Sonnabend, den 18. August
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Erklärung.
Die Beschlüsse des Comites katholischer Sozialpolitiker haben manchfache Kritiken erfahren. Es liegt in der Natur der Sache, daß solche kurz gefaßte Thesen ohne Er- läuterung und ohne Beigabe einer Motivirung vielfach Mißverständnisse veranlassen können, auch mag die Fassung einzelner Sätze einer Verbesserung bedürfen, aber in beiden Beziehungen ist für den Augenblick nicht abzuhelfen, da das Comits nicht vereint ist, und Erläuterungen einzelner Mitglieder immer nur eine subjektive Auffassung aussprechen könnten.
Manche Kritiker scheinen aber von einer falschen Voraussetzung bezüglich der Aufgabe des Cv- miteS und des Zweckes, zu welchem es eingesetzt wurde, »usgegangen zu sein. Meine Erklärung soll hierüber Aufklärung geben, und fühle ich mich hierzu berufen, da ich mit der Ausführung der Beschlüsse der Generalversammlung betraut bin.
I. Verständigung der katholischen Sozialpolitiker unter einander auf dem Wege des mündlichen und schriftlichen Verkehrs im Comit«: das ist die Hauptaufgabe.
Trotz der absichtlichen Zusammenstellung des Comitös aus Männern entgegengesetzter Richtungen (jedoch von entschieden katholischer Gesinnung) waren die Diskussionen sichtlich so sehr von einem wohlwollenden, freundschaftlichen, echt katholischen Geiste getragen, und alle Mitglieder so sehr von selbstlosem Mreben nach Wahrheit und Einigkeit erfüllt, daß ich und wohl Alle, die Theil genommen haben, davon ergriffen und erfreut waren. Die Beschlüsse wurden auch der Mehrzahl nach einstimmig, manche gegen eine Stimme und nur sehr wenige gegen zwei bis vier von 16 resp. 14 Stimmen gefaßt.
Das Comitö würde seiner Hauptaufgabe gewiß viel erfolgreicher entsprochen haben, wenn nicht so viel« Herren di« Einladung zum Beitritt abgelehnt hätten. Einzelne sehr tüchtige Männer nttb leider ganz unabsichtlich bei den Einladungen übersehen worden, und wenn die Generalversammlung die Fortführung der Thätigkeit des Comttös wünscht und den Bettritt zum Comits den katholischen Sozialpolitikern anempfiehlt, so wird dies durch neue herzliche Einladungen wieder gut gemacht werden.
II. Die Aufstellung der Thesen kommt erst in zweiter Linie in Betracht.
Eine der Zeitungen hat mit Recht bemerkt, daß den Beschlüffen keine entscheidende Autorität zukomme. Eine solche beansprucht das Komitö auch keineswegs. Da die Beschlüffe nicht mit Namen unterschrieben sind, so haben sie auch nicht das Gewicht des persönlichen Ansehens Derjenigen, die sie gefaßt, sondern nur in so weit Bedeutung »ach Außen, al« ihr Inhalt für wahr und überzeugend befunden wird. “
III. DerHauptaufgabe entsprechend sind die Ar buten des Komits's zunächst auch nur für^die Kreise der Männer vom
De^r Erbe.
Original-Novelle von Wilhelm van Linn.
^Fortsetzung.)
Ueberrascht fuhr die Dienerin zurück.
„Gnädige Frau,' davon werden Sie sich nicht trennen. . Ja, ich will die Reise machen, aber nicht den Ring dazu verkaufen; ich — ich besitze noch so viel, daß ich die Reisekosten damit bestreiten kann^'
„Hanna, sagst Du mir die Wahrheit?"
„Ich hatte es zurückgelegt für den Nothfall, daß — wenn — ich sterben würde", ergänzte die Kranke. „Treue Seele", fuhr sie fort, „lasse ruhig Deine Ersparnisse liegen; ich bitte Dich den Ring zu verkaufen. Morgen gehst Du ja ohnehin »ur Stadt, die Arbeit abzuliefern; der Goldschmied wird gerne das werthvolle Stück ankaufen."
Weinend steckte Hanna den kostbaren Ring zu sich.
„Ich werde Dir auch einen Brief an den Schulte Optenholt mitgebev; besuche ihn zuerst, er verdient Vertrauen gnd mit ihm magst Du Alles berathen".
