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Dienstag, den 25. September

1883.

Die Hulda« Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Bierteljährlicher Abonnementspreit ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage »Eterue »nH Blumen' in Fulda 1 SRL 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

Inserate: Die vierspaltige Zeil« oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

Fulda, 25. September.

% Die .Vossische Zeitung' meldet, daß der Bischof von Fulda die in Bayern und Oester­reich zerstreuten jüngeren Theologen der Diözesen Fulda und Limburg zur Eisendung ihrerZeug- mffe aufgefordert hab». Die .Germania' bemerkt dazu: „Wenn es sich bestätigen sollte, daß der Bischof von Fulda auch die Limburger Priester aufgefordert habe, so würde zu vermuthen sein, daß er denselben eine formale „Anstellung" in seiner Diözese geben will, um ihnen dadurch eine straflose Missionsseelsorge in der Limburger Diö­zese zu ermöglichen. Die kirchliche Vollmacht zum Wirken in der Limburger Diözese hat natürlich der Bischof von Limburg selbst (unmittelbar oder mittelbar) zu geben."

Wir können auf das Bestimmteste versichern, daß diese ganze Nachricht eine Fabel ist, es ist daran kein wahres Wort. Die Lust am Fa- buliren und an der Mythenbildung scheint jetzt wieder die weitesten Kreise ergriffen zu haben.

* (In der Dispensangelegenheit) bringt der zu Posen erscheinende .Kurier Pozn.' ent­hält folgende durch den Druck hervorgehobene Auf­forderung:

„Alle Priester unserer Erzdiözese, welche zu der Kate­gorie derjenigen Geistlichen gehören, auf welche das Gesetz vom 11. Mai 1873 betreffend die Vorbildung und An- , stellung der Geistlichen sich bezieht, also diejenigen, welche vom Jahre 1873 bis inkl. 1883 ausgewelht worden sind, ersuchen wir hiermit in ihrem eigenen Jntereffe, unver­züglich an unsere Adresse einzusenden: 1. ihr Abiturienten- zeugniß; 2. einen Nachweis der auf der Universität ge- hörten Vorlesungen; 3. die Benachrichtigung, an welchem Tage und wo sie die Priesterweihe empfangen haben; 4. falls sie verbannt sind, aus welchen Gründen, in welchem Jahre und seit wann sie ausgewiesen sind; 5. welche ge­richtlichen Geld- oder Gefä gnißstrafen sie noch zu ver­büßen haben; 6. welche gerichtliche Untersuchungen etwa noch gegen sie schweben. Wir bitten sie zugleich, in ihrem eigenen Interesse die erforderlichen Angaben so genau wie möglich zu machen und die Antwott auf keinen der ge­nannten Punkte auszulaffen, um nicht Veranlaffung zu einer Correspondenz, also einer Verzögerung zu geben. Die Redaktion."

Es ist als mindestens ungewöhnlich zu be­zeichnen, daß eine Zeitungsredaktion in eige­nem Namen eine solche kirchliche Aufforderung erläßt.

* (Fürst Bismarck) ist gestern Mittag sammt Familie von Gastein abgereist.

* (Eine Selbstverth eidigung.) Die .Nord­deutsche Allgem. Ztg.' sagt in Bezug auf die An­griffe fortfchrittlicher Blätter wegen der Publi­kation der Korrespondenz Antoine's, es hätte nahe gelegen, die Reklamationen mit den Be­weisstücken an die französische Regierung zu richten und in der Gewißheit, daß auch sie ebenso wie die deutsche Regierung den Frieden zu erhalten wünscht, gemeinsame Schritte gegen die friedensstörerische Agitation zu thun. Das deutsche Kabinet habe die Frage, ob dieser Weg zu betreten sei, erwogen und verneint, weil man sich sagen müßte, daß nach den Verhältnissen und Stimmungen Frankreichs damit eine schwierige Zumuthung an die französische Re­gierung gemacht würde, deren Ablehnung anderer­seits die Situation ebenfalls nicht gebeffert hätte. Die jüngste Geschichte habe gezeigt, wie leicht große Nationen durch turbulente Minoritäten zum Kriege getrieben werden können. Die .Nordd. Allg. Ztg.' hält die Majoritäten aller Nationen, auch der fran­zösischen, für friedliebend und bei ruhigem Blute wenig geneigt, ihr Land der Kriegsgefahr auszu- '^tzen; sie habe deshalb der Sache des Friedens zu dienen geglaubt, indem sie der friedliebenden Mehr­heit der Franzosen die Personen, Organisation und Mittel zeigte, wodurch ne- von Neuem in einen Krieg mit Deutschland hineiumtriguirt werden solle.

