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Donnerstag, den 27. September

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Deutsches Reich.

Fulda, 27. September.

^z. Me wir bereits am Montag andeuten konnten ist die von der .Germania' angefochtene Nachricht der .Schlesischen Zeitung', daß der Bi­sch of von C ulm in seiner Eigenschaft als Senior des preußischen Episkopates für alle Diözesen, auch die verwaisten, an den Kultusminister die Dispensationsanträge richten werde, zutref­fend. Wir haben der anderen in der Presse weit­läufig erörterten Eventualität, der Bestellmig bischöf­licher Delegaten, absichtlich keine Erwähnung ge- than, bemerken aber, daß die Entscheidung des hl. Stuhles über diese Angelegenheit keineswegs erst jetzt getroffen worden ist, wie die .Germania' heute schreibt. Als die Entscheidung des hl. Vaters am 18. Sept, in der .Germania' zuerst ruchbar wurde, bemerkten wir: „Welche Vorsorge der hl. Vater für diejenigen Diözesen getroffen hat, deren Oberhirten in der Verbannung leben, hat die .Ger­mania' nicht verrathen; sicher ist aber, daß der hl. Vater dieselben nicht vergessen, sondern einen Weg gefunden hat, damit auch diesen Diözesen die Wohlthaten dieser Konzession zu Theil werden".

— (Die letzte Bischofskonferenz) hat, wie die .Schles. Ztg.' meldet, in Mainz stattge­sunden. Diese Nachricht ist richtig.

* (Die Bedeutung der Fürsten-Zusam- menkunft beim Kaisermanöver.) Die,Pro- vinzial-Korrespondenz' erwähnt bei Besprechung der deutschen Herbstmanöver die Anwesenheit der Könige von Spanien und Serbien und sagt, das Erschei­nen dieser Fürsten sei ein neuer Beweis, daß die Beziehungen Deutschlands zu den übrigen Staaten des Welttheils ohne Unterschied in deren geographi­scher Lage durchaus freundschaftlicher Natur seien und die von der deutschen Negierung gehegten Ge­danken des Friedens und der vertrauensvollen Hin­gebung an die allen Völkern gemeinsamen Kultur­aufgaben in den weitesten Kreisen des europäischen Völkerlebens getheilt werden.

* (Zur Handwerkerfrage.) Ein Urtheil des in Münster erscheinenden .Westfälischen Hand­werkerblattes' über die Düffeldorfer General-Ver­sammlung deutscher Katholiken steht dem Inhalte des Faßhauer'schen Schreibens schroff entgegen. Das genannte Organ für die Mitglieder des Pro­vinzialvereins westfälischer Handwerksmeister urtheilt in Nr. 18 in folgender Weise:

Die Bestrebungen der Handwerker sind (auf der katho­lischen Generalversammlung) anerkannt und gegen die obligatorischen Innungen, gegen die Thesen des Haider Programms, über die Handwerkerfrage hat sich Niemand auf der Versammluig erklärt. Die meisterhafte Rede des Abg. Dr. Windthorst über die soziale Frage bildete wohl den Hauptpunkt des Ganzen; derselbe hat es ver­standen, die Geister zu versöhnen und die Sache der Handwerker zur Anerkennung zu bringen.

Unterdeß hat Herr Faßhauer in Köln glän­zendes Fiasko gemacht. Ueber den furchtbaren „Hereinfall" des Herrn Faß Hauer berichten wir morgen.

* München, 26. Sept. (Fürst Bismarck) hat Salzburg um 11j4 Uhr Nachmittags verlassen und wird hier um 5 Uhr erwartet.

Oesterreich - Ungarn.

• (Audienz Bratiano's.) Der Kaiser von Oesterreich hat den rumänischen Ministerpräsidenten Bratiano in einer Audienz empfangen. Es scheint dies anzudeuten, daß die Konferenzen Bratiano's mit Kalnoky abgeschlossen sind und ein beide Theile befriedigendes Resultat ergeben haben. Wenn die politische Anlehnung Rumäniens an Oesterreich- Ungarn eine aufrichtige und dauernde sein soll, so müssen zunächst alle Differenzen beseitigt werden, welche die politischen Leidenschaften hüben und drüben immer von Neuem erregen. Dazu gehört vor Allem die Donaufrage, welche von der Lon­doner Konferenz zwar theoretisch gelöst ist, faktffch aber so lange ungelöst bleibt, als Rumänien sich den Beschlüssen widersetzt. Wie nun verlautet, soll in dieser Hinsicht zwischen Kalnoky und Bratiano em Einverständniß erzielt worden sein. Die ru­mänischen Kammern werden demnächst das Ergeb- niß der Verhandlungen zu bestätigen haben.

