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M 217.

Sonnabend, den 22. September

1883.

Fuldaer 531 Jeitung.

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P, Die Bereinigung aller Katholiken.

Der alte Windthorst, die kleine Excellenz, hat den Nagel wiederum auf den Kopf getroffen, indem er auf der Düfleldorfer Katholikenversammlung die Vereinigung der Katholiken aller Länder der ganzen Erde vorschlug. Wir zweifeln nicht daran, daß dieser großartige Gedanke zünden, und daß er zur Wirklichkeit werden wird. Die Katholikenversamm» lung hat ihn nahe gelegt, denn aus dem höchsten Nor­den und aus dem Süden, von England, aus Amerika, aus Kopenhagen, aus Wien und Ungarn, von allen Gegenden der Windrose waren persönliche Vertreter, Telegramme oder Briefe da. Es hat sich bei der Düffeldorfer Versammlung gezeigt, daß die Katholiken aller Länder das Bedürfniß fühlen, sich zu nähern und in einen allgemeinen Verband einzutreten. Dieses Werk braucht nur richtig angefangen zu werden, so ist es fertig, und wie Stephans Postverband über die ganze Erde geht, so wird auch eine Vereinigung aller Katho­liken der Erde möglich sein. Der zehnjährige Kampf hat uns nicht geschadet, sondern uns stark gemacht. Wohin man schaut, kann man das be­merken. Es gibt jetzt äußerst eifrige Kämpfer, die noch vor zehn Jahren indifferent waren, und denen man mit katholischen Dingen nicht kommen durste. Die Zeit liegt noch nicht weit hinter uns, wo ungläubige Universitätsprofefforen allein das Wort hatten, um von ihren Lehrstühlen herab den Un­glauben in das Volk zu tragen. Dies« Herren hatten alle Bande der Autorität gelockert. Es war bereits so weit gekoinmen, daß studirte Leute sich schämten, katholisch zu sein; aber gerade von den Heerven des Unglaubens kam auch die Heilung des Schadens. Die katholischen Studenten-Ver- bindungen und Vereine haben sich trotz Schimpf und Schande nicht gescheut, ihren Glauben laut und öffentlich zu bekennen. Sie haben dem über­hand nehmenden Unglauben mit Kraft entgegen­gewirkt. Das Häuflein dieser apostolischen Zög­linge nimmt mit jedem Jahre zu, und offen geben sie ihre Ueberzeugung kund; laut rufen sie aus dem Centrum der Versammlungen in die Welt hinein: „Wir sind katholisch!" Und dieser Ruf

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Der Erbe.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

Lange hatte sie mit sich gekämpft, ihrem Freunde die Noth zu offenbaren; endlich konnte sie dem Drange nicht länger widerstehen und schilderte dem treuen Manne die Noth, womit die Familie seit dem Tode ihres Ernährers zu kämpfen hatte.

Es ist schwer, die Gemüthsbewegung zu schil­dern, von der der redliche Landmann ergriffen wurde, als er das Schreiben empfangen hatte. Das Mitgefühl für die ihm so theuere Familie, deren Noth zu lindern ihm bei seinen Vermögens- verhältniffen so leicht gewesen wäre, stritt mit dem Aerger und Verdruß, den er empfand, daß er seine Ansicht dem Wunsche der Verstorbenen untergeord­net hatte und durch diese unverzeihliche Nachgiebig- alles Elend, welches die Familie betroffen, her« ^geführt worden sei.

Die Einlage seiner Rückantwort tilgte vorläufig Noth; in derselben sprach sich feine gereizte Stimmung aber auch unumwunden aus. Er er- tlärte auf das Bestimmteste, daß er sich als Vor- wund der Kinder seines verstorbenen Freundes be» pachte und er daher auch glaube, das Recht bean- tpruchew zu können, ein entscheidendes Wort über "te Zukunft derselben niitreden zu dürfen. Er er» warte, daß Frau Ulrich keinen Anstand nehmen werde, ihm den Felix sofort zu übergeben, da die

