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4. Die XXX Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Düsseldorf.

(Original-Bericht.) X.

Düsseldorf, 13. Sept.

Die Betbeiligung an der vorgestrigen Fahrt nach Kaiserswerth war eine außerordentlich zahlreiche, so daß 7 Schiffe, ganz in Flaggen ein­gehüllt, theilnahmen und doch alle Teilnehmer nicht fassen konnten. Am Grabe des h. Suit- bertus wurde Vesper und Predigt abgehalten, dann wurde der Reliquienschrein des h. Suitber- tus von den Gästen in Augenschein genommen. Von deni bereitstehenden Kaffee wurde nur wenig Gebrauch gemacht, weil es nach Besichtigung des Reliquienkastens die höchste Zeit war, zurückzukeh­ren. So mag es in Kaiserswerth bei Gelegen­heit der Heiligsprechung ausgesehen haben, schwer­lich aber jemals später.

Die „Ausstellung katholischer Litera­tur und Kunst", von der hiesigen Buchhand­lung W. Deiters im Anschluß an das Local- Komite veranstaltet, erfreute sich guten Besuches. Sie gibt ein übersichtliches, ziemlich vollständiges Bild der Thätigkeit unserer katholischen Verleger. Es tritt dabei ein höchst erfreulicher Aufschwung unserer Belletristik zu Tage.

Heute Morgen nach der h. Meffe begann die Sitzung des sozialen Ausschusses schon um 8 Uhr, denn es gab Vieles nachzuholen. Der Referent, Pfarrer Wassermann, welchersich auf dem Gebiete der Sozial-Politik eine bedeutende Gewandheit erworben, bestieg die Rednerbühne und legte in einem längeren Vortrage dar, daß die Wirthschaftslehre auch eine religiöse Seite hat, und daß Staat und Kirche zusammenwirken müs­sen, um alle Fragen auf diesem Gebiete, auf welchem nicht einseitig vorgegangen werden kann und darf, gemeinschaftlich zu lösen. Der Antrag Pleß, mit der Errichtung von obliga- rorischen Innungen sich einverstanden zu er­klären, wird von ihm mit dem Hinweise, daß er Mm Hauptantrage gehört, bekämpft. Leider find seit der Reformation die Innungen nach und nach aufgelöst worden, und man hat allen Kor­porationen, besonders der kath. Kirche den Krieg erklärt. Seitdem sind total andere Verhältnisse entstanden und es wird fast unübersteigliche Schwie­rigkeiten haben, wieder auf den alten Standpunkt iurückzugelangen; doch sind die Bestrebungen der Handwerker zu ehren und zu unterstützen. Er selbst habe die innigste Theilnahme für die arm gewordenen Handwerker, aber mit der Zwangsin- nung gehe es vor der Hand noch nicht, denn es müsse vorher der Boden geschaffen werden, auf dem sie möglich sei.

Graf Galen möchte einen praktischen Vorschlag wachen. Die Handwerker selbst müßten Hand Mlegen, um einen Rechtsboden zu schaffen. Das "echt wächst aus dem Volke, und erst, wenn es 9enug erstarkt ist, hat der Staat die Pflicht, es durch Gesetze zu schützen. Wäre es nicht möglich, daß die Gesellen- und Meisterverbindungen sich ^'gen, daß die Meister Lehrlinge in's Haus uehmen und unter sich eine Jury bilden, welche we Lehrlinge zu Gesellen befähigt erklärt; und so gehe es auch mit den Gesellen. Auf diese Weise wöchten die Meister die Vorbedingungen schaffen, °uf denen die Zwangsinnung aufgebaut werden wnne. Eine schrankenlose Zwangsinnung aber sei wcht möglich.

