Fuldm
Der Erbe.
Original-Novelle von Wilhelm van Linn.
„Gewiß that sie das; aber liebes Tantchen, es blieb nicht viel Zeit dazu. Die englische Miß, der französische Sprachlehrer und der lange Mustkdirek- tor haben Deiner armen Hedwig so wenig Zert gelaßen, daß ich wirklich nicht mehr weiß, ob nur noch die Fähigkeit geblieben ist, einen tüchtigen Marsch über die Haide oder durch den Wald zu machen." r .
„Du armes Kind!" sprach die Gräfin lächelnd.
„In der ersten Zeit kam ich mir wie ein m einem Käfige eingesperrtes Vögelchen vor. Du weißt aber, liebes Tantchen, daß Deine Hedwig nichts halb thun mag. Die Langeweile trieb inich zum Lernen, nach und nach fand ich auch Vergnügen daran und schließlich gab mir selbst Onkel Oberst das Zeugniß, daß er mit meinen Fortschritten zufrieden sei. Allerdings glaubte er, daß ich die besten im Reiten gemacht habe, da ich so sicher im Sattel säße, wie ein junger Kornett."
Der Eintritt der Herren unterbrach die Herzensergießungen Hedwigs.
„Nun gehe, mein Kind und kleide Dich um, sprach die Gräfin, „ich sehe, Johann erscheint, uns zu melden, daß das Souper bereit ist."
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Lustig klangen die Glöckchen des über die festgefrorene Schneefläche dahin sausenden Schlitten.
Man wird das banale Wahrheiten nennen, gewiß! Aber man sollte sie doch nicht aus den Augen verlieren und nicht vergessen, was für harte und schme rz haste Erfahrungen nöthig gewesen, um ihre Richtigkeit zu erweisen. Hat nicht in Frankreich, in Deutschland und Italien, um nur diese Länder zu nennen, der Kampf gegen die Kirche und das Papstthum die Kräfte des revolutro- nären Sozialismus verdoppelt, ist nicht in diesem traurigen und beklagenswerthen Confiikt der Staat und die Gesellschaft weit härter mitgenommen worden als die Kirche i
Die Katholiken und die Regierungen müssen Seo Xlll. dankbar sein für die Beharrlichkeit, mit welcher er immer wieder auf so einfache Wahrheiten zurückkommt, die leider so oft mihkannt werden. Leo XIII. spricht so nicht bloß als Papst, sondern auch als Politiker und Mensch, der unsere gegenwärtige Gesellschaft kennt. Der Papst weiß, daß in beinahe allen Ländern die religiöse Frage mit der sozialen sich verquickt, daß unter diesen beiden Fragen eine ganz enge Verbindung besteht, der die Staatsmänner Rechnung tragen müssen.
Möchten doch die dabei interessirten Regierungen diesen so dringenden und so ost wiederholten Diahnungen des Papstes zum religiösen Frieden ein geneigtes Ohr leihen. Sie und ihre Völker werden dann zuerst die Wohltha- ten eines loyalen und dauerhaften Friedens mit der Kirche genießen.
* (Liberale Tendenzlügen.) Die .Köln. Zeitg.' leistet sich in ihrer letzten Nummern folgende hämische Notiz: „Bischof Ko rum, der übrigens, nebenbei bemerkt, gleich den übrigen neu ernannten Bischöfen und getreu der Gepflogenheit des vorigen Jahres auch dies Mal wieder die „Katholiken"-Versammlung in Düsseldorf stillschweigend desavouirt, indeß Melchers und die außerdeutschen Bischöfe schon eher das Vergnügen sich gestatten konnten, Zustimmungsschre^cn von Stapel zu lassen - Bischof Korum also ist gestern von einem kleinen Unfall betroffen worden. Ohne die defpektirliche Mittheilung der Ehre einer Kritik werth zu erachten, konstatirt das .Düsseld. Volksblatt' nur, „daß von fämmtlichen neu ernannten Bischöfen Zustimmungsschreiben an das vorbereitende Komit« der 30. Generalversammlung zu Düsseldorf eingegangen sind, den hochw. Herrn Bischof Korum nicht ausgeschlossen." c ...,
♦ (Für die Reform der preußischen Klassensteuer) hat der Finanzminister eine statistische Nachweisung eingefordert, über welche meh- chen der Erlösung auszurichten. Dieses Kreuz war in der ganzen Gegend unter dem Namen : das schiefe Kreuz" bekannt, da der obere Dheil sich so bedenklich zur Seite neigte, daß man glauben sollte, der geringste Windstoß würde es zu Boden werfen, obwohl es schon seit manchen Generationen in derselben Lage stand. Die Sage ging, daß es bereits zur Zeit des dreißigjährigen Krieges, wo die Schweden sengend und brennend das Land durchzogen, errichtet worden sü.
