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1885

FuldM

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Päpstliches Deeret

über die

Zrirr des hschheil. KrskuKraujks im Monat «Moder herausgegen

von der Congregation der Riten am 20. August d.J.

Unter den zahlreichen Akten apostolischer Obsorge, durch welche unser Heiliger Vater Leo XIII. seit dem Antritte seines Pontifikates sich bemüht, mit Gottes Hilfe der Kirche und der ganzen mensch­lichen Gesellschaft die ersehnte Ruhe wiederzugeben, strahlt in besonders hellem Glanze die Encyklika Supremi Apostolatua vom 1. September 1883, welche über die Feier des hochheiligen Rosenkranzes der glorreichen Gottesmutter Maria während des ganzen Monats Oktober des genannten Jahres spricht. Dieses Gebet ist ja durch die besondere Vorsehung Gottes eingesetzt, um die überaus mächtige und überaus nahe Hilfe der Himmels­königin herabzuflehen gegen die Feinde des Christen- thums, zum Schutze der Glaubensreinheit unter der Heerde des Herrn und um die um den Preis des göttlichen Blutes erlösten Seelen von den Pfaden des ewigen Verderbens abzulenken. Aber waren einerseits durch dieses so heilsame Unternehmen in dem genannten Monate die erfreulichsten Früchte der Frömmigkeit und des Vertrauens in den himm­lischen Schutz der allerseligsten Jungfrau Maria allerorts gesammelt worden, so waren andererseits die fortgesetzt bestehenden Bedrängnisie die Ursache, daß in dem darauffolgenden Jahre 1884, am 30. August, das zweite apostolische Schreiben Superiore anno hinzukam, mit denselben Ermah­nungen und Vorschriften: den kommenden Monat m gleich feierlicher Weise und mit gleicher Frömmig­keit der Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria vom Rosenkränze zu weihen, weil ja die vorzüglichste Frucht des guten Werkes und das Unterpfand des erreichten Sieges die Beharrlichkeit in dem Begonnenen fei. Eben daran festhaltend, wünscht der Heilige Vater, — da uns einerseits bis heute zahlreiche Uebel bedrängen und anderer­seits jener Glaube, der durch die Liebe wirkt, und eine mit beinahe unbegrenztem Vertrauen verbundene Verehrung der liebreichsten Gottesgebärerin unter dem christlichen Volke sich aufrecht erhält und ge­deiht, — daß man mit um so angestrengterem Effer und Freudigkeit allerorten einmüthig aus« harre im Gebete mit Maria, der Mutter Jesu.

Auf geheimnistvollen Wegen.

Roman von ?. Aiheifrld.

--------- (Nachdruck verb.)

Es war an einem düsteren, regnerischen März- abend. _ Die Luft war wild und stürmisch. Der Eind fegte durch die Straßen von Paris und rüttelte an den Thüren und Fenstern und bewegte die Schilder vor den prächtigen Läden der Metro­pole kreischend in ihren Angeln.

. Fern von dem GeschästStheil der Hauptstadt, dem Salon seines prächtigen Palais, saß der Graf Leon von Chatrois, sinnend und nachdenklich. Ber reich ausgestattete und von wohlthuender Wärme "füllte Raum bot einen angenehmen Gegensatz zu

Unwetter draußen. Ein Helles Feuer flackerte w Kamin. Der große Kandelaber, auf welchem w Meer von Lichtern brannte, erhellte den Salon . ? *n den fernsten Winkel. Frische Blumen in s/daren Vasen, dir Spiegeltische und die Nischen ^muckend, verbreiteten einen entzückenden Duft, istel, die Divans, die Gemälde, die zahlreichen atuetten, die den Raum zierten, Alles war kost- so \t künstlerischer Schönheit plazirt,

iih n einziger der vielen Luxusgegenstände

Utussig erschien, sollte die Harmonie des Ganzen

Denn er hegt die sichere Hoffnung, daß eben sie, die allein alle Ketzereien auf dem ganzen Erdkreise überwunden hat, wofern von unserer Seite würdige Früchte der Buße hinzukommen, den strafend:n Zorn der göttlichen Gerechtigkeit endlich besänftigen und uns zur Wohlfahrt und zum Frieden führen werde.