... Schuster, Buchbinder aus Düsseldorf, spricht .ur obligatorische Innungen. Wassermann ist tlQ9e9en, weil sich die Sache erst aus dem Volke

herausbilden müsse. Es hätten sich bisher 60,000 Meister für die Zwangsinnung ausgesprochen, 200,000 dagegen. Wenn es nun wirklich gelänge, den 60,000 den Vorrang zu verschaffen, so solle man nicht glauben, daß die gesetzliche Innung so werde, wie man sich dieselbe vorstelle; es müsse für die Regierung ein Zwang geschaffen werden, indem sich die Gewohnheit für die Zwangsinnung ausspreche, anders gehe es nicht, obschon sein Herz ganz bei den Handwerken stehe.

Es wird über die Frage abgestimmt, und der Antrag des Vorstandes, vorläufig auf Errich­tung von freien Innungen hinzuwirken, angenommen.

Der Antrag des Pfarrers Heggen, die Zeitschrift ,Arbeiterwohl' und das „häusliche Glück" zu unterstützen, wird ohne Debatte ange­nommen. Der Antrag zur Bekämpfung der Tanz­musik ebenfalls. Herr Kaplan Dr. Schmitz dankt sodann dem Herrn Wassermann für die umsichtige Leitung.

Den Bericht über die Verhandlungen des Aus­schusses für Wissenschaft und Presse erstat­tete Frhr. v. B ö s e l a g e r. Ein Antrag des Herrn Rechtsanwalts Bodem, die vorjährige Resolution zu erneuern, durch welche die Generalversammlung ihr Bedauern äußert über die Ausnahmestellung der Presse, namentlich der katholischen, in Elsaß- Lothringen, und der dortigen katholischen Presse ihre Anerkennung ausspricht, ist angenommen wor­den, und wird auch seitens der Versammlung be­stätigt.

lieber die Berathung des Ausschusses für Vereinswesen berichtet Herr Dr. Lingens. Herr Pfarrer Schlösser (Bremen) verbreitete sich über dre Zwecke und die dreizehnjährige segens­reiche Thätigkeit des St. Raphaels-Vereins. Sodann gelangte ein Antrag des Subregens Dr. Pingsmann (Köln) bezüglich einer besseren Un­terstützung der kath. Kirche im Orient zur Annahme.

Ein Antrag auf Herstellung einer Statistik der kath. Vereine wurde durch motivirte Ta­gesordnung erledigt; ebenso der Antrag auf Em­pfehlung des dritten Ordens des hl. Franziskus, da dies eine durchaus kirchliche Angelegenheit sei. Einige noch nicht gedruckt vorliegende Resolutionen werden wir später nachtragen.

Schließlich wird folgender Antrag (Ausschuß für christliche Charitas) des Stadtpfarrers Mün­zenberger (Frankfurt) angenommen: „Die XXX. Generalversammmlung wolle dem durch durch das Frankfurter Comitö vergrößerten Werke zur Unterstützung hülfsbedürftiger Prie- steramts-Kandidaten ihre volle Sympathie bezeigen und dasselbe auf das wärmste empfehlen."

Bezüglich des Ortes der nächsten Generalver­sammlung war Kaiserslautern, eventuell Innsbruck oder Salzburg, vorgeschlagen; je­doch wurde nach einer herzlichen Ansprache des Herrn Dechanten Hammer in üblicher Weise die Entscheidung den später durch den Herrn Com- missar der Generalversammlung zu führenden Verhandlungen vorbehalten.

XI.

Düsseldorf, 13. Sept.

Die IV. und letzte öffentliche General­versammlung wurde heute Vormittag um IP/e Uhr eröffnet. Erster Redner ist Herr Pfarrer Szadowski aus Wildenberg (Ostpreußen): Es kommt mir wie Ironie vor, auf die Rednerbühne zu steigen, wo so große Leute schon zu Ihnen ge­sprochen. Ich komme von der äußersten Grenze Deutschlands und der Kultur, wo, ich möchte sa­gen, die Welt mit Brettern verschlagen ist, um

