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* Reichsregierung irnd Reichs­verfassung.

Gesetze werden bekanntlich gemacht, um befolgt zu werden, und so ist auch die deutsche Reichs- verfaffung, das eigenste Werk des Fiirsten Bismarck, als Grundgesetz des deutschen Reiches feierlichst beschlossen und anerkannt worden, nm eine be­stimmte Norni für die mit Rücksicht auf die Eigen­art der dem Reiche angehörige Bundesstaaten und Völker nicht grade leichte Verwaltung der ge- meinsamen Angelegenheiten zu gewinnen. Run geht aber aus der Reichsverfassung klar hervor, daß Handelsverträge mit auswärtigen Staaten der vorgängigen Genehmigung der gesetzgebenden Körperschaften bedürfen. Wenn die Reichsregie­rung sich bei der vorläufigen Inkraftsetzung des deutsch-spanischen Handelsvertrags über diese klare Verfassungsbestimmung hinweggesetzt hat, so mag dafür die Rücksicht auf die Bequemlichkeit der Mitglieder der gesetzgebenden Körperschaften und die unaufschiebare Dringlichkeit der Inkraftsetzung des Vertrages maßgebend gewesen sein.

Der Abgeordnete Dr. Windthorst hat ja auch im Namen des Centrums ausdrücklich betont, daß kein absichtlicher Verfassungsbruch, sondern nur eine Verletzung einer Verfassungsbestimmung vorgelegen hat. Nachdem die Reichsregierung durch Einberufung des Bundesrathes und Reichs­tages offen ihr „pater peceavi“ gesprochen und so zu sagen „klein beigegeben" hat, ist es um so unbegreiflicher, daß nach erfolgter glatter und coulan- ter Reparatur des gestandenen Fehlers die,Nordd. Allgem. Ztg.' nun geradezu einen Triumpf- pesang über die liberale Opposition anstimmt. Es ist ja eine Geschmacksache, ob man, wie die extreme Linke es wollte, für eine Gesetzesverletzung der Reichsregierung durch Versagung der nachträg­lichen Genehmigung die interessirten Handeltrei­benden und Industriellen strafen will, — aber wenn ein Regierungsorgan sich nachträglich anstellt, als ob die Sache so schimm nicht gewesen sei, so muß dies nach der eben erfolgten reuigen Umkehr sehr unangenehm berühren.

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Der Erbe.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

„Darf ich heute mit in den Wald gehen, lieber Papa", sprach der kleine Felix, als er sah, wie sich der Förster an einem schönen Frühherbsttage zum Ausgehen anschickte.

„Ich werde nicht in den Wald, sondern nach Dierdorf gehen, mein Junge, den Onkel abzuholen, der uns besuchen will."

„Habe ich einen Onkel?" frug der Knabe; „das freut mich, bis jetzt habe ich das nicht gewußt".

„Du wirst ihn heute noch kennen lernen, sei nur hübsch artig und brav, damit er Dich lieb haben kann."

„Das verspreche ich gerne, lieber Papa."

Otto ging, den Vetter der Frau Wisting iin nächsten Flecken, bis wohin er die Post benutzen konnte, abzuholen.

Hanna hatte, da die Veranlassung, wodurch sie die Bekanntschaft des Hofbauern gemacht hatte, dem Ehepaar noch immer unbekannt war, eine Verwandtschaft vorgegeben, womit der redliche Bauer einverstanden war. Wohl ein Dutzendmal lief der kleine Bursche hinaus, um nachzusehen, ob der Vater mit dem Onkel noch nicht ankomme; endlich verkündete sein frohes Geschrei, daß die Erwarteten nahten. Hanna eilte den Männern entgegen nnd begrüßte den Herrn Vetter auf das

Grade im deutschen Reiche, wo nicht, wie in den Einzelstaaten, der Monarch einer der ge­setzgebenden Faktoren ist und das Recht der Sanktion hat, sondern im Großen und Manzen nur Chef der Exekutive ist und lediglich im Bun- desrathe an der Gesetzgebung Theil nimmt, sollte man solch' gefährliche Versuche vermeiden. Die Volkssouveränität besteht auf ihrem Schein, und mit Recht, denn bisher haben wir an Rechten und Freiheiten noch keinen Ueberfluß. Und wenn solche Unregelmäßigkeiten einmal nachgesehen wer­den, werden sie gar zu leicht zur Regel, und die Regel gilt als vermeintliches Recht.

