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Deutsches Reich.

Fulda, 6. September.

* (Gedenktag der Befreiung Wiens von den Türken.) In einem Artikel über den bevorstehenden Gedenktag der Befrei­ung Wiens von den Türken schreibt das .Düsseld. Volksbl.' u. 31.: „Da nun gerade am 12. September die XXX. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands hier in Düsseldorf tagt, so wäre es eine Gleichgiltigkeit gegen die Geschichte und die Verdienste Oesterreichs und der Päpste, würde die XXX. Generalversammlung diese unsterblichen Verdienste mit Stillschweigen übergehen, um so mehr, als das Gebiet der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands sich auch auf Oesterreich erstreckt. Daher wird am Mittwoch, den 12. d. Mts., in der öffent­lichen Versammlung im Kaisersaal der städtischen Tonhalle an erster Stelle ein Redner des Nhein­landes die Bedeutung des Tages den Theil- nehmern der Generalversamiillung darlegen. An diese Rede könnten sich in geeigneter Weise Be­glückwünschungsgrüße an den Kaiser von Oester­reich und an Se. Heiligkeit Papst Leo XIII. an­schließen. Für den Nachmittag ist eine Fahrt nach Kaiserswerth, wo die Gebeine des hl. Suit- bertus, des Apostels des Niederrheines, ruhen, beabsichtigt. In der dortigen altehrwürdigen Kirche wird nach Aukuust^MLML^iu^ierlicher Dank­gottesdienst gehalten. Die Katholiken aus ganz Deutschland werden ihre Gebete zum Dank für die Errettung vor zwei Jahrhunderten zum Him­mel senden. Mögen die Katholiken aus allen Theilen Deutschlands sich zahlreich betheiligen und der 12 September ein Ehren- und Glanztag für das christliche Europa sein."

* (Sammlungen für Ischia.) Der .Messagore', das gelesenste italienische Blatt, schreibt: „Schmach und Schande über unsere offiziöse Wohlthätigkeit. Ganz Europa, die ganze civilisirte Welt gibt für Ischia, und unsere „Herzöge" und Deputirten waschen sich in den Subskriptionsgeldern die Hände! Man höre !

und staune. Das Komite, das San Donate prä- sidirt, verfügt jetzt schon über mehr als andert­halb Millionen Lire, die es auf circa tausend Fa­milien vertheilen soll, und zwar schnell, denn das ist die Absicht der edlen Geber. Und was ge­schieht? Selbst die .Jtalie' gesteht, daß man die Jschiaten buchstäblich vor Hunger zu Grunde l gehen läßt. Jede Familie erhält täglich etwa achtzig Centesimi. Alle Straßen wimmeln von solchen Unglücklichen, die oft denjenigen verfluchen, der sie dem sicheren Tod entrissen hat. Der Tod ist bester als langsames Verhungern. Leute, die früher reich waren, müssen jetzt betteln. Sagt man ihnen, daß ganz Europa für sie sorgt, so glauben sie, man hält sie zum Narren. Dabei sitzt das Komite und zählt vergnügt die Cheques, die ihm aus der ganzen Welt haufenweis zu­fliegen."

* (Unberechtigte Klagen) betitelt sich ein Artikel des ,Dffen). Rom.' Derselbe lautet in wortgetreuer Uebersetzung:

In Erwartung, daß die Verhandlungen zwischen dem h. Stuhle unv Preußen ihren durch die Herbstferien der Diplomatie unterbrochenen Gang wieder aufnehmen, be­schäftigt sich ein Theil der deutschen Presse, vielleicht zu dem Zwecke, um die Frage am Leben zu erhalten, damit, daß sie ihrem Herzen in Klagen und Lamentationen gegen den h. Stuhl im Besonderen und gegen die katho­lische Bevölkerung im Allgemeinen Luft macht.

