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M 186

Freitag, den 17. August

1883.

Fuldaer 131 Jeitung.

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Deutsches Reich.

Fulda, 17. August.

(Kirchenpolitisches.) Der ,Köln. Ztg? wird von Berlin telegraphisch gemeldet: „Während der Kardinal Howard in Kissingen weilt — ob im Auftrage der Kurie oder nicht, mag vorder­hand unentschieden bleiben — sind von den 43 katholischen Geistlichen der Provinz Posen, welche 1873 auf Grund der Gesetze aus ihren Stellen entfernt werden mußten, verschiedene auf ihre früheren Vikarienstellen zurückgekehrt und andere im Begriff, dahin zu reisen. Sie haben somit das kirchenpolitische Gesetz vonr 11. Juli ohne weiteres zu ihren Guusten gedeutet und dazu sicherlich die Zustintmung ihrer geistlichen Obern erhalten. Die Regierung wird aber schwerlich mit dieser willkürlichen Auslegung — oder besser Durchhauung des Knotens — des Gesetzes einver­standen sein und ihre Maßregeln mit aller Ent­schiedenheit ergreifen. Bei diesem Anlasse kann berichtet werden, daß der Minister der geistlichen Angelegenheiten v. Goßler keinem Bischof oder einer andern hohem kirchlichen Behörde irgendwie Zugeständnisse gemacht oder über die Auslegung vorerwähnten Gesetzes bindende Erläuterungen ge­geben hat".

Wie man sieht, gibt diese Korrespondenz sich den Anschein allerbester Information. Wieweit es damit seine Richtigkeit hat, läßt sich zunächst nicht fest- stellen, jedenfaLs sagt der letzte Satz Niemanden etwas Neues, ja er ist auch nicht einmal zu­treffend gefaßt, da es nach dem Wortlaut des von der ,Köln. Bolksztg.' neuerdings sogenannten „Mainau-Gesetzes" nicht dem Kultusminister, son­dern nur dem gesummten Staat sministerium zusteht, Ausführungsbestiminungen bezw. Erläute­rungen zu dem Gesetze zu erlassen. Das Staats­ministerium wird sich aber über die Grundsätze der Ausführung in Bälde irgendwie schlüssig zu machen haben, da der Wortlaut des Gesetzes sol­ches ausdrücklich verlangt. Weßhalb dieser Be­schluß so lange auf sich warten läßt, und dadurch die Ausführung des Gesetzes indirekt hintangehal-

D e r Erbe.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

(Fortsetzung.)

Gestaltete sich der Zustand der Kranken ab und zu etwas besser, so schöpften die Hausgenossen neue Hoffnung; nur Frau Wester selbst gab sich keiner Täuschung hin. Sie fühlte nur zu gut, wie die schleichende Krankheit ihre Kräfte schwin­den machte. Die liebevolle Tochter, die sorgsame Hanna und die gute Nachbarin wetteiferten in Liebesbeweisen für sie. Nur in den seltenen Augenblicken, wo sie sich allein befand, drohte ihr die Kraft zu versagen. Dann brach aller Schmerz des leidenden Weibes über sie herein und flehte ste zum Herrn um Ergebung und Stärke für sich und ihr braves Kind.

„Liebe Hanna," sprach die Kranke zu ihrer treuen Dienerin, welche sie eben in einem Augen­blicke des tiefsten Seelenschmerzes überraschte, „ich habe eine Bitte an Dich."

„Befehlen Sie nur; Sie wissen ja, daß ich kein größeres Glück kenne, als jeden Ihrer Wünsche zu erfüllen."

„Ich weiß es, treue Seele, und doch bereitet Deine Liebe mir jeden Tag neuen Schmerz. Wie kann ich Dir danken, Dich lohnen für Deine treue Hingebung? Du bist meine Dienerin und statt Lohn von mir zu empfangen, hilfst Du mit Deiner Arbeit mir das Leben zu sristen. Ich habe Dich

ten wird, ist ein Räthsel, über dessen Lösung die Meinungen noch sehr auseinandergehen.