mich zu wärmen an der christlichen Charitas der Glaubensbrüder im Westen. Vor allem aber ist es die Pflicht der Dankbarkeit, welche mich her­treibt. Ich bin der Missionspfarrer aus Wilden­berg, dem äußersten Ende des Reg.-Bez. Königs­berg, als Grenznachbarn habe ich den Kaiser von Rußland. Dennoch ist Wildenberg eine Tochter- geineinbe Düsseldorfs, beim bas Lokalcomitö von Düsseldorf hat sie gegrünbet, baher kann ich als Sohn, ber aus ber Frembe kommt, mich nennen. Schlicht will ich sagen, was mich bewog, heute her zu kommen, es ist bie Pflicht ber Dankbarkeit, bie sentimentale Sympathie ber thatkräftigen kath. Charitas. Rebner legte ein deutliches Bild ber Kirche in ben bärtigen Missionen vor, welche von Köln unb Düffelborf unterhalten werben, wie in seinem Wirken von 1850 an aus fast 300jähr. Schlafe biefe äußersten Provinzen sich wieber empor gearbeitet, so baß sie jetzt schon Privat- Schulen, von kath. Lehrern geleitet, unb Kirchen, wenn auch bürstige, mehrere besitzen, unb schließt: Im Namen biefer Gemeinden banke ich ber christl. Charitas für ihre Opserwilligkeit. Unsere ganzen Gemeinben hängen ab von Köln unb Düsseldorfs Gnabe, halten Sie baher ihre Gemeinben fest, ge- benken Sie unserer im Gebete.

Hr. Rechtsanwalt Müller aus Koblenz. Ich erscheine vor Ihnen als eine eingelegte Nummer, beim ursprüglich staub mein Name nicht auf der Rednerliste, die ganze Verantwortlichkeit fällt da­her auf die, welche mich h-rgerufen. Alles in Bezug auf die Kirche ist vor Ihnen aufgerollt worden, auf polttischern Gebiete glaube ich aber »»ch ui können. Wenn die Kirche

in eine Staatsanstalt verwanoeu lueruc» ?vu, v«,« kann ja auch nichts anders als von Politik ge­sprochen werden, dann kann man kein Vaterunser mehr beten ohne Politik. Wir leben in einer schweren, ernsten Zeit des Kampfes und ber Au­ftürmung aller Bösen der Unterwelt gegen Gott und feine kath. Kirche, wo das alte Heidenthum über uns herzustürzen droht, wir leben aber auch in einer hohen, erhabenen Zeit, wo wir katholische Männer berufen sind, im Kampfe mächtig zu fein, einzutreten mit aller Macht im Kampfe für die Sache Gottes und feiner Kirche. Wir müssen uns dieser Sache voll bewußt fein, um alles aufbieten und der Kirche Mittel zuwenden und einzutreten für unsere gerechte Sache. Wenn wir uns dieser Pflicht voll und ganz bewußt sein wollen, so müs­sen wir persönlich überall und unter allen Um­ständen unfern heiligen Glauben frei bekennen, unser Leben muß ganz vom Glauben durchdrungen fein. Golt Lob und Dank, es ist besser geworden im deutschen Vaterlande, was das muthige Glau- bensbekenntniß betrifft. Es ist noch nicht lange her, baß man sich schämte, katholisch zu lein. Aber feit einem Jahrzehnt ganz besonders, da ist das kath. Bewußtsein mächtig hervorgetreten, und heute an diesen Tagen hat das kath. Volk es be­griffen, daß es stolz sein kann, katholisch zu sein. Wie sollten wir denn auch nicht mit Stolz uns nennen, unfern Glauben bekennen, der uns die Wahrheit und das Licht bringt, während bie anbern Nachbarn im Irrlicht und in Verzweif­lung sind. Wie sollten wir nicht unfern. Glauben bekennen, der voll und ganz die Wahrheit ist, den uns Niemand auf Erden rauben kann. Warum sollten wir nicht mit inniger Anhänglichkeit der Kirche ergeben sein, die uns stärkt im Vertrauen zu Gott, die uns errettet aus der Barbarei zur Civilisation. Durchdrungen von diesem Bewußt­sein sind wir eingetreten in den Kampf, wir be- thätigen unsere Liebe zur kath. Kirche, auch da­durch, daß wir als Staatsbürger eintreten für das Recht und die Freiheit der kath. Kirche. Die Kirche