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Dienstag, den 11. September

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a Die XXX. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Düsseldorf.

(Original-Bericht.)

I.

Düsseldorf, 10. Sept.

Düsseldorf steht bei den deutschen Katholiken in gutem Andenken, und wir können den Gedanken, hier die 30. Generalversammlung abzubalten, nur als einen glücklichen begrüßen. Allerdings kam die Anregung etwas sehr spät und es tauchten Beden­ken auf, ob es auch möglich sei, die große Arbeit zu bewältigen. Aber diese Bedenken wurden durch die Anerbietung von rasch schaffenden Arbeitskräf­ten schnell niedergeschlagen, und sogleich begann ein freudiges Schaffen, wie man es hier gewöhnt ist, wenn es gilt, Großes zu bewerkstelligen. Nur wer ein solches Fest einmal initgeinacht hat, kann sich eine richtige Vorstellung von den Anforderun­gen machen, welche an das Koinitö gestellt werden; da sind tausende voll Briefen zu schreiben, es milß für Wohnungen gesorgt werden, das Hauptkomit« muß in eine ganze Reihe von kleineren zertheilt werden, wovon jedem seine volle Arbeit zufällt, wofür es deni Hauptkomitö verantwortlich ist. Es sind Drucksachen aller Art zu besorgen, Nachfragen zu erledigen, Dispositionen zu treffen ic.

Die vorbereitenden Hauptsachen waren schon am Sonnabend Abend erledigt. Bei Gelegenheit des Konzertes für die Jschiaten sahen wir die fast vollendete Ausschmückung des Kaisersaales in der Tonhalle, und wir müssen gestehen, daß uns Mes anheimelte. Die Wappen find nicht allein mit großem Geschick angefertigt, sondern es weht auch durch die ganze Ausschmückung ein wahrhaft poe- üscher Hauch; die Fahnen, die Bekränzungen mit Koniferen, das Bildwerk, Alles befindet sich an der richtigen Stelle und trägt erheblich dazu bei, dem großen Saale das Siegel der Katholizität auf­zudrücken und ihn zugleich in wahrhaft künstleri­scher Form erscheinen zu lassen.

Nachdem es in der Nacht stark geregnet, mußte man für gestern Morgen schlechtes Wetter fürchten, und in der That war der Himmel mit schweren Wolken bedeckt, so daß sich die Fahnen noch nicht recht herauswagen wollten. Um 8 Uhr kamen sie in den Außenbezirken der Stadt nur vereinzelt zum Vorscheine, aber um 9 Uhr wurde es schon dichter und im Innern der Stadt flatterten sie schon äußerst zahlreich. Bei einem Gange durch die Stadt fand ich allenthalben festliche Stimm­ung, und wenn auch die eigentlichen Festfremden noch nicht angekommen waren, so wogte es doch allenthalben von Volksströmen auf und nieder.

Im kath. Vereinshause, wo die meisten geschlos­senen Generalversammlungen stattfinden sollen, herrschte in allen Räumen eine rege Thätigkeit. Im Bureau, wo die Karten ausgegeben werden, hatte sich von fremden Redakteuren zuerst Herr 7-oesewitz vom Pariser Monde' präsentirt. Wie sehr wir auch mit Frankreich in der Politik aus- emander gehen, in der Religion arbeiten wir doch uuf demselben Felde, und Herr Loesewitz wird 7let genau dieselben Ansichten wiederfinden, wie m Paris.

Die Morgenzüge brachten nur vereinzelte Fremde, uver am Nachmittage kamen sie um so reicher; me Deputationen erschienen bei jedem Zuge, um me Ankommenden nach der Tonhalle abzuholen, . Leben entwickelte sich auf allen Straßen zu emem wahren Freudenjubel.

Das Wetter blieb den ganzen Tag schön, wenn auch^kühl. Am Abend begann das Wogen nach r.. Tonhalle, und die weiten Räume waren bald gefüllt. Der Kaisersaal machte in seiner Decora- 1011 einen überwältigend schönen Eindruck. In

der Mitte der Tribüne thronte das Bild des Papstes unter rothem Baldachine, darunter war die Büste des Kaisers mit goldenen: Lorbeer­kranze, von Fahnen umgeben, und unten mit dem preußischen Wappen geziert, angebracht. Rechts prangte das päpstliche, links das Kardinalswappen, dann folgten der Reihe nach das Wappen der Stadt Düsseldorf, die bischöflichen Wappen von Paderborn, Trier, Ermland, Freiburg, Münster, Ulm, Straßburg, Fulda, Limburg, Rottenburg, Posen, Breslau, München, Mainz, Köln und neben dem päpstlichen Wappen das kaiserliche.

