M 179.
Mittwoch, den 8. August
1883.
Fuldaer ffll Jeitung.
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<Q> Kanäle.
Zu unferm größten Bedauern ist die Kanal- Vorlage im preußischen Herrenhause, wo wir es am allerwenigsten erwartet hatten, durchgefallen; wir geben uns indessen der Hoffnung hin, daß sich bei einer abermaligen Einbringung die Anschauungen der Herrenhausmitglieder geändert haben werden. Am wenigsten verstehen wir diejenigen Stimmen im Abgeordnetenhause, welche im Prinzip nicht gegen Kanäle sind, sondern nur wegen der örtlichen Lage des Anfangskanals Einwendungen zu machen haben. Wenn Kanäle überhaupt als vortheilhaft erachtet werden, dann muß sich nach und nach das Waffernetz über das ganze Land erstrecken, und da man des Kostenpunktes wegen nicht alle Strecken zugleich in Angriff nehmen kann, so muß irgend eine Theilstrecke den Vorzug des Anfanges haben.
Transportkanäle sind in fast allen Ländern als wichtige Verkehrsmittel im Gebrauche und bisher nirgendwo für überflüssig gehalten worden. Warum sie in Deutschland keine guten Dienste leisten sollten, ist nicht recht einzusehen; wir glauben int Gegentheile, daß sie sowohl in volkswirthschaft- licher als auch in agrikultorischer Beziehung den größten Nutzen stiften würden. Der Einwurf, daß sie wegen des Frostes 4—5 Monate nicht praktikabel sind, soll von uns nicht hinwegge- gestritten werden, und wir wollen nicht einmal gegen die Höhe dieses Anschlages etwas sagen, aber in den 7—8 frostfreien Monaten bieten sie für Wasserfrachtgüter: Steine, Kalk, Holz, Kohlen, Erze, Hüttenprodukte rc. eine billige Frachtgelegenheit, die manches Rohprodukt gegen das Ausland konkurrenzfähig machen wird. Was in den beffern Jahreszeiten durch die Kanäle nicht bewältigt werden kann, das mag dann in den Wintermonaten den Eisenbahnen bleiben, welch jetzt häufig wegen Waggonmangels nicht alles rechtzeitig trans- portiren können.
Man vergesse ferner nicht, daß durch Kanäle ganz neue Gebiete in den Verkehr gezogen werden und daß die Bewohner derselben an jeder be-
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Traum und Wirklichkeit.
Frei nach dem Englischen.
(Schluß.)
In demselben Augenblick tönte ein wilder Schrei durch die Luft. Wir fchnellten empor und sahen uns erschrocken ringsum. Währendwir uns unterhielten, war die Fluth so stark geworben, daß das Wasser beinahe den Felsen erreicht hatte, an den wir uns niedergelaffen hatten. Mehrere waren schon fast ganz unter Waffer. Auf einem derselben stand eine einzelne Frauengestalt, die sich wie wahnfinnig geberdete und laut um Hilfe rief. Sie war in der äußersten Gefahr. In wenigen Minuten schon mußte sie von der Fluth hinweggefchwemmt werden.
Schneller als der Blitz hatte Reggie die Situation überblickt und mit Windeseile seinen Rock abgeworfen und sich in die Wogen gestürzt, gerade auf den Felsen lossteuernd, ein Menschenleben war in Gefahr, er konnte vielleicht das Werkzeug zu dieser Rettung werden. Er kommt dem Felsen immer näher, eben hatte er die Gestalt erreicht, da kam eine ungeheure Welle und riß beide mit sich fort. Die Sekunden schienen mir ganze Ewigkeiten, mit steigender Angst sah ich den Kampf zwischen Leben und Tod.
