— Es ist in unterrichteten Kreisen von demnächst bevorstehenden Verbesserungen im Reichspostwesen die Rede. Außer der Einführung von P o st ka rt en, mittels deren man nur mit einem Zuschlag von 5 Pfg. Geldbeträge bis zur Höhe von 3 Mk. soll versenden können, sollen auch sogenannte Briefkarten zur Einführung gelangen, welche, ähnlich wie die Post-Antwortskarten gestaltet, nur noch zum Verschließen geeignet sind, sodaß da, wo Briefunischläge nicht gleich zur Hand sind, eine solche Briefkarte die Stelle eines ver- fchlossenen Brieses vertritt.
— Vor kurzem verlautete von der beabsichtigten Einrichtung eines neuen Blitzzuges Paris-Metz- Frankfurt-Berlin-St. P e ters b u r g, der schon im Winterfahrplan eine Stelle finden sollte. Die Verhandlungen sind jedoch noch nicht zum Abschluß gelangt, und wird der Zug, falls er überhaupt zu Stande kommt, nicht über Frankfurt, sondern über Köln geführt werden. Gleichzeitig ist man, laut der .Franks. Ztg.' mit einem weitern Blitzzug-Projekt für die Route Calais-Köln, Mainz-Darmstadt-Aschaffenburg, Nürnberg-Passau- Wien beschäftigt. Der Zug, mit Schlaf- und Restaurations-Wagen versehen, soll in Wien Anschluß an die Orient-Expreßzüge erhalten.
* Raboldshausen, 25. Sept. Mit Freuden sieht man hier und in der Umgegend der Errichtung einer zweiten Postverbindung zwischen hier und Hersfeld entgegen. Es soll nämlich vom I.Okt. d. ab. neben der Privatpost, welche Morgens um 7 Uhr von hier abfährt und Abends um 6 Uhr wieder zurückkommt, noch eine Verbindung durch einen fahrenden Briefträger, welcher Morgens x/29 Uhr in Hersfeld abfährt und gegen 11 Uhr hier ankommt, errichtet werden. Hoffentlich gibt es nun auch bald eine Telegraphen-Verbindung zwischen hier und Hersfeld.
* Hofgeismar, 25. Sept. Der seitherige Inspektor beim königlichen Hauptgestüt Beberbeck, Herr Thierarzt Kümmel, tritt vom 1. November er. in Pension und wird bereits vom 1. Okt. ab beurlaubt. Mit der Wahrnehmung der thierärztlichen Geschäfte ist einstweilen Herr Thierarzt Schlitzberger von Grebenstein betraut worden. — Herr Kümmel siedelt nach Marburg über, wo demselben die Kreisthicrarztstelle übertragen worden ist, gleichzeitig wird derselbe an der dortigen Ackerbauschule Lehrstunden ertheilen. — Am 1. April tritt auch Herr Oberamtmann Wendel stad t von seinem Verhältniß zum Hauptgestüt zurück und hat, wie verlautet, Hofgeismar zu seinem demnächstigen Domizil erwählt.
* Hanau, 25. Sept. Der Gefängnißinspektor a. D. Elam berg in Hanau ist unter Beschuldigung, Droh- und Schmähbriefe an hohe Persönlichkeiten gesandt zu haben, verhaftet worden. Da vermuthet wird, daß der Geisteszustand des Verhafteten kein normaler, so ist derselbe vorläufig im Landkrankenhaus untergebracht worden.
• Kassel, 26. Sept. Die bisher zur Thon- waarenfabrik gehörige Windmühle ist in den Besitz des Herrn Wilh. Urban übergegangen und wird augenblicklich zu einer Farbenmühle umgebaut.
* Kassel, 26.Sept. Einen Riesenkürbis hat ein hiesiger Gärtner, Herr Liebeh enz, Weg nach der Pulvermühle, gezogen; der Kürbis hatte nach Abnahme beim Wiegen das respektable Gewicht von 82i/2 Pfund.
* Bischofsheim v. d. Rh., 25. Sept. Der diesjährige Michaelismarkt ist verlegt worden und wird Sonntag, den 30. September c. abgehalten werden.