Nach wenigen Tagen trat Hanna ihre Reise an. Als Lore Kenntniß davon erhielt und ihren Blick fragend auf die Mutter richtete, erwiderte diese: „Es ist eine nothwendige Reise, liebes Kind, die unsere Hanna unternehmen muß. Vorläufig kann ich Dir den Zweck derselben noch nicht mittheilen; bitte den lieben Gott täglich um eine glückliche Reise für die gute Hanna".
Fache und für di« Dilettanten der Sozialpolitik berechnet. Daher wurden die Beschlüsse auch nicht an die politischen Tagesblätter, sondern nur an di« .Monatsschrift für Gesellschasts-Wissenschaft' und an die .Christlich-sozialen Blätter' mit der Bitte um Aufnahme geschickt.
Daher wurden ferner alle diejenigen Thema's gar nicht in den Beschlüssen erwähnt, bezüglich deren ein Dissens unter katholischen Sozialpolitikern nicht besteht, so vor Allem die Anschauungen über den Kulturkampf und die nothwendige Freiheit der Kirche.
IV. Einige Besprechungen der Beschlüffe tragen lewer den Charakter persönlicher Animosität gegen Baron Vogelsang. Ich ergreife mit Freude diese Veranlassung, um öffentlich meine große Hochachtung für diesen Mann auszusprechen, der als Konvertit seiner Ueberzeugung und Glaubenstreue so große Opfer gebracht hat und seit so viele» Jahren mit so großer Hingebung und geistiger Begabung nur danach strebt und dafür lebt, die christlichen Prinzipien und das historische Recht zu vertreten.
Fisch Horn, 13. August 1883.
Karl Fürst zu Löwenstein als Kommissar der General-Versammlung.
Deutsches Reich.
Fulda, 18. August.
(Kardinal Howard in Kifsingen.) Wir zweifelten gleich Anfangs an der Richtigkeit der Nachricht, daß Kardinal Howard mit dem Reichskanzler in persönlichen Verkehr getreten sei. Die Nachricht wird nun auch von der ,Nordd. Allg. Ztg/ in sehr gereiztem Tone offiziös de- mentirt. Das Bismarck'sche Leiborgan schreibt: „Die .National-Zeirung' hat sich aus Kisstngen mittheilen lassen, daß der daselbst anwesende Kar- dinal Edward Howard am Tage nach seiner Ankunft vom Herrn Reichskanzler empfangen worden sei und bei demselben gespeist habe. Hieran knüpft das genannte Blatt alle möglichen Kombinationen über Verhandlungen rc. Diese Mittheilung ist völlig aus der Lust gegriffen. Der Herr Reichskanzler ist gesundheitlich nicht einmal in der Lage, Besuche dec demselben nahestehenden Personen zu empfangen, geschweige denn politische Geschäfte zu machen oder Verhandlungen zu führen. Diese Nachricht der ,Nat.-Ztg/ ist, wie alle anderen über gesellschaftliche und persönliche Beziehungen des
„Es wird meine angelegenste Sorge sein, liebe Mama", erwiderte die Tochter und nahm ruhig ihre Arbeit zur Hand.
Die gute Frau Ulrich ließ es sich nicht nehmen, die Obliegenheiten Hanna'S für die Z»rt ihrer Ab- wesenheit zu übernehmen.
in.
Die Welt ist voll von Gottessegen, Willst Du ihn haben, er ist Dein; Du brauchst nur Hand und Fuß zu regen, Du brauchst nur fromm und klug zu fein. F. W. Weber.
Der Landstrich im nordwestlichen Deutschland zwischen Lippe und Weser ist einer der gesegnetsten unseres Vaterlandes. Wenn das Klima auch einen etwas nördlicheren Charakter aunimmt, als im lachenden Rheingau oder im Thüringerlaude, so ist die Fruchtbarkeit seiner Ebenen ebenso anerkannt, als der Reichthum seiner herrlichen Wälder. Die Bewohner desselben haben wohl von allen deutschen Stämmen am meisten ihre Eigenart bewahrt. Dem kräftigen freiheitsliebenden Sachsenstamm entsprossen, besitzen sie noch die Zähigkeit und Ausdauer ihrer Vorfahren.
