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Dienstag, den 28. August
1883.
Jfidbarr Hitung.
f)ie .Fuldaer Setting* erscheint tlgli 4' Sonn-und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreii ohne Lringerloh« und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Bfa., — belletristischen Wochenbeilage .Sterne UN» Blumen' in Fulda 1 3RL 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.
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mit der
Deutsches Reich.
Fulda, 28. August.
* (Auszeichnungen für den höheren Lehrerstand.) Der Centrums-Abgeordnete Peters, Gymnasial-Profeffor in Breslau, brachte bekanntlich während der letzten Landtagssession beim Kultusetat eine Reihe von Beschwerden und Anregungen vor, welche sämmtlich darin gipfelten, die materielle und soziale Lage des höheren, des st u d i r - ten Lehrerstandes zu verbessern. Unter Anderem äußerte er auch den Wunsch, daß für emeritirte Lehrer der Titel als „Schulrath" verliehen werde, was er als durchaus wünschenswerth hinstellte, um dem Stand, welcher in Bezug auf die akademische Vorbildung und die geforderten Prüfungen jedem anderen Stand der Staatsbeamten ebenbürtig sei, auch in den Augen des größern Publikums diese Anerkennung zu verleihen. Während für die Juristen und Mediziner die Titel als „Justizrath", „Sanitätsrath" rc. verliehen würden, fehlte es für die studirten Lehrer an jeder staatlichen Auszeich- nung. Wenn auch der Kultusminister v. Goßler auf die Anregung des Dr. Peters keine unmittelbare Erwiderung vom Ministertische aus folgen ließ, hat er ihr die Berücksichtigung doch nicht versagt und, wie die Münch. Allgem. Ztg.' meldet, bei dem Kaiser in Anregung gebracht. Es ist dieser Tage deni Seminardirektor Wendel zu Steinau a. d. O. bei seiner Pensionirung in Anerkennung seiner dem Staate und speziell der Schule geleisteten Dienste der Charakter als Schulrath mit dem Range eines Rathes vierter Klasse verliehen worden.
— (Der .Reichsanzeiger') veröffentlicht die Ernennung des Erzpriesters von Glogau Warnatsch zum Ehrendomherrn von Breslau.
Berlin, 27. August.
* (Bundesrath.) Heute, Montag, findet eine Plenarsitzung des Bundesraths statt; auf der Tagesordnung stehen verschiedene geschäftliche Mittheilungen, Wahl der Ausschüsse und dgl. mehr und mehrere Vorlagen; so die Statistik der Berg
werke, Salinen und Hütten, eine Uebereinkunst mit Luxemburg wegen gegenseitiger Zulassung der an der Grenze wohnenden Medizinalpersonen u. a. und besonders der Handels- und Schifffahrtsvertrag mit Spanien. Letzterer Vorlage ist eine besondere Denkschrift beigegeben, welche einen genauen Bericht über den Gang der stattgesundenen Verhandlungen bringt und noch manche interessante Details enthält. So berichtet die Denkschrift, daß als wesentliche Gegenstände der deutschen Ausfuhr nach Spanien für 1881 in Betracht kommen: Branntwein im Werthe von 5,000,000 Mark, Eisenbahnschienen 4,100,000, unbedruckte wollene Tuch- und Zeugwaaren 1,500,000, wollene Posamentier« und Knopfmacherwaaren 1,200,000, Spitzen, Tülle und Stickereien aus Wolle 849,000 Maaren ganz oder theilweise aus edlen Metallen 865,000, Handschuhleder, Korduan, Maroquin u. s. w. 841,000, Maschinen aller Art 753,000, wollene unbedruckte Strumpfwaaren 534,000, feine Eisenwaaren 532,000, Eisendraht 649,000, Eisenbahnachsen595,000,Baumwollengarn497,000, Kleider und Putzwaaren 410,000 Mk. rc. Die hauptsächlichsten Gegenstände der spanischen Einfuhr nach Deutschland sind Eisenerze, Eisen und Stahl 4,600,000, Wein und Most in Fässern 1,400,000, Korkstopfen,Korksohlenu.Korkschnitzereienl,400,000, Schwefelkies1,100,000,Olivenöl in Fäffern984,000, frische Apfelsinen und Zitronen 193,000 Mk. u. s. w.