Das Kaiserfest zu Frankfurt.
* Frankfurt, 26. Sept. Der morgige Tag ist von Seiten des Kaisers ■ Frankfurt gewidmet- Das ihm zu Ehren von der Stadt bereitete Festbankett bildet gewissermaßen die Vorfeier zu der Enthüllung des Nanonaldenkmals. Der Kaiser trifft um 4 Uhr auf dem Weserbahnhof ein, wo er von den Spitzen der Behörden empfangen werden wird, von da ab bis zum Bockenheimer Thor bilden die Schulkinder Spalier, Kriegerkamerad- schaft und Turner halten auf den Straßen, die der Kaiser passirt, die Ordnung aufrecht; während die hiesige Feuerwehr den Palmengarten, das Opernhaus, die Post und die Centralstation besetzt und die in der Stadt sich vollziehende Beleuchtung zu überwachen hat. Bei der Auffahrt des Kaisers zum Opernhaus werden die Feuer
wehren ausmarschirt sein. Sämmtliche Glocken der Stadt werden geläutet und auf den Höhen um Frankfurt große, weithin sichtbare Freudenfeuer angezündet werden. Bei dem Festbankett erhalten die beiden Bürgermeister der Stadt ihren Platz neben dem Kaiser. — Gestern Abend wurde in den verschiedenen Straßen, die der Kaiser bei seinem Einzuge passiren wird, eine Probebeleuchtuug mit den Jlluminationskörpern rc. vorgenommen. Tas Heuer'sche Haus nahm sich sehr hübsch im Glanze der vielen tausend Flämmchen aus, während der große Stern am Bockenheimer Thore, der den Triumpfbogen ziert, gegenüber dem elektrischen Licht nicht recht zur Geltung gelangen konnte. Was Letzteres betrifft, so wird es durch eine Möhring'sche dynamoelektrische Maschine erzeugt, die durch eine 8 Pserde- kräfte starke, von Herrn Mayfahrt aufs Bereitwilligste geliehene Lokomobile in Bewegung gesetzt wird. Es brennen im Ganzen zehn Bogenlampen, die ein ruhiges weißes Licht erzeugen, dessen Effekt alle Erwartungen übertrifft. (F. Ztg.)
* Frankfurt, 26. Sept. Die nöthigen Herrichtungen und Dekorationsarbeiten für das Festbanket int Palmengarten werden jetzt emsig betrieben. Im Palmenhause ist Manches verändert und verschönert worden, um den Gesammteffekt zu heben. Mehrere mächtige Palmen haben auf gemauerten Postamenten einen erhöhten Standort erhalten, der Unterbau selbst wurde mit einer Rindenumhüllung versehen. Andere tropische Pflanzen und Gewächse wurden mehr zur Seite gerückt, um einen freieren Raum zur besseren Cirkulation herzustellen. Das Podium, auf welchen der Kaiser den Kaffee einimmt, ist bereits aufgeschlagen. Dasselbe erhält einen kostbaren Teppichbelag, gleichwie der große Speisesaal. Vom Podium aus werden sich mehrere Wege über die Lycopodium-Rabatte nach den Hauptwegen des Palmenhauses abzweigen. Die Anfahrt des Kaisers erfolgt zum nördlichen Portal des Vestibüls, während der östliche und westliche Eingang desselben geschloffen bleiben. Das Vestibül wird ebenfalls besondere Ausstattung erhalten, neben Pflanzen- und Fahnenschmuck soll ein größeres Gemälde, sowie eine imposante Waffentrophäengruppe angebracht werden. Als Empfangssalon dient der kleine Saal vis-ä-vis dem Gallerie-Aufgange; das nöthige Mobiliar ist bereits darin aufgestellt. Hier werden die weiteren Begrüßungen und Vorstellungen stattfinden. Auch das Aeußere des Gesellschaftshauses legt ein festliches Kleid an; die Säulen vor den Loggien sind mit Rosenguirlanden geschmückt.
