M ISS»
Sonnabend, den 1. September
1883.
Fuldser
2^
Die .Fulda« Bettung* erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Bierteljährlich« AbonnementSpreit ohne Bring«lohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfz., — mit der belletriMchm Wochenbeilage .eterae tttt* Blumen* in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 R. 75 Pfg.
Inserate: Die vierspaltige Zeile ob« deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wied«holungen entsprechend« Rabatt.
Für de« Monat September eröffnen wir ein Abonnement znm Preise von 50 Psg. ohne Bestellgeld.
Deutsches Reich.
Fulda, 1. September.
* (Vom Reichstage.) In Abgeordnetenkreisen hofft man, heute den Schluß der Session herbeiführen zu können. Diese Hoffnung wird dadurch verniehrt, daß die zweite Lesung des spanischen Handelsvertrages in der bis gestern Mitt- ternacht dauernden Abendsitzung glücklich erledigt worden ist. Vorausgesetzt wird dabei, daß auf eine Besprechung der Denkschrift über die Verlängerung des kleinen Belagerungszustandes in Leipzig Verzichtes wird; noch viel weniger könnte die Absicht ausgeführt werden, von der die Rede ist, die Angelegenheit der Jnvalidenkaffe der Gewerk-Vereine zur Sprache zu bringen. Selbstredend würde dann von einer Theilnahme des Reichstages an der Grundsteinlegung des Reichstags-Gebäudes keine Rede mehr sein können.
* (Termin der Landtagseinberufung.) Gegenüber der Mittheilung einer Zeitungskorrespondenz, daß die Einberufung des preußischen Landtags nicht vor dem 15. Januar künftigen Jahres stattfinden werde, wird der ,Nordd. Allg. Ztg.* von berufener Seite versichert, daß über den Termin, an welchem der Landtag zusammentreten soll, eine Erörterung überhaupt noch nicht stattgefunden und auch füglich nicht hat stattfinden können, da einzelne der hierbei besonders beteiligten Reffortchefs sich auf Urlaubsreisen befinden. Die in Rede stehende Nachricht müffe daher als durchaus unzutreffend und geradezu aus der Luft gegriffen bezeichnet werden.
* (Zur Kanalvorlage.) Die Nachricht öffentlicher Blätter, daß die Kanalvorlage und zwar in erweitertem Umfange, dem Landtage wieder vorgelegt werden würde, wird von den,B. P. N.* als nicht ganz korrekt bezeichnet. Allerdings würden die bereits eingeleiteten Vorarbeiten namentlich
20
Der Erbe.
Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.
(Fortsetzung.)
Ein einziger Blick reichte ihnen hin, die Ursache der veränderten Situation klar zu machen. Die junge Frau hob rasch ihr Töchterchen auf den Arm und folgte den beiden Ausreißern nach.
„Grüß Gott, liebe Lore," ertönte die Stimme des Ankommenden, welcher den kleinen Burschen auf dem Arme trug, umkreist von den Sprüngen des treuen Hektor.
„Papa, Papa," rief das kleine Mädchen, beide Aermchen ihm entgegenstreckend.
„Lieber Otto, glücklich zurückgekehrt ?"
„Ja, mein Herz," erwiderte der Förster, sein Weib herzlich umfangend; „Alles ist gut verlaufen."
Er ließ den Knaben zur Erde gleiten und nahm das Mädchen auf den Arm, welches seine Aermchen um den Hals des glücklichen Vaters schlang.
Als unsere alten Bekannten sich unter der Linde niederließen, trat Hanna bereits mit dem Kaffeebrett aus dem Hause.
„Ich war überzeugt, daß Du heute bei Zeiten hier sein würdest," sprach sie, dem jungen Manne die Hand reichend, .drum hielt ich den Kaffee bereit, der thut am besten wohl nach dem langen Marsche."
