Donnerstag, den 13. September
M 209
Fuldnrr
zip hochgehalten wird. In Verfolg der Berathung stellt sich heraus, daß man der Landbevölkerung solche Vorschriften nicht machen kann. Der Sinn des Antrages wird angenommen.
Der Ausschuß für ch ristliche Kunst unter dem Vorsitze des Freiherrn v. Heereman bespricht die Punkte, welche bei der Restauration von Kirchen maßgebend sein sollen. Man soll vor allen Dingen einen ganzen Bauplan vorlegen und beim Style des Bauwerks bleiben, mit äußerster Pietät gegen gestiftete Denkmäler verfahren.
VI.
Düsseldorf, 11. Sept.
II. geschlossen e Sitzung. Dr. Roßhirt eröffnet die Sitzung. Kaplan Dr. Schmitz verließt Telegramme und Schreiben aus Nordamerika, aus der Schweiz und aus allen Theilen Deutschlands. Auch vom Bischof Georg von Fulda ist ein Antwortschreiben auf die besondere Einladung eingelausen. Es wird beschloffen ein Telegramm an den Papst abzusenden. Der Verein vom h. Grabe und die Missionen des Orients werden bestens empfohlen. Dr. Pings mann spricht für Konstantinopel, es hat jetzt eine Kirche, ist aber noch 4/s von 200,000 Mk. darauf schuldig. Die Sanktuarien des h. Landes sind in den Händen der Türken. Zur Schmach des Chri- stenthums wird der Gottesdienst vielfach in Höhlen und Kellern abgehalten. Man muß einen friedlichen Kreuzzug machen, indem man die h. Orte durch reiche Gaben zurückgewinnt. Ist angenommen.
Der hochwürdigste Bischof Baudri erscheint. Alle Anwesenden erheben sich von ihren Sitzen.
Racke stellt Anträge für den Bonifacius-Verein, dessen Missionen im Norden, im Süden, in Oesterreich, in Siebenbürgen große Mittel erfordern. 310 Missionen und 360 Schulstellen sind gegründet, aber nur 60—70 völlig dotirt. Die Jahreseinnahme wird ganz von den Schulen verschlungen. Die Fürsorge erstreckt sich auf Hamburg, Hannover, Halle, Basel, Kopenhagen. In der Mark müffen viele Schulen gegründet werden. Die Verhältnisse in der Diözese Speyer sind haarsträubend. Den Katholiken wird dort das Leben verbittert; es muß geholfen werden.
Was die Unterstützung der Kommunikanten betrifft, so ist ein Aufruf an alle Frauen und Jungfrauen Deutschlands ergangen für die Jirgend in der Diaspora zu sorgen, wo 558 Zöglinge ausgenommen sind.
Pfarrer Wassermann spricht für Mainz. Kaplan Metz für den Bau einer neuen Kirche in Basel. Mit wahrhaft ergreifenden Worten schildert er die dortige Roth unter den Katholiken und führt aus, wie dort jeder Antrag um Hülfe seitens der Behörde abgewiesen worden. Er bittet um die Ueberschüffe der diesjährigen Versammlung, um eine Kirche bauen zu können, schließlich um Almosen für die scywer bedrängte Kirche. — Seine lange Rede machte einen gewaltigen Eindruck, aber es kann ihm nicht geholfen werden, weil die Ueberschüffe der General-Versammlung zum Bau einer Kirche in Halle bestimmt sind, doch empfiehlt der Vorsitzende freiwillige Gaben.
Zum Schluß besteigt Direktor Kiesel die Rednerbühne, um ü er die Anträge im Ausschüße für die Charitas zu berichlen.
Die Generalversammlung ertheilte u. A. folgenden Anträgen ihre Zustimmung:
Antrag Meurers:
a) Im Anschluß an die Beschlüße der 28. Generalversammlung in Bonn im Jahre 1881 erklärt die gegenwärtige Generalversammlung die dringende Noth- wendigkeit, daß die überhandnehmende Trunksucht energisch und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln bekämpft werde.
4. Die XXX Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Düsseldorf.
(Original-Bericht.)
Düsseldorf, 11. Sept.
Gesellige Zusammenkünfte.