• (Die Aufhebung der Verordnung des Oberpräsidenten der Provinz Sach­sen betreffend die Sonntagsheiligung) wird der ,R. A. Z.' zufolge auf die Entscheid­ungen des Kammergerichts zu Berlin vom 5. Juli zurückgeführt, in denen die Befugniß der Regie­rungsbehörden, über die äußere Heilighaltung der Sonn- und Festtage im Wege der polizeilichen Anordnung allgemein verbindliche Vorschriften zu erlassen, zwar ausdrücklich anerkannt, die jetzt auf­gehobene Verordnung aber doch in einem der wesentlichsten Punkte als zu weit gehend erachtet worden ist, so daß dieselbe nicht mehr aufrecht er­halten werden konnte. •

Oesterreich - Ungarn.

* Agram, 16. Slug. (Thätliche Demon­stration.) Schon vorgestern Nacht hatte eine beträchtliche Menschenmenge versucht, die mit un­garischer Aufschrift versehenen Amtsschildern an dem Finanzgebäude gewaltsam zu entfernen, so daß das Militär ieinschreiten und von dem Bajonet Ge­brauch machen mußte. Es ivaren dabei viele, zum Theil schwere Verwundungen vorgekommen und zahlreiche Verhaftungen vorgenommen worden. Ge­stern Nachmittag wiederholten sich die Ausschreit­ungen, die Menge benutzte einen günstigen Augen­blick, riß an mehreren amtlichen Gebäuden die AmtSfchilder herunter und trat dieselben unter Ge­schrei und Lärm mit Füßen. In den amtlichen Gebäuden wurden sämmtliche Fensterscheiben durch Steinwürfe zertrümmert. Bei der Wache wurde von der Menge die Freigebung aller Verhafteten erzwungen. Die Demonstration galt lediglich der Entfernung der verhaßten Amtsschilder. Seitdem wurde die Ruhe nicht weiter gestört.

Frankreich.

* Paris, 15. Aug. (Generalrathswah­len.) Bis heute Abend ist das Resultat von 1437 Generalrathswahlen bekannt und es stehen deren noch 8 aus. Zu den 1423, welche zur Er-

so oft gebeten, mich zu verlaßen. Deine besten Jahre opferst Du mir und meinem Kinde, obgleich es Dir bekannt ist, daß weder ich, noch Eleonore Dir jemals das Geringste für Deine Aufopferung vergelten können."

„Ich hätte nie gedacht, gnädige Frau, daß dieser Gegenstand noch einmal zwischen uns zur Besprech­ung gelangen würde; erinnern Sie sich noch des Tages, wo Sie mir versprachen, nie mehr auf diefen Punkt zurückzukommen?"

„Nur gar zu wohl; jedoch jeder Tag läßt mich auch mein Versprechen bereuen."

„In den Tagen des Glückes haben Sie mich mit Güte und Wohlthaten überhäuft, und ich sollte in den Tagen des Unglückes meine Herrin, da» Kind, das ich an meiner Brust genährt, ver­lassen? — Nimmermehr."

„Setze Dich zu mir, Hanna; wir sind so selten allein. Ich bin der guten Frau Ulrich recht dank­bar, daß sie Eleonore beredet hat, mit ihr zur Stadt zu gehen. Das arme Kind sieht so bleich und erschöpft aus; sie arbeitet zu viel, die Be­wegung wird ihr wohl thun."

„Ich glaube, daß die Sorge um Sie größeren Antheil an dein krankhaften Aussehen Leonorens hat, als die Arbeit. Diese wird ihr leicht in dem Bewußtsein, sie für die Mutter zu verrichten."