„Tante Hanna ist die stets sorgsame Martha," ' rwiderte er herzlich; „er wird mir trefflich schmecken."
in Bezug auf die Fortführung der Linie zum Rhein mit gutem Erfolge fortgesetzt, allein eine definitive Beschlußfaffung darüber, ob, wie bei den Verhandlungen im Landtage von den Vertretern der Staatsregierung angedeutet wurde, eine Anregung aus der Mitte der Landesvertretung abgewartet, oder ob die Initiative zur Wiederaufnahme des Planes seitens der Staatsregierung ergriffen werden solle, sei noch nicht gefaßt. Die Interessenten würden ohne Zweifel zur Förderung der Angelegenheit wesentlich beitragen, wenn sie zur Uebemahme der unentgeltlichen Hergabe des Grund und Bodens sich in sicherer Weise bereit fänden. Alsdann würde dem parlamentarisch wirksamsten Gegengrunde, dem nämlich, daß ein dem Aufwande von 46 Millionen entsprechendes Verkehrsbedürfmß nicht nachgewiesen sei, jeder Boden entzogen.
* (Zur Münzfrage.) Auf dem internationalen Congreß, welcher vom 11. bis 18. September in Amsterdam im Anschluß an die dortige Ausstellung stattfindet, wird auch Über die internationale Münzfrage verhandelt werden. Wie die ,Bim. Corr/ mittheilt, werden bei dieser Gelegenheit Besprechungen zwischen den Führern der bimetallistischen Bewegung stattfinden, die englischen, belgischen und deutschen Bimetallistenvereine werden vertreten fein.
* (Urtheil eines Juden über den Antisemitismus.) Eine bemerkenswerthe Zuschrift erhielt kürzlich die ,Staatsbürger-Ztg/ von einem Wiener Israeliten, der bei einem Besuch in Berlin an dem herausfordernden Benehmen eines jüngeren Glaubensgenossen schweres Aergerniß nahm und in dieser Hinsicht sich mit einer Zuschrift an das ,Berliner Tageblatt' wandte. Dasselbe nahm jedoch davon keine Notiz, weshalb er an die ,Staats- bürger-Ztg/ ging. Nach Schilderung des fraglichen Vorganges heißt es in dem Schreiben weiter: „Wer trügt bei solchem Verhalten die Hauptschuld, wenn ein Rückschlag erfolgt und dann Unschuldige mit den Schuldigen leiden müssen? Die herausfordernden Israeliten oder die herausgeforderten Christen? Nur Unbilligkeit und Ungerechtigkeit
„Ich sehe es Deiner frohen Miene an, daß Du mit dem Erfolge Deiner Reife zufrieden bist; aber nun komm mein Herzchen zur Mama; Papa ist müde."
„Bei Papa, Papa bleiben" rief die Kleine, fester den Hals des Försters umklammernd.
„Sei nur ruhig, kleiner Schelm, Du wirst bei Papa bleiben; er freut sich zu sehr wieder bei seinem Herzblättchen zu sein. Nun hast Du etwas entdeckt," wandte er sich fragend an den Knaben, welcher sich bestrebte die Tasche seiner Joppe einer Untersuchung zu unterziehen; „lange nur zu und siehe, ob das wohl für die Mama oder für Euch fein wird."
„Für uns, für uns," rief der Kleine mit einer gefüllten Düte umherspringend. „Hannchen, Hann- chen, komme zu mir, siehe, was Papa mitgebracht hat."
Die leckeren Zuckerbretzeln wirkten anziehender aus die Kleine, als eben die Worte der Mutter; sie kletterte von dem Schooße des Vaters herunter, um ihren Antheil nicht verloren gehen zu lassen.
„Nun erzähle aber, mein Lieber, wie Alles abgelaufen ist."
„Recht gut, aber siehe vorher, liebes Weibchen, ob die Kleinigkeit, die ich für Dich mitgebracht habe, Dir Freude bereiten wird."