* Frankfurt a. M., 26. Sept. Die Stadt hat zum Enipfang des Kaisers und der in begleitenden Fürstlichkeiten bereits reichen Festschmuck angelegt. Die Ankunft Sr. Majestät des Kaisers mittete Extrazuges von Homburg erfolgt morgen Nachmittag gegen 4 Uhr auf dem prächtig geschmückten Main-Weser-Bahnhof; in der Begleitung des Kaisers werden sich Ihre Kaiser!, und König!. Hoheiten der Kronprinz und die Frau Kronprinzessin, sowie die Prinzessin Viktoria, der König von Sachsen, die Großherzoge von Sachsen und Hessen, die Erbgroßherzoge von Baden und Sachsen, Ihre König!. Hoheiten die Prinzen Wilhelm, Friedrich Karl, Albrecht, Leopold von Preußen, der Erbprinz von Meiningen, der Fürst von Wied, die Staatsminister und General-Feldmarschall Graf Moltke befinden; auf dem Bahnhof wird Se. Majestät von der Generalität, dem Oberpräsidenten Grafen Eulenburg, dem Regierungspräsidenten v. Wurmb und dem Ober-Bürgermeister Miguel empfangen und begrüßt werden. Vom Bahnhofe aus wird sich der Kaiser, von den übrigen Fürstlichkeiten gefolgt, in vierspännigem Galawagen die via triumphalis durch die Tannusanlage und die Bockenheimer Landstraße entlang nach dem Palmengarten begeben, in welchem die Stadt Frankfurt das Gala-Diner veranstaltet hat. Die Tafel ist mit prachtvollen goldenen nnd silbernen Geräthen aus dem Hausschatze des Barons Rothschild geschmückt. Nach der Tafel wird sich der Kaiser mit Ihrer Kaiser!, und König!. Hoheit der Frau Kronprinzessin und der Prinzessin Viktoria nach Oberpostdirektions-Gebäude begeben, wo der Geh. Postrath und Oberpostdirektor Heldberg die Honneurs machen wird. In den im Oberpostdirektions- Gebäude befindlichen Kaiserzimmern wird Se. Majestät eine kurze Rast halten und sich dann durch die inzwischen illuminirte Zeil bei der Hauptwache vorüber, die Bockenheimer Straße entlang, durch die prachtvolle Ehrenpforte am Bockenheimer Thor, über den elektrisch erleuchteten Opernplatz zum Opernhause begeben, wo der Oberbürgermeister Miquel und der Intendant Claar Se. Majestät erwarten. Zur Aufführung gelangen die Oper „Aida", hierauf „Die Versucherin" und „Undine". Von allen Seiten strömen bereits Fremde in großer Anzahl herzu, um den Festlichkeiten in Frankfurt beizuwohnen. Das Wetter ist prachtvoll. (F. Ztg.)
Vom Kaisermanöver.
Homburg, 26. Sept.
Bei dem heutigen, letzten Feldmanöver bestand das verstärkte Oststkorps aus 211/2 Bataillonen, 20 Eskadronen und 17 Batterien; kommandirt wurde es durch Generallieutenant v. Unger. Das Westkorps unter Generallieutenant v. Böhn hatte nur noch 17 Bataillone, 10 Eskadrons und 6 Batterien zur Verfügung.