Um acht Uhr war der große Saal vollständig gefüllt. Der Vorsitzende, Herr von Frentz eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache, in welcher er die Erschienenen mit warmen Worten begrüßte.

Sodann nahm Herr Dechant Kribben von Düsseldorf das Wort und betonte, daß die Katho­liken Deutschlands sich wenigstens einmal im Jahre versammeln, um vom kath. Leben Zeugniß zu geben. Das katholische Deutschland sei voller Betrübniß gewesen, als sich die Nachricht verbreitet, die Versammlung würde in diesem Jahre aus­fallen; da habe sich Düsseldorf noch in letzter Stunde erboten. die Versammlung abzuhalten, und der hochwürdigste Herr Bischof Baudri werde das hl. Meßopfer darbringen. Die Fort­schritte des kirchlichen Lebens möchten ein Zeugniß für den Apostel geben, der sie vorausgesehen. Die Versammlung möge den reichen Segen, der immer mit ihr verbunden gewesen, auch jetzt in reichem Maaße ausstreuen. Diese Gedanken spann er in längerer, gediegener Rede weitläufig aus.

Hierauf trugen mehr als 200 Sänger Düssel­dorfer Vereine den von den: jungen Komponisten Karl Steinhauer für diese Gelegenheit koinpo- nirten und von H. Jrmen gedichteten Festgruß mit großer Bravour vor.

Der folgende Redner war Kaplan Dr. Schmitz: Die Generalversammlung sei jetzt in ihrem Man­nesalter und habe die Jugendzeit überstanden. Im Fortgang seiner Rede zählte er die großen Männer auf, welche bei der Taufe der kath. General­versammlung Pathen gestanden; sodann kam er auf das Jahr 1869, wo die Generalversammlung als Jüngling bei uns eingekehrt sei. Damals war eine Zeit der Entmuthigung, aber diese Entmuthigung sei der größte Fehler gewesen, man müsse dem Feinde muthig entgegen gehen, wenn man etwas erreichen wolle. Mit der da­mals angefachten Hoffnung habe man viel er­reicht, die kath. Fahne sei unentweiht. Die Ge­sellschaft könne ohne Chriüenthum nicht bestehen; die soziale Frage könne nur durch die Kirche ge­löst werden. Die krankgewordene menschliche Ge­sellschaft liege hülferufend am Wege und suche nach Heilung. Kein Arzt könne den Kranken ge­sund machen ohne einen Petrus des Glaubens und einen Johannes der Liebe; aber man müsse den Katholiken Freiheit an Händen und Füßen geben, damit sie wirken können. Die General­versammlung habe nicht die Aufgabe, Säcular- feiern anzugreifen, sondern nachzuforschen und Mittel aufzusuchen, den leidenden Brüdern zu helfen. Dann wies Redner auf Schweden, Nor­wegen und England hin, wo der Missionsthätig- keit ein weites Feld geöffnet sei. —

Nach Ziefer Rede wurde Se. Excellenz Dr. Windthorst durch den Abgeordneten Biesen­bach in den Saal geführt und mit nicht enden wollendem Applaus empfangen. Die Sänger führ­ten hierauf den Beethovenffchen Chor: „Die Him­mel rühmen des Ewigen Ehre" aus. — Herr Falk aus Mainz sprach in kräftiger Weise den Dank der Gäste der Stadt Düsseldorf aus und hielt

einen Rückblick auf die" verflossenen 30 Jahre. — Hierauf brachte der Chor das Lied: „Der frohe Wandersinann" von Mendelssohn und Salve regina mit Orgel von Roder zum Vortrag. — Probst Racke aus Paderborn sprach über den Bonifatius- verein und dessen ausgedehntes Missionswesen. — Pastor Binilyus aus Stockholm sprach über die nordischen Völker, welche germanischen Ursprungs seien und es wohl verdienten, wieder zum katho­lischen Glauben zurückgeführt zu werden. — Abg. Dr. W i n d t h o r st, mit großem Beifall empfangen, spricht von der Wichtigkeit der Generalversamm­lung, die genauer beobachtet werde, als die früher», weil man fürchte, daß sie einer andern Versamm­lung entgegen arbeiten wolle, aber die Katholiken hätten auf ihrem eigenen Felde genug zu thun, und wo ihnen der Kampf nicht aufgedrungen werde, da seien sie gerne ruhig.