Wäre Reggie allein gewesen, so wäre es ihm nicht schwer geworden, das Ufer zu erreichen; denn er war ein guter Schwimmer, aber das doppelte Gewicht und seine Anstrengungen, den Kopf
liebigen Stelle der Wasserstraße ihre Produkte den Schiffen übergeben können. Jeder hat es in der Hand, feine Frachtgüter mit Ruderkähnen, Segel- oder Dampfschiffen auf der ganzen Länge des Kanals oder auf einem beliebigen Theile desselben an den Ort ihrer Bestimmung zu bringen. Es wird Jedem einleuchten, daß der Kanaltransport ungleich billiger ist, als die Eisenbahnfracht, und daß die Wirkung dieser Verbilligung nicht gering geachtet werden darf. Um ein Beispiel zu wählen, so wird eine billige Steinkohle der Industrie ganz neue Bahnen öffnen und die fremde Kohle mehr und mehr verdrängen, außerdem Leben und Bewegung in Gegenden bringen, die jetzt des Verkehres und des Absatzes ermangeln.
Wenn wir nur den einen Punkt, des billigen Transportes und des größeren Absatzes in's Auge faffen, so leuchtet es schon ein, daß die Kanäle in unferm Transportwesen nicht fehlen dürfen. Wir machen aber auch noch auf andere Vortheile auf- merkfam. Die Kanäle sind die geeignetsten Sammelstellen für das überflüssige Wasser aus Sümpfen, Brüchen und wäfferigen Ackergründen. Indem dieses Wasser den Kanälen zugeführt wird, können große Strecken für den Ackerbau gewonnen und solche, die schon jetzt in der Kultur sind, fruchtbarer gemacht werden. Ferner würde er bei hohem Wasserstande und bei Schneeschmelzen von großem Vortheile sein; wenn breite und zahlreiche Kanäle einen Theil des Wassers in sich ausnehmen und von den großen Strömen fern halten könnten. Rechne man nur die ungeheuren Summen zu- samen, welche die Ueberschwemmungen kosten, so wird man zu der Einsicht gelangen, daß man mit diesem Gelde viele Kanäle bauen kann. Schon dadurch allein wird dem gefürchteten Kostenpunkte ein größerer Theil seiner Schärfe genommen, aber diejenigen, welche den Kanal gebrauchen, werden sich auch gerne zu einer Abgabe verstehen, die ungleich billiger sein tarnt, als die Eisenbahnfracht, aber auch aus naheliegenden Gründen billiger fein muß.
Es kommt noch in Betracht, daß durch die Aus- drocknung der Sümpfe und Moräste die Gegen-
der Fran über dem Waffer zu halten, hemmte ihn außerordentlich, und ich fühlte, daß Beide verloren feien, wenn keine andere Hilfe nahete. In diesem schrecklichen Augenblicke erschienen zwei Schutzmänner, die mein Hilferufen gehört hatten, und im andern Moment waren statt zwei, vier Personen in den schäumenden Wogen. Dann legte es sich, wie ein Schleier vor meine Augen. Während ich noch wie angewurzelt auf derselben Stelle stand, fühlte ich, wie Jemand meine Schulter berührte. Es war einer der beiden Schutzmänner, naß vom Kopfe bis zu den Füßen und ganz außer Äthern. Er sprach nichts, sondern zeigte nur mit seinen Fingern auf zwei Körper, die einige Schritte von uns entfernt auf dem Boden hingestreckt lagen. „Es ist Lady Cedeville's Sohn, sagte der andere Mann, zu uns herantretend, „Mr. Reginald; tver wird die arme Mutter darauf vorbereiten?"
„Ich will es thun", rief ich ganz außer mir. Ich bemerkte nicht die mitleidigen Blicke der beiden Männer, noch überhaupt irgend etwas Anderes, sondern stürzte wie sinnlos fort, bis ich das Thor von Cedeville Manor erreicht. Lady Cedeville ging gerade in der Allee spazieren. Ich lief auf sie zu, nahm ihre beiden Hände und rief: „Mutter, Dein Sohn Reggie." — Ich sah sie tobten« bleich werden, ich sah ihre Blicke angstvoll auf mich gerichtet, ich fah ihre bebenden Lippen, die keinen Laut hervorbrachten, ich fühlte meine Sinne schwinden; aber ich hatte kein Mitleid mit der
den gesünder werden und weniger Keime zu ansteckenden Krankheiten liefern. Ohne Kanäle wäre Holland ein großes Fieberloch, jetzt aber ist es ein äußerst fruchtbares Land, das von seinem Ueberflusse an Gartenprodukten für viele Millionen an seine Nachbarn abgeben kann.
