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Mittwoch, den 12. September

M 208.

Jfiiibarr

1888-

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y Zur Svvjährigen Gedenkfeier der Befreiung Wiens von den Türke«.

(12. September 168 3.)

Wenn die kommenden Geschlechter einst mit Be­wunderung vor den Blättern der Weltgeschichte stehen werden, auf denen die Ereignisse der Tage von Sedan eingetragen sind, und wenn sie auch jener heldenhaften Erhebung der deutschen Lande gedenken, der es zuzuschreiben ist, daß der Beginn des zweiten Dezenniums unseres Jahrhunderts der schrankenlosen Eroberungssucht eines welschen Despoten die gerechte Vernichtung brachte, dann ergibt sich um so mehr für uns schon die Verpflich­tung, auf diejenigen weltbedeuieuden Ereignisse einen Blick zu werfen, denen wir zunächst es zu verdanken haben, daß es der deutschen Kraft vorbehalten blieb, jene Ehrentage von Leipzig, Waterloo und Sedan so glorreich zu bestehen. Und wer dürfte der Behauptung widersprechen, daß der Sieg über die türkischen Schaaren am 12. September 1683 vor Wien, dem Boll­werk des ganzen christlichen Abendlandes, über das Geschick des deutschen Volkes auf Jahrhunderte hinaus entschied? Die zweihundertste Wiederkehr des Jahrestages dieser glänzenden Waffenthat der vereinigten christlichen Heere mag uns Veranlassung sein, mit wenigen Worten die wichtigsten geschicht­lichen Daten jener Tage zu beleuchten.

Den Ränken Ludwigs XIV. von Frankreich, der die wachsende Macht des Hauses Oesterreich mit Eifersucht beobachtete, war es gelungen, den kriegstüchtigen und ruhmbegierigen Sultan Mo­hammed IV. zur Unterstützung der seit 1670 fort­gesetzt rebellirenden Ungarn aufzustacheln. Oester­reichs edelmüthiger, aber strenggerechter Regent Kaiser Leopold I. war bereits genöthigt gewesen, gegen die aufrührerischen Magnaten Ungarns das Schwert zu ziehen; aber obwohl bereits im Jahre 1671 drei der vornehmsten Jnsurgentenführer ihr Verbrechen mit dem Tode gebüßt hatten, unter­ließen es die herrschsüchtigen und auf ihre Privat­macht brennend eifersüchtigen ungarischen Aristo­kraten nicht, Ende der siebziger Jahre unter An­führung der ehrgeizigen Grafen Tököly nochmals die Fahne des Aufruhrs zu erheben und, verblendet von Frankreichs intriguantem Könige, den Türken, den Erbfeind des christlichen Namens, um Hilfe anzugehen. Sultan Mohammed IV., der schon lange von der Vergrößerung seines Reiches und von einer allgemeinen Verbreitung des Islams über ganz Europa träumte, zögerte, nachdem er bis zum März 1683 die Organisation seines kriegsgeübten Heeres vollendet hatte, nicht länger, den für ihn so verhängnißvollen Kriegszug zu un­ternehmen. Rach Vereinigung mit den slavischen Kriegsbanden der Tataren und Walachen und dem ungarischen Heere rückte er mit einem Corps von 200,000 Mann gegen den Kaiserstaat vor. Einer so Ungeheuern Macht gegenüber entsank selbst den tapfern, kampfbereiten Oesterreichern der Muth. Als vollends der Herzog Karl von Lothringen, der den Feind an der Leitha auszuhalten suchte, mit seinem kleinen Truppenkörper geschlagen und nach Wien zurückgedrängt war, da stieg die Verzweiflung der Besatzung und Einwohner­schaft von Wien aus's Höchste. Arn 14. Juli stand der türkische Oberbefehlshaber Kara Mu­stapha mit einem, den deutschen Streitkräften zehnfach überlegenen Heere vor den Thoren Wiens. Glücklicherweise aber war der Oberbefehl über die Stadt einem Manne anvertraut, der an Um» sicht,. Energie und Muth zu den ersten rnilitärifchen Größen aller Zeiten zählt, nämlich dem Grafen Rüdiger von Starhemberg. Dieser heroische Ver- theidiger bildete aus den wenigen ihm zur Ver­