Zu den einzelnen Artikeln des Vertrages bringt die Denkschrift noch wichtige Erläuterungen und bespricht eingehend die Entstehungsgeschichte des sogenannten Spritparagraphen und weshalb Spanien an seiner Ansicht festhalten mußte, nur den Sprit als deutschen zu behandeln, der in Deutschland aus deutschem Spiritus hergestellt worden, daß es aber auf den Ausschluß der deutschen Freihafengebiete von dem Vertrage nicht weiter bestand, und bringt auch noch die Notiz, daß der Handelsvertrag mit Oesterreich-Ungarn bis zum 14. April 1887, der mit der Schweiz bis zum 30. Juni 1887, der mit Schweden und Norwegen bis zum 30. Juli 1887 und der mit Frankreich bis 1. Febr. 1892 währt.
• (Der Bundesrath) nahm heute einstimmig den spanischen Handelsvertrag an und er- theilte seine Zustimmung zur vorläufigen Inkraftsetzung desselben.
* (Grundsteinlegung für das Reichstag sgebäude.) Es finden zur Zeit Verhandlungen statt, um die Grundsteinlegung für das neue Reichstagsgebäude vielleicht doch noch während der bevorstehenden kurzen Session des Reichstags vorzunehmen.
* München, 27. Aug. (Die Minister v. Lutz und v. Crailsheim) reisten heute nach Kissingen zum Besuche Bismarcks.
Oesterreich - Ungarn.
* Wien, 27. Aug. (Bauernaufstand.) In Maria Bistrica, vier Wegestunden von Agram, brach in Folge der Wappenfrage eine Bauernrevolte aus, wobei der Gemeindenotar getödtet und der Gemeindevorstand verwundet wurden.
* Pest, 27.Aug. (Die Ausschreitungen gegen die Juden) in Zala-Egerszeg begannen bereits am Donnerstag und steigerten sich in den folgenden Tagen dermaßen, daß das Militär einschreiten mußte. Da auch die Excedenten mit Gewehren bewaffnet waren, gab es aus beiden Sei- ■ ten Tobte und Verwundete; die Verwüstung von Eigenthum ist sehr erheblich. Gestern sollen Bauern aus Zala-Egerszeg und Umgebung einen neuen Angriff auf die Juden und das Militär gemacht haben. Gegen 20 Soldaten wurden getödtet und verwundet. Es haben auch in Csungo-Keßthely Ausschreitungen gegen die Juden stattgefunden. In Groß-Kanisza fanden nur unbedeutende Zusammenrottungen statt, welche die Polizei-Dragoner auseinandersprengten.
Frankreich.
* Paris, 27. Aug. (Krieg in Tonking.) Der Minister des Kriegs und Handels werden reute Abend hier eintreffen, um dem Ministerrat he, welcher Morgen stattfinden soll, beizuwohnen und den Antrag auf Absendung von 1500 Mann nach Hue zu genehmigen. Heutige direkte Nachrichten bestätigen die Einnahme Haid
Der Erbe.
Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.
(Fortsetzung.)
Trotz des guten Beispieles, welches der redliche Bauer seinem Gaste gab, konnte die arme Hanna nur wenig genießen. Ueber der Mahlzeit hatte der kernige Landmann seine Ruhe wieder gewonnen und jetzt nahm er den Brief entgegen. — Langsam und bedächtig las er das Schreiben durch; die Blicke Hanna's ruhten mit Besorgniß auf den Zügen des Schulten, die indeßen nicht errathen ließen, welchen Eindruck das Schreiben auf ihn machte. — Der bittende Ton der Gräfin, die mit keiner Silbe sich entschuldigte, die Ergeb- nng in ihr Schicksal und die flehenden Bitten für lhr Kind blieben nicht ohne Einwirkung auf den Leser. Gleichzeitig trat aber auch das Bild des Cannes vor sein Auge, den er hochgeschätzt und geehrt hatte, und welcher durch die Schuld der bittenden sein frühes Grab gefunden hatte.
