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M 196. Mittwoch, den 29. August 1883.

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fHe .Fulda-r Zeitung' erscheint tiglich^Sonn-und Feiertage ausgenommen. LierteljShrlicher AbonnementSpreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Ml. 50 Pfg.. be«^ristischen Wochenbeilage ,Ster«- m,S Blume«' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

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— mit der

Deutsches Reich.

Fulda, 29. August.

• (Zu der Breslauer Weihbischofs-Af- faire) wird der ,Germ.' von ihrem römischen Korrespondenten geschrieben:

In vielen deutschen Blättern von den verschiedensten Parteirichtungen habe ich Artikel gelesen, die durch den Angriff der ,Nordd. Allg. Ztg.' gegen den hl. Stuhl aus Anlaß der Ernennung des Herrn Generalvikars Sniegon zum Weihbischof für den österreichischen Theil der Diözese Breslau provocirt waren. Aber in keinem dieser Artikel weder in katholischen noch in akatholischen Zeitungen habe ich gefunden, daß die Ernennung des genannten Prälaten vollkommen richtig aufgefaßt worden sei, d. h. Niemand hat darauf geachtet, daß Hr. Sniegon nicht die gleiche Stellung erhalten hat, wie z. B. Hr. Weihbischof Gleich in Breslau und wie die Weihbischöfe der übrigen Diözesen, von denen in der Bulle „De salute animarum“ die Rede ist. Ganz so, wie in den Pfarreien es zweierlei Hilfs­priester gibt, die den Pfarrer in Ausübung der Seel­sorge zu unterstützen haben, nämlich die Inhaber von festen, d. h. dotirten Vikariaten oder Kaplaneien einerseits und die persönlichen Hilfsgeistlichen, die auch Kapläne genannt und in besonderen Fällen vom Bischöfe gewissen Pfarrern auf deren ausdrückliches Berlangen und gewöhn­lich auch auf deren eigene Kosten beigegeben werden, wenn diese Pfarrer durch langwierige Krankheit, Altersschwäche oder auch aus sonstigen Gründen nicht im Stande sind, allen ihren Obliegenheiten nachzukommen — ganz ebenso kennt die katholische Hierarchie auch zweierlei Hilfs- Bischöfe, die Suffraganei und die Auxiliarii. Die Stellen der ersteren sind — um mich eines in der weltlichen Verwaltungssprache gebräuchlichen Ausdrucks zu bedienen — etatsmäßig, und wenn sie auch un­besetzt sind, so werden sie doch in dem päpstlichen Jahrbuch ,^a Gerarchia cattolica" bei den betreffen­den Diözesen aufgeführt. Dergleichen Suffraganate gibt es außer den Diözesen, die zur Zeit des Abschlusses des Konkordats zwischen dem hl. Stnhle und der preußi­schen Regierung zum Königreich Preußen gehörten, nur sehr wenige, so in Freiburg i. Br. und in den erst vor Kurzem reorganisirten Diözesen Rußlands. Dort hat das Erzbisthum Mohilew drei Suffraganate, in Mohilew, in Polock und in Lievland, die alle drei einstweilen noch un­besetzt sind. In Italien, Frankreich, Spanien, Belgien, Großbritannien, Holland, Amerika findet man dagegen die Einrichtung nicht, dafür aber finden wir in manchen Diö­zesen dieser Länder Auxiliarbischöfe, die auch in der „Gerarchia cattolica" bei den betreffenden Diözesen ver­zeichnet sind, deren Stellen jedoch nach ihrem Tode oder ihrer Versetzung nicht als vakante weiter aufgeführt werden. Diese sind dem betreffenden Diözesanbischof immer nur auf

seinen persönlichen Wunsch beigegeben, er hat selbst für ihr Einkommen zu sorgen, und wenn er stirbt oder aus der Diözese scheidet, so ist sein Nachfolger nicht verbunden, den Auxiliarbischof beizubehalten. Hier in Italien, be­sonders in den Suburbikar-Bisthümern der Kardinal-Bi­schöfe, kommt es gar nicht selten vor, daß mit dem Wechsel des Diözesanbischofs der Auxiliarbischof auch zu funktioniren aufhört, weil der neue Diözesanbischof seiner nicht mehr bedarf, und erhält dann vom Papst eine andere enffprechende Stellung. Der Auxiliarbischof steht also zum Diözesan- Oberhirten ganz in dem gleichen bloß persönlichen Ver- hältniß, wie ein Hülfskaplan zum Pfarrer. Folgt auf einen kränklichen oder altersschwachen Pfarrer ein rüstiger junger Herr, so kann er den Hülfskaplan einfach entlassen und dieser wird dann vom Bischof anderweitig verwendet. Nun heißt es aber in der Ernennungsbulle des Herrn Sniegon ausdrücklich, daß er dem Herrn Bischof Robert Herzog als „Auxiliarius" beigegeben ist, und muß mtthin seine Stellung als wesentlich verschieden von derjenigen der preußischen Weihbischöfe angesehen werden, die sämmtlich Suffraganei sind.

