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Der Graf von Paris.
Der royalistische .Figaro' bringt folgenden offiziösen Bericht über den Empfang der Prinzen von Orleans durch den österreichischen Kaiser. „Dem Herrn Grafen von Paris, welcher am 31.Aug. um 2 Uhr vom Kaiser empfangen worden, ward die angenehme Ueberraschung, daß ihm der Kaiser zuvorkam. Er war bei Tisch, als man ihm den Besuch des Kaisers meldete. Es ist eine Ehre, die bekanntlich der Kaiser der Etiquette gemäß nur den Souveränen erweisen kann. Der Marquis de Beauvoir und der Hauptmann Morchain gingen sofort dem Kaiser auf der großen Treppe des Hotel Imperial entgegen. Der Kaiser hatte dieObersten- Uniform des Regiments angelegt, das seinen Namen- führt. Die Unterhaltung dauerte 20 Minuten und war sehr herzlich. Der Kaiser verlangte seinen Schwager, den Herzog vonAlenyon, zu sehen, und ließ sich dem Herzog von Orleans (den Sohn des Grafen von Paris) vorstellen. Um 2 Uhr begab sich der Herr Graf von Paris in Begleitung des Marquis deBeauvoir nach der Burg, um vom Kaiser empfangen zu werden. Als der Prinz in der kaiserl. Residenz erschien, trat die Wache unter's Gewehr, die Trommeln wurden gerührt und die Fahne aufgepflanzt. Der Herr Graf von Paris blieb bei dem Kaiser über eine Viertelstunde und kehrte dann in seinen Gasthof zurück. Die übrigen Prinzen, der Herzog von Nemours, der Prinz von Joinville und der Herzog von Chartres, begleitet vom Marquis de Bouill« und hem ßi raren de Niamey, begaben sich hieraus nach der Burg. Der Herzog von Nemours trug den Großcordon der Ehrenlegion, ^en Orden des heiligen Geistes und das Goldene Vließ. Das nämliche Ceremoniell wurde bei ihrer Ankunft beobachtet. Sie wurden in den dritten Stock bis zum Saale geführt, wo sie der Kaiser erwartete, der die Prinzen in einen anstoßenden Saal führte, während der Marquis de Bouillo und der Graf de Riancey mit dem Adjutanten des Kaisers im ersten Saal blieben. Nach einer Viertelstunde kam der Kaiser zurück. Er ließ sich zuerst dem Marquis de Bouillv vor
stellen, den er fragte, ob er den Herzog von Chartres auf seiner großen Reise begleite, und dann dem Grafen de Riancey, an den er einige wohlwollende Worte richtete. Die Prinzen kehrten hierauf in ihren Gasthof zurück." — Der betreffende Bericht macht auch Mittheilungen über den neuen Namen, welchen der Graf von Paris sich beigelegt hat. Er schreibt: l „Die genaue Wahrheit ist folgende: Der Graf von Paris nimmt unter den obwaltenden Umständen keinen Namen eines Souverains an, weder den von Philipp VII., noch den von Ludwig Philipp II. Er unterzeichnet: „Philipp, Comte de Paris", und diese Unterschrift setzte er auch, wie Sie wissen, unter das Telegramm, in welchem er in seiner Eigenschaft als Chef des Hauses Frankreich allen Souveränen den Tod des Grafen von Chambord ankündigte. In den Akten des Civilstandes wird er jedoch, wie es das Gesetz erheischt, die Namen und Vornamen beibehalten, die in seinem Geburtsschein stehen. Zu gleicher Zeit ändert er sein Wappen. Er nimmt das sogenannte offene Wappen an. Der Balken, welcher das Wappen der jüngeren Linie kennzeichnet, verschwindet, und dasselbe wird nur die drei goldenen Lilien auf blauem Grund tragen. Die übrigen Prinzen der Familie Orleans behalten ihr jetziges Wappen."
Dem .Frantzais' zufolge steht nunmehr, nachdem die Gräfin Chanibord angeordnet habe, daß der Trauerzug durch die fremden Prinzen und die nächsten Verwandten des Grafen Chambord ge- führt werden solle, feö. dqtz der Gros nnn Paris nicht zu den Beisetzungsseterttchkeiten nach Gorz geheil wird. (Durch die neuesten Meldungen wird diese Voraussetzung bestätigt.) Die Führer der royalistischen Partei hätten den Grafen zu bewegen gesucht, nach Görz zu gehen und versprachen ihm, den Platz zu verschaffen, auf den er ein Recht habe. Der Graf von Paris beharre aber auf seinem Ent- schluffe, nicht nach Görz zu gehen. Die republikanischen Blätter sind natürlich gleich mit der Behauptung bei der Hand, dieser Zwischenfall bedeute ein Bruch zwischen Royalisten und Legitimisten. Der ,Temps' schreibt: „Die Republik
solle die Gelegenheit benutzen, um eine kluge Politik zu führen und sich jedem, der guten Willens ist, als Zufluchtsort darzustellen."
Deutsches Reich.
Fulda, 4. September.