Der Heilige Vater hat daher, was immer in den beiden verfloffenen Jahren zur feierlichen Ver­ehrung der allerseligsten Jungfrau Maria vom Rosenkränze für den bezeichneten Monat vorge­schrieben war, auch für dieses und die folgenden Jahre vorgeschrieben und verordnet, daß es so lange Geltung haben solle, als die überaus trau­rigen kirchlichen und staatlichen Verhältnisse dauern und die Kirche nicht in der Lage sei, für die dem Papste zurückerstattete volle Freiheit Gott Dank zu sagen. Er hat daher beschloffen und verordnet, daß in jedem Jahre vom 1. Oktober bis zum folgenden 2. November in allen Pfarrkirchen des katholischen Erdkreises, in allen der heiligen Gottes­gebärerin geweihten öffentlichen Gotteshäusern ober auch in anderen Kirchen nach Auswahl der Ordi­narien wenigstens fünf Absätze des Rosenkranzes mit der Lauretanischen Litanei täglich gebetet werden und zwar soll dies Vormittags während der heiligen Messe oder Nachmittags vor dem ausgesetzten hochwürdigsten Gute geschehen und darauf die Gläubigen den sakramentalischen Segen empfangen. Der Heilige Vater wünscht auch, daß die Roserffranzbruderschasien. wo dies gesetzlich gestattet ist, feierliche Umzüge halten.

Mit der Erneuerung aller früher gewährten Ab­lässe verleiht der heil. Vater Allen, welche inner­halb des festgesetzten Zeitraumes der öffentlichen Abbetung des Rosenkranzes beiwohnen und in der Meinung Sr. Heiligkeit beten, sowie Denjenigen, welche, durch einen rechtmäßigen Grund hieran verhindert, dieses Gebet zu Hause verrichten, jedes­mal einen Ablaß von sieben Jahren und sieben Quadragenen. Jenen aber, welche in der oben genannten Zeit wenigstens zehnmal in der Kirche, oder, wenn rechtmäßig verhindert, zu Hause obige Gebetsübung verrichten und die heil. Sakramente der Buße und des Altars empfangen, verleiht er einen vollkommenen Ablaß aus dem Gnadenschatze der Kirche, ferner verleiht der heil. Vater allen Denjenigen die vollkommene Vergebung der Sün­denschuld und Nachlassung der Strafen, welche an

nicht gestört werden. Die schweren, seidenen Fenster­vorhänge, welche von der hohen Decke herab auf den teppichbelegten Fußboden niederfielen, schlossen jeden eisigen Luftzug aus, der von draußen herein- bringen konnte.

Der Besitzer all' bieser Herrlichkeiten war ein Mann von hoher, stolzer Erscheinung, von eleganten, noblen Manieren. Seine Augen leuchteten noch immer im jugendlichen Feuer, im auffallenben Gegensatz zu bent schneeweißen Haar, welches fein Haupt bebeckte. Der Graf staub im siebzigsten Lebensjahr, aber er war noch vollkommen rüstig unb empfanb nichts von all' ben kleineren ober größeren Leiben, bie bas Alter für so Viele mit sich bringt. Sein Geist besaß noch eine fast jugenb» liche Spannkraft und in seinem ganzen Wesen repräsenlirte er ben Hofmann aus der alten Schule.

Während er an diesem Abend so dasaß, indessen draußen der Wind heulte und dann und wann die schweren Regentropfen gegen bie hohen Fenster prasselten, erfüllten ben Grafen Gedanken, die nicht eben der freundlichsten Art waren.

Herr von Chatrois besaß eine Tochter.