Diese Blätter heben thatsächlich hervor, der h. Stuhl habe nicht in billiger Weise dem „weiten Entgegenkommen" dw preußisilien Regierung entsprochen. Damit spielen sie auf das provisorische Gesetz vom 11. Juki des laufenden Jahres an, daß die Grenzen der Anzeigepflicht, welche vom Kulturkämpfe auf alle Klassen von Geistlichen aus­gedehnt wurde, begrenzt. Aber sie übersehen dabei, oder geben sich den Anschein, als ob sie es übersehen, daß dieses Gesetz nicht das Resultat eines Uebereinkommens zwischen dem h. Stuhle und der preußischen Regierung ist, sondern ein motu proprio der Regierung selbst, worin Andere sehr wohl etwas Feindliches gegen den h. Stuhl finden könnten, insofern, als es den Zweck ver­folge, den h. Stuhl selbst an der Entwicklung seiner Verhandlungen zu hindern und ihn vor den Augen der Welt in einem falschen Lichte erscheinen zu lassen, nämlich weniger nachgiebig und wenig« für die eigenen Interessen besorgt zu sein, als die preußische Regierung. Dieses Gesetz erleichtert zwar den Akt der Anzeige für die provisorischen Seelsorger, läßt ihn aber vollständig, wie

daß die Maigesetze «fordern, für alle wahren Pfarrer fortbestehen. Damit verwandelt es denIOrganismus der katholischen Kirche in Preußen in ein fatales Provi­sorium, das geeignet ist, selbst das Leben der Kirche zu schädigen. Trotz alledem hat der h. Stuhl, weit entfernt, das neue kirchenpolitische Gesetz vom 11. Juli mit miß­liebigem Auge zu betrachten, sich bereit gezeigt, dasselbe nicht nur anzunehmen, sondern auch seine Grenzen auszu­dehnen durch Bewilligung der vollen Anzeigepflicht, aber wohl gemerkt, nur unter der Bedingung, daß die Regierung die freie Ausübung des priester­lichen Amtes und die freie kirchliche Erziehung garantire.

Aus diese sehr gemäßigten Forderungen des h. Stuhles hat die preußische Regierung noch nicht geantwortet. Wir wollen ihr daraus keinen Vorwurf machen, denn es ist ganz natürlich, daß sie mit aller Muße die neue Position studiren will, welche sich aus diesen gegenseitigen Konzes­sionen ergeben würde. Aber das wollen wir konstatiren, daß man nicht den h. Stuhl eines geringen Entgegen­kommens anklagen kann, da er sich in einer abwartenden Lage befindet und noch immer einer Antwort der Regier­ung auf seine Bitte entgegensieht.

Eine zweite nicht minder ungerechtfertigte Anklage gegen den h. Stuhl ist die, welche sich auf die Ernennung Msgr. Sniegon's, des Generalvikars von Teschen, zum Suffragan­bischof des Bischofs von Breslau bezieht. Die bezeichneten Blätter übersehen fortdauernd, daß dies« Suffraganbischof dazu bestimmt ist, das bischöfliche Ministerium im Namen des Fürstbischofs von Breslau ausschließlich in dem Theile der Diözese auszuüben, d« im Gebiete von Oester­reich-Schlesien liegt und daß folglich diese Ernennung die preußische Regierung gar nichts angeht. Sie geht die preußische Regierung nichts an, weil der Bischof sein Amt auf dem österreichischen Territorium ausüben wird und folglich der preußischen Jurisdiktion nicht untersteht; sie geht die preußische Regierung nichts an, weil dieser Suf­fraganbischof sein Gehalt (mensa) nicht von der preußi­schen Regierung empfängt, sondern auä hen Einkünften, welche Oesterreich für diesen Theil seines Territoriums sestgesetzt hat, welcher der Jurisdiktion des Bischofs von Breslau unt«steht. Auch können Preußen und seine Re- gierung in dieser Beziehung für sich keine Ausnahme­stellung fordern, da sie sich ja in demselben Falle in Betreff anderer Diözesen befinden, deren Ordinarien ihre Domizile in Oesterreich haben, die aber trotzdem in dem auf preußischen Territorien belegenen Theile sich den preu­ßischen Gesetzen fügen und auch den Kulturkampf über sich ergehen lassen mußten und auch jetzt noch in dieser Lage sich befinden. Man kann also nicht annehmen, daß die preußische Regierung das Gefühl der natürlichsten Bil­ligkeit verleugnen und Anderen das verweigert, was sie für sich in Anspruch nimmt.

Die drttte Anklage richtet sich nicht so sehr gegen den hl. Stuhl, als vielmehr gegen den preußischen Epi sko -

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Der Erbe.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

An einem milden Abende, wo man von einem gemeinsam unternommenen Ausfluge in froher Stimmung zurückgekehrt war, und die Familie mit ihrem Gaste unter dem Laubdach der Linde faß, sprach der Schulte:

„Es ist nun aber an der Zeit an meine Heim­reise zu denken; meine gute Frau wird gewiß in Sorge über mein langes Ausbleiben sein."