* (Dem Comito für die kath. Generalversammlung zu Düsseldorf) sind aus allen Gauen Deutschlands begeisterte Schreiben hervorragender Persönlichkeiten zugegangen, welche mit größter Freude die Abhaltung der Generalversammlung begrüßen und den Besuch derselben in Aussicht stellen. Es ist eine solche Zahl von Rednern, namentlich in den Fragen des sozialon Gebietes, gesichert, daß die Rednerliste bereits vor einigen Tagen geschloffen werden mußte. Wie sehr aber das Ausland von der Bedeutung der Generalversammlung durchdrungen ist, beweist die von dem .Düsseld. Volksbl.' mitgetheilte Thatsache, daß die Katholiken fast aller Nachbarländer Deputationen und Redner zu der Generalversammlung entsenden. Holland wird durch einen Redner seinen Gruß den deutschen Katholiken entbieten, Belgien entsendet einen Redner, der von den Opfern der belgischen Katholiken berichten wird. Luremburg hat einen Vertreter der Katholiken angemeldet. Dänemark wird auf der Generalversammlung durch seinen apostolischen Präfekten von Kopenhagen vertreten sein. Schweden schickt den katholischen Pfarrer BMfefW HKWil von Norfolk zur Generalversammlung angemeldet. Selbst Amercka entsendet einen Redner zur Generalversammlung, der durch langjähriges Wirken auf dem Gebiete der Presse und der Seelsorge mit den Zuständen jenseits des Orients vertraut und daher befähigt ist, zutreffende Schilderungen über katholisches Leben in Amerika zu entwerfen. Wie auf der ersten Generalversammlung zu Düffeldorf Bischof Meurin von Bombay anwesend war, so werden dieses Mal Missionäre, welche in Bombay stationirt sind, der Generalversammlung Grüße
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Der Crbe.
Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.
In dem Antwortschreiben sprach sich deutlich sein Mißvergnügen aus; es schloß indessen mit der Versicherung, daß er jederzeit bereit sein werde, nach Kräften mitzuwirken, der Erbin zu ihrem Rechte zu verhelfen und bat, ihm den Zeitpunkt mitzu- thellen, wann die Gräfin die beiden Briefe an ihren Gemahl gerichtet habe.
Es war der Frau Wisting sehr angenehm, hierdurch Gelegenheit zu haben, mit ihm in brieflichem Verkehr zu bleiben. Wenn sie auch der Verstorbenen versprochen hatte, der jungen Frau nichts über ihr Herkommen mitzutheilen, so konnte sie den Wunsch doch nicht unterdrücken, dereinst die jungen Leute, die sie so sehr liebte, in dem Besitze ihres Erbes zu sehen.
Als Otto seinen neuen Wirkungskreis angetreten hatte, berichtete sie hierüber dem Schulte, und wurde der einmal angefangene Briefwechsel von ihr, wenn auch in großen Pausen, unterhalten. Erfreuliche Gelegenheit hierzu gab es, als den jungen Leuten ein Söhnchen geboren wurde.
So floß manches Jahr dahin; das Interesse des Hofbauern für die Nachkommen seines ehemaligen Grundherrn blieb fortwährend genährt, da Frau Wisting in jedem Briefe nicht genug von dem Glücke der jungen Leute und ihren lieben Kindern zu erzählen wußte.
Oft tauchte das Verlangen in ihm auf, die Leutchen kennen zu lernen. Er hatte nie Reisen gemacht; der nothwendige Besuch eines Viehmarktes in seiner Provinz war die einzige Veranlassung, die ihn von seiner Scholle weggeführt hatte. Ein Ereigniß brachte seinen Entschluß zur Reife. Einer seiner Söhne war bei der Aushebung zum Mili- tairdienst herangezogen worden und diente bei den Kuirassiren in Deutz.
Die reiche Ernte des Jahres war glücklich eingebracht, und die großen Scheunen strotzten von Garben.
„Höre Trude", sprach der Schulte, an einem Sonntage vom Kirchgänge heimkehrend, zu seiner Frau, „mir ist da ein Einfall gekommen, worüber ich Deine Meinung hören möchte."
Frau Optenholt war zwar gewohnt, wenn ihr Mann mit einer derartigen Einleitung begann, daß er ein bereits fertiges Projekt vortragen werde. Da sie aber aus Erfahrung wußte, daß ihr verständiger Ehemann nur nach reiflicher Erwägung etwas unternahm, so erfolgte von der klugen Frau durchweg ihre Zustimmung.
„Und das wäre, lieber Derick?"
„Ich denke mir, welche Freude unser Franz haben würde, wenn ich ihn in Deutz besuchte."
„Daran zweifle ich nicht; aber die Reise würde für Dich wohl zu anstrengend sein."
„Wo denkst Du hin, Trude? Was ist jetzt eine solche Reise, wo wir eine Eisenbahn haben? Man
sitzt darin so bequem, als obZman sich in einem Zimmer befände."
„Wenn Du so meinst, Derick, dann thue es in Gottes Namen."
„Du bist eine verständige Frau", fuhr der Hausherr vergnügt fort; „unser eins darf auch so etwas unternehmen. Die Ernte ist, Gott Lob, reichlich, und wenn das auch nicht der Fall wäre, so würde diese Auslage uns nicht schaden. Was liegt an ein paar Dutzend Kronen".
„Sonst gibst Du sie aber nicht so leicht aus, Vater", sagte sie lächelnd.
„Hast recht, Trude; drum darf ich es für den Ausnahmefall. Dabei ist es doch schön, das große Köln mit seinem Dom und den vielen Kirchen einmal zu sehen. Und bin ich dort, dann fahre ich ein Stückchen den Rhein hinauf und besehe mir das schöne Siebengebirge und Koblenz". , „Du machst mich immer mehr staunen, lieber Derick".
„Diese Strecke ist noch viel bequemer; auf dem Rheine fahren Dampfboote so groß, wie unsere Scheune, auf welchen man umherspazirt und sich niederlaffen kann, wo man will. Man lebt darauf wie in einem Gasthause. Wenn ich dann zurückkehre, kann man auch ein Wort mitreden; man hat doch etwas von der Welt gesehen".
„Und wann gedenkest Du abzureisen?"
„Lange zögern darf ich nicht, denn bald beginnen die Manöver, wobei es vorkommen könnte, daß unser Franz ausrücken müßte".