Frankreich.

* Paris, 25. Sept. (Zum Besuch des Königs von Spanien in Paris.) Die auf Urlaub abwesenden Minister haben, wie,Paris' erfährt, Befehl erhalten, sämmt- lich zum Empfange des Königs von Spanien in Paris zu erscheinen. Ein Theil der Pariser Presse beschäftigt sich mit der Ernennung des Königs Alfons zum Inhaber des 15. Ulanen - Regiments. Der ,Figaro' findet, daß diese Thatsache, die unter anderen Verhältnissen eine bloße For­malität unter Souveränen wäre, ausnahmsweise durch das Gerücht vom Abschlüsse eines Bündnisses zwischen Deutsch­land und Spanien eine Bedeutung erlange, welche noch durch die Wahl des Regiments erhöht werde. „Diese Art und Weise", setzt der ,Figaro hinzu, „uns daran zu erin­nern, daß Straßburg zu Deutschland gehöre, wird in aller Herzen eine gerechte schmerzliche Aufregung Hervorrufen." Die,Justice' schreibt: „Es wird behauptet, daß die Re­gierung wesentliche Abänderungen bei dem Empfange des Königs Alfons vornehmen werde. Wir wollen hoffen, daß dem so sein werde." Die .France, greift den König von Spanien in einem langen Artikel mit der Ueberschrift an: „Herr Alfons von Bourbon." Dieses chauvinistische Organ versteigt sich zu der Erwartung, „daß die Regier­ung der Artillerie von Vincennes nicht die Erniedrigung auferlegen werde, vor einem Straßburger Rekrutenpresser (garnieaire) in Parade aufziehen zu müssen; übrigens werde der Ulanen-Befehlshaber als guter Spion, der er jetzt sein müsse, die Gelegenheit benutzen, um seinen deut­schen Oberen Nachrichten zu liefern; die Pflicht der fran­zösischen Regierung sei, jetzt Ruiz Zorrilla wieder zurück­kommen zu lassen, indem sie das Ausweisungsdekret für nichtig erkläre." Die .France' schlägt vor, „vor dem Com- mandanten des 15. Ulanenregiments die Pendulen einzu­sperren, denn es sei ja ein Ulan, der komme"; die ,France' räth schließlich, „am Tage der Ankunft des Königs nicht über den Eintrachtsplatz zu gehen." Die in Paris wohnenden Straßburger werden an diesem Tage.Kränze am Fuße des Standbildes Straßburg niederlegen. Die ,Libertö' schreibt, der Beweis der Sympathie, welchen der Kaiser dem Könige gegeben, sei an sich ohne Bedeutung, aber diese Ernennung jei ein Beweis, daß das Bündniß zwischen Spanien und Deutschland fertig sei. Der .National' schreibt: „Wir hören, daß einige Leute die Absicht haben, die Pariser Bevölkerung zu einer Kundgebung gegen den König von Spanien bei dessen Ankunft in Paris unter dem Vorwande zu verleiten, daß derselbe zum Inhaber eines in Straßburg stehenden Regiments ernannt wurde. Wir glauben die Bevölkerung vor einer Aufregung dieser Art, welche der deutschen Presse einen Vorwand geben könnte, gegen Frankreich zu donnern, warnen zu müssen, Fürst Bismarck hat sicher nicht ohne Absicht Straßburg für den König Alfons ausgewählt; Fürst Bismarck ist sehr geschickt in Fallenstellen und weiß im voraus die Wirkungen seiner kleinen Bosheiten zu Be

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Der Erbe.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