Die Leute, welche Kraft ihres Amtes beim Bürger die kleinste Gesetzesübertretung verfolgen und ahnden sollen, welche mit Argusaugen darüber wachen, daß von ihnen selbst mißachtete Staats­verträge vom Gegner mit peinlicher Strenge ge­wahrt werden, welche endlich eine persönliche Em­pfindlichkeit an den Tag legen, die bei der klein­sten Beleidigung nach dem Staatsanwalt ruft, — solche Leute sollten auf die peinliche Erfüllung des Gesetzes und der Verfassung mehr bedacht sein als alle Andern.

Diesmal hat der faux pas der Regierung einen sehr glatten und für sie wenig kom- promittirenden Ausgang genommen. Man sieht daran, daß die große Mehrheit der deutschen Volksvertretung loyal genug ist, der Regier­ung Schwierigkeiten und offene Mcdrrlagen zu ersparen. Man dürfte nun aber auch von den Organen der Regierung den billigen Dank erwarten, daß sie in der Kritik und Beurtheilung der Parteien etwas glimpflicher verfahren und und nicht stets da böse Absicht, Reichsfeindschaft und Oppositionslust suchen, wo Ueberzeugungs- treue und wohlgemeinte Sorge uni die Volks­interessen das Wort reden.

Daß die Fortschrittspartei schon seit lange und nicht zum Wenigsten auch bei den letzten Debatten eine Stellung eingenommen hat, die vom Centrum, den Conservativen und auch der gemäßigten Linken entschieden mißbilligt wird, ist ja Thatsache. Aber dennoch ist die Manier, wie die Offiziösen diese

Herzlichste. — Als nun auch die junge Frau, an der Hand ihr Töchterchen führend, auf den Gast zuschritt, ihm ihre Hand entgegen reichte und ihre große Freude auHprach den Vetter ihrer lieben Hanna bei sich zu sehen, da wußte der redliche Bauer im ersten Augenblick kein Wort hervorzu­bringen. Er entblößte sein schon etwas ergrautes Haupt ehrerbietig und starrte sprachlos in das liebliche Gesicht seiner Wirthin. Bald hatte er sich indessen gefaßt. „Verzeihen Sie, werthe Frau Ulrich", sprach er, die Hand der erröthenden jungen Frau ergreifend, „ich war von Ihrem Anblicke so überrascht, da Ihre Züge mich an eine mir sehr werthe Person aus meiner Jugend­zeit erinnern. Ich darf Ihnen versichern, daß ich mich lange auf den Tag gefreut habe, die lieben Leute kennen zu lernen, wovon mir meine Nichte soviel Gutes berichtet hat."

„Sie werden dann aber sich sehr enttäuscht finden", erwiderte der Förster; „wenn es hier Jemand gibt über den man viel Gutes sagen darf, so ist es nur unsere gute Tante Johanna. Doch nun bitte ich einzutreten und unser schlichtes Haus als das Ihrige zu betrachten."

Der aufrichtige und liebenswürdige Empfang, verbunden mit dem feinen Anstand der Familie, nahm das Herz des redlichen Landmannes gleich gefangen. Er fand den jungen Waidmann nicht allein in seinem Fache auf das Gründlichste un­terrichtet, derselbe bekundete auch in der Verwalt-

e Partei abkanzeln, tadelnswerth, und zwar umso- - somehr, als diese Preßlakaien, wie sich noch r neuerdings bei der Besprechung der Breslauer 1 Weihbischofaffaire gezeigt hat, sich das Recht heraus- - nehmen, Alles, auch das Edelste zu verunglimpfen, e und sich an Personen heran zu wagen, denen sie e die Schuhriemen aufzulösen nicht würdig sind.

Deutsches Reich.

Fulda, 5. September.