Die adeligen Geschlechter, die nirgendwo so zahlreich in Deutschland vertreten sind, die selbstständigen Bauerngüter, deren Besitz seit Jahrhunderten von Vater auf Sohn sich vererbt, sichern der Landschaft ihren eigenthümlichen Bestand. Die Bewohner, stark wie die Eichen ihrer Wälder,
Herrn Reichskanzlers in Kissingen in Berliner Zeitungen gegebenen Berichte, eine willkürlich erfundene Unwahrheit eines schlecht unterrichteten! und stoff- armen Blattes."
* (Vorlagen für die nächste Landtagssession.) Gegenüber den verschiedenen in der Presse verbreiteten Versionen über die Vorlagen für die nächste Landtagssession glauben die ,B.P.N.' von Neuem daran erinnern zu sollen, daß der Rahmen der größeren gesetzgeberischen Arbeiten in der Thronrede, mit welcher die letzte Landtags- sesfisn eröffnet wurde, bereits vorgezeichnet ist. Danach würden zugleich als Grundlagen für den demnächstigen Abschluß der Reichssteuerreform ein Schuldotationsgesetz auf der Basis einer erheblichen Betheiligung des Staates an den Schullasten, ein Beamtenbesoldungsgesetz und ein Gesetz betreffend die Betheiligung der Gemeinden an den Erträgen der Grund- und Gebäudesteuer in Aussicht zu nehmen sein. Daneben tritt als Ergeb- niß der Verhandlungen über das Gesetz, betreffend den Erlaß der beiden untersten Stufen der Klassensteuer die abschließende Reform der direkten Personalbesteuerung ein, also die definitive Abstufung der Steuer, die Veränderung des Anlageverfahrens, die weitergehende Berücksichtigung der die Leistungsfähigkeit beeinträchtigendeii besonderen Umstände, desgleichen die Frage einer höheren Besteuerung des Einkommens aus Geldkapital.
* Berlin, 17. August.
* (Für Ischia.) .^Der Kaiser bewilligte zur Sammlung für Ischia 50,000 Mark.
Oesterreich - Ungarn.
* Wien, 17. August. (Amnestie.) Anläßlich der Entbindung der Kronprinzessin wird eine umfassende Amnestie für politische und solche gemeine Verbrechen, die aus sträflicher Fahrlässigkeit, Noth oder Drang der Leidenschaft verübt sind, erlaflen werden mit den Bedingungen, daß die Verbrecher keine rückfällige fein dürfen, daß der größte Theil der Strafe schon überstanden sein muß und die Freilassung eine Wohlthat für die Familie und keine Gefahr für den Landfrieden ist. werden durch ihre selbstgefchaffenen Verhältnisse weniger von der Verschmelzung der Stänrme berührt, welche die allgemeine Nivellirung unseres Jahrhunderts anderwärts hervorbringt.
Der Norden dieses Landstriches grenzt an weite Haidestrecken. Der Uebergang vom fruchtbaren Boden zur öden Haide vollzieht sich an einzelnen Stellen so rasch, daß ein Gang von einer Viertelstunde oft hinreicht, aus den üppigsten Fruchtfel- dern zur endlosen Haide zu gelangen.
Umgeben von fruchtbaren Feldern, begrenzt von einem herrlichen Hochwald liegt hier Schloß Westerberg. Westerberg war feit zwei Jahrhunderten der Stammsitz der Grafen gleichen Namens. Obgleich das stattliche Herrenhaus mit seinen geräumigen Wirthschastsräumen keinen Anspruch auf architektonifche Schönheit machen konnte, da das Ganze ein Gemisch verschiedener Baustile war, so gewährten die weitläufigen Gebäulichkeiten doch den Eindruck eines behäbigen, soliden und mit Comsort versehenen Edelsitzes. Der rechte Flügel mit seinem wohlerhaltenen Thurme gothischer Bauart stammte jedenfalls bereits aus den ersten De- cennien des sechszehnten Jahrhunderts.
Als der Ecbgraf Bnmo von Westerberg gegen End« des vorigen Jahrhunderts verstarb, hinterließ er seinem Sohne Felix ein reiches Erbe an Gütern und Besitzungen.
Letzterer war Geheimrath am Hofe eines kleinen deutschen Fürstenhauses. Da dasselbe durch die fran-