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fß5, Donnerstag, den 16. August 1883.

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Deutsches Reich.

Fulda, 16. August.

* (Zur Anwesenheit des Kardinals Howard in Kissingen) schreibt die ,Nat.-Ztg.': „Aus Kissingen wird berichtet, daß der am 10. d. M. dort angelangte Edward Kardinal Howard bereits am 11. d. von dem Fürsten Bismarck empfangen wurde und dann bei ihm speiste. Auch der Kul­tusminister v. Goßler wird in Kissingen erwartet. Die Schlußfolgerungen aus diesen Thatsachen liegen so nahe, daß sie nicht mehr ausdrücklich gezogen werden müssen." Die ,Germ.'bemerkt dazu: „Die angegebenen Thatsachen ändern nichts an unserer Meinung über den nichtpolitischen Charakter der Reise des Herrn Kardinals. Eine etivaige An­kunft des Herrn Kultusministers würde in Rück­sicht auf die Art, wie Fürst Bismarck diploma­tische Verhandlungen zu betreiben pflegt, eher ge­eignet sein, unsere Auffaffung zu unterstützen, als zu widerlegen. Die ,Nat.-Ztg.' wird vielleicht noch einsehen, daß die nächsten Schlußfolgerungen nicht immer die sichersten sind." Einer Mittheilung der ,Frankf.-Ztg.' zufolge wäre die Nachricht, daß der Kardinal von Bismarck empfangen wurde und bei ihm gespeist hat, unwahr.

* (Zur Er f u rt e r L u t h e r f e i er.) „Die Lut herfeier hat in der deutschen Tagespreffe eine so übertrieben lobende und den That­sachen widersprechende Berichterstattung ge­funden, daß jeder wahrheitsliebende Festtheilnehmer dadurch in wahre Verblüffung und tieffte Entrüst­ung versetzt wird. Namentlich das Wolff'sche Telegraphenbureau leistete in seinen Depeschen über das Fest an Verdrehungen und Unwahr­heiten das Unglaublichste. Es dirigirte fürstliche Personen nach Erfurt, die gar nicht dort waren, ließ prachtvolles Wetter herrschen, wo das Zu- hauselaffen eines Regenschirms straswürdiger Leicht­sinn gewesen wäre, schickte Profeffor Lipsius auf die Wartburg und ließ denselben dort seine Fest­rede halten, obschon dieser Gelehrte durch die Nachlässigkeit des Eisenacher Komitös gezwungen wurde, seine Rede in einem dortigen Vergnügungs­lokal statt auf der alten Lutherfeste vom Stapel

Der Erbe.

Original-Novelle von Wilhelm van Sinn.

(Fortsetzung.)

Das arme Mädchen, auf deffen bleichen Wan­gen eine Thräne die andere verdrängte, vermochte kaum etwas -zu erwidern. — Bewegt fuhr der Jüngling fort: „Siehe, liebe Lore, ich bin ver­nünftig genug, einzusehen, daß ich von Hause fort muß, etwas Gehöriges zu erlernen, ein tüchtiger Förster zu werden, wie es mein seliger Vater war. Wenn ich aber an Dich denke und mir vorstelle, wie Du jetzt so einsam sein wirst, Niemanden mehr hast, der mit Dir die Wälder durchstreift und die Berge besteigt, dann wird mir das Herz schwer."

„Wie sehr ich Dich auch entbehren werde," er­widerte das Mädchen mit zitternder Stimme, „und wie oft ich mir die frohen Stunden zurückwünfchen werde, die wir als Kinder zusammen verlebt haben, so habe ich doch noch die gute Mama, Hanna und Deine liebe Mutter; Du wirst aber nur fremde Menschen um Dich haben."

„Sorge nicht um mich; ich werde recht fleißig und thätig sein, damit ich bald mich heimisch fühle."