* (Zur Breslauer Weihbischoffrage) hat die ,Nordd. Allg. Ztg.' nachstehenden neuesten Herzenserguß in die Welt gesetzt:

„In der Angelegenheit der Ernennung des Generalvicars Sniegonzu TeschenzumWeihbischoffürden öfter reicht sch en Theil der Diözese Breslau haben liberale Blätter die Ansicht aufgestellt, daß das Staatsintereffe cs verlange, den österreichi­schen GebietStheil von genannter Diözese abzutrennen, ebenso wie es geboten wäre, den preußischen Anthcil aus der Diözese Prag und Olmütz ausscheiden zu lassen. Die ,Nat.-Ztg.' weist auf die Größe der Diözese Breslau hin, die die ständige Thätigkeit eines Silfsbischofs auch für den preußischen Theil nöthig gemacht habe. Wir bemerken hierzu, daß auch in anderen rein preußischen Diözesen der Umfang derselben die Ernennung von Weihbischöfen ver­anlaßt hat. Wenn die,National-Zeitung' ausführt, daß durch Ausscheidung des österreichischen Gebietstheilcs das Entstehen gewisser internationaler Fragen abgeschnit- ttn würde, und daß ein lediglich innerhalb des preußischen Staates seine Funktionen ausübender Bischof vielleicht ein richtigeres Bewußtsein seiner staatlichen Beziehungen erlan­gen würde, als ein Prälat, dessen Circumspection sich auch auf ein zweites Staatsgebiet erstreckt, so ließe sich über die Vortheile dieser Veränderung des bestehenden Verhält­nisses wohl diskutiren. Auch ist nicht zu leugnen, daß die jüngste Verletzung der Bulle De salute ani- m ar nm seitens der Kurie — eine Verletzung, die von allen [?] Organen der Presse mit selbstverständlicher Aus­nahme der sich unter Aufwand vielen Scharfsinnes der Logik verschließenden,Germania' und Gefährten anerkannt worden ist — daß dieser thatsächliche Bruch der bestehen­den Bestimmungen den Gedanken nahe legt, die Konse­quenzen hieraus staatlicherseits zu ziehen, und eine Ab­trennung des österreichischen Theiles der Diözese von dem preußischen Bisthums ins Auge zu fassen. Die .Germa­nia' hatte der ,National-Zeitung' auf ihren Vorschlag in hochfahrendem Tone geantwortet, sie habe Grund zur An­nahme, daß die preußische Regierung sich zuvor die Aus­scheidung reiflicher überlegen werde. — Es mag sein, daß

img und der gejammten Landwirthschaft so ein­gehende Kenntnisse, wie man sie nur bei einem erfahrenen Landmanne erwarten durste. Das stille geräuschlose Walten der jungen Fran im Hause und im Kreise der Kinder, die innige Liebe und Hochachtung, die sie der Frau Wisting bei jeder Gelegenheit bezeigte, erfüllten den Schulten mit Bewunderung. Dabei war ihrem ganzen Wesen der Stempel des Adels und der feinen Bildung so unverkennbar aufgedrückt, als ob sie im Schlosse ihrer Väter erzogen worden fei. Ein Blick der milden Augen genügte, die Kinder vor jeder Un­art zurückzuschrecken.

Letztere hatten bald Vertrauen zu dem fremden Onkel gefaßt, der für Felix ein schönes Bilderbuch und für Johanna eine Puppe mitgebracht hatte. Die Bescheidenheit und das naive Geplauder hatten bald seine Aufmerksamkeit in Anspruch genommen und versetzten ihn in die Zeit zurück, wo seine Kleinen in derselben Weift seine Kniee umstanden hatten. Recht gut geartete Kinder hatte der Schulte und durste sagen, daß sie eben nicht auf den Kopf gefallen waren; es lag aber in dem ganzen Wesen dieser Försterskinder etwas, — er wußte eben den Ausdruck nicht zu finden, etwas, wodurch sie sehr, und zwar zu ihrem Vortheile, abstachen.

Eine Woche war dem Gaste schnell dahinge­flossen: seine freundlichen Wirthe hatten es ver­standen, ihm die Tage rasch verschwinden zu machen. Otto hatte mit ihm das ganze Revier durchstreift,