Aus einer kleinen Pappschachtel entnahm er einen schmalen Sammetstreifen, an welchem ein einfaches goldenes Kreuz glänzte und schlang denselben um den Hals der freudig erröthenden jungen Frau.
können da leugnen, daß erstere die Ursache sind, und so lange wir Israeliten nicht selber die räudigen Schafe in unserer Mitte schonungslos brandmarken, sondern durch unser Schweigen oder gar durch Beschönigung ihrer Handlungsweise den Schein erwecken, als ob wir ihr Benehmen billigten, so lange arbeiten wir naturgemäß auch dem Antisemitismus in die Arme. Erst wenn wir aufhören, unsere Kinder schon mit ihrem Wissen prunken zu lassen, bevor sie noch eine Schulbank gedruckt haben, sie die großen Herren spielen zu loffen, sobald sie die ersten hundertundfünfzig Pfennige in ihren Taschen fühlen und Flegeleien nur bann Flegeleien zu nennen, wenn Christen oder Heiden sie verübt haben: erst bann wirb man aufhören, uns Israeliten alle in einen Topf zu werfen unb bie Sympathien, bie einzelne verwirkt haben, allen zu entziehen. Die Früchte bes Antisemitismus zur Reife kommen zu lassen, das können unb müssen bie Regierungen wohl verhinbern, seine Wurzeln aber können nur wir selbst untergraben, unb es wäre bringenbst zu wünschen, baß es von ben Einsichtsvollen unter uns geschähe, so lange es noch Zeit ist. Mit biesem Wunsche zeichne ich ass einer löblichen Redaktion ergebener I. K., Fabrikant aus Wien."
* Dresden, 31. Ang. (Der Kronprinz von Portugal) ist heute hier eingetroffen und im Residenzschlosse hier abgestiegen. Abends findet zu Ehren desselben Hoftafel in Pillnitz statt.
* München, 31. Ang. (Zur Simultanschulfrage.) Der Magistrat hat heute befchlossen, bei der Regierung die Ermächtigung nachzusuchen, in den beiden noch übrigen Simultanschulen katholisch-konfessionelle Parallelklassen errichten zu dürfen.
Oesterreich - Ungarn.
* Wien, 31. August. (Verschiedenes.) Graf Chambord soll verfügt haben, daß sein Leichnam nie nach Frankreich gebracht roerben bürfe, auch im Falle einer Restauration nicht. Er soll geäußert haben, lebendig wollten sie mich nicht, tobt brauchen sie mich nicht. Das Leichcn-
„O, wie schön, lieber Otto, wie gut Du bist! Du wirst mich noch eitel machen wollen. Aber," fuhr sie schmollenb nach einer Pause fort, „wie sehr ich für Deine Liebe bankbar bin, so muß ich Dir boch Vorwürfe machen, Du leichtsinniger Mann. Ist bas recht, Schmucksachen zu kaufen, wo uns für bie Anschaffung nothwendiger Sachen bie Mittel noch fehlen?"
„Dann wage ich bas Geschenk für Tante Hanna gar nicht zu zeigen."
„O, gewiß, bas barfst Du; siehe, bas ist schön, baß Du für bie gute Hanna etwas mitgebracht hast. O, schnell, zeige es."
„Unb Hanna wirb Deinem Beispiele nicht folgen, mich auszuzanken?"
„Wenn sie bas thun wollte, würbe ich mich mit Dir verbünben."
Als Hanna bie Umhüllung entfernte, kam ein hübsches Gebetbuch, besten rother Saffianband mit einem silbernen Haken verschlossen war, zum Vorschein.
„Das ist zu viel Güte, bester Otto," sprach sie, bie Hanb des Försters drückend; „womit habe ich das verdient?"
„Nicht so, Tante," erwiderte der Förster gerührt; „ich hoffe, daß die Zeit kommen wird, wo wir Dir genügend vergelten können. — Doch nun hört: Ich wurde auf der Administration freundlich empfangen; der Forstrath theilte mir mit, daß mein letzter Bericht wohlwollende Aufnahme gefunden habe und ein Theil der Ausführung mir selbst-