„Ich muß jetzt ohnehin viel um die kranke Mut­ter sein; ihre Gesundheit erträgt die anstrengende- Arbeit nicht mehr, und muß ich daher jetzt statt ihrer dieselbe verrichten, da dieses doch das Einzige ist, wovon wir uns ernähren."

zu laffen u. s. w." So meldet nicht etwa die.Germania', sondern die katholischer Tendenzen gewiß unverdächtige .Frank­furter Zeitung'.

* (Hervorragende Konvertiten.) Die .H. M.' bringen nachstehende interessante Mit­theilungen: „Der in Breslau gestorbene Reichs­tagsabgeordnete Hager, ein hervorragendes Mit­glied der Partei des Centrums und Redakteur der bekannten ultramontanen Zeitung .Schlesisches Volksblatt', war ein geborener Mecklenburger und vor seinem 1873 geschehenen liebertritt zum Katho­lizismus Lehrer am Gymnasium zu Schwerin und dann Prediger in einer mecklenburgischen Dorf­pfarre. Es ist überhaupt eigenthümlich, welche Menge von Mecklenburgern, die in den letzten Jahrzehnten zum Katholizismus übergetreten, jetzt hervorragende Stel­lungen in der ultramontanen Partei einnehmen. So ist der bekannte Ordensprovin­zial der Jesuiten für die beiden Erzherzogthümer Oesterreich, „Pater Bülow", ein geborener Meck­lenburger v. Bülow, der früher daselbst das Gut Ehmkendorf bei Rostock besaß und Cand. jur. war; ein anderer früherer mecklenburgischer Jurist und Gutsbesitzer in der Rostocker Gegend, v. Vogel­sang, ist jetzt Chefredakteur der ultramontanen Wiener Zeitung .Das Vaterland'; der durch seine ultramontanen Bestrebungen in Tyrol bekannte Besitzer des Schloffes Fragsburg bei Meran, der ebenfalls früher dem Jesuitenorden angehörte und den Namen Aloin dort annahm, ist ein Freiherr von der Kettenburg aus Matzendorf unweit Tete­row; der jetzige Rektor der Universität Wien, Profeffor Masten, der kürzlich so scharf gegen die deutsch-liberalen Bestrebungen der Wiener Studen­ten auftrat, lebte vor seinem Uebertritt zum Katho­lizismus als Advokat in Rostock; der Amtsauditor v. Juckow aus Grabow trat ebenfalls in den Jesuitenorden ein und soll jetzt in Krakau in her­vorragender Stellung leben".

Berlin, 15. August.

* (Der .Reichsanzeiger') publizirt das Gesetz über das Staatsschuldbuch.

„Das ist es eben, liebe Lore, was mich schmerzt, Deine Gesundheit wird auch darunter leiden und mußt Du mir daher versprechen, stets zu meiner Mutter zu gehen, wenn Du etwas für Deine Mama bedarfst."

„Gewiß, das werd,e ich thun; sie ist so gut, so lieb." „Und siehe nur," fuhr Otto gefaßter fort, „wenn ich nun einmal Förster sein werde, dann ist Alles gut. Dann wohnen wir Alle im schönen Walde zusammen; Du und ich, Deine und meine Mutter und die treue Hanna."

Das Mädchen versuchte durch Thränen zu lächeln.

„Du bist so gut und hast keine andere Freude gekannt, als mir Freude zu bereiten; wer weiß aber, was bis dahin kommt. Die Mama ist wie­der so leidend und wenn sie sterben sollte, habe ich Niemand mehr."

Das arme Kind brach auf's Neue in Thränen aus.

„Du darfst so nicht reden, Lore; der liebe Gott wird Deine Mutter wieder genesen lassen, und dann sage ja nicht, daß Du dann Niemand mehr hättest. Mich hast Du, Deinen Otto, oder willst Du mir nicht die Freude gönnen, für Dich zu sorgen."

„O gewiß," erwiderte das Mädchen schüchtern, „ich habe nächst meiner Mutter ja Niemand so lieb als Dich."

„Drum mußt Du mir auch versprechen, nicht traurig zu sein und viel an mich zu denken und für mich zu beten."