Im Laufe der Nacht hatte das Westkorps sich auf den Höhen östlich von Bergen einlogirt. Hier in dieser festen Stellung erwartete es am Morgen des 26. Sept, den vordringenden Feind. Das Ostkorps ging unter dem Schutze seiner die Höhen bei Büdesheim besetzt haltenden Artillerie vor. Es entwickelte sich zunächst ein heftiges Artilleriegefecht, dein der Angriff der Infanterie über Niederdorfelden, Oberdorfelden und Kilianstädten folgte. Auf dem alten Schlachtfelde von Bergen entspann sich nun ein heftiger Kampf, aber es gelang dem Ostkorps nicht, das Westkorps aus seiner Stellung zu verdrängen. Mit diesem Momente schloß das Manöver. Dasselbe begann eine halbe Stunde früher, als die vorhergehenden, damit es auch um so früher endigen könnte, weil die Truppen unmittelbar darauf in ihre Garnisonen zurückkehren mußten. Aus der Höhe östlich von Bergen erwartete die Suite von 9 Uhr an den Kaiser, welcher um 3/<10 zu Wagen von Vilbel aus auf dem Manöverterrain eintraf und sofort zu Pferde stieg. Schon vor ihm waren die meisten der fremden Fürsten angelangt und so begab sich die ganze glänzende Neiterschaar gleich nach dem Abhang, der die Aussicht über das Thal bei Wachenbuchen gestattet, und verfolgten von dort aus inmitten der stark verschanzten Stellung des Westkorps den Gang des Gefechtes, während ein Theil, der König von Spanien und der Prinz von Wales zu dem heranrückenden Ostkorps hinüberritten nnd dessen Evolutionen in näheren Augenschein nahmen. In weit größerer Anzahl als an allen vorhergehenden Tagen war heute das Publikum erschienen, zumeist Frankfurter, welche sich die günstige Gelegenheit nicht entgehen lassen wollten, an dem letzten Manöver, das fo in nächster Nähe der Stadt abgehalten wurde, Theil zu nehmen. Heute war der erbitterte Geschützkampf, der die ganze erste Hälfte des Manövers ausfüllte, von imposanter Wirkung. Leider war der Nebel, der am Morgen das ganze Terrain verhüllte, mit der steigenden Sonne nur zum Theil in die Höhe gegangen, so daß auch der Pulverdampf ziemlich fest liegen blieb und oft fast jede Aussicht auf die manövrirenden Truppen verhinderte. Wenn dann der auf der Höhe wehende Wind die weißen Rauchwolken einmal etwas auseinandertrieb, war der Blick freilich um so schöner.
Wie die Parade glänzend verlaufen, so konsta- tirten auch die Feldmanöver, daß Führer sowohl wie Soldaten alle auf ihrem Platze waren. Mögen, so schreibt die ,Franks. Ztg.', hier und da auch einzelne Unwahrscheinlichkeiten vorgekonimen sein, es ist dieses eben nicht zu vermeiden, im großen Ganzen zeigten sich die Truppen so vollkommen ausgebildet, daß sie es wohl mit jedem Feinde ausnehmen können. Selbst fremdherrliche Offiziere erkannten das im vollsten Umfange an, indem einer derselben, und zwar ein sehr hervorragender, die charakteristische Aeußernng that, als einmal ein kleiner Mißgriff in der Führung vorkam: „Diese Preußen sind doch wahrhaftig verfluchte Kerle, hier, wo sie uns eingeladen haben, machen sie wohl einmal einen Fehler, aber im Felde sind sie ganz anders."
Marktbericht.
Kassel, 26. Sept. Weizen 18 Mk. 45 Pfg. bis 19 Mk. 40 Pfg. Roggen 15 Mk. 40 Pfg. bis 16 Mk. 25 Pfg. Hafer 12 Mk. 40 Pfg. bis 14 Mk. 14 Pfg. (Alles per 100 Kilogramm.)
Frankfurt, 26. Sept. Heu 6 Mk. — Pfg. bis 7 Mk. 60 Pfg. Stroh 5 Mk. 60 Pfg. bis 6 Mk. 60 Pfg. (Alles per 100 Kilogramm.)
Meteorologische Beobachtungen.
Wetterbericht der deutschen Seewarte vom 26. September:
Ueber Centraleuropa ist bei meist leichter südlicher bis südwestlicher Luftbewegung das Wetter vorwiegend trübe, stellenweise regnerisch. Im Süden und Nordwesten Deutschlands ist fast überall Regen gefallen. Die Erwärmung, welche gestern im Westen sich zeigte, hat sich rasch ostwärts über Ostdeutschland und Oesterreich fortgepflanzt, so daß daselbst die Temperatur fast überall über der normalen liegt.
Fulda, 27. September, Norm. 10 Uhr:
Barometerstand: 737,2 Millim. (feit gestern Mittag gefallen.)
Thermometerstand: 12»Röaumur.