Der Andrang der Katholiken wird immer größer, das Fest gestaltet sich auch äußerlich zu einem wahren Volksfeste. Gestern Abend nach dem Schluffe der ersten öffentlichen Sitzung fanden im Vereinshause seitens der Marianischen Congregation und im Gesellenhause festliche Veranstaltungen statt. In dem schönen Gesellenhause, welches jetzt noch durch ein angekauftes Haus vergrößert ist, warteten die Gesellen auf die Ankunft Windt- horst's. Bald erschien er am Arme des Herrn Kaplan Ley und des Abgeordneten Biesenbach, wo er abgestiegen ist. Mit unendlichen Hochrufen wurde er empfangen und zum Vorstandstische geleitet. Der Saal war überfüllt von Fremden, die Gesellen mußten stehen. Der Präses des Ge- sellcnvereins, Herr Kaplan Spickernagel, hielt eine Anrede, in welcher er eine Uebersicht der Leistungen des Gesellenvereins gab und zugleich mittheilte, daß Se. Excellenz, Herr Windthorst, sich so eben als Mitglied habe aufnehmen lassen. Endloser Beifall folgte. Windthorst erhob sich und wendete sich an die Gesellen, indem er ihnen die Vorzüge des Vereins schilderte. In scherzhafter Wendung stellte er sich als Lehrling dar und führte aus, daß er bei einer abermaligen Wanderung nach Düffeldorf seinem Freunde Biesenbach durch Einkehr in das Gesellenhaus die Last seiner Verpflegung abnehmen werde, denn er habe ihn nicht so billig (Großer Beifall). — Herr Kaplan Ley feierte in längerer Rede den hohen Gast und wies auf seine Verdienste für die kath. Kirche hin. Windthorst replizirte, er halte fest und gebe dem Winzer an der „Mosel" recht. Dieser sei mit einem ihm befreundeten Abgeordneten zusammengekommen und das Gespräch habe sich auf die Politik und die religiösen Wirren bezogen. Im Verlaufe desselben habe der Winzer geäußert: „Der Kleine läßt nicht nach." Dieser Winzer habe den Nagel auf den Kopf getroffen, der Kleine laße nicht nach, so lange den Katholiken in religiösen Dingen keine volle Freiheit gewährt sei. Nach dem Vortrage einiger Lieder erhob sich Windthorst, um zum Vereinshause zu gehen. Die glücklichen Gesellen geleiteten ihn unter lauten Hochrufen zur Thüre.
Die Marianische Congregation für junge Kaufleute hatte große Festlichkeiten veranstaltet. W i n d t h o r st wurde mit großem Jubel empfangen. Hr. Kaplan Dr. Schmitz hielt eine längere Anrede; sodann wurde von zwei jungen Kaufleuten ein Jägerstück, Poffe wit Gesang, aufgeführt. Nachher wechselten die -ueden und Toaste in ernster und launiger Weise; ^uch Windthorst sprach wahre Goldkörner. Ein Schweizer, Dr. I. Bühlmann-Laier, schoß durch fein launiges Lob auf den Kaufmannsstand den Vogel ab. Die Festlichkeiten dauerten lange
Jeder war enthusiasmirt von den herrlichen Worten, welche fielen. Die Fremden hatten sich Im Theil von den Klängen der Musik in der <anhalle festhalten laffen. Wenn man von diesem ersten Tage auf die folgenden schließen nnrs, dann wird die Generalversammlung neben °er Besprechung der ernsten Thesen auch des ^•unteren viel zu Tage fördern. — Heute Mor- 9en sand für die verstorbenen Mitglieder der Generalversammlung in der Lambertuskirche ein kewrliches Requiem statt. Die große Kirche war iu klein für die vielen Theilnehmer.
Aus den Sitzungen der Ausschüsse.