Die Windthorst'sche Rede lautete ungefähr wie folgt:

„Ich danke Ihnen, daß Sie so freundlich mich begrü­ßen, und um diesen Dank auszusprechen, habe ich haupt­sächlich das Wort zu ergreifen mir gestattet. Als die Ein­ladung zu dieser Versammlung nach Düsseldorf erfolgte und auch mir zukam, hatte ich wohl zu erwägen, ob meine Zeit und mein Älter es erlaubten, bei den vielen übrigen Geschäften auch diese Mühe auf mich zu nehmen. Indes der Empfang, der mir im vorigen Jahre hier wurde, der Erfolg, welchen unsere damalige Versammlung gehabt hat, verpflichtete mich, auch durch die That zu beweisen, wie dankbar ich den Düsseldorfern bin. (Bravo!) Daneben aber ist diese Versammlung aller Katholiken Deutschlands von so außerordentlicher Wichtigkeit, von einer solchen Jm- portanz, und gerade im gegenwärtigen Augenblicke, daß ich der Meinung war, jeder katholische Mann soll, wenn er nicht durch seine Geschäfte oder sonst absolut verhindert ist, hier erscheinen, um Zeugnis zu geben, daß er festhält zu der Fahne der katholischen Sache. (Lebhafte Zustim­mung.)

Dieser letzte Grund ist der wichtigste und entscheidende, und ich habe ihn zuletzt angeführt, weil ich eigentlich da­rauf die Aufmerksamkeit fixirt haben möchte. M. H.! Wir haben vor uns vier kräftige Tage, bestimmt zu wechsel­seitiger Belehrung, bestimmt zur Einigung unter uns, und endlich um uns zu stählen und zu kräftigen in den schwie­rigen Verhältnissen der Gegenwart. Ich bezweifle nach der zahlreichen Versammlung, die ich heute vor mir sehe, nach der großen Zahl hervorragender Männer, die sich hier zusammengefunden haben, nicht, daß der Zweck, den die Versammlung hat, ganz und voll erreicht werden wird.

Gehen wir deshalb getrost an die Arbeit, vollführen wir sie unter dem Beistände Gottes! und ich bin über­zeugt, die heute beginnende Versammlung wird eine segens­reiche sein für lange Zeit und für die Verhältnisse, wie sie sich in diesem Augenblicke gestalten. M H.I Sie wis­sen wohl aus den öffentlichen Kundgebungen, daß man ans die gegenwärtige Versammlung mit noch mehr Auf­merksamkeit hinsieht, als bei früheren; man vermuthet, daß auf dieser Versammlung viele Fragen gestellt und entschieden werden würden, für die sich die ganze Welt interessirt, und daß insbesondere wir wohl in der Lage wären, Gegensätze zum Ausdruck zu bringen. M. H.! Die Aufmerksamkeit, die man uns schenkt, kann uns nur an­genehm sein (Bravo und Heiterkeit), die gehegten Erwar­tungen werden ganz bestimmt getäuscht werden!( Zustim­mung.) Wir haben hier gar nichts anderes vor, als unsere Geschäfte im eigenen Hause zu berathen, zu ordnen. (Bravo!) Wir haben gar nicht vor, irgend jemand außer­halb unseres Hauses zu verletzen, auch nicht uns mit An­gelegenheiten anderer zu beschäftigen. (Sehr wahr!) Die Aufgaben, die uns gestellt sind, sind schwer genug für uns selber, und darum werden wir wohl thun, uns mög­lichst wenig um andere zu bekümmern.

Das heißt aber nicht, daß wir abdiciren und etwa uns zugedachte Prügel ruhig hinnehmen (Heiterkeit). Nein, m. H., wir sind noch immer die Alten, bereit zur Ver­söhnung, bereit zum Kampf, wenn man ihn uns aufdrängt. (Bravo). Vorläufig halten wir fest und betonen die Ver­söhnung; das andere wird sich dann finden. (Heiterkeit). Vorläufig sage ich Ihnen allen freundlichen guten Abend (Heiterkeit); wir werden auch noch in die Lage kommen, uns guten Morgen zu wünschen, und ich denke, daß wir es neben dem Ernsten und Nützlichen auch an dem Froh­sinn nicht wollen fehlen lassen. Im Rheinland kann man zudem nichts Ernstes thun — ohne Frohsinn. Darum gelingt das Ernste auch besser als anderswo, denn ohne Frohsinn kann man ernste Sach-n vielsach breit treten, aber nie so leicht und gut zu Ende führen. (Heiterkeit). Also herzlichen Gruß den Düsseldorfern und allen vom Rhein. Alle, die mit mir aus der Ferne gekommen sind.