Ein mansfeldscher Reiter habe fern Pferd an das Kreuz gespannt, es umzureißen. Unter Fluchen und Verwünschungen habe er das Dhier angetrieben, welches nichts vorwärts wollte, schnaubte und stöhnte und immer widerspenstiger wurde. Als alle Anstrengungen und Schläge nichts fruchteten, schwang er sich in den Sattel und spornte das Pferd, daß das Blut von den Lenden herunter floß Das Thier bäumte sich vor Schmerz hoch auf,' warf den Reiter ab und zerschmetterie ihm durch einen Hufschlag den Schädel. Landleute, die aus der Ferne das schändliche 4,reiben gesehen hatten, fanden das Pferd ruhig an dem Kreuze stehen, welches durch den kräftigen Ruck sich aber oben zur Seite geneigt hatte, lösten den Strick ab und begruben den Gotteslästerer hinter dem Kreuze.
Niemand ging daran vorüber, ohne ein andächtiges Paternoster zu sprechen; zur Nachtzeit aber vermied man gerne den Weg. Mancher einsame Wanderer wollte eine schreckliche Gestalt mit brei-
,Der Brief Leo's XIII. an den Erzbischof von Wien enthält Lehren und Unterweisungen, deren Weisheit und Opportunität Niemandem entgehen kann, und aus die man zurüÄommen muß.
Nachdem Leo XIII. den wichtigen und ruhmreichen Antheil des Papstthums an der Befreiung Wiens mit Recht betont und gezeigt hat, daß, wenn Europa der türkischen Barbarei entronnen ist, es dies den Päpsten verdankt, fügt er betreffs unserer gegenwärtigen Gesellschaft folgende Worte hinzu: „Zwischen Kirche und Staat Mißtrauen und Streit säen, heißt zugleich gegen die Gerechtigkeit und Klugheit handeln und nicht weniger der Gesellschaft als der Kirche Unrecht thun."
In diesen Worten ist emer der leitenden Gedanken im Pontifikate Leo's XIII. nnedeHegeben. Der Papst hat in Erwägung der unschätzbaren Wohlthaten des religiösen Friedens Nichts unterlassen, um da, wo Konflikte existirten, denselben ein Ende zu machen und zwischen den beiden Gewalten Beziehungen guter und inniger Freundschaft wiederherzustellen oder zu erhalten.
Um zu diesem Ziele zu gelangen, hat Leo XIII. erne Großmuth und Ausdauer bewiesen, der sogar seme Gegner die Anerkennung nicht versagen konnten.
Diese weise Haltung ist nicht ohne Folgen geblieben. In fast allen großen Staaten Europas hat der Zustand des heftigen Kampfes zwischen den Katholiken und der weltlichen Gewalt ein Ende genommen, und wo noch Anläße zu Argwohn und Fehde existiren, da werden sie bald verschwinden, wmn die Regierungen dieser Lander in dieser zarten Frage dieselbe Mäßigung und denselben guten Willen wie Leo XIII. zeigen. Ja, der Papst hat Recht, jede religiöse Verfolgung ist ein Kampf gegen die Gerechtigkeit ebenso sehr, wie gegen die Klugheit. Gegen die Gerechtigkeit, weil die Katholiken wie die anderen Bürger Rechte besitzen, welche die Gesellschaft ihren Medern gewährleistet hat, unds deshalb die^ftne Ausübung ihres Kultus hmdern, eme ärgerliche Ungleich, heit zwischen den Bürgern desselben Staates etabliren heißt.
Die Monarchien ebenso wie dre Republiken besitzen keine treueren und die Rechte Anderer mehr achtenden Unterthanen, als die Katholiken. Und dennoch verlegen sich gewisse Staaten, während sie dem Atheismus, der Freidenkerei und anderen noch monströseren Zehren volle Freiheit einräumen, darauf, die Kirche zu peinigen und mit tausend Plackereien zu umgeben, wenn sie nicht aar zur offenen und erklärten Verfolgung übergehen. Welch eine offenbare Ungerechtigkeit! Aber auch zugleich, wie der Papst bemerkt, welche Unklugheit. Was man der Kirche nimmt, gewinnt nur dre Revolution und der Sozialismus. Da die Kirche eine große Schule des Gehorsams ist, wie man gesagt hat so heißt sie bekämpfen, den Geist und das Gefühl des Gehorsams in den Massen unterdrücken und die Gesellschaft selbst angreifen.