„Daran brauchst Du mich nicht zu erinnern;

* Erfurt, 13. Aug. (Von der Luther­feier.) Herr Profeffor Dr. Beyschlag in Halle war so freundlich, in seiner hier gehaltenen Rede den Glauben der katholischen Kirche mehrmals mit „jesuitischer Aberglaube" zu tituliren. Aber Herr Beyschlag hat Respekt vor der katholischen Kirche, denn er sieht „eine neue ungeahnte Machtentfalt­ung des alten Erbfeindes, der christlichen aufge- putzt römischen Weltherrschaft". Aber Rettung ist noch von dem Erbfeinde, Beyschlag wird Pro­phet und ruft aus: „Vielleicht ist es im Stillen schon erhört, das Gebet, das ein tiefsinniger Gottesgelehrter 1817 in ein Lutheralbum schrieb: domine da nobis älterem Lutherum, und das auserwählte Rüstzeug schon unterwegs, durch wel­ches die Gespenster des naturalistischen Unglaubens wie des jesuitischen Aberglaubens, die jetzt auf deutscher Erde ihre Hexentänze aufführen, vor sei­nem Sonnenaufgang entweichen." Sollte denn nicht vielleicht Herr Beyschlag selbst diese neue Sonne sein?

* München, 14. Aug. (Simultanschulen.) Das Kultusministerium hat zwei hiesige Simul- tanschulen in konfessionell-katholische umge­wandelt.

Oesterreich«Ungarn.

* (Graf Chambord.) Aus Frohsdorf wird gemeldet, daß der Zustand des Grafen Chambord ein sehr bedenklicher ist. Die von dem Professor Dräsche angestellten Versuche, dem Grafen Nahrung zuzuführen, sind' resultatlos geblieben. Der Kräfte­zustand ist seit Sonntag Morgen in rapider Ab­nahme und der Kranke leidet unter fortwährendem Erbrechen jeder, selbst der geringsten Substanz des Genoffenen. Die Schwäche des Patienten nimmt zu und Athemnoth hat sich eingestellt. Der Graf verlangt „mehr Lust! mehr Luft!" Nachts drang bereits, wie man dem ,B. T.' meldet, der Ruf aus dem Krankenzimmer: „Der Graf stirbt!" Jede Hoffnung ist auf gegeben. Graf Chambord ist bei vollen Sinnen und auf Alles gefaßt.

* Pest, 14. August. (Juden-Exzeffe.) Dank den getroffenen umfassenden Maßregeln ich werde Dich ja überall, jederzeit vermiffen und alle Tage für Dich beten."

„Ja, das thue, liebe Sore. Siehe, jetzt wird mir das Scheiden viel leichter. Ich hoffe auch, ab und zu Euch besuchen zu dürfen: das wird dann immer ein Festtag für uns fein. — So lebe denn wohl, liebe Lore," fuhr er fort, die Hand des Mädchens ergreifend, „vergiß Deinen Otto nicht und grüße Alle tausendmal." — Rasch riß er sich los und schritt in's Thal hinab. An einer Bie­gung des Weges wandte er sich noch einmal um, winkte mit der Mütze dem noch immer unbeweglich an derselben Stelle stehenden Mädchen einen Ab­schiedsgruß zu und verschwand hinter den Bäumen.

Stille herrschte im Kreise der Frauen, als Sore zurückkehrte; schweigend nahm sie an der Seite der Mutter Platz und griff zu ihrer Arbeit. Eine Thräne nach der andern fiel auf das weiße Sinnen herab. — Einen raschen Blick des Einverständniffe« mit der Freundin wechselnd, wandte sich Frau Ulrich an Sore: „WillstDu mich nicht etwas be- gleiten, liebes Kind? Ich habe noch einen Gang auf den Acker zu machen."

Schweigend erhob sich das Mädchen, ergriff die Hand der mütterlichen Freundin und verließ mit derselben das Gemach. Als sie das kleine Gärtchen durchschritten hatten, und der Zaun sie den Blicken der Zurückgebliebenen entzog, warf sich das auf­geregte Mädchen laut schluchzend an das Herz der Begleiterin und weinte bitterlich. Gerührt drückte