* (31 bg. Dr. Windthorst.) Gegenüber der Mittheilung eines Blattes, daß der Abg. Dr. Windthorst an den Berathungen der außerordent­lichen Reichstagssession nicht Theil nehmen werde und daß der greise Centrumsführer sich noch immer etwas schwach fühle, erklärt die ,Germania': „In Folge eingezogener Erkundigungen können wir auf Grund eines Privat-Telegramms zu unserer Freude versichern, daß Dr. Windthorst keine Schwäche kenne, und bestimmt zur Reichstagseröffnung an­kommen wird."

* (Der .Reichsanzeiger') veröffentlicht die Liste der vom Ministerium in denLandes - Eisen- bahnrath gewählten Mitglieder und Stellvertre­ter, sowie ferner die Liste der von den Bezirks- Eisenbahnräthen aus den Kreisen der Land- und Forstwirthschaft, der Industrie und des Handel­standes in den Landes-Eisenbahnrath gewählten Mitglieder und Stellvertreter.

Berlin, 28. August.

* (Vom Reichstag.) Der Präsident des Reichstages v. Levetzow ist von Goffow nach Berlin zurückgekehrt. — Anmeldungen der Herren Mitglieder des Reichstages werden wie gewöhnlich am Tage vor der Eröffnung von Vormittags 9 Uhr ab, und Mittwoch den 29. August von Vormittags 8 Uhr ab im Büreau des Reichs­

tages Leipzigerstraße 4 entgegengenommen. — Die erste Plenarsitzung des Reichstages fin­det am Mittwoch den 29. unmittelbar nach der um 2 Uhr stattfindenden Eröffnung des Reichs­tages im Reichstagsgebäude statt.

* Breslau, 26. Aug. (Dr. Hager.) Wie sehr unser katholisches Volk das Wirken des ver­storbenen Redakteurs Dr. Hager, welcher der aufreibenden Redaktionsthätigkeit an der ,Schles. Volksztg.' Ruhe, Familienglück, Gesundheit und Leben geopfert hat, zu schätzen weiß, zeigt der zahlreiche Besuch bei den für seine Seelenruhe fast aller Orten veranstalteten Seelenämtern. Selbst in dem zum Theil polnischen Oberschlesien wurder an vielen Orten, auch in Dörfern, Trauerandach ten für den Verstorbenen abgehalten. Hat er ja doch fast in allen unseren Städten bei Gelegenheit der Wahlen Reden voll Begeisterung für unsere heilige Sache gehalten.

* Straßburg i. E., 28. Aug. (Die Ver­sammlung der deutschen Forstmänner) wurde heute durch den Landforstmeister Mayer eröffnet. Die Begrüßung im Namen des Statt­halters fand durch den Staatssekretär Dr. Mayer und im Namen der Stadt durch den Assessor Dr. Naumann statt. Forstmeister Schott von Schottenstein wurde einstimmig zum Präsidenten gewählt, Landforstmeister Mayer zum Vizepräsi­denten. Die Mitgliederzahl beträgt 307. Vor Beginn der Verhandlung wurde ein dreifaches Hoch auf den Kaiser ausgebracht. Gestern Abend fand eine herrliche Beleuchtung des Münsters statt.

Oesterreich - Ungarn.

* Pest, 28. Aug. (Judenkrawall.) Die von jenseits der Donau einlangenden Berichte melden stets neue Unruhen. Sonntag Nacht zogen in Salaszgroth Burschen rudelweise durch sie Straße, fielen in Kaufläden ein und demolir- ten ein einem Juden gehöriges Kaffehaus. Nur >em Einschreiten der Feuerwehr und dem gütigen Zureden des katholischen Kaplans Perenyi ist es zu danken, daß kein größeres Blutvergießen stattfand. Der Pandur Strang, der intervenirte,

Der Erbe.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

(Fortsetzung.)

Mit der Gräfin wäre vielleicht etwas auf güt­lichem Wege auszurichten, wenn der Gras Rinteln nicht wäre, dem ich eben nicht viel Zutrauen schenke.