fügung gebliebenen Soldaten, (Herzog Karl von Lothringen war mit seinen Truppen über die Donau gegangen, um einen Flankenangriff zu versuchen), aus Bürgern, jungen Kaufleuten, Hand­werkern und Studenten ein Vertheidigungskorps, dessen unsterbliche Ruhmesthaten jenem der spar­tanischen Krieger um Nichts nachstehen. Für Anführung von Einzelheiten aus den Waffen­verrichtungen jener heldenmüthigen Schaar fehlt uns hier der Raum; erwähnt sei nur, daß das muselmännische Heer mit seinen Hilfstruppen nicht weniger als achtzehnmal mit todesver­achtender Tapferkeit den Sturm auf die Stadt unternahm und jedesmal mit beträchtlichem Ver­lust in seine frühere Position zurückgewiesen wurde. Mit der Wuth der Türken über die Verzögerung ihrer Absichten steigerte sich die Noth der Belager­ten. Sieben Wochen lang hatten sie mit über­menschlicher Anstrengung die Feste ihrer Heimath gegen die zornentbrannten Horden vertheidigt, als Mittel und Kräfte derart geschwunden waren, daß kein Opfer mehr im Stande schien, dem Untergang der alten katholischen Kaiserstadt zu steuern. Mit äußerster Mühe nur schlug Stahrem- berg am 4. September den letzten vom Großve­zier selbst geführten Sturmangriff zurück, bei wel­chem die Türken bereits 4 Roßschweife auf den Mauern aufgepflanzt hatten. Pochenden Herzens sah Wien den nächsten Tagen entgegen.

Mittlerweile aber war Einer, der die Gefahr, welche dem christgläubigen Europa durch den Fall der deutschen Hauptstadt drohte, in ihrer ganzen Furchtbarkeit erkannt hatte, nicht müßig gewesen. Dieser Eine war Papst Jnnocenz XI. Mit dem Aufgebot seiner kirchlich-väterlichen Autorität be­schwor er die katholischen Fürsten, das drohende Verderben von der Christenheit abzuwenden. Sei­nen Bitten um Unterstützung der Oesterreicher waren außer dem Herzog von Lothringen noch ge­folgt die Kurfürsten von Sachsen und Bayern und der Prinz von Waldeck. Noch aber genügte die Hülfe der wenigen Getreuen nicht. Da erhob sich nach langer, mühsamer Vorbereitung im Mo­nat August ein Mann, dessen Namen damal schon das gesammte Deutschland mit höchster Achtung nannte, der heldenmüthige Johann Sobieski, König von Polen. Dem Ruf des heil. Vaters getreu hatte er in Eile ein Heer von 25000 Mann zusammengebracht, mit dem er im August von Krakau aufbrach, um sich zum Schutz der Kaiser­stadt mit den Übrigen genannten Verbündeten zu vereinigen.

Als man nach angestrengtem Marsche am Abend des 11. September den Stephansthurm erblickte, stiegen dortselbst bereits die Raketen Starhembergs, das Zeichen des äußersten Nothzustandes, gen Him­mel. — Der nächste Tag, ein Sonntag, brachte die heißersehnte Entscheidung in der Schlacht am Kahlenberge. 84,000 Mann foch­ten gegen die doppelte Anzahl Türken mit Löwen- muth. Endlich um 6 Uhr Abends warfen sich die Feinde mit Wuthgeheul in zügelloseste Flucht. Sul­tan Mohamed weinte vor seinem Heere, raufte sich den Bart aus und folgte dann dem in wilder Hast dahinjagenden Haufen. Das ganze kostbare Kriegs­lager, 10 Millionen an Werth, fiel in die Hände der Chnsten, die unter Bischof Kolonitsch sogleich einen Dankgottesdienst abhielten.

Wir möchten heute, an dem Jubeltage dieser sieg­reichen That, an deren Gelingen der edle Polen­könig Sobieski wohl den größten Antheil hat, nicht Erinnerungen wachrufen, die als eine Kund­gebung für den unserm deutschen Vaterlande ein­verleibten Volksstamm erscheinen könnten. Die Gerechtigkeit aber erfordert es, mit Liebe und Hochachtung jener Helden zu gedenken, die für

DeutschlandZE Befreiung hochherzig ihr Blut am 12. September 1683 auf dem Schlachtfelde vor Wien vergossen haben. —

Wir schließen mit den Worten, welche Bischof Rudigier von Linz der 30. Generalversammlung der deutschen Katholiken,. — die das Andenken jenes denkwürdigen Tages in entsprechender Weise feiern wird, — zugerufen hat:

„Möge derjenige, der Wien und damit den ka­tholischen Glauben vor zwei Jahrhunderten in der Türkengefahr, und in unseren Tagen die Katho­liken Deutschlands im Kulturkampf beschützte, mit seiner starken Hand fortwährend die Kirche in Oesterreich und in Deutschland beschützen zur Ehre seines heiligen Namens!"