Die,Nordd. Allgem. Ztg.' richte damit einen Appell an die friedliebende öffentliche Meinung Frankreichs, damit sie die kriegerische Minorität ihrer Mitbür­ger kenne und kontrollire. Diese Vertheidigung des offiziösen Blattes ist mehr als schwach, sie unter­stellt etwas, was nicht vorhanden ist, nämlich wichtige hochverrätherische Briefe. Tie Korrespondenz Antoine's enthielt aber nicht einmal einen Anhaltspunkt zu einer gerichtlichen Verfolgung.

* (Käufliche Orden.) Der HerrnWindt- horst gewordene ablehnende Bescheid auf dessen Gesuch, das ihm verliehene Großkreuz des O r d e n s vom heiligen Grabe anlegen zu dürfen, führt zu interessanten Enthüllungen. Bekanntlich bemerkte der Herr Minister des Innern, er sehe sich außer Stande, diese Erlaubniß zu erwirken, nachdem Se. Majestät bestimmt habe, daß Anträge auf Ermäch­tigung, genannten Orden anzulegen, überhaupt nicht der Allerhöchsten Entscheidung zu unterbreiten seien; denn nach stattgehabter Erhebung sei die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, diesen Orden im Wege des Kaufes zu erlangen. Nun zählt die .Trier. Landeszeitung' einige Orden auf, welche von einer Londoner Firma zu beistehenden Preisen angeboten wurden, bei welchen also die „Möglich­keit der Erlangung im Wege des Kaufes" nicht ausgeschlossen ist. — Orden: der Republik San Marino: Das

Civilkreuz ....... 2500 Fres.

des Königs von Spanien: Isabella 4500 „

Karl III 4500

des Königs von Portugal: Das Kom­mandeur-Kreuz mit Stern des Christus-Ordens ..... 4500 „ des Schah von Persien: Sonnen- und

Löwen-Orden

IV. Kl. Ritterkreuz ) 4000 „

Türkei: Osfizierkreuz) Mxdjidworden ^$00 >•

Ritterkreuz ) *

Venezuela: Bolivor-Orden: Kom­mandeurkreuz ..... > 4000 „

Sachsen-Coburg-Gotha: (ein Orden) 4500 „

Die .Trier. Landesztg.' fährt nun fort: „Wie wird nun Herr v. Puttkammer beispielsweise sich zu dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Herrn Dr. v. Bardeleben, stellen, welcher Inhaber des türkischen Medjidie- Ordens ist? Inhaber dieses Ordens sind ferner Graf v. Schleinitz, Minister des königlichen Hauses, Vice-Ober-Ceremonien- meister August Graf zu Eulenburg, General der Kavallerie Graf v. Bismarck, Bohlen, Unterstaats. Sekretär Dr. Busch. Es würde ein Leichtes sein, die Liste weiter auszuführen. Der persische Son­nen-Orden würde uns auch noch Material zu wei­teren Aufzählungen liefern, doch wollen wir es hiermit bewenden lassen".

• (Ueber die von der Regierung ge­plante Steuerreform) lassen sich die wohl- informirten ,B. P. N.' folgendermaßen aus:

Von den Zwecken, welche die Reichssteuerreform errei­chen sollte, ist der eine, die Herstellung der finanziellen Selbstständigkeit des Reichs, wenn auch nicht der Form- so doch der Sache nach in vollem Umfange erreicht. Schon im laufenden Jahre hat sich das Reich aus einem Kost, ganger der Einzelstaaten in den Spender von Ueberschüffen an die Kaffen der letzteren verwandelt. Für das Jahr j 884/85 dürfte der Betrag, um welchen der Reichszuschuß an Preußen dessen Matrikularbeiträge übersteigt, nur um wenige Millionen hinter dem Betrage des Erlaffes an Einkommen- und Klaffensteuer zurückbleiben. Der zweite Hauptzweck, die Entlastung von direkten Steuern, ist, insoweit es um direkte Verminderung der Staat-steuern in Preußen sich handelt, gleichfalls insofern zu einem vor­läufigen Abschluß gebracht, als etwaige weitere Steuer­erlasse und Ermäßigungen an Einkommen- und Klaff en- steuer ihre Deckung durch Erhöhungen derselben Steuer an anderer Stelle und bessere Veranlagung derselben, also ohne Inanspruchnahme weiterer Reichssteurrn, zu suchen