Sie hat keine Kinder mehr und es darf wohl als gewiß angesehen werden, daß er nach ihrem Tode Majoratsherr wird. Ich weiß nun nicht, wie stark sein Einfluß bei der Gräfin ist, fürchte aber, daß er schwere Hindernisse bereiten wird.. — Er war es ja auch, der die Nachricht von dem Tode der — „Hört, Frau WiSting", fuhr er nach einer Pause fort, „wir wollen morgen weiter darüber reden; ich muß mir Alles in meinem alten Schädel etwas zurecht legen. — Trude," rief er hinaus, »komme doch zu uns, wenn Du Deine Arbeit been­digt hast."

Die Bäuerin ließ nicht lange auf sich warten.

„Ich mache noch einen Gang in's Freie," sprach er, als seine Frau eintrat. „Hier ist Frau Wis« iwg, die mit mir etwas zu berathen hat; lasse ihr !soch eine Tasse Kaffee vor der Nachtruhe machen, üe hat wenig vom Abendbrod genossen. Es ist ^icht nothwendig, daß die Kinder und das Gesinde den Namen der Frau erfahren. — Schlaft wohl, ffrau Wisting, Trude wird für ein gutes Nacht­lager Sorge tragen."

Am nächsten Morgen hatte Hanna noch eine

lange Besprechung mit dem Hofbauern und trat dann, von den Segenswünschen des Ehepaares be­gleitet, ihre Rückreise an. Die gute Bäuerin hatte es sich nicht nehmen lassen, die Reisetasche reichlich mit Proviant zu versorgen. Sie meinte, daß ja, je länger die Reise währe, die Tasche um so leich­ter werde. Die große Mettwurst sei aber für die Familie zu Hause bestimmt. Der vernünftige Schulte hatte es vorläufig nicht für gut befunden, seiner guten Trude Näheres über Frau Wisting mitzutheilen.

Obgleich Hanna nach ihrer Rückkehr in der schonendsten Weise die Ergebnisse ihrer Reise und die traurigen Nachrichten ihrer Gebieterin mittheilte, so übte der Niederschlag aller Hoffnungen und der Tod ihres Gemahls auf die Leidende einen so nach­theiligen Einfluß aus, daß man für ihr Leben fürchtete. Die schwache Hoffnung hatte bis dahin der erlöschenden Flamme etwas Nahrung gespendet.

Erst jetzt fühlte die Kranke, wie theuer ihr der Verstorbene gewesen war. Wie manchinal hatte sie in stillen Stunden den glücklichen Augenblick sich ausgemalt, wo sie zu seinen Füßen Vergebung finden würde; unzählige Male hatte sie den Him­mel um Genesung angefleht, um ihr Leben nur dem zu widmen, den sie so schwer beleidigt hatte. Ihr Gebet war nicht erhört worden, und in der Erkenntniß ihrer schweren Schuld nahm sie nach hartem Kampfe in Geduld auch dieses Kreuz auf sich.

Der Sommer und Herbst war geschwunden und

der erste Schnee lagerte auf dem Gebirge. Die Leidende konnte das Lager nicht mehr verlassen. Geduldig und' ergeben, sogar mit einer gewissen Heiterkeit sah sie ihrer Auflösung entgegen.

„Hanna," sprach sie, aus einem kurzen Schlum­mer erwachend, zu der Dienerin, die an ihrem Bette saß, „das Weihnachtssest naht, ich fühle, daß ich es nicht erleben werde, und doch möchte ich gerne noch einmal den Christbaum schauen; Otto wird dann auch hier sein. — Rücke näher zu mir, gute Hanna. — Mir ist so leicht, so wohl, als ob meine Krankheit verschwunden wäre; es sind die letzten Tage, die der Herr mir schenkt, und ich danke ihm von ganzem Herzen für die Gnade. — Alles ist überstanden." - - Sie ergriff die Hand chrer treuen Helferin und fuhr fort: „Siehe, Hanna, je mehr der Leib sich auflöset, desto freier wird der Geist. Wenn die Seele los­geschält vom Irdischen ist, sieht sie Alles in einein andern Lichte. Oftmals habe ich mit Bangen an meine letzte Stunde gedacht, an die schwere Auf­gabe, meinem Kinde die Schuld der Mutter zu enthüllen. — Du wirst staunen, wenn ich Dir mit­theile, daß meine gute Eleonore nichts über meine Vergangenheit erfahren soll. Das Bild ihrer Mut­ter soll ihr nur frohe Erinnerungen bereiten. — Ich kann nicht sagen, ob es ein Traum war, welcher meinen Geist beschäftigte, als ich eben schlummerte. Ich sah meine Eleonore, unsere Kinder glücklich vereinigt, nicht von^Glanz und Reichthum umgeben,