemahlin und dem Grafen Herbert Bismarck heute Früh 73/4 Uhr hier eingetroffen.
* (MukhtarPascha) wird demnächst erwartet.
IX.
„Ja freilich darfst Du Deiner Frauen Jedwed' Geheimniß so vertrauen, Daß sie verschweigt mit großem Fleiß Jedwedes, das sie selbst nicht weiß.""
F. W. Weber.
Der „Berndstag" brachte dem kleinen Städtchen Vehlen ein Leben und Treiben, als ob die Bewohner der ganzen Gegend auf einer Völkerwaitderung begriffen seien.
Am Tage des hl. Bernardus war nämlich großer Kram- und Viehmarkt daselbst. Lange Wochen vorher war der Berndstag, wie er vom Volke genannt wurde, der Gegenstand der eifrigsten Unterhaltung. Wer nur eben abkommen konnte, verfehlte nicht, an dem Tage in Vehlen zu erscheinen; alte Bekanntschaften wurden erneuert und neue angeknüpft. — Vom frühesten Morgengpauen an waren die Wege und Stege belebt, die zu dem Etdprado so mancher Wünsche führten. Alle Transportmittel sah man in Bewegung, von der einfachen Kiepe und Schiebkarre, die mit Handgespinnsten und sonstigen Erzeugnissen der Hausindustrie beladen, bis zu dem schweren Fcachtwagen, der diejenigen der Waldgegenden, Kübel, Fässer und Schiedkarren dem Markte zuführte. — Durch die Straßen wälzte sich der Strom der lachenden und plaltdernden, schreienden und zankenden Menschen; für Alle mar nur ein Ziel ihrer Wanderung: der Bend, eine große Weidefläche, welche von hundertjährigen Buchen eingefaßt, sich hinter der Pfarrkirche ausdehnte.