Der Führer desselben, in einen weiten grauen Mantel gehüllt, den Fuchspelzkragen hoch aufgeschlagen, ließ die Seine nachlässig auf der Stange ruhen. Ein Schnalzen mit der Zunge genügte, ben Braunen in scharfem Trabe zu halten. Es schien, als ob das Thier begriff, daß sein Herr Eile habe, denn unausgesetzt eilte es weiter.
„Ich muß aber gestehen, Herr Optenholt, sprach sein Begleiter, „der Braune ist ein wackeres Thier, wenn ich meinen Fuchs nicht hätte, möchte ich em hundert Kronen für denselben quitt sein.
„Das glaube ich gerne, Herr Doktor ; Ihr Fuchs thut Ihnen dieselben Dienste und ist ein frommes Pferd. Die meinigen müssen anders herhalten.'
„Mein Fuchs und ich passen gut zusammen; wir treiben Alles mit Bedacht. Daran haben Sie gewiß auch gedacht, als Sie mich abholten. Ihr Leutchen glaubt immer, der Sensenmann stände schon am Bett, wenn der Doktor nicht wie em Sturmvogel heranflöge."
Das weniger; aber sollte ich den Weg zur Stadt zu Fuß machen und mich dann so lange gedulden, bis Ihr alter Johann angeschirrt hatte? Jetzt sind wir in derselben Zeit auf dem Schloße.
Eine einzelstehende Birke ragte aus dem weiten Schneefelde hervor, die mit ihren blätterlosen Reisern ein schmuckloses Kreuz überdachte, wie der fromme Sinn der dortigen Bewohner vielfach an den Wegen errichtet. Vorzugsweise wählte man die Kreuzungspunkte der Straßen aus, das
Settuna' scheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonwmi^^iS ohne BM^rlöhn u^ Bestellgeld: 1 Rk. 50 Pfg- "»t bet „—
Deutsches Reich.
Fulda, 19. September.
» (Zur Rückberufung des Bischofs von cimburg) knüpft der ,Rheinische Kurier' an die bekannte Nachricht der ,Nat. Ztg.' eine nicht uninteressante Bemerkung. Will man, so schreibt das Blatt, den Bischof Blum begnadigen, so muß man es bedingungslos thun; auch die Liberalen bei uns haben nichts" dagegen, wenn dem greifen Bischöfe gestattet wird, in feine Heimath zurückzukehren. Es ist diese Bemerkung deshalb von besonderem Interesse, weil das Blatt, welches sie an erster Stelle bringt, das nassauische Hauptorgan des kulturkämpferischen Nationalliberalismus, von einer Gesinnung mit den Herren von Eynern und von 6uni), ist. Wenn selbst ein solches Blatt schreibt, daß die Liberalen nichts gegen die Rückkehr des Bischoss von Limburg in feine Diözese einzuwenden hätten, so kann man wohl annehmen, daß alle Nassauer mit verschwindenden Ausnahmen einig darin sind, die Regierung solle die ihr zustehende Vollmacht zu Gunsten unseres hochw. Bischofs anwenden. Daraus ergibt sich aber von Neuem, daß lediglich die Regierung die Verantwortung für alle aus der Abwesenheit des Bischofs folgenden Schäden und Nachtheile trifft. Schon einige Male hatte die Regierung passende Gelegenheit, durch Zurückberufung unseres Bischofs dem kathol. Volke zu zeigen, daß es ihr ernstlich darum zu thun sei, alles in ihren Kräften Stehende zur Milderung der religiösen Noth zu leisten. Allgemein war die Hoffnung verbreitet, daß bei Gelegenheit des Jubiläums unseres Bischofs diese Rückberufung erfolgen würde. Die Hoffnung wurde getäuscht. Möge diesmal nicht abermals eine Enttäuschung eintreten! Sonst dürste leicht im nassauischen katholischen Volke eine Stimmung platzgreifen, wie sie vormals Minister Falk mit den Worten charakterisirte: Man glaubt uns kein Wort mehr; und dies dürste doch für die Regierung nicht gerade angenehm sein. ,
• (Unter dem Titel „der religiöse Friede") enthält der letzte ,Montieur de Rome' einen Leitartikel, den wir dem Wortlaut nach mittheilen:
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M 214.
Mittwoch, den 19. September
1888.