haben würden. Völlig unerledigt dagegen ist noch die un gleich wichtigere Frage der indirekten Verminderung der direkten Steuern durch Erleichterung der Commu­ne». Diese Seite der Sache ist deshalb so sehr wichtig, weil die Communalabgaben nicht nur an sich im Ganzen die Staatssteuern weitaus übersteigen, sondern auch in Folge der ungleichen Vertheilung vielfach ungleich drücken­der wirken. Die Erleichterung der Commune» wird auf doppeltem Wege angestrebt: durch Betheiligung an den Erträgen der Grund- und Gebäudesteuer sollen ihnen neue Hilfsquellen erschlossen, durch Uebernahme einer Quote der Schullasten auf den Staat ihre finanzielle» Verpflich­tungen vermindert werden. Nach beiden Richtungen sollen die in der Eröffnungsrede zum Landtage vom 14. November v. I. angekündigten Vorlagen die erforderliche Grundlage und zwar in zwiefacher Beziehung schaffen: jene Maßregeln sollen als organische Glieder in die seit lange als Bedürfniß anerkannte systematische Neuregelung der Communalbesteuerung und der Dodation der Volks­schule sich einordnen und zugleich soll auf diese Weise die sichere Unterlage für den Bedarf an neuen finanziellen Mitteln behufs Abschlusses der Reichssteuerreform gewon­nen werden.

* (Fürst Bismarck) ist von feinem Gasteiner Aufenthalt mit Familie gestern in Salzburg eingetroffen und im Hotel de l'Europe abge- stiegen. Fürst Reuß und Gentahlin dinirten bei Bismarck.

Frankreich.

* Paris, 23. Sept. (Zur Tongkingfrage.) Der ,Temps' meldet, daß dem Ministerpräsidenten Ferry noch keine Note der chinesischen Re­gierung übergeben worden ist, und fügt hinzu, Ferry habe die chinesische Regierung ersucht, ihm Antwort auf das französische Memorandum schrist- luy zu kNYSttS«. <».*»•.«$

Thibaudin ist zum Besuche bei dem Präsidenten Grevy nach dein Jura abgereift.

• (Das Verhältniß der Republik zum h l. S t u h l e.) Der Briefwechsel zwischen Leo XIII. und dem Präsidenten der französischen Republik, Grövy hat doch ein für die Kirche günstiges Resul­tat ergeben. Bekanntlich hat die französische Re­gierung inehreren Bischöfen und Pfarrern wegen des Verbotes der gottlosen Paul Bert'schen Schul­bücher das Gehalt gesperrt. Darin lag, wie jüngst noch Jules Favre nachgewiesen hat, eine offenbare Verletzung des Konkordats. Grvvy be­antwortete die persönlichen Vorstellungen des hl. Vaters Anfangs ausweichend, doch Leo's XIII. zweites Schreiben muß dringender gelautet haben, denn kurz darauf unterbrach der französische Bot­schafter seinen Urlaub und kehrte mit entgegen­kommenden Vorschlägen nach Rom zurück. Ueber dieselben meldet eine Depesche der Pariser ,Dofense': „Die Verhandlungen zwischen dem Vatikan und Frankreich haben ein befriedigendes Resultat gehabt. Alle Gehalte (der gemaßregelten Priester) sind mit den Rückständen wieder hergestellt worden. Die Regierung hat erklärt, die wohlwollendsten Be­ziehungen mit Leo XIII. aufrecht erhalten zu wollen. Herr Lefebvre de Bohaine wird mit ge­wöhnlichem Urlaub am 10. Oktober abreisen. Er kehrt gegen Ende Dezember zurück.

England.

* Woolwich, 24. Sept. (Explosion.) In der zum Arsenal gehörigen, isolirt stehenden Zünder­fabrik fand heute Früh eine bedeutende Explosion statt. Die Zünder flogen nach allen Richtungen und in den Straßen der Stadt wurden zwei Per­sonen gelobtet. Der Schaden ist sehr groß.

Italien.

* Rom, 23. Sept. (Erdbeben.) Gestern fanden abermals zwei heftige Erdstöße in Casa- micciola statt. Die noch stehenden Mauerreste stürzten ein, doch sind diesmal Tovte nicht zu be­klagen. Die Temperatur der Mineralquellen stieg auf 56 Grad.