gibt auch denen, die bisher ungewiß waren und beobachtend hinter den Couliffen standen, Muth, hervorzutreten und sich der Jugend anzuschließen. Die Kongregation der jungen Kaufleute wirkt ebenfalls stärkend auf die Gesammtheit. Von den Gesellen-Vereinen will ich weiter nicht reden; e» ist bekannt, daß sie geeignet sind, das Handwerk vor dem religiösen Verfall zu schützen und die untern Kreise mit dem Salze des Glaubens zu würzen. So haben wir bereits in allen Kreisen Männer uud Jünglinge, welche zur Fortsetzung des Kampfes bereit sind. Mehr und mehr wird das Volk von den katholischen Gedanken durch­säuert, und wir dürfen dem Geschicke dankbar sein, daß es uns den Kampf gebracht hat. Man kann nichtsdestoweniger die Frage aufwerfen:

Wozu soll eine Affociation von 200 Millionen Menschen dienen? Was nutzt sie den einzelnen Ländern, in denen man dem Katholizismus feind­lich gegenübersteht? Kann eine solche Vereinigung praktische Folgen haben? Wir glauben, daß eine Vereinigung von 200 Millionen Menschen an und für sich eine Macht ohne Gleichen ist, mit der man unter allen Umständen rechnen muß. Nicht lange kann man eine so mächtige Vereinigung als nicht vorhanden betrachten. Sie hängt mit tausend Fäden mit dem gesellschaftlichen Leben zusammen, und die Behörden stoßen jeden Augenblick auf diese großen Mafien und müssen mit ihnen rechnen. Die Solidarität ’mrb auf alle Staaten ickne Aus­nahme wirken. Wenn man die Frage stellt, ob es denn auch möglich sei, einen solchen Verein zu gründen, so geben wir zur Antwort: „Es ist nicht allein möglich, sondern leicht, denn der Katholizis­mus hat eine durchaus einheitliche Organisation."

Es ist nichts Trennendes, es ist nur Einigendes vorhanden, und wenn der heilige Vater diesen An­gelegenheiten seinen mächtigen Schutz leiht, so könnte man ihr das günstige Prognoftikon stellen. Man wendet vielleicht ein, in den einzelnen Staaten könnten nur die Staatsangehörigen in den Parlamen­ten stimmen und fremde Mitglieder würden zur Herbei­führung günstiger Beschlüsse doch nicht mitwirken kön­nen. Es ist wahr, sie können nicht direkt eingreifen,

Sorge für dessen Zukunft seine ausschließliche Sorge sein werde. Sobald die Zeit und W'tterung es ihm gestatteten, werde er persönlich Frau Ulrich besuchen, alles Andere zu berathen.

Wie ungern sich Letztere ungeachtet ihrer be- drängten Lage von dem Knaben trennte, so fühlte sie sich doch verpflichtet, dem Wunsche des edlen Mannes nachzukommen.

Hanna übermittelte dem Schulte den Dank der Frau Ulrich mit der Anzeige, daß Felix unter dem Geleite eines Kaufmannes, für welchen sie arbei­teten und welcher in der nächsten Zeit Westfalen besuchen wolle, zu ihm kommen werde. Da die Abreise des Letzteren unerwartet rasch erfolgte, so war keine Zeit mehr geblieben, über die Ankunft des Knaben Näheres mitzutheilen.

Obgleich nicht leicht ein Ereigniß den Hofbauer aus seiner gewohnten Ruhe und Fassung bringen konnte, so fühlte er sich doch seltsam bewegt, als er den Schloßhof betrat. Seit Jahren hatte sein Fuß denselben nicht mehr betreten. Andere B-- sitzer waren eingezogen, Unberechtigte, und der Erbe, sein Schützling, lag unbekannt, krank und unbeachtet in seinem Eigenthum, auf die Mild- thätigkeit der Fremden angewiesen. Als glückliches Kind hatte et ihn verlassen, als arme verlassene Waise sollte er ihn Wiedersehen.