Wir wünschen, daß die Kanalvorlage recht bald wieder auf der Tagesordnung des Herrenhauses erscheine und daß ihr dann ein besseres Schicksal bereitet werde.
Deutsches Reich.
Fulda, 8. August.
% (Die Nachricht von dem Tode des Herrn Dr. Hager), des bisherigen Chefredakteurs der Breslauer .Schlesischen Volkszeitung' hat nicht nur seine zahlreichen Freunde und näheren Bekannten, sondern auch die ganze katholische Zeitungswelt auf das Allerschmerzlichste berührt. Wer, wie wir, den Verstorbenen gekannt und mit ihm freundschaftlichen Verkehr gehabt hat, weiß nur zu wohl, daß der Aerger über die an feiner jüngsten Redaktionsthätigkeit und bedauerlicher Weife auch an feiner P erson geübte öffentliche Kritik schon seit Monaten an seinem Herzen genagt hat. Wir wissen dies ans seinen eigenen Briefen, und grabe bes- halb war uns die Trauerkunde um so ergreifender und schmerzlicher. Am 23. August hat Dr. Hager die Redaktion der .Schlesischen Volksztg.' niedergelegt und sich von seinen bisherigen Kollegen verabschiedet. Wenige Tage darauf warf die hochgradige Nervenaufregung ihn aufs Krankenlager, und ein heftiges gastrisches Fieber brachte ihm nach neuntägigem Leiden den allzu frühen Tod. Der Verlebte war bekanntlich Konvertit und früherer protestantischer Prediger, er war der katholischen Kirche mit feurigem Herzen und mit feiner vollen Ueberzeugung ergeben und hat für diese seine Ueberzeugung 10 Jahre lang, gerade während der Dauer des Kulturkampfes, als Hauptleiter des schlesischen katholischen Zentral' Organs treu gekämpft und die Sache seiner Par, tei stetig gefördert. Seine hervorragenden Verdienst?
armen Mutter, kein Mitleid mit sonst Jemanden, als mit mir selbst, als ich die Worte hervorstieß: „Er ist tobt — tobt — tobt!"
Es schien mir, als ob die Bäume, die Erde, der Himmel, die ganze Luft, den Angstschrei Wiedergaben, und während es um mich tönte, fiel ich nieder auf bas kalte feuchte Gras und sah und hörte nichts mehr, was um mich vorging. Man erzählte mir später, daß ich ans einer Ohnmacht in die andere gefallen sei; erst nach zwei Tagen kehrte der Gebrauch meiner Sinne zurück. Als ich erwachte, fand ich mich in meinem eigenen kleinen Zimmer und Luise neben mir an meinem Bette auf einem Stuhle sitzend. Sie sah furchtbar angegriffen aus, das arme Kind. Ich sah Thränen über ihre Wangen rollen, sobald sie aber bemerkte, daß ich wach sei, suchte sie die Spuren derselben hinweg zu wischen.
„Luise"!
„Nelly, meine Schwester!"
„Ja Luise, wir wollen Schwestern sein, auch jetzt noch".
Sie beugte sich über mich, ein ganzer Himmel von Mitleid und Liebe leuchtete aus ihren dunkeln Augen mir entgegen.
„Es wird nicht mehr lange währen, Luise", sagte ich, indem ich mich mit Mühe im Bette aufzurichten versuchte; „nein, nicht lange mehr, Du weißt, ich kann nicht leben ohne ihn. Ich kann nicht, ich kann nicht".