„Das ist es eben, was mir so großen Schmerz bereitet. Mein gutes schuldloses Kind, welches durch meine Schuld von dem Herzen seines Vaters

Neuerung der Departementalräthe gehörten, gesell­ten sich noch 22 zufällige, durch den Tod oder den Austritt veranlaßte. Außer den 3 Departements Dordogne, Vienne und Baffes-Pyrönees haben auch die Lozöre und Korsika nunmehr entschieden republi­kanische Generalräthe. Gegenwärtig sind von den 90 Generalräthen Frankreichs und Algeriens 79 republikanisch. Der von den Republikanern gewon­nene Vorsprung beziffert sich heule auf 121 Sitze; über 136 werden Stichwahlen zu entscheiden haben. Die Republikaner sind selbstverständlich hocherfreut über den unerwartet günstigen Ausfall.

Spanien.

* (Der König von Spanien) hat sich bei dem letzten Empfange von Senatoren und Deputirten dahin ausgesprochen, daß die jüngste aufständische Bewegung nichts an seinen Entschließ­ungen, die Interessen des Thrones mit allen Be­strebungen des Volkes im Einklang zu erhalten, ändern werde.

Rumänien.

* Bukarest, 16. Aug. (Dor König) und der Ministerpräsident Bratiano werden auf der Rückreise aus Deutschland auch Wien besuchen.

Montenegro.

* (Der Fürst von Montenegro) hat an* läßlich seiner Reise nach Konstantinopel eine Prok­lamation erlassen, worin er hervorhebt, daß er, nachdem der Friede mit der Türkei nach jahr­hundertelangen heldenmüthigen Kämpfen abgeschlos­sen, als erster unter den Herrschern Mon­tenegros einen Besuch in Stambul ab­statten werde, umdienunherrschenden freund - nachbarlichen Beziehungen zubefestigen und um Montenegro bei seinem jetzigen friedlichen Entwickelungsgange die Früchte sympathischer Freundnachbarschaft an allen seinen Grenzen ge- meßen zu lassen. Während seiner Abwesenheit Überträgt der Fürst die Regierungsgewalt an die Fürstin Milena. Gestern hat sich der Fürst an Bord der Dacht „Jzzedin" nach Konstantinopel eingeschifft.

gerissen, seines Namens und Erbes verlustig, opfer das Einzige, was auch der Aermste besitzt, seine Gesundheit auch für die schuldvolle Mutter. — Ich fühle, daß es mit mir zu Ende geht, ich werde nicht mehr genesen. Ja, ich sehne mich nach dem ewigen Frieden und hoffe, daß der Herr mich in Gnaden aufnehmen werde. Für mich verlange ich nichts mehr auf Erden, aber unaussprechlich glück­lich würde meine letzte Stunde sein, wenn ich mit der Beruhigung scheiden könnte, daß meinem Kinde Gerechtigkeit widerfahren werde."

„Sie haben Alles gethan, was Sie thun konn­ten. Auf alle Ihre reuevolle Briefe wurde stets die gröbste Antwort abstoßend ertheilt."

„Nein, ich habe nicht Alles gethan; ich mußte hin zu dem, den ich so schwer beleidigt; zu seinen Füßen wußte ich liegen und um Vergebung flehen. Anflehen mußte ich ihn, nicht um Aufnahme für mich, die ihn so schmählich verlassen, aber für mein Kind, für unser Kind, welches durch mich dem Vaterhause entrissen worden ist."

„Gnädige Frau," rief die treue Hanna, in Thrä- nen ausbrechend, „hören Sie auf. Sie tobten sich durch diesen Kummer."

„Und doch ist es so," fuhr die Kranke nach einer langen Pause fort. „Als ich es konnte, war ich noch in dem Wahn befangen, ich hätte kein Un­recht, keinen Frevel verübt. Als die Gnade Gottes mich den Abgrund erkennen ließ, in welchen mein Leichtsinn und mein Hochmuth mich gestürzt hatten,