Die XXX. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Düsseldorf.

(Original-Bericht.)

III.

Düsseldorf, 10. Sept.

Nach dem feierlichen Pontifikalamte in der Max- kirche fand kurz nach 11 Uhr im kathol. Vereins? hause die erste geschlossene Generalver­sammlung statt, die sich eines zahlreichen Zu­spruchs erfreute.

Dieselbe wurde von dem Vorsitzenden des Lo- kalkomitös Herrn Frhr. Raitz v. Frentz mit dem katholischen Gruße und mit einem nochmaligen herzlichen Willkommen an die Erschienenen eröffnet.

Auf die Sitte des Präsidenten ertheilt der hoch­würdigste Herr Wekhbischof der Versammlung zum Beginne der Verhandlungen seinen bischöflichen Segen.

Bei der hierauf folgenden Wahl des Präsidiums und Vorstandes wurde Herr Oberhofgerichtskanzler a. D. vr. Roßhirt zu Heidelberg per Akklama­tion zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Sodann gelangte folgendes Schreiben des hl. Vaters zur Verlesung:

©einen geliebten Söhnen Gruß und apostolischen Segen! Ihre durch gefälliges Schreiben vom 10. August an Uns gelangte Mittheilung, daß Sie in Verbindung mit andern frommen Männern die. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in diesem Jahre zu Düffel- dors zu halten beabsichtigen, haben Wir als Beweis Ihres Gehorsams gegen uns und Ihrer Ergebenheit freudig ausgenommen. Zugleich ist es Uns sehr angenehm ge­wesen, zu hören, daß es Ihnen und Ihren Gesinnungs­genoffen gelungen- ist, trotz der entgegenstehenden Schwie­rigkeiten eine Unterbrechung der schon lange bei Ihnen bestehenden Gewohnheit zu verhindern, der gemäß Ver­sammlungen von Abgeordneten der katholischen Vereine stattfinden, um sich gegenseitig das mitzutheilen, was als nützlich für die Religion und die Pflege der christlichen Tugend erkannt ist, und durch solchen Gedankenaustausch zur wackern Bertheid'gung der Religion sich zu ermuthigen. Dabei sind Wir fest davon überzeugt, daß Sie dasjenige treu halten werden, was Sie versprechen, daß die dies­jährige Generalversammlung den früheren nicht nachstehen wird, die ja wegen ihrer zum Nutzen der Religion und zum Heile der Seelen aufgewendeten Sorge das Lob wie das Zeugniß der väterlichen Liebe seitens dieses aposto­lischen Stuhles verdient haben. So leben wir denn der guten Hoffnung, daß auch diese Versammlung glücklich verlause, da ja Sie unter Leitung Ihrer Hirten sich be­mühen, alles Nothwendige gut vorzubereiten und anzu­ordnen, und daß sie reiche Früchte trage, der Religion zum Wachsthum und den deutschen Katholiken zur Er­bauung. Daß alles dieses gemäß Unfern und Ihren Wünschen eintreffe, darum flehen Wir demüthrg zu Gott, dem Geber aller guten Gaben, Er möge Ihren und Ihrer Brüder Verstand erleuchten, Ihre Schritte lenken, das Begonnene glücklich weiter führen, den Glauben stärken, die gegenseitige Liebe entflammen. Zugleich erthe,len wir als Unterpfand der Gaben des Himmels und als Beweis Unserers Wohlwollens Ihnen, geliebte Sohne, und allen Ihren Gesinnungsgenoffen den apostolffchen Segen. Ge­geben zu Rom bei St. Peter am 27. August 1883 im sechsten Jahre Unseres Pontifikates.

Nach einem dreimaligen Hoch auf den Papst ' kommen noch verschiedene Schreiben von Bischöfin