Im sozialen Ausschüsse, dem eine rege Theilnahme entgegengebracht wurde, saß Pfarrer Wassermann vor, Kaplan Schmitz aus Neuß war sein Schriftführer. Pfarrer Meurers aus Osnabrück stellte einen Antrag zur Bekämpfung der Trunksucht zur Diskussion. Die Frage lag vor, ob Enthaltsamkeits- oder bloße Mäßigkeits- bestrebnngen zu empfehlen seien und ob dem gefährlichen Branntwein durch das Bier Konkurrenz zu machen fei. Windthorst sprach sich für volle Enthaltsamkeit aus. Nach längerer Debatte kam der Antrag Meurers mit einigen Abänderungen zur Annahme: a) die überhand nehmende Trunksucht soll mit allen Mitteln bekämpft werden, b) die Generalversammlung begrüßt diese Bestrebungen mit besonderer Freude, c) Gründung kirchlicher Mäßigkeitsbruderschaften, d) An geeigneten Orten Anstalten zu gründen, welche den untern Gesellschaftskreisen unschädliche Getränke verabreichen. e) Die Generalversammlung empfiehlt die auf Anregung des Vereins „Arbeiterwohl" bei Bachem in Köln erschienene Schrift: der Branntwein und die arbeitenden Klaffen.
Der Antrag des Pfarrers Woestmann, Anstalten für Idioten zu errichten, fand Beifall und es wurde von der Errichtung einer solchen Anstalt von Seiten der Provinzialverwaltung im Regierungsbezirk Düsseldorf gerne Notiz genommen.
Ausschuß für christliche Charitas. Herr Direktor Kiesel- Vorsitzender, Herr von Hagens, stellvertretender Vorsitzender. Schriftführer Rody. 1. Antrag von Münzenberger: Die Generalversammlung wolle dem Werke zur Unterstützung hülfsbedürftiger Priesteramts-Kandidaten ihre volle Sympathie bezeigen. 2. Antrag Lünnemann: Die Generalversammlung empfiehlt dem Klerus den Vincenz-Verein, weil erfahrungsmäßig die Pfarrgeistlichkeit den Bestrebungen des Vereins nicht überall freundlich entgegenkommen. Man entschließt sich zu einer mildern Fassung. 3. Die Abtei Disentis in Graubünden hat einen Antrag auf Beihülfe zur Herstellung der Abtei eingereicht. Das Gesuch wird abgelehnt. 4. Antrag Hartmann: Die Generalversammlung beklagt und mißbilligt die von den Komunen, namentlich in der Diaspora, aufgehobenen, von den barmherzigen Schwestern geleiteten Anstalten zur Pflege armer schulpflichtiger Kinder. Die Unterbringung dieser Kinder bei mittellosen Leuten, wo die Religion Schiffbruch leide, sei zu mißbilligen. Der Antrag wird mit einigen Aenderungen angenommen.
Ausschuß für Vereinswesen. (Vorsitzender Dr. Lingens, Stellvertreter Baron von R o ch o w , Sekretär Herr Hauptmann.) Der für die Auswanderung bestimmte Raphaels- Verein hat Verbesserungen erfahren, aber es fehlt noch an Pflege für die weiblichen Kranken. Der Vorsitzende theilt mit, daß bet* Verein Prozesse habe, weil die Regiernng glaube, er begünstige die Auswanderung. Das sei nicht der Fall, auch seien schon mehrere freisprechende Urtheile ergangen; um der königl. Regierung jeden Grund zur Beschwerde zu nehmen, stelle er folgenden Antrag: „Die Generalversammlung empfiehlt abermals den St. Raphaels-Verein zum Schutze kathol. Auswanderer. Weit entfernt, die Auswanderung zu begünstigen, mahnt der Verein dringend ab, ohne zwingende Gründe auszuwandern. Ist es aber nicht zu ändern, dann empfiehlt die Generalversammlung den Schutz des Vereins." Die Anwesenden erklären sich einverstanden. Zweiter Antrag Lingens: „Die Generalversammlung beschließe: Die Sonntagsheiligung fei zu ehren und Allen zu empfehlen, daß sie nur in solchen Läden kaufen, wo dieses Prin
Me.Fulda« ßettimg' «scheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlich« Abonnementspreis ohne Bring«lohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Psg., — mit der belletristischen Wochenbeilage »Sterne und Blumen" in Fulda 1 Mk. 70 Psg., auswärts 1 M. 75 Psg.
Inserat«: Die vierspaltigeZeile ob« deren Raum 15 Psg., sog. Platzannoncen 10 Psg.; bei Mederholungen entsprechend« Rabatt.