Als er vom ersten Impuls getrieben darauf gedrungen hatte, ihm den Knaben anzuvertrauen und das Versprechen gab, für seine Zukunft zu wrgen, war er mit sich selbst noch nicht darüber einig, in welcher Weise er die übernommene Ver­achtung ausführen werde. Ganz gegen seine Gewohnheit war er der ersten Eingebung seines guten Herzens gefolgt; die lange Zeit, die noch hmging, bevor Felix sich von den Entbehrungen und den Folgen der Krankheit erholt hatte, ge- nattete ihm reiflich hierüber nachzudenken. Mit lnniger Befriedigung erkannte er bald, daß der Knabe ihm die Aufgabe erleichtern werde. Das Anspruchslose, dankbare Benehmen desselben, seine ^Endlichkeit und Gefälligkeit gegen jedermann und die innige Anhänglichkeit an seine Pflegeeltern Achten ihn bald zum Lieblinge des Hofes. Als Oet„ Winter dem lachenden Frühlinge das Feld geräumt, die Bäume ihren Blüthenschmuck entsal- elen und die Bienchen über dem blühenden Gin- । er und den braunrothen Haideblümchen zu schwär- >en begannen, da überzogen sich auch wieder die . äugen des Felix mit dem frischen Roth der Ge- mnohest.

Dem Rathe der Gräfin folgend, hatte der Hos- 'uer mit dem Geistlichen des Schlosses, der fei» r schwächlichen Gesundheit halber sein Pfaaramt

niedergelegt hatte, über seinen Zögling Rücksprache genommen. Seit langen Jahren war kein Geist­licher mehr auf dem Schlosse gewesen. Es war der Gräfin nun vor Jahresfrist gelungen, den Pfarrer nach Niederlegung seines Amtes zu ge­winnen, die Stelle als Hausgeistlicher anzunehinen. Der Priester, dem der wißbegierige talentvolle Knabe gefiel, erklärte sich gerne dazu bereit, den Unterricht zu übernehmen. Die Augen des Kna­ben glänzten vor Freude, als er von seinem Pflege­vater diese Mittheilung erhielt, und er begann mit frischem Muthe seine Studien.

Das Wiedersehen, als der Schulte seinem Ver­sprechen gemäß im Frühjahre die so schwer ge­prüfte Familie auf dem Westerwalde besuchte, war für beide Theile äußerst schmerzhaft. Der derbe Landmann mußte seine ganze Kraft zusam­men nehmen, ruhig zu scheinen, als er die kleine Hütte betrat und sich der jungen Frau gegenüber befand, in bereit matten Zügen die überstandenen Leiden und Entbehrungen deutlich eingegraben waren.

Die Ankunft des theilnehmenden Freundes rief noch einmal recht lebendig die Trübsale vor die Seele der armen Frau, die seit ihrer letzten Zu­sammenkunft über sie hereingebrochen waren. Die aufopfernde Freundschaft des Schulte hatten alle Scheu und Zurückhaltung hinweggenommen. Wie eine Tochter an dem Herzen ihres Vaters weinte die geprüfte Frau an der Brust des edlen Man­

nes ihren Schmerz aus. Der Gast, selbst ans's tiefste ergriffen, wußte doch bald Trost zu spen­den, indem er von dem Wohlbefinden des Felix, von seinem Fleiße und seiner Folgsamkeit berich­tete und Pläne über dessen Zukunft entwarf, welche die Zustimmung der Mutter fanden und nach langer Zeit wieder einmal ein frohes Lächeln auf den abgehärmten Zügen hervorbrachten.

Der Schulte hatte während der Reise nun Muße genug gefunden, darüber nachzudenken, in welcher Weise er für die ihm lieb gewordene Familie ferner sorgen wollte. Da der Gedanke, die junge Frau im Besitze ihres Erbes zu sehen, die Haupttriebseder seiner Handlungen war, und er dieses Ziel leichter zu erreichen hoffte, wenn die Familie sich in seiner Nähe befinde, so würde es ihm am liebsten gewesen fein, wenn sich Frau Ul­rich entschlösse nach Westfalen überzusiedeln. Ob­gleich er nun überzeugt war, daß die dankbare Frau sich verpflichtet fühlen würde, jedem seiner Wünsche entgegen zu kommen, so wagte er doch nicht, das Verlangen au sie zu stellen, da er den eigentlichen Beweggrund ihr nicht mittheilen konnte und einige Ereignisse eingetreten waren, die eine Wendung zum Besseren in die Verhältnisse der geprüften Frau brachten.

Frau Ulrich theilte ihm mit, daß in der Forst­verwaltung lokale Veränderungen vorgekommen seien, und die Administration ihr, in Anbetracht der thätigen Amtsführung ihres verstorbenen Gat-