Hoch aufgerichtet, jede Erregung unterdrückend, schritt er auf das Portal zu, als ein junges Mädchen eilig auf die Wirthfchaftsräume zuschritt.

aber man vergesse nicht, daß derjenige, welcher 200 Millionen Gleichgesinnter, die alle auf fein Thun schauen, hinter sich hat, mit einem weit größeren Milthe in den Kampf geht, als der Jfolirte. Wir halten eine Alliance universelle für ein außer­ordentlich gutes Mittel, um alle gleichmäßig zu stärken. Wir sind ferner der Meinung, daß diese Stärkung aller katholischen Gemütber nach und nach sich in Abstimmungen äußern muß und mit jedem Jahre größeres Terrain gewinnen wird. Solche überwältigende Massen kann man auf die Dauer nicht ignoriren, das geht einmal nicht, zu­mal bei dem Mangel einer anderen gleich großen Menge, die ihr gegenübergestellt werden könnte. Eine solche aber kann bei den Protestanten nie­mals erzielt werden, denn ihnen fehlt die Einheit des Glaubens und des Oberhauptes. Das Häuf­lein derer, welche noch glauben, was Luther gelehrt hat, ist sehr zusammengeschmolzen. Die lockeren Bande des Protestantismus beschränken sich auf den Protest gegen die katholische Lehre; im Ueb» rigen aber gehen sie in ihren Meinungen und Lehrsätzen so himmelweit auseinander, daß der ur­sprüngliche Piotestanttswus in eine Menge von Sekten zerfällt. Ein großer Theil glaubt über­haupt an nichts. Die freie Forschung hat sie zu Ungläubigen und Freigeistern gemacht; sie gehören nur dem Namen nach zur evangelischen Religion, und die Kirche hat nichts von ihnen, als die Steuern. In England macht der Katholizismus mit jedem Jahre größere Fortschritte, die Hoch- kirchlichen sind meistens indifferent, und die Sal- vation-Army ist eine so tolle Mißgeburt, daß sie nicht lange leben kann. Dasselbe läßt sich auch von den Quäkern und anderen Sekten sagen. In Amerika stehen die Katholiken ganz frei da, wenn sie auch, wie in England, ungeheure Opfer für die Reinhaltung der Religion bringen müssen. In Skandinavien ist der junge Baum eben im Wachsen begriffen, aber in diesen Ländern würde man eine Vereinigung mit großer Freude begtü. ßen, weil eine solche allein Kraft verleiht. In Holland könnte der Bund nicht wirkungslos bleiben, denn auch dort ist die Stärkung eine f0

Als es seiner ansichtig wurde, trat es auf ihn zu und sprach: „Sie sind wohl Herr Optenholt, nach dem unser Franz geschickt hat? Kommen Sie, ich werde Sie zu Ihrem kranken Verwandien führen, wir wollen hoffen, daß das Unwohlsein bald aehoben sein wird."

Bevor der überraschte Mann etwas erroibem konnte, eilte sie werter. Schweigend folgte er feiner Führerin, welche sachte eine Thüre öffnete und ihn bat, einzutreten. Als fein Fuß die Schwelle überschritt, blieb er wie gebannt stehen; der starke Mann preßte feine Lippen fest aufeinander, die Thräne zu zerdrücken, die unwillkürlich in fein Auge trat. Auf dem Lager, worauf fein Blick fiel, lag die abgezehrte Gestalt eines Knaben, in dessen bleichen Zügen er den frischen, blühenden Felix kaum wieder zuerkennen vermochte. Die geschlof­fenen Augen des Kranken lagen tief in den Höhlen; die sich rasch hebende und senkende Brust und die rothen Flecken auf den hervorstehenden Backen­knochen ließen nicht verkennen, daß der Arme von einem heftigen Fieber befallen war. Sein Blick ruhte so unverwandt auf dem Knaben, daß er die Anwesenheit einer Dame, die sich in dem Zim- wer befand, nicht bemerkt hatte, welche ihr Auge prüfend auf den Eingetretenen richtete. Ein Zug der Befriedigung glitt über ihr Antlitz und mit leiser Stimme sprach sie freundlich:

„Herr Schulte Optenholt? — bitte, nehmen Sie Platz."