„Ich glaubte erwarten zu dürfen, daß sie ihren lieben Besuch, der uns so viele Freude bereitet hat; noch etwas ausdehnen würden," erwiderte die junge Frau. „Sie haben zu Hause ja Alles guten Händen anvertraut."

„Darin darf ich beruhigt sein, aber ich müßte mir Vorwürfe machen, Ihre Gastfreundschaft län­ger in Anspruch zu nehmen."

„Was wird aber Tante Johanna zu Ihrem Vorhaben sagen?" bemerkte der Förster. „Sie hat wirklich Ursache, sich über Sie zu beklagen, da sie kaum Zeit gefunden hat ein paar Worte ungestört mit Ihnen zu reden."

„Daran tragen aber wohl nur Sie die Schuld, da Sie die ganze Zeit über mich entführt haben. Aber auch das Angenehmste muß einen Abschluß finden. Wenn ich nun Syrern freundlichen Drän­gen nachgebe und noch einen Tag hinzusetze, so

muß ich aber bitten, mich morgen nicht in Be­schlag zu nehmen."

/,Zugestanden, Herr Optenholt. Morgen früh werde ich Sie den Frauen überlassen, und den Vormittag dazu benutzen, Einiges in meinem Re­vier nachzusehen; für den Nachmittag rooffeen wir uns dann den Frauen ganz zur Verfügung stellen."

„Frau Ulrich wird mir dann wohl gestatten mich bei Zeiten zur Küche zu verfügen, da ich für das Abschiedsdiner doch meine Kochkunst glänzen lassen muß," bemerkte Hanna lächelnd."

„Das wird sie für dieses Mal aber nicht ge­statten, gute Hanna. Du wirst für morgen keine Erlaubniß erhalten, in der Küche zu wirthschaften, sondern für diesen Tag Dein Regiment mir ganz abtreten, damit Herr Optenholt sich nicht zum Schluffe noch über Langeweile zu beklagen haben wird."

„Sie sehen, Herr Vetter, was ich hier für ein geplagtes Dasein habe; es wird mir wohl nichts übrig bleiben, als gehorsam zu sein."

„Wenn Frauen sich streiten, ist es für die Män­ner am besten, zu schweigen", erwiderte der Schulte scherzend.

„Denken Sie sich .nun meine schlimme Lage, Herr Optenholt", bemerkte lachend der Förster. „Ich bin der einzige Mann int Hanse, was fange ich nur an, wenn die Beiden sich gegen mich verbünden?"

„Wiederum schweigen, lieber Freund!" erwiderte heiter sein Gast und nahm einen kräftigen Schluck aus dem mit' echtem Neuwieder Gerstensaft gefüll­ten Glase.

„Jedoch," fuhr er fort, „lassen Sie uns nicht Über den Scherz das Wichtige vergessen. Ich werde nicht von hier scheiden, ohne daß Sie mir das Versprechen geben, auch mich mit einem Be­suche zu erfreuen. Wenn meine Heimath auch nicht so vieles Schöne bietet, wie Rheinland, fo bin ich doch überzeugt, daß unser Westfalen Ihnen gefallen wird. Es gewährt einen herrlichen An­blick," fuhr er begeistert fort, „wenn man unsere gesegneten Ebenen durchwandert; meilenweit schweift das Auge über die Saatfelder, die ihre Aehren, wie die Wellen eines von einem leichten Wind­hauche bewegten Sees hin- und herwiegen. In­mitten dieses goldenen Aehrenseldes liegen die Edelsitze und Bauerngüter, umgeben von frucht­baren Bäumen und schattigem Laubwerk.

Was Sie aber am meisten erfreuen wird, das sind unsere herrlichen Wälder mit ihren majestäti­schen Eichen und Buchen, von denen manche Jahr­hunderte an sich vorüberziehen sahen. Ein echtes Waidmannsherz muß höher schlagen, wenn es unter den dichten Laubkronen den stattlichen Hirsch, das flinke Reh verfolgt und stundenlang den Wald­pfad verfolgen kann, ohne auf eine Lichtung zu stoßen."

„Ja," rief der Förster aus, „das muß ein