Comtesse Gabriele war ein Mädchen von wunder­barer Schönheit. Ihre Erscheinung war eine könig­lich majestätische. Gabriele hatte bie erste Jugend

dem Festtage der allerseligsten Jungfrau vom Rosen­kränze selbst oder an einem der auf das Fest fol­genden acht Tage bie heiligen Sakramente, wie oben erwähnt, empfangen unb in irgenb einer Kirche in seiner Meinung zu Gott unb seiner hei­ligsten Mutter beten.

In weiterer Erwägung hat ber heil. Vater allen Gläubigen, welche auf betn Laube leben unb be- sonbers im Monat Oktober wegen ber Felbarbeiten verhinbert stnb, bie Gunst gewährt, baß für solche Orte bie obigen einzelnen Bestimmungen unb hei­ligen Ablässe auf bie fotgenben Monate November ober Dezember, je nach bem weisen Gutbünken ber Orbinarien, verlegt werben müssen.

Se. Heiligkeit hat angeorbnet, baß hierüber durch die heil. Kongregation der Riten bas vorliegenbe Dekret verfaßt unb allen Orbinarien behufs ge­treuer Ausführung übermittelt werbe.

Am 20. August 1885.

D. Karbinal Bartolini, Lorenz Salvati, Präfekt. Sekretär.

Deutsches Reich.

Berlin, 20. September.

• Die bisher genannten Termine für die Wah­len zum Abgeorbnetenhaufe sollen ber,Kreuz-Ztg.' zufolge boch eine Verschiebung erfahren haben. Nicht ber 5. unb 12. November, fonbern ber 29. Oktober unb 5. November sollen bazu bestimmt sein. . -

* Die ,Germania' hat mit dem Abdruck einer größeren Arbeit von Dr. Eugen Jäger über bie Hanbwerkerfrage begonnen. Die Hanb- werkerkreise, bann aber auch alle Jene, welche praktisch, publizistisch unb parlamentarisch an ber Lösung ber sozialen Frage mitzuarbe iten berufen sinb, werben sich in bieser Schrift orientiren können. Das erste Kapitel faßt bie Geschichte bes Hanbwerks im Alterthurn und Mit­telalter kurz zusammen, das zweite wird bie allmälige Einführung ber Gewerbefreiheit schilbern. Daran reihen sich bann bie sagenden, welche die Hanbwerkerbewegung der Gegenwart erzählen. Die Schilderungen umfassen die Ver­handlungen in ben Parlamenten, bie Hanbwerker« tage, bie Ansichten ber einzelnen Parte.en, bie wichtigsten literarischen Erscheinungen u. s. w., alles in möglichster Knappheit, jedoch immerhin

bereits überschritten, unb war, zum Schmerze ihres Vaters, noch immer unvermählt. Nicht, baß sie keine Bewerber gefunben hätte. Sie war stets ein Stern am Himmel ber Pariser Gesellschaft gewesen. Sie war geistreich unb von fast märchenhaftem Reichthum, welchen sie von ihrer Mutter Seite geerbt hatte. Die Zahl ihrer Bewerber war Legion, aber kein Einziger unter Allen, bie ihr Herz unb Hanb zu Füßen gelegt, hatte Gnabe vor ihren Augen gefunben. Es war bem Grafen unb Allen ein unerklärliches Räthfel, weshalb die schöne Com­tesse bei den glänzendsten Bewerbungen so fest auf ihrem Willen, nicht zu heirathen, beharrte. Aber als Jahre vergingen, machte ber betrübte Vater, ber seine einzige Tochter so gern glücklich vermählt gesehen hätte, sich allmählig mit bem Gebanken vertraut, Gabriele als ein lebendiges Räthsel zu betrachten, als ein Weib ohne Siebe! Ja, gewiß, sie kannte kein Fühlen wie Andere, sie wußte nicht, was Liebe ist, diese schöne, ge- heimnißvolle Sphinx mit dem Marmorherzen!

Ein erneuter, heftiger Windstoß, der bie Lohe im Kamin Heller emporschlagen ließ, schreckte ben Grafen aus seinem Sinnen auf. Er streckte bie Hanb nach bem nahen Glockenzuge aus. Ein Diener erschien.