»Die Gräfin bittet um viel, um Unmögliches," sprach er nach langer Pause.
.. »Herr Optenholt," flehte Hanna, „wenn Sie Dulderin und ihre Tochter sähen, würden Sie W so reden."
»Wäre die unglückliche Frau eher zur Einsicht ^kommen, so möchte vieles Leid ihr und ihm, den ®ott selig haben möge" —
»Der Graf tobt?" schrie Hanna laut auf, er
kennend, daß mit dieser Nachricht alle Hoffnung verloren war, und brach schluchzend auf ihrem Sitze zusammen.
Dem derben, aber doch gefühlvollen Bauer ging der ungeheuchelte Schmerz der Frau nahe.
„Faßt Euch," sprach er theilnehmend, „ich konnte nicht ahnen, daß auch Ihr noch nicht von dem traurigen Ereigniß unterrichtet wäret. Ich sage nochmals, hätte die Arme früher Schritte gethan, so würde all das Leid ihm und ihr erspart geblieben sein."
„O, Gott, sie hat ja zwei Mal die flehentlichsten Briefe an den Grafen gerichtet und jedesmal die schroffste Antwort erhalten. Jetzt, wo sie sich dem Tode nahe fühlt, hat sie mich gebeten, den letzten Schritt für ihr gutes Kind zu thun; sie will ja nichts für sich, als nur seine Verzeihung."
„So viel ich über diese traurige Angelegenheit unterrichtet bin, darf ich auf's Bestimmteste annehmen, daß der Graf niemals einen Brief erhalten hat."
„Mein Gott, wie sollte das möglich sein? Ich selbst habe die Briefe zur Post gebracht."
„Ich habe zwar den Grafen in seinem letzten Lebensjahre nicht mehr gesprochen; früher Hatteich einigen Verkehr mit ihin. Seitdem die neue Herrschaft einzog, hörte das auf. Indessen geht doch das Gerücht, daß der selige Graf feinen Vetter Kuno nach Frankreich gesandt habe, Erkundigungen einzuziehen, und diese sollen dahin lauten, daß die
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Marquise in Metz und die Gräfin mit ihrem Kinde in Rheims am Typhus verstorben seien."
„Das Erste beruht auf Wahrheit; wie aber das Zweite har verbreitet werden können, ist mir unerklärlich, da wir nie in Rheims waren."
„Vorläufig ist mir auch noch Alles unklar; doch erzählt mir Alles, vielleicht gelangen wir zu einem Resultat, und dann wollen wir überlegen, was in dieser Sache zweckmäßig zu thun sei."
Sie berichtete nun getreu, was sich seit der Entfernung der Gräfin von Kassel zugetragen hatte. Der verständige Landmann erkannte recht wohl, daß die Erzählerin, ohne von der Wahrheit abzuweichen, das Vergehen der Gräfin abzuschwächen suchte. Ihre Treue und Aufopferung berührte sie kaum; ihm aber war es klar, mit welch' seltener Hingebung die brave Frau ihre freiwillig übernommene Aufgabe erfüllt hatte.
„Frau Wisting," sprach er, nachdem Hanna ihren langen Bericht geendet hatte, „Ihr habt brav gehandelt; der liebe Gott wird es Euch lohnen. Ohne Euch wäre das arme Weib an Leib und Seele elend zu Grunde gegangen, und was dann aus dem armen Mädchen geworden wäre, mag Gott wissen. Ich bedauere von Herzen die unglückliche Frau und noch mehr ihr Kind."
„Wie das aber Alles so hat kommen können, ist mir noch immer unklar. Die Gräfin schreibt, der Graf erhält keine Briefe; — er kann also keine Antwort ertheilt haben. — Sie behaupten, e
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